Hühneraugen

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Hühneraugen sind kegelförmige Hornhautwucherungen meist im Bereich der Zehen, Fußsohle, Ferse oder des Fußrückens. Im Zentrum eines Hühnerauges wächst ein Hornzapfen in die Tiefe und drückt aufs Gewebe. Das kann zu starken Schmerzen führen.

Zu enges bzw. ungeeignetes Schuhwerk übt Druck und Reibung auf eine oder mehrere Stellen am Fuß aus. Als Reaktion auf den chronischen mechanischen Reiz verdickt sich und wuchert dort zum Schutz vor diesen äußeren Einflüssen die Hornhaut (Hyperkeratose). Wächst dabei ein Hornhautkeil (Stachel, Sporn, Zapfen) in die Tiefe, bleibt er als gelbliches Zentrum der Verhornung erkennbar, was der meist fünf bis zehn Millimeter großen Hornhautschwiele ein augenartiges Aussehen verleiht. Deshalb spricht man dann von einem Hühnerauge alias Krähenauge, Elsterauge, Hornauge, Leichdorn (Hinweis auf abgestorbene Haut) oder – medizinisch – Clavus (lat.: Nagel). Der Sporn kann auf darunter liegendes Gewebe und damit Nerven drücken und dadurch Schmerzen erzeugen. Oft erscheint die Haut um ein Hühnerauge leicht gerötet.

Im Prinzip können Hühneraugen überall entstehen, sitzen aber bevorzugt an Zehenrücken (dorsale bzw. digitale Clavi), Fußsohlen (plantare Clavi) nahe der Mittelfußknochen-Köpfchen und seitlich der Groß- oder Kleinzehe, gelegentlich auch subungual (unterhalb eines Nagels).

Ungewöhnlichen Belastungen und damit einem höheren Risiko für die Entwicklung von Hühneraugen ausgesetzt sind Füße von Menschen mit Zehendeformitäten (z.B. bei rheumatischen Erkrankungen; Hammer- oder Reiterzehe), Fußfehlstellungen (z.B. Platt-, Senk-, Spreiz-, Hacken-, Knick-, Klump- oder Spitzfuß, Hallux valgus = Ballenzeh) oder Exostosen (Knochenvorwölbungen). Weitere begünstigende Faktoren für eine Clavus-Entstehung sind Hauttrockenheit, Stoffwechselkrankheiten (z.B. Hyperurikämie = erhöhter Harnsäurespiegel), eine Strahlentherapie bei Krebs, eine erbliche Veranlagung zur Ausbildung von Hühneraugen (z.B. bei hereditären Hyperkeratosen = vererbte übermäßige Verhornungen), Nagel-Veränderungen oder chemische Einwirkungen (Säuren, Laugen).

Arten von Hühneraugen

In der Praxis zwar nicht immer zweifelsfrei voneinander abgrenzbar, lassen sich im Wesentlichen doch folgende Typen von Hühneraugen unterscheiden:

  • Clavus durus (hartes Hühnerauge): Es besitzt ein rundes, ovales oder C-förmiges hartes Zentrum und befindet sich meist an stark belasteten Stellen (z.B. Zehenrücken, Kleinzehen-Außenseite).
  • Clavus mollis (weiches Hühnerauge): Es hat einen weichen, flachen Kern und wächst interdigital (zwischen den Zehen) an der Innenseite eines oder beider Zehen.
  • Clavus vascularis (Hühnerauge mit Blutgefäßen): Die äußere Hornschicht enthält kleine rote Punkte oder Streifen, die Kapillaren (kleine Blutgefäßen) entsprechen und infolge der vermehrten Durchblutung starke Schmerzen hervorrufen.
  • Clavus neurovascularis (Hühnerauge mit Nerven und Blutgefäßen): Die Hornschicht beinhaltet Kapillaren und Nerven, wodurch das Hühnerauge sehr schmerzempfindlich ist. Es entsteht meist an Zehenrücken oder am Großzehengrundgelenk.
  • Clavus neurofibrosus (Hühnerauge mit Nerven- und Bindegewebsfasern): Das meist sehr harte, runde (flachgedrückter Hornhautdorn) und großflächige Hühnerauge entwickelt sich nur an der Fußsohle – häufig unter den Zehenkuppen oder am Fußballen.
  • Clavus papillaris (Hühnerauge mit warzenähnlichen Erhebungen): Das Papillen-Hühnerauge ähnelt oft einer Warze und hat einen scharf umrissenen, oft weißen Rand. Eine gallertartige Masse oder ein Bluterguss unterhalb der Verhornung verursacht starke Schmerzen.
  • Clavus miliaris (Hühnerauge mit hirsekornartigen Verhornungen): Das an Stellen ohne Druckbelastung (z.B. oberhalb der Ferse) auftretende, schmerzlose Hühnerauge besteht aus zahlreichen oberflächlichen punktförmigen Verhornungen (Pseudo-Hühneraugen).

Hühneraugen sind nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern können auch zu schmerzhaften Beinhautentzündungen führen, vor allem dann, wenn unmittelbar unter der Haut ein Knochen liegt. Oder auch zu sehr unangenehmen Abszessen an den Zehen.

Wie wird ein Hühnerauge behandelt?

An vorderster Stelle der Clavus-Therapie steht die Beseitigung des Auslösers, in den meisten Fällen also das Tragen gut sitzender Schuhe. Gegen Fußfehlstellungen helfen zunächst oft orthopädische Einlagen oder Schuhe und physikalische Maßnahmen (z.B. Fußgymnastik), bei zu großer Belastung der Sehnen und Gelenke nur noch korrigierende operative Eingriffe durch einen Orthopäden.

Dem Hühnerauge selbst kann man mit Fußbädern und sogenannten Keratolytika (Hornlöser) zu Leibe rücken. Das sind die Hornhaut aufweichende Substanzen, die in Salben, Lösungen oder Pflastern angeboten werden. Die tropfenweise aufzutragenden Tinkturen enthalten Salizyl- oder Milchsäure, gegen hartnäckige Clavi zusätzlich Essigsäure. Hühneraugen-Pflaster sind zumeist mit dem Wirkstoff Salizylsäure beschichtet, wobei der Behandlungserfolg davon abhängt, wie präzise das Pflaster auf den Clavus aufgeklebt wird bzw. ob es haften bleibt (vorher Anwärmen zwischen den Handflächen). Das auf saubere und trockene Haut anzubringende Pflaster schafft ein feuchtes Milieu, in dem das Hühnerauge aufweicht und sollte dort belassen werden, bis es sich von selbst ablöst. Doch Vorsicht! Trifft ein Hühneraugenpräparat auf gesunde Haut oder verrutscht ein Hühneraugen-Pflaster dort hin, kommt die Haut zu Schaden und entzündet sich. Nicht anwendbar sind die Mittel bei infizierten Clavi.

Gepolsterte Hühneraugenpflaster ohne Salizylsäure bieten für weiche Hühneraugen eine gute Lösung. Sie schützen vor Druck und Reibung, der Hauptursache für die Hornhaut-Überproduktion. Gleichzeitig kommt es zu einer Schmerzlinderung.

Da Hühneraugen kaum von selbst verschwinden, ist der Besuch beim Podologen (medizinischer Fußspezialist) oder Hautarzt angesagt. Er erkennt, ob es sich tatsächlich um einen Clavus und nicht vielleicht um eine andere Hautveränderung (z.B. Warze) handelt. Im Fall eines tatsächlichen Hühnerauges löst er den Hornhautkeil nach Erweichung mit einer Wasserstoffperoxid-Lösung professionell mit Skalpell oder Fräser heraus und trägt ihn ab. Zudem therapiert er eine ev. Begleitinfektion (z.B. Antibiotika).

Auf jeden Fall gilt: Hände weg von eigenmächtigen Manipulationen mit Nagelschere, Messer oder sonstigen Utensilien! Kommt es hierbei zu einer Verletzung der umliegenden Haut, drohen Infektionen.

Wie kann man vorbeugen?

Bleibt die Ursache für ein inzwischen entferntes Hühnerauge bestehen, bildet sich häufig an derselben Stelle neuerlich ein Clavus. Deshalb lauten die wichtigsten Maßnahmen zur Verhinderung der Entstehung von Hühneraugen:

1.) Gute, atmungsaktive Schuhe aus weichem Material und bequeme Socken tragen: Wer zur Bildung von Hühneraugen neigt, sollte beim Schuhkauf den Gang in ein Fachgeschäft für orthopädische Schuhe ins Auge fassen. Da schlecht sitzende Socken Reibungsflächen bieten, bei belastenden Tätigkeiten solchen mit guter Passform (z.B. spezielle Sportsocken aus dem Fachhandel) den Vorzug geben.

2.) Konsequente Fußpflege betreiben inklusive Beseitigung übermäßig sprießender Hornhaut. Die lässt sich nach einem warmen Fußbad leicht mit einem Bimssteins oder einer speziellen Feile abrubbeln, sodass kein Hornkeil wachsen kann. Die Haut sollte dabei nicht verwundet werden, sonst können Keime eindringen. Nach der Entfernung überschüssiger Hornhaut die Füße gut abtrocknen und zwecks Rückfettung und Erhaltung der Geschmeidigkeit eincremen. Vor allem Diabetiker, die vermehrt zu Hautinfektionen neigen, brauchen eine sanfte, verletzungsfreie Pediküre bei einem kundigen Fußpfleger.

Um den Druck und damit den Schmerz von der verhornten Stelle des Hühnerauges zu nehmen, gibt es in Sanitätshäusern Hilfsmittel wie innen wattierte Pflaster und schützende Schaumstoff- oder Silikonstücke. Druckschutzringe hingegen sollten keine längerfristige Anwendung finden, denn sie können den Druck falsch verteilen und ein neues Hühnerauge entstehen lassen.

 

Links zu unserem Lexikon:
Kamillenblüten-Fußbad
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