Ysop: heiliges Kraut als natürlicher Hustenblocker

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Wer Ysop in seinem Garten anbaut, hat gut lachen. Denn er tut sich damit gleich mehrfach Gutes: Die Pflanze ist ein echter Hingucker. Sie lockt Bienen an, vertreibt zugleich aber Schädlinge. In der Küche verfeinert sie diverse Speisen. Und nicht zuletzt: Sie besitzt Heilwirkungen, die vor allem den Atemwegen zugutekommen.

So einige Mitglieder der Pflanzenfamilie Lippenblütler (Lamiaceae) bevölkern sowohl heimische Gewürz- als auch Arzneischränke. Denn eines haben Thymian, Salbei, Basilikum, Lavendel, Ysop und Co. gemeinsam: Sie riechen bzw. schmecken aromatisch und zeigen Heilwirkungen mit vielfältigem Einsatzspektrum. Beim Ysop heißen die Anwendungsgebiete in erster Linie Atemwegserkrankungen wie Husten, Bronchitis oder Asthma.

Lippenblütler Ysop

Der mehrjährige, aus dem Mittelmeerraum und Vorderasien stammende, inzwischen in ganz Europa beheimatete Halbstrauch mit dem wissenschaftlichen Namen Hyssopus officinalis (hebräisch: ezob bzw. arabisch azzol = heiliges Kraut) wird bis zu 60 cm hoch. Er trägt in Rosettenform gegenständig angeordnete, kleine, längliche, zugespitzte, stiellose, dunkelgrüne Blätter und in Scheinähren wachsende blaue, seltener blau-violette, weiße oder rosa Blüten. Der Lippenblütler bevorzugt sonnige Plätze mit trockenem, kalkhaltigem Boden. Pharmazeutisch genutzt wird das von Juni bis August gesammelte Kraut der Heilpflanze und das hauptsächlich aus den Blättern, aber auch Stielen und Blüten durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl.

Der duftende Busch erfreut auch die Bienen und lässt sie sehr wohlriechenden Honig produzieren. Schnecken, Raupen und Blattläuse hingegen vertreibt er, weshalb er gern in Gärten als Randbepflanzung zur Schädlingsabwehr dient.

Der Volksmund weiß für ihn viele Namen wie Bienenkraut, Chilchsuppe, Duftisoppe, echter Ysop, Eisenkraut, Eisewig, Eisop, Essigkraut, Gewürzysop, Hisopo, Hizopf, Hysop, Hyssop, Ibsche, Ipsenkraut, Isop, Isopo, Ispen, Ispenkraut, Isump, Josefkraut, Josefskraut, Jsop, Jspen, Klosterysop, Maßkraut, Söpli und Weinespe.

Heilkraut Ysop

An Wirkstoffen zu bieten hat der Ysop Apfelsäure, ätherische Öle (Pinocamphon, Isopinocamphon), Bitterstoffe, Cholin, Flavonoide (Hesperidin, Diosmin Vicenin-2), Phe-nolcarbonsäuren (Rosmarinsäure), Di¬ter¬pen¬lactone (Marrubiin), Triterpene (Ole¬anol¬säure), Gerbstoffe, Gummi, Harz, Hyssopin, Ursolsäure, Zucker und β-Sitosterol sowie den Farbstoff Hyssopin.

Dem Heilkraut werden appetitanregende, leicht abführende, adstringierende (zusammenziehende) und blutreinigende, schleimlösende und auswurffördernde, entzündungs- und schweißhemmende, antiseptische und antioxidative, galle- und menstruationsfördernde, beruhigende, blutdrucksteigernde, magen- und herzstärkende Wirkungen zugeschrieben. Deshalb kommt bzw. kam er volksheilkundlich auf folgenden Gebieten zum Einsatz:

  • Atemwegserkrankungen wie Husten, Heiserkeit, Bronchitis und Asthma bronchiale
  • Verdauungsstörungen wie Magen-Darm-Katarrh, Blähungen oder Durchfall
  • Zahnfleisch-, Hals- und Mandelentzündungen
  • Herzbeschwerden und Kreislaufschwäche
  • Augenschmerzen
  • Hautleiden und Wunden

Viele Pflanzenheilkundler verwenden Tees mit Ysop allein oder kombiniert mit anderen Heilkräutern und ev. mit Honig gesüßt bei Atemwegserkrankungen. Jedenfalls enthält der Ysop antimikrobielle Wirkstoffe, die den Hustenreiz lindern, ätherische Öle, die den Schleim lösen und Marrubin, das das Aushusten des Schleims fördert, was ihn prädestiniert zur Behandlung von Erkältungskrankheiten. Seine heilsame Wirkung bei leichten Reizungen der Atemwege konnten inzwischen Studien bestätigen. Auch aus Weingeist, Ysop und Kräutern wie Pfefferminze und Wermut bestehende Tinkturen sollen Erkältungssymptome, ebenso aber nervöse Zustände beschwichtigen.

Da der Ysop offenbar gegen manche Krankheitserreger wirkt, untersuchten Forscher auch, wie es diesbezüglich mit HI-Viren steht und konnten feststellen, dass die sich unter dem Einfluss des Heilkrauts nicht mehr so stark vermehren, was für die Zukunft der Aids-Bekämpfung hoffen lässt. Abgesehen von den besagten desinfizierenden Wirkstoffen im Ysop können sich Schimmelpilze, aus denen sich Penicillin gewinnen lässt, auf den Blättern des Ysops ansiedeln und ihm auf die Art ihre antibakteriellen Effekte verleihen. Das ist wohl der Grund, warum der Ysop früher erfolgreich für Bäder und Waschungen gegen Lepra verwendet wurde.

Ysop-Tee kann den Blutzucker senken, zeigt eine Studie, denn Antioxidantien in den Ysop-Blättern verlangsamen die Umwandlung von Stärke in Zucker. Diese Inhaltsstoffe können Untersuchungen zufolge auch die Zerstörung von roten Blutkörperchen durch oxidativ wirksame Stoffe verhindern.

Der innerliche Einsatz von Ysop zu Heilzwecken ist möglicherweise aber nicht ganz unbedenklich, denn die Einnahme einer zu hohen Menge von Ysop kann durch die in seinem ätherischen Öl enthaltenen neurotoxisch wirksamen Stoffe Pino- und Isopinocamphon (hemmen die Zellatmung) Krampfanfälle auslösen. Deshalb ist vor allem Schwangeren, Kindern und Epileptikern ein Verzicht auf das Kraut anzuraten.

Aber es gibt auch äußere Anwendungen: Ein Aufguss mit Ysop hilft gegen Entzündungen der Harnwege, Nieren und Gallenblase. Kräuterextrakte und aromatische Essenzen des Ysops werden aufgrund ihres Gehalts an ätherischen Ölen zur Herstellung vieler Duftwässer, Parfüms und Badezusätze verwendet.

Küchenkraut Ysop

Abgesehen davon, dass der Ysop als Bestandteil des französischen Kräuterlikörs Chartreuse dient, nützen Köche vorzugsweise seine jungen, aromatisch riechenden, kampferartig und leicht bitter schmeckenden Blätter. Vor allem zum Würzen von fetten Fleischgerichten, da Ysop verdauungsfördernd wirkt. Und zum Verfeinern von Salaten, Saucen, Eintöpfen, Fisch- und Erdäpfelgerichten.

Sein intensiver Geschmack gebietet jedoch einen nur sparsamen Einsatz. Da seine Aromen bei zu viel Hitze verdampfen, empfiehlt es sich, ihn nicht mitzugaren, sondern ihn erst nach dem Kochen den Speisen hinzuzufügen. Der Verzehr von Ysop in üblichen Mengen gilt trotz seines krampfauslösenden Potentials übrigens als unbedenklich.

 

Links zu unserem Lexikon:
Ysopkraut-Tee
Ysopöl in der Duftlampe
Ysopöl-Inhalat
Ysopöl-Kompresse
Ysopöl-Mundwasser
Lippenblütler-Nahrungsmittelallergie