Arzneimittelallergien: Hautausschläge als verräterische Symptome

©panthermedia.net, Piotr Marcinski

Heilmittel sollen gesund machen. Manchmal tun sie aber das Gegenteil. Dann spricht man von Neben- oder unerwünschten Wirkungen. Eine davon kann bei jeder Medizin auftreten. Sie heißt Arzneimittelallergie (Medikamentenallergie) und zeigt sich v.a. in Form von Hautausschlägen (Arzneimittelexanthem).

Wer ein Heilmittel anwendet, muss auch mit gesundheitsschädlichen Effekten rechnen. Denn so gut wie jede Substanz kann sogenannte Nebenwirkungen hervorrufen, die – sofern bekannt – in der Regel im Beipacktext aufgelistet sind. Nun ist nicht immer jede vorübergehende Unpässlichkeit gleich ein Grund, eine Arznei abzusetzen. So gibt es eine Reihe von Medikamenten, die zunächst Beschwerden verursachen, die aber erfahrungsgemäß nach einer Gewöhnungsphase wieder verschwinden. Etwa Antihypertensiva (Bluthochdruckmittel), die v.a. in der Anfangszeit ihrer Einnahme einen Blutdruckabfall über das gewollte Maß hinaus auslösen können, was sich meist wieder reguliert.

Für eine Art von unerwünschter Wirkung gilt “abwarten und Tee trinken“ jedoch keinesfalls: Liegt eine Allergie gegen eine Arznei vor, muss deren Anwendung sofort gestoppt und darf nicht wiederholt werden. Denn auch wenn die erste allergische Reaktion auf das Medikament recht schwach ausfällt, nehmen bei wiederholtem Kontakt mit dem Allergen die Beschwerden charakteristischerweise zu. Um dem vorzubeugen gilt es aber überhaupt erst zu erkennen, dass eine allergische Reaktion vorliegt. Das Schwierige dabei: Die Symptomatik von Medikamentenallergien gestaltet sich sehr vielfältig.

Unangenehm bis lebensbedrohlich

Da Arzneien Allergien verschiedenen Typs hervorrufen können, entsprechen auch die Symptome dem jeweils vorherrschenden Typ. Es kann z.B. zu Typ 1 – Allergie – Beschwerden (Soforttyp, ähnlich wie Heuschnupfen) kommen mit Niesattacken, Fließ- oder Stockschnupfen, Schleimhautschwellungen in der Mund-Rachen-Region, Husten oder Atemnot. Oder z.B. zu Typ 4 – Allergie – Zeichen (Spättyp) wie z.B. einem Kontaktekzem.

Weitere mögliche Symptome einer Medikamentenallergie sind Verdauungsprobleme (Blähungen, Durchfall, Krämpfe, Erbrechen), seltener auch Fieber und schlimmstenfalls ernste bis potenziell tödliche Zustände wie etwa ein Kreislaufkollaps oder ein anaphylaktischer Schock.

Sehr häufig sind Hautreaktionen wie z.B. ein Arzneimittelexanthem (allergischer Hautausschlag) Ausdruck einer Arzneimittelallergie. Allerdings unterschiedlicher Art und Schwere wie z.B.:

  • Fixe Arzneimittelreaktion (fixes Arzneimittelexanthem): nach Einnahme bestimmter Medikamente Ausschlag immer an der gleichen Stelle
  • Urtikaria (Nesselsucht), Quincke-Ödem
  • makulopapulöses Exanthem: entzündlicher Ausschlag mit kleinen Knötchen
  • EEM-ähnliches Exanthem (EEM = Erythema exsudativum multiforme: Hauterkrankung mit Hautablösung und Bildung wasser- oder blutgefüllter Blasen)
  • photoallergische Dermatitis (Wechselwirkung Medikament mit UV-Strahlen)
  • Purpura (fleckige Hautrötung)
  • Lyell-Syndrom (Syndrom der verbrühten Haut, (toxische) epidermale Nekrolyse, TEN): großflächige Hautentzündung mit Ablösung, Blasenbildung und Absterben der Haut, optisch ähnlich einer Verbrennung; zusätzlich Beteiligung innerer Organe (z.B. Lungenentzündung, Nierenversagen)
  • Stevens-Johnson-Syndrom: hohes Fieber, reduziertes Allgemeinbefinden, Blasen an den Schleimhäuten, landkartenartiger entzündlicher Ausschlag an der Haut

Auch weniger bedrohliche Hauterscheinungen als das Lyell- oder Stevens-Johnson-Syndrom sollten durchaus ernst genommen und als Warnsignal vor schwereren Symptomen, die folgen können, verstanden werden.

Arzneien: unterschiedlich gefährlich

Wenn auch grundsätzlich jede Arznei als potenzieller Allergieauslöser angesehen werden kann, gibt es doch einige Substanzen bzw. Wirkstoffklassen, die besonders gerne Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen wie z.B.:

  • Antibiotika (z.B. Penizilline, Sulfonamide, Cephalosporine)
  • Schmerzmittel (z.B. Acetylsalicylsäure, Pyrazolone)
  • Schilddrüsenhormone
  • Antihypertonika (Bluthochdruckmittel), Antiepileptika, Antidiabetika
  • Röntgenkontrastmittel
  • Immunglobuline.
  • Konservierungsstoffe (z.B. Benzalkoniumchlorid, Thiomersal), Füllmittel, Stabilisatoren, Geschmacks- und Farbstoffe in Arzneien

Abgesehen von den Inhaltsstoffen spielt es eine Rolle, wie ein medizinisches Präparat angewendet wird, ob es zu Überempfindlichkeitsreaktionen kommt. So treten allergische Hautausschläge häufiger auf, wird eine Arznei lokal, d.h. direkt an der Haut angewendet (z.B. Lokalanästhetika) als bei anderen Arten der Applikation (z.B. orale Einnahme). Die Dosis der verabreichten Medizin hat jedoch keinen Einfluss auf die Schwere der Symptome. Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist ein Umstieg auf Naturheilmittel kein Ausweg, um Überempfindlichkeitsreaktionen zu vermeiden, denn auch sie können Allergien auslösen.

Was tun bei Medikamentenallergie?

Besteht der Verdacht auf eine Arzneimittelallergie, weil z.B. wenige Tage nach Gebrauch eines Medikaments ein Exanthem auftritt, lautet die erste Maßnahme: das Präparat auf der Stelle absetzen. Verschwindet danach das Symptom (z.B. der Ausschlag), spricht das für die vermutete Allergie, ist jedoch kein Beweis. Denn abgesehen davon, dass es bei Anwendung mehrerer Arzneien schwierig ist, den “Übeltäter“ zu entlarven, muss sich das Symptom nicht sofort zurückbilden, wird das verdächtigte Medikament weggelassen, sondern kann länger andauern.

Überhaupt ist es eine Kunst, potenziell allergisch bedingte Beschwerden zweifelsfrei richtig zuzuordnen, können die meisten davon doch auch andere Ursachen haben als eine Allergie. Noch dazu sind viele Arzneien imstande, allergieähnliche Symptome (z.B. Pseudoallergien, Intoleranzen) zu erzeugen, die kaum von echten allergischen Reaktionen zu unterscheiden sind, auch wenn daran – im Gegensatz zu echten Allergien – das Immunsystem nicht beteiligt ist. Für diesbezügliche Klarheit sorgt – nach Abklingen der Beschwerden – ein Allergietest. Zunächst aber müssen – zumindest schwerwiegende Symptome – medikamentös (z.B. Kortison, Antihistaminika) bzw. intensivmedizinisch behandelt werden.

Zum Nachweis einer Medikamentenallergie dienen – je nach Substanz – Blut (RAST)-, Haut (Prick-, Intrakutan-, Epikutantests)- oder auch Provokationstests. Bei positivem Ergebnis (= Allergie ist erwiesen) stellt der Allergologe  einen Allergiepass aus, den der Allergiker immer mit sich führen sowie bei Spitalsaufenthalten, Arzt- und Apothekenbesuchen den behandelnden Ärzten bzw. dem Apotheker vorzeigen soll. Das verhindert, dass ihm neuerlich die Substanz verabreicht wird, gegen die er allergisch ist. Eine Arzneimittelallergie kann auch eine Umstellung der bisherigen Medikation (Präparate mit gleicher Wirkung, aber anderer Zusammensetzung) erfordern.

Arzneimittelallergien vorbeugen

Das ist kaum möglich, da jedes Heilmittel allergen wirken kann. Und das irgendwann. Soll heißen die Allergie muss sich nicht sofort nach dessen Verwendung zeigen und kann auch erst nach wiederholtem Gebrauch auftreten. So bleibt lediglich, nach Möglichkeit besonders häufige medikamentöse Allergieauslöser zu meiden und bei leichten Beschwerden nicht gleich zu Medikamenten zu greifen, sondern Alternativen (z.B. Massage statt Schmerzmittel bei Verspannung) in Betracht zu ziehen.

 

Weiter führender Link:

Arzneimittelexantheme