Schafgarbe: Wiesenblume mit Heilwirkungen

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Verdauungsbeschwerden oder Frauenleiden? Dagegen wächst auf Wiesen und an Wegrändern eine Pflanze, deren Gebrauch zu Heilzwecken bereits Jahrtausende zurückreicht. Und auch heute noch hat die Schafgarbe in der Naturheilkunde ihren wohlverdienten Platz.

Viele Wiesen, Weiden, Acker- und Waldränder beherbergen einen Schatz, den zumindest die Naturheilkunde zu verwenden weiß. Denn die Schafgarbe gehört auch heute noch zu den bekanntesten Heilpflanzen. Ihre Haupteinsatzgebiete: Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, Frauenleiden und Wundheilung.

Uraltes Heilkraut

Die mehrjährige, ausdauernde, frostfeste, krautige, bis zu 150 cm hohe gemeine, gewöhnliche oder Wiesen-Schafgarbe ist in ganz Europa bis hin zum Polarkreis sowie in Nordasien und Nordamerika beheimatet. Sie bevorzugt aber sonnige, trockene Plätze auf Wiesen, Weiden und Wegrändern bzw. sandige oder lehmige Böden. Im Frühling treibt ihr Wurzelstock in einer Rosette angeordnete, hellgrüne, schmale und gefiederte, farnähnliche Blätter aus. Später erwächst ein aufrechter, meist unverzweigter, zäher, innen markhaltiger Stängel, auf dem kleine, weiße, seltener auch leicht rosa Blüten entstehen, die eine Scheindolde bilden und nebst dem Kraut von Juni bis September zu Heilzwecken gesammelt werden.

Die angenehm duftende Schafgarbe wird von den Schafen auf der Weide als Delikatesse bevorzugt, was ihr ihren Namen eingebracht hat. Sie zählt zu den ältesten Arzneipflanzen. Ausgrabungen liefern Hinweise darauf, dass sie bereits die Neandertaler verwendet haben dürften. In der Antike und im Mittelalter galt sie vor allem als Wundmittel, wovon sich wohl ihr wissenschaftlicher Name “Achillea millefolium“ (tausendblättriges Wundkraut des Achill) ableitet. Und auch ihre altdeutsche Bezeichnung “garwe“, aus der das Wort Schafgarbe hervorgegangen ist und das so viel wie Gesundmacher bedeutet, zeigt, dass sich die Pflanze in der Volksmedizin etabliert hat.

Dementsprechend gibt es viele volkskundliche Ausdrücke für die Schafgarbe wie Achilleskraut, Ambrosia, Augenbraue der Venus (Supercilium Veneris), Bauchwehkraut, Blutkraut, Blutstiller, Blutstillkraut, Feldgarbenkraut, Frauendank, Frauenkraut, Gachelkraut, Gänsezungen, Gänsezungenkraut, Garbe, Garbenkraut, Gotteshand, Grillengras, Grützblume, Grundheil, Heil-aller-Welt, Jungfrauenkraut, Kachel, Katzenkraut, Katzenschwanz, Lämmerzunge, Lämmlizung, Magenkraut, Margaretenkraut, Mausleiter, Pestilenzkraut, Schafrippe, Schafrippenkraut, Schafskraut, Schafzunge, Soldatenkraut, Tausendblatt, Teekraut, Wundkraut und Zangeblume.

Wogegen die Schafgarbe hilft

Die Schafgarbe soll bei innerlicher Anwendung blutreinigend, beruhigend, entspannend und krampflösend, bei äußerer Anwendung blutstillend, wundheilend, zusammenziehend und damit gefäßtonisierend sowie antibakteriell wirken.

Das macht die Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) laut Naturheilkunde geeignet zur Behandlung von

  • Hautleiden wie Akne, Ekzeme, Rotlauf, Gesichtsrose, Gürtelrose, aufgesprungene Hände, Augenringe, Schuppenflechte, Sonnenbrand, Brand-, Schürf- und Stichwunden sowie Geschwüre
  • Herz-Kreislaufproblemen wie Angina Pectoris, Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen (z.B. Schaufenster-Krankheit), Herz- oder Kreislaufschwäche, Krampfadern, Hämorrhoiden und Ödeme
  • Blutungen (z.B. Nasenbluten), Kopfschmerzen, Neuralgien, Nervosität, Depressionen, Erkältungen, Schleimhautentzündungen, Gicht, Nierenschwäche, Diabetes oder Rheuma

vor allem aber zur Therapie von

  • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts wie Appetitlosigkeit, Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Verdauungsschwäche, Gallenkoliken, Gastritis, Pfortaderstauungen, Verdauungsschwäche und Afterjucken
  • Frauenleiden wie Menstruationsbeschwerden (daher auch Frauenpflanze genannt), Unterleibskrämpfe, Hormonstörungen, Wechseljahrsbeschwerden, Weißfluss Eierstockentzündung und wunde Brustwarzen beim Stillen

Das vielseitige Anwendungsspektrum der Schafgarbe gründet sich auf ihren je nach Art, Standort und Erntezeit in der Menge und Zusammensetzung variierenden, wertvollen Inhaltsstoffen wie ätherisches Öl (Chamazulen), Azulen, Bitter- und Gerbstoffe, Cineol (=Eukalyptol), Cumarine, Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe), Kampfer, Polyine, Salizylsäure, Sesquiterpene (Guaianolide) und Triterpene. Das per Wasserdampfdestillation aus den Blüten extrahierte, ätherische Öl gilt als beruhigend, krampflösend, entzündungshemmend und antimikrobiell. Die Bitterstoffe regen die Sekretion von Magen- und Gallensaft und somit die Verdauung an.

Angewendet wird die Schafgarbe in verschiedenen Formen – als Tee (z.B. Schafgarben-Frauenmanteltee bei Menstruationsstörungen), Öl, Creme oder Salbe, Pille oder Kapsel ebenso wie als Tinktur, Badezusatz (z.B. Sitzbad bei Krämpfen oder Darmerkrankungen), Umschlag oder Kompresse, wobei ihre Dosierung vom Krankheitsbild abhängt. Man kann die Pflanze die allerdings recht bitter schmeckt, auch roh essen. Oder zu frisch gepresstem Saft verarbeiten, den man mit Wasser verdünnt.

Meist gut verträglich

Von der Schafgarbe sind kaum Nebenwirkungen bekannt. Sie kann aber – wenn auch selten – bei dafür sensiblen Personen allergische Reaktionen auslösen. Etwa eine sogenannte Wiesen- oder Schafgarbendermatitis, d.h. juckende, entzündliche Hautveränderungen mit Bläschenbildung nach Kontakt mit der Pflanze (z.B. in einer Wiese liegen, Präparate mit Schafgarbe auf die Haut auftragen). In diesem Fall sollte man den Hautkontakt mit der Schafgarbe meiden. Ebenso den Gebrauch anderer Korbblütler wie z.B. Arnika, Kamille oder Ringelblumen. Zudem empfiehlt es sich, die Schafgarbe nicht ohne ärztlichen Rat während der Schwangerschaft und Stillzeit anzuwenden.

 

Links zu unserem Lexikon:
Schafgarbenöl in der Duftlampe
Schafgarben-Sitzbad
Schafgarben-Tee
Schafgarben-Tinktur
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Nahrungsmittelallergie auf Korbblütler