Weißdorn für ein starkes Herz

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Kann das Herz seiner normalen Pumpleistung nicht mehr vollständig nachkommen, kennt die Pflanzenheilkunde ein Heilkraut, dessen herzstärkende Wirkung auch die Schulmedizin anerkennt: den Weißdorn. Er wächst in unseren Breiten und verströmt einen prägnanten Duft.

Gefäßerweiternd, durchblutungsfördernd und beruhigend – so lauten die Heilwirkungen, die die Pflanzenheilkunde dem Weißdorn zuschreibt. Damit ist bereits klar, welche Organe davon besonders profitieren: das Herz-Kreislauf-System. Dementsprechend gilt als primäres Anwendungsgebiet des Weißdorns die Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Altersherz). Das Rosengewächs soll aber auch bei Angina pectoris, Arteriosklerose, Bluthochdruck, zu niedrigem Blutdruck, Herzrhythmus- und Kreislaufstörungen, Ödemen (Wassersucht, Wasseransammlungen im Bindegewebe), Stimmungsschwankungen, Nervosität, Reizbarkeit, Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Schwindel, Durchfall, Wechseljahrsbeschwerden und Augenringen helfen.

Das Heilkraut enthält Substanzen wie Crataeguslacton (Crataegussäure), oligomere Proanthocyanidine, ätherisches Öl, Trimethylamin, Fructose, Amine, Flavonoide (Hyperosid, Procyanidine, Rutin, Vitexin, Vitexinrhamnosid), Gerbstoff, Glykoside (Oxyacanthin, Saponin) und Mineralstoffe (Aluminium, Calcium, Kalium, Natrium, phosphorsaure Salze).

Der Volksmund kennt die Pflanze, deren Blüten, Blätter und Früchte für heilsame Zubereitungen genutzt werden, unter Namen wie Christdorn, Haakäsen, Hagapfel, Hagäpfli, Hagdorn, Hageapfel, Hagedorn, Hägela, Hägele, Hagewiepkes, Heckendorn, Heinzelmännerchen, Mehlbaum, Mehlbeerbaum, Mehlbeere, Mehldorn, Mehlfässchen, Mehlfässl, Mehlkübeli, Mehlwieken, Müllerbrot, Rotdorn, Saurauch, Sumpf gelappter Weißdorn, Weißheckdorn, Wibelken, Wubbelken, Wyßdorn, Zaundorn oder Zweikern-Weißdorn.

Anerkannte Herzwirksamkeit

Studien bestätigen es: Weißdorn hat einen positiv inotropen (die Kontraktionskraft des Herzens beeinflussenden) Effekt, d.h. er stärkt die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels. Und das im Gegensatz zu anderen herzwirksamen Heilpflanzen wie z.B. dem Fingerhut (Digitalis) nebenwirkungsfrei. Diese Fähigkeit dürfte auf seine oligomeren Proanthocyanidine, die zu den Polyphenolen gehören, und das Crataeguslacton (Crataegussäure) zurückzuführen sein. Auch die Homöopathie bedient sich der heilsamen Wirkungen des Crataegus bei Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen.

Doch der Crataegus monogyna (eingriffeliger Weißdorn) und der Crataegus laevigata (zweigriffeliger Weißdorn, früher: Crataegus oxyacantha), wie die beiden häufigsten Weißdornarten in unseren Breiten wissenschaftlich heißen, können noch mehr. Sie fördern die Durchblutung der Herzkranzgefäße und beugen einer zu schnellen Abnutzung des Herzens vor. Deshalb kann der Weißdorn auch bei Angina pectoris helfen und einem Herzinfarkt vorbeugen.

Eine weitere Besonderheit des Weißdorns ist seine Fähigkeit zur umfassenden Blutdruckregulierung, d.h. er senkt zu hohen Blutdruck und hebt zu niedrigen Blutdruck an. Zudem wirkt er leicht beruhigend, was u.a. bei nervösen Herzbeschwerden geschätzt wird. Allerdings setzt die Wirkung der Heilpflanze eher langsam ein, dann aber dauerhaft.

Von einer Selbstbehandlung muss dennoch strikt abgeraten werden. Vor allem Schwangere und Stillende sollten vor einer Therapie mit Weißdorn ärztlichen Rat einholen. Für Kinder unter 12 Jahren ist er tabu. Die Einnahme hoch dosierter Weißdornpräparate kann Magen- und Darmprobleme auslösen.

Angewendet wird der im 19. Jahrhundert erstmals wissenschaftlich auf seine Heilkräfte untersuchte, 1990 zur Heilpflanze des Jahres gekürte Weißdorn als Tee, Tinktur oder Fertigpräparat (z.B. Tabletten oder Kapseln).

Schutz gegen böse Geister

Die dem Weißdorn in verschiedenen Kulturen zugesprochene Kraft, Böses (z.B. Dämonen, Verhexung, böse Feen) abzuwehren hat dazu geführt, ihn als schützende Hecke anzupflanzen, Amulette aus Weißdornholz zu tragen, einen Weißdorn-Zweig an das Fenster des Kinderzimmers zu stellen, Kinderwiegen aus Weißdornholz herzustellen oder zum Schutz des Viehs Weißdornzweige an die Stalltür zu nageln. Bis hinein ins 18. Jahrhundert wurde zudem bei einer schweren Krankheit ein Tor aus Weißdornzweigen gefertigt, durch das der Kranke gehen oder kriechen musste.

Doch auch Fruchtbarkeit und Keuschheit sollen mit dem Weißdorn in Zusammenhang stehen. Deshalb findet er sich bei Hochzeiten als Raumschmuck, damit die Ehe Kindersegen hervorbringt. Ist jedoch Enthaltsamkeit gefragt, werden Weißdornblätter ins Schlafzimmer oder unter die Matratze gelegt.

Ebenso wird dem Weißdorn ein Bezug zu guten Elfen nachgesagt, weshalb Menschen früher in der Hoffnung auf deren Wohltaten Stoffstreifen und Haare um Weißdornzweige gebunden haben.

Artenreicher Stinker

Heimisch ist der Weißdorn oder vielmehr die Weißdorne, denn davon gibt es viele Arten, die sich zudem untereinander kreuzen, auf der gesamten Nordhalbkugel im gemäßigten Klima. Dort findet man den zur Familie der Rosengewächse gehörenden mehrjährigen Strauch oder Baum vor allem an Waldrändern oder Hecken. Er bevorzugt Lehmböden und sonnige Standorte, wo er bis zu zehn Meter hoch und bis zu 500 Jahre alt wird.

Weit verzweigte Äste, eine gräuliche, glatte Rinde, bis zu 2 cm lange Dornen (daher Beinamen wie oxycantha oder akantha = spitz, Stachel) an den Zweigen und eiförmige, gelappte, glänzende, kurz gestielte, leicht nussig schmeckende Blätter kennzeichnen den Weißdorn. Sein rötliches Holz ist sehr hart, was sich in seiner Bezeichnung als Crataegus (griech.: fest, stark) niederschlägt und ihn zu einem beliebten Rohstoff zur Fertigung von Werkzeug, ehemals auch zur Herstellung von Waffen (z.B. Speere) macht. Unverwechselbar ist sein unangenehmer Geruch (laut Literatur nach Bittermandeln).

Die weißen (daher: Weißdorn) bis zu 1,5 cm großen, im Mai bis Juni erscheinenden, etwas bitter schmeckenden Blüten ähneln Apfel- und Kirschblüten. Sie haben fünf Blütenblätter, manchmal mit einem rosa Touch. Auch sie riechen charakteristisch (laut Deutsches Arzneibuch nach Mäuseurin). Aus ihnen entwickeln sich rote, eiförmige, fleischige und glänzende Früchte, die mehlig und ein wenig säuerlich schmecken. Sie enthalten sehr viel Vitamin C.

Gesammelt werden die Blätter im April und Mai, die Blüten im Mai und Juni, die Früchte von September bis November.

Weißdorn zum Genießen

Seine Blütenknospen und jungen Blätter taugen als Zutat von Salaten oder auch – leicht angedünstet – als Gemüsebeilage. Aus den Blättern und den Blüten wird Tee erzeugt.
Aus den Früchten wird Saft, Sirup, Likör, Marmelade und Mus hergestellt. Da sie säuerlich und mehlig schmecken, kombiniert man sie in Kompotts oder Gelees gern mit anderen Früchten.

 

Weiterführender Link:
Weißdorn-Kochrezepte

Links zu unserem Lexikon:
Weißdornbeeren-Tee
Weißdornblätter-Tee mit Blüten
Weißdornblätter-Tinktur mit Blüten
Weißdornblüten-Tee
Weißdornsprossspitzen-Tee
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