Meerrettich: scharfes Geschütz gegen Infektionen und Co.

© panthermedia.net, Joerg. Mikus

Auch wenn der Meerrettich (Kren) zu Tränen reizt, hat man gut lachen. Die scharfen Senföle seiner Wurzel gelten nämlich als Patentrezept gegen Infektionen, Erkältungen u.v.a.m.

Meerrettich ist längst Bestandteil der heimischen Küche, würzt dort mit seiner Schärfe Wurst und Fleisch, was sich in so manchen seiner Volksnamen wie Bauernsenf oder Fleischkraut ausdrückt. Seine Wurzel gehört aber nicht nur auf den Tisch, sondern – vor allem im Herbst und Winter – auch in die Hausapotheke, denn der Kren, wie Österreicher den Meerrettich (Armoracia rusticana) gerne nennen, ist ein probates Mittel gegen diverse Infektionen wie z.B. die Grippe. Seine Wirkungen als Heilpflanze sind schon seit Jahrhunderten bekannt. Nicht so die Abstammung seines Namens, der einen Zusammenhang mit dem Meer (Meerrettich wächst auch wild an Küsten) vermuten lässt. Oder auch mit “mehr“ (quasi großer Rettich) oder Mähre, einem alten Ausdruck für Pferd. Letzteres legt auch seine englische Bezeichnung “horseradish“ nahe.

Heilsame Wurzel

Meerrettich wird bis zu rund eineinhalb Meter hoch, besitzt einen innen hohlen Stängel mit länglich-ovalen Blättern und im Frühjahr bzw. Sommer traubenförmig angeordnete Blüten. Außerdem eine mehrere Zentimeter dicke, fleischige, gerillte, außen schmutzig weiße bis gelbe, innen weiße Wurzel, die sowohl zur Verfeinerung von Fleischspeisen, Saucen, Aufstrichen usw. als auch für medizinische Zwecke genutzt wird. Die Naturheilkunde schreibt dem Kreuzblütengewächs, das auch unter Begriffen wie Grä, Grien, Krien, Mährrettich, Märek, Meerrettig, Mirch, Pfefferwurzel, Rachenputzer oder Waldrettich bekannt ist, antibakterielle, schleimlösende, schweiß- und harntreibende sowie schmerzlindernde Wirkungen zu. Sie setzt das Heilkraut zur Stärkung des Immunsystems ein und zur Behandlung von Erkältungen, Grippe, Nebenhöhlen- und Mandelentzündungen, Husten, Bronchitis, Asthma, Fieber, Blasen- und Nierenbeckenentzündungen, Harnsteinen, Neuralgien, Rheuma, Zahn-, Kopf- und Muskelschmerzen, Appetitlosigkeit, Verdauungsschwäche, Blähungen, Verstopfung und Insektenstichen sowie zur Förderung der Menstruation.

Frische erhöht die Wirksamkeit

Die ätherischen Öle der heilsamen Wurzel verflüchtigen sich rasch. Das beeinträchtigt Geschmack und Wirkung. Um ihre kulinarischen und medizinischen Vorteile optimal zu nutzen, sollte sie deshalb in frischem Zustand verwendet werden. Daher am besten nur den Teil der Wurzel, den man zu verbrauchen gedenkt waschen, schälen und reiben. Letzteres ist auch schon gleich eine Therapie – für die oberen Atemwege und besonders die Nasennebenhöhlen, denn die scharfen Öle des Krens regen die Sekretion der Nasenschleimhaut und den Tränenfluss an. Noch besser aber hilft im Fall einer Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung) ein Meerrettich-Umschlag.

Potenter Rachenputzer

Ziehen Herbst und Winter ins Land, haben Erkältungsviren Hochsaison. Es sei denn, das Immunsystem ist fit genug, sie zu bekämpfen. Eine Meerrettich-Kur bringt die körpereigene Abwehr in Schwung. Dann haben die Keime keine Chance mehr, Schnupfen, Husten und Co. auszulösen. Wenn aber doch, lindert die Kur die Beschwerden. Sie ist denkbar einfach durchzuführen: Mindestens zwei Wochen lang morgens und abends je einen Teelöffel frisch geriebenen (zur Not tut´s auch der aus dem Glas) Meerrettich einnehmen. Befindet sich bereits eine Erkältung im Anmarsch, eignen sich zur Behandlung ihrer Symptome ein Meerrettich-Sirup und Meerettich-Zwiebel-Honig-Hustensaft.

Natürliches Antibiotikum und Antioxidativum

Vor dem Meerrettich müssen sich aber nicht nur Viren, sondern auch so manche Bakterien in Acht nehmen, denn die verdauungsfördernden und die Durchblutung der Schleimhäute anregenden Senfölglykoside (Glucosinolate wie Allicin, Gluconasturtiin, Sinigrin) sowie Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavon, Quercetin) schützen außer die Pflanze vor Fressfeinden auch den Organismus vor der Vermehrung potenziell krank machender Erreger.

Diese Inhaltsstoffe können aber noch mehr. Sie haben auch antioxidative Effekte, d.h. sie fangen sogenannte freie Radikale ab, die z.B. infolge der UV-Einstrahlung entstehen, das Erbgut schädigen und Krebs auslösen können. Darüber hinaus sorgen die Senföle für ein Absterben von Tumorzellen. Zumindest in Tierversuchen hat sich daher eine vorbeugende Wirkung gegen einige Krebsarten gezeigt.

Schmerz wegbrennen – Harnsteine wegschwemmen – Verdauungsstörungen wegbringen

Wen Rheuma, Kopf- oder Nervenschmerzen (z.B. Hexenschuss) plagen, der sollte mal einen Wickel mit Meerrettich-Brei versuchen. Die Schärfe des Breis bewirkt ein Brennen, das im Sinne einer Counter Irritation als Gegenreiz zu einer “Schmerzablenkung“ führt. Bei Insektenstichen und Zahnschmerzen hilft es auch, geriebenen Meerrettich auf die betroffene Hautstelle bzw. an den Zahn zu legen oder leicht einzureiben.

Meerrettich-Wein fördert die Monatsblutung und den Harnfluss, weshalb er zur Ausspülung von Steinen im Harntrakt genutzt wird. Dazu etwa zehn dünne Scheiben Kren in ein Glas legen und mit Wein übergießen. Das Glas bedecken und den Meerrettich-Wein vor seinem Genuss mindestens acht Stunden stehen und ziehen lassen.

Verdauungsprobleme beseitigt Meerrettich-Milch: Einen halben Teelöffel der geriebenen Wurzel in  einen halben Liter lauwarme Milch einrühren und gleich trinken.

Schärfe kann auch schaden

Viele Heilwirkungen des Krens beruhen zwar auf seinen würzigen Senfölen. Dennoch gibt es einige Faktoren, die gebieten, Vorsicht walten zu lassen oder auf den Gebrauch der Wunderwurzel ganz zu verzichten. So kann etwa der Verzehr größerer Mengen Durchfall oder Erbrechen auslösen. Äußerliche Anwendungen des Meerrettichs können Hautreizungen hervorrufen. Auch allergische Reaktionen kommen vereinzelt vor. Von seiner Anwendung abgeraten werden muss bei kleinen Kindern, entzündlichen Erkrankungen des Darms oder der Nieren sowie Magen- und Darmgeschwüren.

 

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Links zu unserem Lexikon:
Meerrettich-Sirup
Meerrettich-Umschlag
Meerrettich-Wickel
Meerrettich-Zwiebel-Honig-Hustensaft
Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung)
Erkältung