Pfefferminze: würziges Heilkraut mit speziellem Duft

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Die Pfefferminze gilt – von der Wissenschaft unangefochten – als bewährtes, natürliches und einfach anzuwendendes Heilmittel bei Magen-Darm-Problemen, Erkältungen und Kopfschmerzen. Die aromatische Pflanze verwöhnt aber auch den Gaumen.

Die Einen lieben den aromatischen, pfefferartigen Geschmack der Pfefferminze, die Anderen hassen ihn. Unbestreitbar jedoch sind die Heilwirkungen des Lippenblütlers. Sie machen die Pfefferminze zu einem der häufigsten gebräuchlichen Heilkräuter. Noch dazu eines, das praktisch vor der Haustüre wächst, denn erst einmal im Garten heimisch geworden, kommt die bis zu 90 cm hoch wachsende Mentha piperita (lat.: piperita = gepfeffert), wie die Pfefferminze wissenschaftlich heißt, Jahr für Jahr wieder und breitet sich aus. Der Volksmund nennt sie auch Balsam, Peperminte, Schmecker(ts), Mutter- oder Katzenkraut, Prominzen, englische Minze, Ader-, Edel-, Garten- oder Teeminze.

Verzauberte Nymphe

Der Gattungsname der Pflanze, Mentha, entstammt – einer griechischen Sage nach – einer Nymphe namens Minthe. Sie wollte der lüsterne Hades, Herrscher der Unterwelt, entführen. Das hat Persephone, seine eifersüchtige Gattin, vereitelt, indem sie Minthe kurzerhand in eine Pflanze verwandelte. In eine Minze.

Die beliebte, in Kulturen (mit unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen wie Zitrone, Melone etc.) gezogene, schon seit Jahrtausenden als Heilkraut genutzte, v.a. an humusreichen Orten wachsende, robuste und pflegeleichte Gewürz- und Heilpflanze hat im Sommer in ährenartigen Blütenständen stehende rosarote Blüten.

Medizinisch und geschmacklich genutzt werden aber ihre vor Beginn der Blüte geernteten, gegenständig angeordneten, grob gezähnten, länglichen bis eiförmigen Blätter (Menthae piperitae folium), in denen sich wertvolle Inhaltsstoffe befinden wie ätherische Öle (u.a. Menthol), Gerb- und Bitterstoffe, Flavonoide, Enzyme und Valeriansäure. Sie sitzen an vierkantigen, verzweigten, kahlen, violett schimmernden Stängeln. Beim Zerreiben entströmt aus den Drüsenschuppen an der Blattoberfläche das antimikrobiell wirkende und geistig anregende ätherische Pfefferminzöl mit seinem charakteristischen frisch-würzigen Mentholduft. Getrocknete Pfefferminzblätter müssen zum Schutz des ätherischen Öls dunkel und trocken aufbewahrt werden. Am besten in braunen Gläsern. Keinesfalls in Kunststoffbehältern. Die darin enthaltenen Weichmacher absorbieren das Öl und mindern so dessen Wirkung.

Antibakteriell soll die Pfefferminze laut Pflanzenheilkunde wirken, entzündungshemmend, keimtötend, krampflösend, schmerzstillend, beruhigend und tonisierend. Anderen Minzenarten, wie z.B. der Wasser-, Ross- oder Nanaminze werden ähnliche Wirkungen zugesprochen. Die verschiedenen Minzarten unterscheiden sich u.a. durch ihren Mentholgehalt, der bei der Pfefferminze besonders hoch ist.

Pfefferminze tut vor allem der Verdauung gut

Das Hauptanwendungsgebiet der Pfefferminze sind Verdauungsbeschwerden wie Appetitlosigkeit, Blähungen, Brechreiz, Durchfall, Magenschmerzen oder -krämpfe, Gallenbeschwerden, Übelkeit und Verdauungsschwäche. Sie findet aber auch Einsatz bei Erkältungen, Grippe, Kopf- und Nervenschmerzen, Muskelverspannungen, Rheuma, Herzschwäche, Mundgeruch, Nierenschwäche, Schlaflosigkeit, schlecht heilenden Wunden, Ekzemen, Nesselsucht, Juckreiz, Menstruations- und Wechseljahrsbeschwerden.

Vor allem ihre verdauungsregulierenden und entzündungshemmenden Effekte haben sich herumgesprochen, sodass auch Menschen, die mit Naturheilkunde nichts am Hut haben, Pfefferminztee im Schrank lagern. Der wirkt – kalt – hervorragend als Antiseptikum gegen Entzündungen der Mundschleimhaut. Warm regt er den Appetit an, bringt ins Stocken geratene Verdauungsprozesse in Gang und Verdauungsstörungen ins Lot, beseitigt Blähungen und hilft bei einer Gastritis. Er fördert die Galleproduktion und sorgt für den problemlosen Fluss der Galle. Bei chronischen Magenbeschwerden empfiehlt es sich aber, Kamille zwecks Beruhigung der Magenschleimhaut hinzuzumischen.

Da die Pfefferminze die Darmmuskulatur entspannt und durch Bekämpfung schädlich wirkender Bakterien das Darmmilieu verbessert und zwar nahezu nebenwirkungsfrei, schätzen sie auch Menschen mit einem Reizdarm, indem sie v.a. das stärker wirksame ätherische Pfefferminzöl – z.B. in Form magensaftresistenter Kapseln – einnehmen.

Pfefferminze befreit die Atemwege und entspannt die Muskeln

Rollt die Erkältungs- oder Grippewelle, sollte in keinem Haushalt das mit Hilfe von Wasserdampf aus den Blättern gewonnene ätherische Pfefferminzöl (Menthae piperitae aetheroleum) fehlen, denn dieses wirkt sekretfördernd und antimikrobiell. Verwendet in einem Pfefferminzbad, als Einreibung (einen Tropfen Pfefferminzöl in ein Basisöl wie z.B. Kokosöl mischen) Inhalation (einige Tropfen Pfefferminzöl in heißes Wasser) und die Atemwege werden wieder frei, denn das Öl regt die Flimmerhärchen in den Bronchien an, sodass sie festsitzenden Schleim in Richtung Rachenraum transportieren, wo er abgehustet werden kann.

Auch bei Muskelschmerzen oder schweren Beinen, rheumatischen Erkrankungen oder Quetschungen sowie Ekzemen verhelfen kühlende, beruhigende und erfrischende Einreibungen mit Pfefferminzöl-Mischungen oder Menthol enthaltenden Salben zur Linderung der Beschwerden.

Wenn der Kopf brummt oder die Lippe brennt

Auch dann ist – wissenschaftlich belegt – Pfefferminze das natürliche Mittel der Wahl. Sie sorgt besonders bei Spannungskopfschmerz, aber auch bei Migräne durch ihren entkrampfenden Effekt für Abhilfe. Hierzu wird Pfefferminzöl oder -lösung auf Stirn und Schläfe aufgetragen, was einen Kältereiz auf der Haut auslöst, der eine Blockade der Schmerzempfindungsleitung zum Gehirn bewirkt. Zugleich fördert das Menthol die Durchblutung, was sich wohltuend, muskelentspannend und damit schmerzlindernd auswirkt.

Kündigt sich eine Fieberblase an, spannt, brennt und kribbelt also die Lippe, sollte man ebenfalls zum Pfefferminzöl greifen, das nachweislich eine hohe Virusabtötungsrate hat und so den Lippenherpes im Keim erstickt.

Pfefferminze in der Küche

Man muss aber nicht gleich krank werden, um die Pflanze zu genießen. Sie gehört nämlich außer in die Hausapotheke auch in den Gewürzschrank, denn ihr Aroma verfeinert herzhafte Gerichte (z.B. in Großbritannien als traditionelle Pfefferminzsauce zum Lammbraten) ebenso wie Suppen, Salate oder Desserts. Verantwortlich für den erfrischenden und scharfen Geschmack der Pfefferminze sind die Substanzen Menthol, Menthon und Menthylacetat, die mit Hilfe von Sonneneinstrahlung in den Blättern gebildet werden. Je intensiver und länger die Sonneneinwirkung,  desto höher der Gehalt an ätherischem Öl. Deshalb schmeckt und riecht Pfefferminze aus dem Süden  intensiver als die aus unseren Breitengraden.

Nicht für Babys und Kleinkinder!

So wohltuend Pfefferminzzubereitungen bei Erwachsenen wirken, bei Babys und Kleinkindern ist aufgrund ihres hohen Mentholgehaltes Zurückhaltung angesagt. Die Substanz wirkt nämlich lähmend auf die feinen Wimpernhärchen der Nasenschleimhaut, die damit ihrer Aufgabe, den Nasenschleim in Richtung Rachenraum zu transportieren, vorübergehend nicht mehr nachkommen kann. Das blockiert u.U. die Atmung, was schlimmstenfalls tödlich endet. Deshalb darf Pfefferminzöl oder –salbe nicht auf Brust, Gesicht oder Rücken der kleinen Erdenbürger aufgetragen werden. Aus denselben Gründen müssen ätherische Öle stets gut verwahrt werden. Sie bedeuten für Kleinkinder eine Gefahr, wenn sie in die Augen geraten oder geschluckt werden. Ähnlich restriktiv sollte man während einer Schwangerschaft mit der Heilpflanze umgehen.

Vorsicht geboten ist auch bei Gallensteinleiden. Minzeprodukte können in diesem Fall aufgrund der Förderung der Gallensekretion Koliken auslösen. Auch sollten sie nicht überdosiert werden. Sonst rufen sie u.U. Sodbrennen oder Entzündungen im Verdauungstrakt hervor.

Anwendungen der Pfefferminze verbieten sich generell bei Allergien gegen Lippenblütler.

 

Links zu unserem Lexikon:
Pfefferminz (krause)-Tee
Pfefferminzblätter-Tee
Pfefferminzöl in der Duftlampe
Pfefferminzöl, äußerlich
Pfefferminzöl-Einnahme
Pfefferminzöl-Inhalat
Pfefferminzöl-Kompresse
Pfefferminzöl-Massage
Pfefferminzöl-Mundwasser
Pfefferminzöl-Vollbad
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Nahrungsmittelallergie auf Pfefferminze
Nahrungsmittelallergie auf Lippenblütler