Nachtkerze: natürlicher Balsam für die Haut

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Mit leuchtend gelben Blüten ziert die nachts blühende, intensiv duftende Nachtkerze sonst unwirtliche Stätten wie zum Beispiel Straßenränder, Böschungen oder Bahndämme. Doch steinige Wege sind nicht das einzige, das die Nachtkerze verschönert. Denn sie verbessert – etwa bei Neurodermitis – das Hautbild, das Liebesleben und anderes mehr.

An Bord eines Frachters, der Wolle geladen hatte, kamen vor fast vier Jahrhunderten aus Nordamerika Samen als blinde Passagiere nach Europa, aus denen ein wunderschönes und zugleich heilsames Gewächs entsteht, die Nachtkerze. Hier zunächst nur als reine Zierpflanze verwendet, waren ihre Heilkräfte den Indianern längst bekannt. Sie galt bei den Ureinwohnern Amerikas als Mittel für Kraft und Gesundheit und wurde von ihnen zur Linderung von Hautkrankheiten genutzt. Heute wird die recht anspruchslose Pflanze weltweit angebaut. Wild wächst sie überall dort, wo der Boden eher steinig und sonst unfruchtbar ist. Zu Heilzwecken nutzt man vor allem das Nachtkerzenöl.

Nächtliche Blüte als Namensgeber

Die zu den Nachtkerzengewächsen (Onagraceae) zählende, zweijährige, krautige Gemeine Nachtkerze, wissenschaftlich Oenothera biennis (griech.: oinos = Wein, ther = Tier, biennis = zweijährig) genannt, wächst an sonnigen oder halbschattigen Standorten auf sandigen und kalkhaltigen Böden mit geringem Nährstoffangebot. Sie wird normalerweise bis zu einem Meter, bei optimalen Standortbedingungen aber bis zu 180 cm hoch. Die Nachtkerze besitzt einen kantigen, manchmal teilweise rötlichen Stängel, längliche bis verkehrt-eiförmig (Spitze am Stängel) angeordnete, schmale, grünliche bis gelbliche, in einer Blattrosette angeordnete Grundblätter mit rötlich gefärbtem Hauptnerv und kleinere, kurzstielige Stängelblätter.

Die in den Blattachseln sitzenden, einen traubenförmigen Blütenstand bildenden, schon von weitem sichtbar leuchtend eidottergelben, zwittrigen Blüten mit einem Durchmesser von bis zu 2,5 cm ähneln der Königskerze, recken sich jedoch nicht kerzenartig in die Höhe, sondern umkränzen eher die Pflanze. Wenn sie sich in der Abenddämmerung vollständig öffnen, verströmen sie ihren intensiv süßlichen Duft, sind aber kurzlebig, d.h. meist bis zum nächsten Mittag schon wieder verblüht. Dieser Besonderheit verdankt die Pflanze einige ihrer Namen wie Gemeine Nachtkerze, Gewöhnliche Nachtkerze, Nachtblume, Nachtrose, Nachtstern, gelber Nachtschatten oder Nachtschlüsselblume.

Aus den sich im Anschluss an die Blütezeit entwickelnden, länglichen, bis zu fünf Zentimeter langen Fruchtknoten gehen vierkantige Kapselfrüchte (Samenkapseln) hervor, die in ihrem Inneren bis zu 200 (daher: über kurze Zeiträume rasche Ausbreitung möglich) winzige, rundliche, meist dunkelbraune Samen beherbergen, aus denen man das Öl gewinnt. Ihre dicken, fleischigen, weißlichen, großen, meist nur wenig behaarten, wenige bis keine Seitenwurzeln bildenden Wurzeln färben sich beim Kochen im Wasser rot, weshalb die Pflanze auch Schinkenwurz oder Schinkenkraut heißt.

Aus der Oenothera biennis wird das heilsame Nachtkerzenöl gewonnen. Ebenso aus ihrer Verwandten, der mit besonders große Blüten mit roten Kelchblättern bestückten Rotkelch-Nachtkerze (Oenothera glazioviana, Oenothera lamarckiana).

Der Volksmund kennt die Nachtkerze auch unter Abendblume, Abendlicht, Eierblume, Esswurzel, Gelbe Rapunzel, Härekraut, Hustenblume, Rapontika, Rapontikawurzel, Rapunzel, Rübenwurzel, Sommerstern, Stolzer Heinrich, Süßwurzel, Weinblume und Weinkraut.

Hauptwirkstoff Gamma-Linolensäure – Hauptanwendungsgebiet Hautleiden

Der Nachtkerze werden adstringierende, beruhigende, blutreinigende, entzündungshemmende, krampflösende und verdauungsanregende Heilwirkungen nachgesagt, weshalb ihre von Juni bis Oktober gesammelten Blätter – getrunken als Tee oder aufgelegt als Kompresse – bei Magen-, Darmbeschwerden (z.B. Durchfall, Reizdarm), Husten, Bronchitis, Asthma, Allergien, Bluthochdruck, Gicht, Ekzemen, Quetschungen, Blasenleiden, Potenzproblemen, Unfruchtbarkeit, Wechseljahrs- oder Menstruationsbeschwerden und beim prämenstruellen Syndrom eingesetzt werden. Auch gegen Arthritis, Rheuma, Brustschmerzen, diabetische Polyneuropathie, Bindegewebsschwäche, Gefäßverletzungen, Gicht, Multiple Sklerose, Typhus, Krämpfe (z.B. Raynaud-Phänomen = Gefäßkrampf) oder einen erhöhten Cholesterinspiegel soll die Nachtkerze laut Naturheilkunde helfen.

Die zwecks Ölgewinnung im Spätsommer und Herbst gesammelten Samen bzw. das darin enthaltene Öl finden Verwendung bei Arteriosklerose und Hautproblemen (z.B. trockene Haut, Ekzeme, Neurodermitis, leichte Verbrennungen, Sonnenbrand, Juckreiz, Schuppenflechte, Akne, Cellulitis, Schwangerschaftsstreifen). Da experimentell ein fettarmer Extrakt von Nachtkerzensamen den programmierten Zelltod von Tumorzellen einleitet, die Lebensfähigkeit normaler Zellen aber nicht beeinträchtigt, setzt man Hoffnungen in eine erfolgreiche Tumorbekämpfung durch die Substanz.

Den Wurzeln werden stärkende und Energie mobilisierende Eigenschaften zugeschrieben (“Ein Pfund der Nachtkerzenwurzel gibt mehr Kraft, als ein Zentner Ochsenfleisch“), sodass sie in der Rekonvaleszenz als Gemüse gegessen werden.

Das Nachtkerzenöl (auch in Salben zum Auftragen oder Kapseln zum Schlucken) gilt als besonders wertvoll, weil es die lebenswichtige Linolsäure, vor allem aber mehr Gamma-Linolensäure enthält als jede andere bekannte Pflanze. Im Körper wird diese ungesättigte Omega-6-Fettsäure in Dihomo-Gamma-Linolensäure und Arachidonsäure umgewandelt. Sie sind Vorstufen der Gewebshormone Prostaglandine und Leukotriene, die an der Regulierung des Cholesterinspiegels und der Erweiterung der Blutgefäße beteiligt sind, Entzündungsreaktionen beeinflussen und immunmodulierend (z.B. Unterstützung der Produktion weißer Blutkörperchen) wirken.

Nachtkerzenöl lindert Juckreiz und Schuppung, vermindert Rötungen und Hautentzündungen, sodass es zur Therapie der Neurodermitis dient. Denn bei diesem Hautleiden ist oft das Enzym delta-6-Desaturase, das Linolensäure in Gamma-Linolensäure überführt, defekt. Ein Stoffwechseldefekt, den das Nachtkerzenöl ausgleicht. Vermutlich stärkt es die Barrierefunktion und Elastizität der Haut, verringert Feuchtigkeitsverluste und regt die Schweißproduktion an.

Außer der Gamma-Linolensäure in den Samen verfügen die Blätter der Nachtkerze über Gerbstoffe und die im Herbst ausgegrabenen Wurzeln über Stärke, Eiweiß und Mineralstoffe sowie die Pflanze sonst über Lignin, Linolsäure, Ölsäure, Schleimstoffe und Zellulose als Inhaltsstoffe.

Kaum Nebenwirkungen

Gelegentlich können Nachtkerzenanwendungen Übelkeit, Durchfall oder Kopfschmerzen hervorrufen. Oder auch allergische Reaktionen, sodass man sie dann nicht mehr nutzen darf. Auf jeden Fall sollten sie während der Schwangerschaft oder Stillzeit nur nach Rücksprache mit dem Arzt zum Einsatz kommen. Menschen mit Epilepsie verzichten vorsichtshalber besser ganz darauf, da Wechselwirkungen mit Antiepileptika auftreten können.

Küchenkraut Nachtkerze

Von der “Schinkenwurzel“ verwerten Liebhaber von Wildkräutern kulinarisch die leicht süßlichen Blüten (z.B. zum Garnieren von Salaten oder Süßspeisen, frittierte Blütenknospen), die würzigen (ähnlich: Mangold, Spinat) und herben, roh oder als gekochtes Gemüse (z.B. mit Bratkartoffeln und Wild) verzehrbaren Blätter (vor der Blüte, sonst schmecken sie bitter), die geschmacklich der Schwarzwurzel ähnelnden und genauso zubereitbaren Wurzeln (nach der Blüte) und die eiweiß- und ölreichen Samen.

 

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