Sonnenhut bringt das Immunsystem auf Vordermann

© panthermedia.net / Dominika Lukaszun

Naht die kalte Jahreszeit, ist auch der Griff zur Echinacea nicht weit, denn der Sonnenhut stärkt das Immunsystem und beugt so Erkältungen und grippalen Infekten vor. Die Blume mit Charakterkopf bietet aber außer Schnupfenviren auch noch anderen Krankheitserregern die Stirn.

Ist eine Erkältung oder Grippe im Anmarsch, macht der Sonnenhut (Echinacea) der körpereigenen Abwehr Beine. Doch nicht nur Viren dürfen sich vor dem Heilkraut fürchten. Auch Pilzen rücken die Wirkstoffe der Echinacea gekonnt zu Leibe. Ebenso Bakterien, die eine Wundheilung verhindern. Und freie Radikale macht die flower power der attraktiven Gartenpflanze auch gleich unschädlich.

Wirkstoffreicher Amerikaner

Der zu den Korbblütlern (Asteraceae) gehörende, von Mai bis August blühende, mehrjährige Sonnenhut kommt aus Nordamerika, wo er bei den Ureinwohnern als Heilmittel gegen Wunden, Zahnschmerzen, Schlangenbisse usw. galt. Bis er als blutreinigendes Gebräu den Weg auch nach Europa fand. Sein botanischer Name Echinacea (griech.: echinos = Igel) beruht auf der Ähnlichkeit seiner Blütenköpfe mit dem stacheligen Rücken eines Igels. Im Volksmund heißt er daher auch Igelkopf, Kegelblume oder Rudbeckie. Er gedeiht vor allem auf trockenen, sandigen Böden. Typisch ist zudem die nach unten geschlagene Stellung seiner rosa, roten, violetten oder auch weißen Blütenblätter.

Als Heilkraut genutzt werden von den verschiedenen Sonnenhut-Arten folgende drei:

  • der schmalblättrige Sonnenhut (Echinacea angustifolia): Er wird bis zu 50 Zentimeter hoch, besitzt eine borstige Behaarung und lanzettenartige, ganzrandige Blätter.
  • der Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea): Er wird bis zu 180 Zentimeter hoch. Seine eiförmigen Blätter sind am Rand gezähnt
  • der blasse Sonnenhut (Echinacea pallida): Er wird bis zu 120 Zentimeter hoch.

Für die Produktion von Arzneimitteln genutzt werden Extrakte aus dem Wurzelstock (geerntet im März, April und Oktober) und aus dem Pflanzenkraut (gesammelt von Juli bis Oktober). Innerliche Anwendungsformen der Echinacea sind Fertigpräparate wie Tabletten, Kapseln, Lutschbonbons, Tropfen, Gurgel- oder Injektionslösungen, Tees oder Frischpresssaft sowie homöopathische Zubereitungen. Äußerlich zu gebrauchende Mittel gibt es in Form von Tinkturen, seltener auch Salben, Einreibungen und Bädern.

Zu den Inhaltsstoffen des Sonnenhuts, die je nach Echinacea-Art, verwendeten Pflanzenteilen und Aufbereitung variieren, zählen:

  • Alkamide: ungesättigte Fettsäuren, die sich an Proteine binden können
  • Kaffeesäurederivate (Cichoriensäure, Echinacosid, Verbascosid, Caffeoylechinacosid, Kaffeesäureester), die als Radikalfänger wirken
  • Polysaccharide (Inulin, Methyl-glucuron-arabino-xylan, Rhamno-arabino-galaktan, Xyloglucan)
  • Ätherische Öle
  • Alkaloide (z.B. Tussilagin, Isotussilagin): potenziell mutagen und karzinogen
  • Flavonoide (Quercetin, Kämpferol u.a.): Antioxidantien

Erwünschte Wirkungen

Sonnenhut-Gewächse – besonders Echinacea purpurea und Echinacea angustifolia – genießen den Ruf, die Abwehrkräfte zu stimulieren, wobei wissenschaftliche Untersuchungen tatsächlich Wechselwirkungen zwischen bestimmten Inhaltsstoffen des Sonnenhuts und bestimmten Immunzellen nachweisen konnten. Aber sie erbrachten keinen eindeutigen Beleg dafür, dass Echinacea Erkältungen deutlich abmildert oder ihre Dauer verkürzt. Bestenfalls ließen Studien leicht positive Effekte erkennen. Wer damit Husten, Schnupfen und Co. ein Schnippchen schlagen will, sollte jedenfalls Echinacea bereits vor oder bei den ersten Anzeichen einer Erkältung einnehmen.

Forschungen bestätigen aber noch andere Heilwirkungen bestimmter Sonnenhut-Präparate und zwar antioxidative (Schutz vor den fürs Erbgut schädlichen freien Radikalen), antifungale (geringere Rückfallrate bei Pilzinfektionen wie etwa Candida) und antivirale (Abwehr des Eindringens bestimmter Herpes-Viren).

Neben immunstärkenden, antioxidativen, antifungalen und antiviralen Effekten werden dem Sonnenhut entzündungshemmende, blutreinigende und antibakterielle Wirkungen zugeschrieben. Seine Anwendungsgebiete lauten demgemäß Erkältungskrankheiten, grippale Infekte, Atem- und Harnwegsinfektionen, Vorbeugung gegen Infektionen, Hautleiden (z.B. Schuppenflechte, Geschwüre, leichte Verbrennungen, Ekzeme, Abszesse) und Wundheilungsstörungen.

Unerwünschte Wirkungen

Es besteht der Verdacht, dass eine andauernde, hochkonzentrierte Anwendung von Sonnenhut-Präparaten fruchtschädigend (Tierversuche: Aborte) wirken kann, weshalb schwangere und stillende Frauen auf die Einnahme von Sonnenhut-Präparaten verzichten sollten.

Da Echinacea das Immunsystem beeinflusst, sollte ihre Anwendung ebenso unterbleiben bei Autoimmunerkrankungen (z.B. Multiple Sklerose, Kollagenosen) oder einer Therapie mit Immunsuppressiva (das Abwehrsystem unterdrückende Medikamente) sowie einer Allergie auf Korbblütler. Vorsicht geboten ist auch bei Diabetes. Hier empfiehlt es sich, nach ärztlicher Rücksprache vorzugehen.

Jedenfalls erscheint eine langfristige Einnahme (mehr als zwei bis drei Wochen) von Sonnenhut-Präparaten nicht ratsam, denn mögliche Nebenwirkungen sind Bauchschmerzen, Ödeme (Wasseransammlungen im Gewebe), Atemnot, Übelkeit, Juckreiz und Ausschlag, bei Injektionen auch Schüttelfrost und Fieber. Gelegentlich treten auch schwere allergische Reaktionen mit anaphylaktischem Schock auf.

Links zu unserem Lexikon:
Sonnenhut (purpurfarbener)-wurzel-Tee
Sonnenhut (schmalblättriger)-Saft
Sonnenhut (schmalblättriger)-wurzel-Gurgellösung
Sonnenhut (schmalblättriger)-wurzel-Tee
Sonnenhut (schmalblättriger)-wurzel-Tinktur 
Sonnenhutkraut-Presssaft (Purpursonnenhut)
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