Mariendistel stärkt die Leber

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Beim Stichwort Hepatoprotektiva (leberschützende Arzneien) denkt wohl jeder Pflanzenheilkundler sofort an ein Heilkraut, das auch in unseren Breiten wächst: die Mariendistel. Sie hat sich als Leberheil- und Entgiftungsmittel inzwischen auch in der Schulmedizin einen Namen gemacht.

In so manchem Garten wächst ein ein- bis zweijähriger Korbblütler, den man mit Fug und Recht als Freund der Leber bezeichnen kann. Er heißt Mariendistel (Silybum marianum, früher: Carduus marianus) wird bis zu 1,5 m hoch und hat einen fein behaarten Stängel und große, längliche, dunkelgrüne, dornige Blätter mit typischen weißen Flecken, die der Legende nach davon stammen, dass Maria beim Stillen des Jesuskindes Muttermilch auf die Blätter tropfte. Physikalisch gesehen kommen diese weißen Stellen durch kleine luftgefüllte Polster zustande, die dort entstehen, wo sich die Epidermis (oberste Schicht) der Blätter abhebt und die Lichtbrechung verändern. Übt man auf sie einen leichten Fingerdruck aus, verschwindet daher die weißliche Verfärbung.

Von Juni bis August blüht die aus dem Mittelmeerraum stammende, seit dem Mittelalter auch in Mitteleuropa ansässige Pflanze mit kugelförmigen, purpurrot-violetten, vier bis fünf Zentimeter großen Blüten. Aus diesen entwickeln sich ca. sieben Millimeter lange, eiförmige, glänzende, gelbgraubraun bis schwarz marmorierte, samenartige Achänen (griech.: a chaino = nicht öffnen; kleine Nussfrüchte) mit seidigem, weißem Pappus (Haarkrone; griech.: sílybon oder sílybos = Quaste), der abgeworfen wird. Sie werden im August und September geerntet und dienen Heilzwecken.

Spezielle Wirkstoffe

Ihre Inhaltsstoffe – im Wesentlichen ein Flavonolignane-Gemisch namens Silymarin (aus Silibinin, Isosilibinin, Silychristin und Silydianin), Flavonoide, Gerb- und Bitterstoffe sowie reichlich Öl und Eiweiß – wirken adstringierend, anregend, entgiftend, schweiß- und harntreibend, krampflösend, leberstärkend und tonisierend. Das prädestiniert sie laut Volksheilkunde zur Behandlung von Allergien, Magen- und Darmbeschwerden, Migräne, Trigeminusneuralgien, Seitenstechen, Krampfadern und Unterschenkelgeschwüren, Milzleiden, zu niedrigem Blutdruck, Schwindel, Malaria, der Reise- und Seekrankheit sowie Vergiftungen (z.B. Tetrachlorkohlenstoff, Thioacetamid, Schwermetalle, bestimmte Arzneimittel wie z.B. Paracetamol, Umweltgifte, Bakterientoxine), vor allem aber von Leber- und Gallenleiden. Mariendistelwurzeln fanden einst Verwendung zur Entwässerung und Anregung der Milchbildung bei Stillenden.

Im Volksmund nennt man die Mariendistel auch Christi Krone, Stechkraut, Stichsamen, Stichsaat, Lait de Notre Dame, wilde Artischocke, Marien- oder Stechkörner, Feld-, Fieber-, Frauen-, Heilands-, Magen-, Milch-, Schreck-, Venus- oder Weißdistel.

Potentes Leberheilmittel

Die Mariendistel gilt – wissenschaftlich untermauert – als effektivste natürliche Leberarznei, die sogar synthetische Mittel in ihrer Wirkung aussticht, weshalb die Heilpflanze hochdosiert sogar in der Intensivmedizin bei Knollenblätterpilz-Vergiftungen (Pilzgift: Amanitin), die mit einer Zerstörung der Leber einhergehen, eingesetzt wird. Außerdem bei kaum weniger ernsthaften Leberleiden wie akuten (z.B. durch Pilz-, Alkohol- und Medikamentenvergiftungen) oder chronischen (z.B. durch Alkoholmissbrauch, Virusinfektionen) Hepatitiden (Leberentzündungen) und Leberzirrhose, denn die in den Mariendistelfrüchten enthaltenen Flavonolignane wirken antitoxisch (= entgiftend, abschirmend vor Zellgiften), zellregenerierend (= erholend), antioxidativ (Radikalfänger) sowie den Gallefluss und damit die Fettverdauung fördernd. Ebenso zählt eine Leberschwäche (z.B. bei chronischen Krankheiten, nach Verbrennungen oder Operationen) zu ihren Anwendungsgebieten.

Einen Freibrief für ungesunden Lebenswandel bedeutet die Mariendistel aber nicht, auch wenn sie bewiesenermaßen einige Leberleiden deutlich bessert. Wichtig ist trotzdem, auf Lebergifte wie z.B. Alkohol zu verzichten, damit sich die größte Drüse des menschlichen Körpers auch tatsächlich erholen kann.

Hoch wirksam und gut verträglich

Die häufigste Gebrauchsform der Heilpflanze sind Fertigpräparate (Dragees, Kapseln, Tabletten, hochkonzentrierter Trockenextrakt) aus der Apotheke, da ihr Gehalt an Wirkstoffen standardisiert ist und daher eine zuverlässige Dosierung gewährleistet. Auch Tees und Tinkturen dienen Heilzwecken wie z.B. der Bekämpfung von Gallen- und Verdauungsbeschwerden oder – in Form von Umschlägen – Unterschenkelgeschwüren. Da Silymarin nicht wasserlöslich ist, wirkt Mariendistel-Tee nicht bei Lebererkrankungen.

Möglicherweise kann die Mariendistel aber noch mehr. So haben etwa Forscher im Krebszentrum der Colorado State Universitiy 2011 eine Studie veröffentlicht, wonach sie – zumindest bei Mäusen – Lungenkrebs in seinem Wachstum verlangsamt.

Das Beste an all den positiven Effekten der Mariendistel: Sie gehen bei normaler Dosierung ohne Nebenwirkungen vonstatten und bei hoher Dosierung höchstens mit nicht allzu schwerwiegenden Symptomen wie Übelkeit, Bauchschmerzen oder Durchfall. Schwangere und Stillende sollten vor der Anwendung von Mariendistelzubereitungen dennoch mit ihrem behandelnden Arzt Rücksprache halten. Einzig bei einer Allergie gegen Korbblütlergewächse ist Vorsicht geboten und die Nutzung der Mariendistel zu vermeiden.

 

Links zu unserem Lexikon:
Mariendistelfrüchte-Tee
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