Thymian: heilkräftiger Tausendsassa mit mediterranem Flair

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Thymian findet man in vielen Haushalten und da üblicherweise im Gewürzschrank. Obwohl ihm durchaus auch ein Platz in der Hausapotheke zustünde, denn der Lippenblütler wirkt gegen vielerlei Beschwerden wie Atemwegserkrankungen, Verdauungsbeschwerden, Entzündungen im Mund- und Rachenbereich, Akne, Rheuma und, und, und ….

Er gilt als Profi in Sachen Erkältungskrankheiten und als natürliches Antibiotikum, löst Verkrampfungen und lässt Durchfällen keine Chance. Beruhigt zudem Entzündungen und Hautprobleme, beseitigt Mundgeruch und beugt sogar Krankheiten vor. Damit nimmt der Thymian eine besondere Stellung unter den Heilpflanzen ein, denn welche andere ist schon so vielseitig? Und nicht zuletzt: Er schmeckt auch noch, wie jeder gute Koch weiß.

Mittelmeerpflanze mit sonnigem Gemüt

Thymus (griech.: thymos = Kraft, Mut), wie Thymian mit wissenschaftlichem Namen heißt und womit in der Regel der echte Thymian gemeint wird, ist ein mehrjähriger, bis zu 50 cm hoch wachsender, immergrüner Halbstrauch mit stark verzweigten, holzigen und dünnen Trieben und im Sommer in Kugeln oder Ähren an den Spitzen der Stengel wachsenden weißen, hellrosa bis violetten Blüten. Seine kleinen, elliptischen, saftig grünen, an der Unterseite leicht gräulichen, aromatisch duftenden Blätter mit den feinen Härchen werden im Frühsommer gesammelt. Er gehört – ebenso wie Basilikum, Rosmarin, Majoran und Lavendel – zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und bevorzugt sonnige und trockene Plätze auf steinigen, kalkhaltigen Hängen oder sandigen Böden. Wild wächst der Thymian häufig in heißen Mittelmeerländern wie Spanien, Frankreich und Italien.

Innerhalb der Pflanzengattung Thymian gibt es rund 350 Arten, die sich in puncto Erscheinungsbild, Vorkommen, Geruch, Wuchshöhe und Zusammensetzung der Inhaltsstoffe unterscheiden, wie z.B.

  • Wilder Thymian (Thymus pulegiodies, Feld Thymian, Quendel): Er hat glatte Blätter ohne Härchen und ist intensiv grün, wächst auch in gemäßigten Breiten auf Bergwiesen und Feldern und wird – v.a. als Tee und Extrakt – besonders gegen Verdauungsbeschwerden, Hautprobleme und Atemwegserkrankungen eingesetzt.
  • Kriechender Thymian (Thymus praecox ssp. Articus): Er zieht – gemäß seines Namens – mit feinem Geflecht über Steingärten und Kräuterspiralen und ist für Bienen unwiderstehlich.
  • Bodendecker Thymian (Sandthymian): Er erreicht eine Höhe von nur maximal zehn Zentimetern und bildet – auch im Winter – dichte Pflanzenteppiche, blüht in saftigem Pink und verströmt einen intensiven Geruch.
  • Zitronen Thymian: Sein betörendes Citrusaroma, ist bereits seit dem 16. Jahrhundert bekannt und als Tee sehr beliebt.
  • Jamaika Thymian (Plectranthus amboinicus): Er ähnelt in seinem Aussehen der Minze und wächst vor allem in den subtropischen bis tropischen Gebieten Afrikas, gedeiht daher auch an sonnigen Fensterbrettern und besitzt neben dem typischen Thymianaroma eine bittere Note.
  • Echter Thymian (Thymus vulgaris): Er schimmert silbrig, ist die am häufigsten verwendete Thymianart und daher in seinen Wirkungen besonders gut erforscht, wo er sich in puncto Atemwegserkrankungen besonders heilsam hervortut.
  • Roter Thymian: Er hat – bedingt durch den hohen Gehalt an Phenolen – purpurrot leuchtende Blüten, macht sich hervorragend als Küchenkraut und liefert viel vom ätherischen Öl Thymol.
  • Lavendel Thymian (Thymus thracicus): Er ähnelt im Geruch dem Lavendel.
  • Faustini Thymian (italienischer Thymian): Er ist eine Unterart des Echten Thymians, wächst besonders dicht und eignet sich prima zum Verfeinern von Tomaten-, Fleisch- und Fischgerichten.
  • Sand Thymian (Thymus serpyllum): Er ist anspruchslos und von niedrigem Wuchs, ähnelt im Aussehen dem Lavendel und bildet rasenartige Flächen.
  • Teppich Thymian: Er dient v.a. zur Bepflanzung von Mauern und Steingärten, ist robust und überzieht den Untergrund mit kleinen, dichten, leuchtend rosa bis lila Blüten.
  • Kaskaden Thymian (Thymus longicaulis ssp.odoratus, Steinpilzthymian): Er verfügt über ein äußerst ausgeprägtes pilzartiges Aroma, wächst nach unten und hängt dekorativ herab.
  • Kugel Thymian: Er bildet ein feines Geflecht aus kleinen, zartgrünen Blättchen und ist – außer ein schmackhaftes Küchenkraut – aufgrund seiner Kugelform eine hübsche Zierpflanze.

Was sämtliche Thymianarten gemeinsam haben? Sie eignen sich alle als Heilmittel. Quasi jede Art gegen bestimmte Beschwerden. Womit sich in Bezug auf den Thymian das Sprichwort, dass für jede Krankheit ein bestimmtes Kräutlein gewachsen sei, besonders bewahrheitet.

Im Volksmund nennt man den Thymian auch Bienenkraut, Chölm, Demut, Duftholz, Feldkümmel, Feldthymian, Gartenthymian, Gemeiner Thymian, Gundelkraut, Hühnerkohl, Hustenkraut, Immenkraut, Immerkraut, Küchenpolich, Kunerle, Kuttelkraut, Liebfrauenbettstroh, Marienbettstroh, Rainkümmel, Römischer Quendel, Römischer Thymian, Spanisches Kudelkraut, Welscher Quendel, Wurstkraut oder Zimis.

Heilwirkungen und Anwendungsgebiete

Thymian besitzt eine Reihe von Wirkstoffen, die je nach Sorte, Ursprung und Erntezeitpunkt variieren. Wie ätherische Öle (Carvacrol, Cineol, Geraniol, Kampfer, Limonen, Linalool, Menthol, Menthon, Salicylate, Thymol), Beta-Sitosterol (Stigmasterol), Bitterstoffe, die sekundären Pflanzenstoffe Cumarine und Flavonoide, Gerbstoffe, Harze, Pentosane (Ballaststoffe), Phenole, Salicylate, Saponine, Schleimstoffe (Pentosane), Stigmasterole (pflanzliches, cholesterinähnliches Sterin: fördert das “gute“ HDL-Cholesterin) und Zink.

Sie zeichnen dafür verantwortlich, dass dem Thymian anregende, antibakterielle (Thymol), beruhigende, blutstillende, desinfizierende, entzündungshemmende (Salicylate), geburtserleichternde, krampflösende (ätherische Öle), menstruationsfördernde, pilztötende, schleimlösende (Thymol), schmerzstillende (ätherische Öle, Salicylate), schweißtreibende und tonisierende Wirkungen zugeschrieben werden.

Außerdem stimulieren seine ätherischen Öle, Bitterstoffe und Flavonoide das Immunsystem und unterstützen es im Kampf gegen unerwünschte Eindringlinge. Nicht umsonst heißt er lateinisch Thymus, genauso wie die Drüse, die in jungen Jahren bestimmten Immunzellen zur Reifung verhilft. Die ätherischen Öle und Flavonoide (z.B. Apigenin, Naringenin, Luteolin, Thymomin) wirken darüber hinaus antioxidativ, d.h. sie fangen schädliche Radikale ab, bewahren vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und beugen wahrscheinlich bestimmten Krebsarten (Darm-, Brustkrebs) vor. Zudem dienen die sekundären Pflanzenstoffe und Zink dem Zellschutz. Thymol wiederum wirkt antiseptisch, tötet also Bakterien, Viren und Pilze ab.

Dementsprechend findet der Thymian Anwendung bei

  • Entzündungen im Mund- und Rachenraum (z.B. Zahnfleisch, Mandeln, Hals) und Mundgeruch (hilfreich: Thymianstengel kauen), meist als Tee, Gurgellösung oder auch Salbe
  • Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Husten (Wirkung in Studien belegt, in vielen Husten- und Grippemitteln wie Pastillen, Sirups, Tees, Kapseln und Badezusätzen enthalten), Heiserkeit, grippale Infekte, Luftröhrenkatarrhe, Bronchitis oder Asthma
  • Magen- und Verdauungsbeschwerden wie Sodbrennen, Blähungen oder Durchfall
  • Erkrankungen der Harnwege wie Nieren- oder Blasenentzündungen, meist als Tee
  • Hautleiden wie Ekzeme, Erysipel, Furunkel, Gesichtsrose, Pickel
  • Epilepsie, Nervenschwäche, Schlaflosigkeit, Albträumen oder einem Kater
  • Gelenksschmerzen, Gicht, rheumatische Beschwerden, z.B. als Tinktur zur Einreibung
  • Infektionen wie Gürtelrose oder Wurmbefall
  • Leberschwäche
  • Frauenleiden wie Menstruationsstörungen oder Wechseljahrsbeschwerden, z.B. als Tropfen
  • Quetschungen, Verrenkungen und Verstauchungen, z.B. als Tinktur als Einreibung
  • Schnittwunden oder schwer heilenden Wunden

Ein für viele der genannten Indikationen brauchbarer Tee ist leicht hergestellt: Ein bis zwei Teelöffel
Thymianblätter mit einem Viertelliter heißen Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen und abseihen. Ebenso eine Thymian-Gurgellösung: Zwei Esslöffel Thymianblätter mit einem Viertelliter Wasser übergießen, zehn Tage ziehen lassen.

Vorsicht: mögliche Nebenwirkungen

Da es keinerlei schlüssige Studien zum Thema Wirkungen von Thymian in der Schwangerschaft und Stillzeit gibt und die Pflanze möglicherweise verfrühte Wehen auslösen kann, sollten werdende oder frischgebackene Mütter Thymianpräparate nur nach ärztlichem Rat anwenden. Als Küchengewürz in geringer Menge verwendet dürfte die Pflanze jedoch harmlos sein.

Nicht jedoch, wenn gegen sie bzw. Lippenblütler allgemein eine Überempfindlichkeit besteht. Oder eine Birkenpollen- oder Sellerieallergie, weil dann Kreuzreaktionen (z.B. juckende und kribbelnde Empfindungen oder auch Schwellungen in der Mundregion) auftreten können.

Eine Langzeitanwendung von Thymianpräparaten steht im Verdacht, die Schilddrüsenfunktion beeinflussen zu können, hohe Dosen davon auch, leberschädigend zu wirken. Das gilt auch für Thymiantee, dessen Höchstmenge sich auf vier bis fünf Tassen pro Tag begrenzen sollte.

Thymian als Gewürz

Nicht nur seine aromatischen, sondern auch seine verdauungsfördernden Eigenschaften machen den Thymian zum Würzen z.B. von fetten Braten bestens geeignet. Zudem ist er – ebenso wie der Lavendel – ein Bestandteil der Kräutermischung “Herbes de Provence“ (Kräuter der Provence).

 

Weiterführende Links:
Studie: Thymian gegen Erkältung und Husten 
Studie: Thymian zur Stärkung des Immunsystems
Studie: Thymian gegen Mandel- und Zahnfleischentzündungen 1 
Studie: Thymian gegen Mandel- und Zahnfleischentzündungen 2 

Verwandte Ratgeber:
Kreuzallergien: Gefährliche Ähnlichkeit 
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