Teebaumöl: australisches Wundermittel gegen Bakterien, Pilze & Co.?

© DigitalGenetics - Fotolia.com

Ein australisches Gewächs namens Teebaum enthält keimtötende Substanzen, die so manchem Chemotherapeutikum Konkurrenz machen könnten. Die erhoffte sanfte Alternative zu Antibiotika & Co. bildet das sagenumwobene Teebaumöl dennoch des Öfteren nicht, denn das Naturprodukt hat durchaus auch seine Tücken.

Angeblich fand der britische Entdecker und Weltumsegler James Cook bzw. der ihn auf der Expedition begleitende Botaniker Sir Joseph Banks Ende des 18. Jahrhunderts im fernen Australien eine aromatisch riechende Pflanze, die er Teebaum nannte, weil sich aus ihren Blättern ein würziger Tee zubereiten ließ. Was ihm die Ureinwohner des Kontinents voraus hatten: Die Aborigines wussten bereits, dass sich aus diesen Blättern ätherisches Öl gewinnen und als Heilmittel bei Wunden bzw. gegen Hautinfektionen einsetzen lässt. Das nutzten dann auch die Europäer. Bis die Antibiotika auf den Markt kamen und das Teebaumöl in Vergessenheit geraten ließen. Um – nicht zuletzt aufgrund des steigenden Aufkommens Antibiotika-resistenter Bakterienstämme und des zunehmenden Wunsches nach “sanfteren“ und “naturbelassenen“ Arzneien – heute eine Renaissance zu erleben.

Australisches Myrtengewächs

Der zu den Myrtengewächsen (Myrtaceae) zählende, botanisch als Melaleuca alternifolia bezeichnete, optisch eher unscheinbare australische Teebaum (Heilbaum, Wundheilbaum), von dem es mehrere Gattungen (Baeckea, Kunzea, Leptospermum, Melaleuca) sowie Unterarten (z.B. Baeckea brevifolia, Baeckea utilis) gibt, zeigt sich als immergrüner, bis zu sieben Meter hoch wachsender Strauch bzw. Baum. Mit weißer bis hellbrauner, papierähnlicher Rinde, relativ dürren, seidig behaarten Zweigen, ährenähnlich angeordneten, zierlichen, wie weißlicher Flaum wirkenden, im Frühling blühenden Blüten und schmalen, nadelförmigen, ganzrandigen Blättern. Vorwiegend in letzteren befindet sich in drüsenartigen Knoten das so ähnlich wie Eukalyptus duftende ätherische Öl mit seinen rund 100 Inhaltsstoffen wie z.B. Cineol, Eucalyptol, den Terpenen (zwecks Schutz der Pflanze vor Insekten-, Bakterien- oder Pilzbefall), alpha-Pinen und Limonen in unterschiedlicher Mengenzusammensetzung. Die Anbaugebiete für den sonnenhungrigen, sumpfige Böden liebenden Teebaum liegen heute in Australien und Asien, wo die relativ anspruchslose Pflanze in Plantagen kultiviert wird.

Was kann das Teebaumöl?

Experimentelle Labortests zeigen, dass das durch Wasserdampfdestillation gewonnene Teebaumöl (Melaleucae aetheroleum, Oleum Melaleucae) imstande ist, das Wachstum von Bakterien (z.B. solchen, die Akne verursachen) zu hemmen sowie Viren (z.B. Herpes simplex-Viren) und Hautpilze unschädlich zu machen. Das lässt auf vielfältige Heileffekte hoffen wie etwa gegen Akne, Warzen, Fieberblasen, Fuß- und Nagelpilz, was bis dato aber ausreichenden wissenschaftlichen Nachweisen entbehrt.

Nichtsdestotrotz werden den Inhaltsstoffen des Teebaums folgende Eigenschaften zugeschrieben: desinfizierend, antiseptisch (keimtötend), entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral, antimykotisch und parasitizid sowie schleimlösend und schmerzstillend. Sie sollen darüber hinaus die Wundheilung beschleunigen, das Immunsystem stimulieren, vorhandenen Juckreiz lindern, das Hautbild verbessern und Verspannungen lösen.

Deshalb werden Zubereitungen aus dem Teebaum, v.a. das Teebaumöl, als Desinfektionsmittel, bei Wunden und leichten Verbrennungen, gegen Hautentzündungen (z.B. Ekzeme, Abszess, Furunkel, Akne), Schuppenflechte, Geschwüre, Pilzbefall der Haut, Warzen, Läusebefall, vaginale Infektionen (z.B. Trichomoniasis, Candidiasis), Erkältungserscheinungen, Entzündungen der Atemwege (z.B. Nebenhöhlenentzündungen, Halsschmerzen, Bronchitis), Abwehrschwäche, Zahnfleischentzündungen, Mundfäule und Mundschleimhautgeschwüre, Muskelkater und Muskelverspannungen sowie zur Eradikation von MRSA (multiresistenter Staphylococcus aureus) eingesetzt. Etwa als Badezusatz (z.B. fünf Tropfen Teebaumöl ins Badewasser bei Erkältung, zehn Tropfen ins Fußbad bei Schweißgeruch), Dampfbad, Massageöl, zum Gurgeln (z.B. 5 – 10 Tropfen Teebaumöl in ein Glas warmes Wasser bei Halsschmerzen, Husten, Mundgeruch) oder Inhalieren.

Zudem findet sich das Teebaumöl in verschiedenen Kosmetik- und Hautpflegeprodukten wie z.B. in Lotionen, Shampoos (z.B. gegen Schuppen, Juckreiz), Hand- und Körpercremes, Deodorants, Badezusätzen, Seifen, Zahnpasten, Mundwässern und auch in so manchem Tee.

Im Haushalt dient das Teebaumöl aufgrund seiner antimikrobiellen Eigenschaften zur Desinfektion von Abflüssen, Mülleimern etc., Hygienebehandlung von Wäsche (Zugabe von ca. 20 Tropfen Teebaumöl zum Waschgang in der Waschmaschine), Bekämpfung von Blattläusen durch regelmäßiges Besprühen der Pflanzen mit einer Teebaum-Wasser-Mischung und Insektenabwehr mittels Aromalampen mit dem ätherischen Öl.

Nicht harmlos

Auch wenn es ein Naturprodukt ist, als vollkommen nebenwirkungsfrei kann man Teebaumöl wahrlich nicht bezeichnen, kann es doch – v.a. in unverdünnter Form und bei längerem Gebrauch – zu Haut- und Atemwegsreizungen sowie erheblich häufig zu Kontaktallergien (Juckreiz, Hautausschläge, Hautschwellungen) führen. Letztere haben dem Öl den zweifelhaften Ruhm beschert, Anfang 2014 von der Gesellschaft der amerikanischen Allergologen zum “ Allergen des Monats“ gekürt worden zu sein. Zu einem Zeitpunkt, als amerikanische Tierärzte eine Studie über 450 Todesfälle von Hunden und Katzen veröffentlichten, an denen Teebaumöl als Flohmittel angewendet wurde.

Für die genannten unerwünschten Effekte verantwortlich zeichnen in erster Linie bei langer Lagerung oder Lichtexposition des Öls entstehende Zersetzungsprodukte (Oxidation von d-Limonen und α-Terpinen zu Ascaridol und 1,2,4-Trihydroxymenthan). Deshalb sollte man angebrochene Ölfläschchen nicht zu lange offen stehen lassen und möglichst rasch verbrauchen, außerdem Teebaumöl immer luftdicht, lichtgeschützt, bei Temperaturen unter 25 Grad und nicht zu lange lagern.

Übrigens: Wer allergisch auf andere Myrtengewächse, Aroma- oder Duftstoffe, Terpentinöl oder Perubalsam reagiert, hat ein erhöhtes Risiko, das auch auf Teebaumöl zu tun, sodass es sich empfiehlt, darauf besser zu verzichten. Oder zumindest vor seinem Gebrauch den sogenannten Armbeugetest durchzuführen (Tropfen verdünntes Öl auf die empfindliche Haut in der Armbeuge aufbringen, eine halbe Stunde zuwarten, ob eine Reaktion eintritt).

Zudem: Teebaumöl darf – wie andere ätherische Öle auch – bei Säuglingen und Kleinkindern nicht im Mund-, Nasen- und Brustbereich angewendet werden, weil das zu Atemnot führen kann. Auch Asthmatiker sollten nicht ohne ärztlichen Rat damit inhalieren. Vorsicht ist auch bei Knaben vor der Pubertät geboten. Sie können durch Teebaumöl eine Gynäkomastie (Brustdrüsenwachstum) entwickeln. In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte der Gebrauch von Teebaumöl überhaupt unterbleiben, da Untersuchungen zur Unbedenklichkeit des Öls in diesem Zustand fehlen.

Da Teebaumöl eingenommen giftig (Kennzeichen: Hautausschlag, Verwirrtheit, Verlust der Muskelkontrolle, Zittern, Taumeln, Unruhe, allgemeine Schwäche, Blutbildveränderungen) wirkt, darf es nur äußerlich aufgetragen werden. Und das an Schleimhäuten (z.B. Mundspülung, Sitzbad) nur in stark verdünnter Form. Die Augen und großflächige, offene Wunden sollten gar nicht mit Teebaumöl in Kontakt kommen.

Auch zu Wechselwirkungen von Teebaumöl mit anderen Substanzen mangelt es an Studien. Es existieren jedoch Hinweise darauf, dass es zusammen mit anderen äußerlichen eingesetzten Aknemitteln die Haut austrocknet, vielleicht auch mit äußerlich angewendeten Antibiotika und Antipilzmitteln interagiert, weshalb vom gemeinsamen Gebrauch abgeraten werden muss.

 

Verwandte Ratgeber:
Staphylokokken (MRSA) 
Chlamydien & Trichomonaden
Fieberblasen (Herpes labialis)
Pilzinfektionen (Scheidenpilz, Vaginalmykose, Tinea pedis, kutane Candidiasis, Candida albicans, Fußpilz) 
Badespaß: Mitbringsel Fußpilz und Co. 
Allergisches Kontaktekzem: Was die Haut zum Rebellieren bringt