Lavendel: duftendes Beruhigungsmittel aus der Natur

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Lavendel ist wahrhaft ein Tausendsassa. Im Kleiderschrank sorgt er für Mottenfreiheit, im Garten für Schädlingsbekämpfung, in der Küche für den aromatischen Geschmack mediterraner Gerichte und in der Naturheilkunde für die Beruhigung angespannter Gefühlslagen, Lösung von Verkrampfungen, Beseitigung von Schlafstörungen, Desinfektion von Wunden und anderes mehr. Schlagkräftige Argumente, stets Lavendelöl vorrätig zu haben.

Man muss nicht erst in die Provence reisen, wo ganze Landstriche mit dem aromatisch-frisch duftenden, blauviolett blühenden Strauch bebaut werden, um Lavendel zu kennen. Schließlich bevölkern seine getrockneten Blüten – abgefüllt in Leinensäckchen – viele heimische Kleiderschränke, um das Gewand vor Motten oder anderen Kleiderschädlingen zu schützen. Und ist Bestandteil zahlreicher Kosmetik- und Pflegeprodukte. Aber Lavendel besitzt auch Heilkräfte. Und die sind vorwiegend beruhigender und entspannender Natur.

Mediterraner Lippenblütler

Der sonnenhungrige pflegeleichte Lavendel, der trockene, kalkhaltige, sandige, gut wasserdurchlässige Böden aber keine Staunässe liebt, gedeiht besonders gern im Mittelmeerraum, ziert jedoch auch viele heimische Gärten, weil er hübsch aussieht, wunderbar duftet und noch dazu Schädlinge wie z.B. Blattläuse oder Wanzen von benachbarten Pflanzen vertreibt. Zudem wird die für medizinische und kosmetische Zwecke kommerziell genutzte Pflanze auf ausgedehnten Feldern vor allem in Südfrankreich, im westlichen Mittelmeergebiet, aber auch in Osteuropa kultiviert. Vom zu den Lippenblütlern (Lamiaceae) gehörenden Lavendel gibt es viele verschiedene Arten wie z.B. Echter Lavendel (Lavandula angustifolia, L. officinalis, L. spica, L. vera, L. vulgaris, kleiner Speik), Französischer Lavendel (Lavandula dentata), Breitblättriger Lavendel (Lavandula latifolia, großer Speik, großer Lavendel) oder Schopf-Lavendel (Lavandula stoechas).

Der Gattungsname Lavandula kommt wahrscheinlich vom mittelhochdeutschen Wort lavendel(e), das dem italienischen lavendola entstammt, das wiederum aufs lateinische lavare (= waschen) zurückgeht, da das Kraut gern dem Waschwasser oder Bad zugesetzt wurde. Er könnte aber auch vom lateinischen levare (= erleichtern, abwehren) herrühren, was insofern zum Lavendel passt, als dieser nervenberuhigend und insektenvertreibend wirkt. Seine volkstümlichen Namen lauten Balsam, Fanda, Fander, Flander, Hirnkraut, Lavandel, Lavander, Lavendelkraut, Narden, Nervenkraut, Nervenkräutel, Nervenkräutlein, Römischer Thymian, Schwindelkraut, Speik, Spicke, Spikatblüten, Spiket, Spiklavendel, Tabaksblüten, Zitterblümchen und Zöpfli.

Der Echte Lavendel ist ein bis zu 60 Zentimeter hoher Halbstrauch mit zahlreichen verzweigten, rutenförmigen, teilweise verholzten Stängeln und graugrünen, am Rand leicht eingerollten, unten weißfilzig behaarten, schmalen (angustifolius = schmalblättrig) und lanzettartigen Blättern. Von Juni bis August blüht er mit bläulich-violetten, in ährenartigen Scheinquirlen angeordneten Blüten, die jeweils aus einer längeren Ober- und einer kürzeren Unterlippe bestehen. In ihnen befindet sich das per Wasserdampfdestillation extrahierbare wertvolle ätherische Öl (Linalylacetat, Linalool, β-Ocimen, Cineol, Campher), wobei Boden und Klima starken Einfluss auf seine Zusammensetzung ausüben. Weitere Inhaltsstoffe des Lavendels sind Gerbstoffe (Umbelliferon), Cumarinderivate, Triterpene, Flavonoide und Phenolcarbonsäuren (Ferula- und Rosmarinsäure).

Wirkstoffträger Blüten

In der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) werden die kühl, trocken und vor Licht geschützt gelagerten, getrockneten Blüten des Echten Lavendels verwendet. Auf den berühmten Lavendelfeldern der Provence gedeiht allerdings meist nicht der Echte Lavendel, sondern Lavandin (Lavandula hybrida), eine qualitativ nicht ganz so hochwertige, aber sehr ertragreiche Kreuzung aus dem Echten Lavendel und Speiklavendel.

Lavendelblüten bzw. ihr Öl werden für den innerlichen Gebrauch in Teemischungen (z.B. in Kombination mit Melisse, Kamille, Fenchel, oder Pfefferminze in Beruhigungstees), Tropfen, Tinkturen, Kapseln oder Wein sowie homöopathischen Einzel- oder Komplexmitteln angeboten. Zwecks äußerlicher Anwendung wird Lavendelöl zu Salben, Parfümessenzen, Seifen, Hautpflegeprodukten, Badezusätzen, Spülungen für den Mund- und Rachenraum u.a.m. sowie – v.a. bei unruhigen Babys wirksamen – Kräuterkissen verarbeitet. Lavendelspiritus (1 Teil Lavendelblüten auf 3 Teile Alkohol und 3 Teile Wasser, 2 Tage in der Sonne stehen lassen, dann filtrieren) oder Lavendel-Kräuteressig (10 g Lavendelblüten mit 10 g Weingeist in 80 ml Weinessig ansetzen, 5 Tage stehen lassen, dann die Blüten abfiltern) eignet sich hervorragend für entspannende Einreibungen, etwa bei rheumatischen Beschwerden oder Gicht. Ein paar Tropfen Lavendelöl aufs Kopfkissen geträufelt, beruhigt und verhilft zu besserem Schlaf. Auch in der Aromatherapie hat Lavendelöl seinen fixen Platz.

Traditionelles Beruhigungsmittel

Einst galt Lavendel als Allheilmittel, sogar als wirkungsvoller Schutz vor Pest und Cholera. Mit kriminellem Beigeschmack, denn zu Zeiten der großen Pestepidemien nutzten Einbrecher den “Vier-Diebe-Essig“, eine lavendelhaltige Essenz. Sie rieben sich mit ihr ein, bevor sie die Häuser von Pestopfern ausraubten.

Da die Volksmedizin dem Lavendel desinfizierende, antibakterielle, entzündungshemmende, beruhigende, entspannende, durchblutungsfördernde, gallen-, blähungs- und harntreibende, wundheilende, schmerzlindernde sowie krampf- und angstlösende Eigenschaften zuschreibt, nennt sie als Anwendungsgebiete z.B. Asthma, Husten, Augenringe, Erschöpfungs-, Unruhe- und Angstzustände, Stress, Schlaflosigkeit, Verspannungen, Herzbeschwerden, Bluthochdruck, Kreislauf- und Nervenschwäche, Nervosität, Hysterie, depressive Verstimmungen, Kopf-, Zahn-, Nerven- und Muskelschmerzen, Rheuma, Gicht, Magenkrämpfe, nervöse Magen-Darm-Beschwerden, Blähungen, Menstruationsbeschwerden, Wasseransammlungen, Verstauchungen, entzündete oder schlecht heilende Wunden, Ekzeme, Rotlauf, Gürtel- und Gesichtsrose, Verbrennungen, Sonnenbrand, Insektenstiche und -abwehr.

Das Öl des Speiklavendels (Speiköl; Einsatz in der Kosmetik- und Parfümindustrie) wird aufgrund seines hohen Cineolgehalts zur Behandlung von Erkältungen eingesetzt – in Form von Bädern, Umschlägen und Inhalationslösungen.

Heutzutage in erster Linie genutzt werden die in Studien belegten beruhigenden und schlaffördernden Effekte der im Lavendelöl enthaltenen Substanzen Linalool und Linalylacetat. Zur Therapie von Ein- und Durchschlafstörungen, Unruhe- und Angstzuständen. Nach vorheriger ärztlicher Abklärung derselben, versteht sich.

Gefahr: Reizerscheinungen

Im Allgemeinen gut verträglich kann Lavendel bei zu intensiver Konzentration (> 1 g) seines ätherischen Öls Reizerscheinungen an der Haut und den Schleimhäuten bzw. im Magen-Darm-Trakt, Benommenheit, Schläfrigkeit, Konzentrations- und Bewusstseinsstörungen (Vorsicht: Straßenverkehr!) verursachen. Bei Babys, Kleinkindern und Asthmatikern auch Atemnot. Von einem Lavendel-Vollbad abgeraten werden muss, wenn größere Hautverletzungen oder akute Hauterkrankungen, schwere fieberhafte oder infektiöse Erkrankungen, Krampfadern, Bluthochdruck oder eine Herzschwäche vorliegen. Abgesehen davon gibt es Hinweise darauf, dass Lavendelöl bei längerfristiger Anwendung östrogene (verweiblichende) Effekte entwickeln könnte. Auf Lavendel muss generell verzichtet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegenüber dem Lippenblütler besteht.

Küchengewürz Lavendel

Lavendel ist nicht nur aus dem Medizin- und Kosmetik-, sondern auch aus dem Küchenschrank nicht wegzudenken, denn seine jungen Blätter und Triebe verfeinern Eintopf-, Fisch-, Geflügel- und Lammfleischgerichte, Soßen, Suppen und Salate. Zusammen mit Thymian, Rosmarin, Fenchel, Majoran, Lorbeer, Bohnenkraut, Oregano und Salbei ergibt Lavendel die Gewürzmischung “ Herbes de Provence“ (Kräuter der Provence), die Fleischgerichte und vor allem die mediterrane Kost geschmacklich abrundet. Selbst in manch extravagantem Dessert ist der aromatische Lavendel zu finden.

Auch in der Küche ist es nicht egal, welche Sorte Lavendel verwendet wird. Speiklavendel etwa eignet sich nicht als Küchenkraut, weil er Speisen eine krautige bis seifenähnliche Note verleiht. Im Gegensatz zum Echten Lavendel, der für den gewünschten Geschmack sorgt. Ebenso wichtig ist seine Dosierung, die sparsam erfolgen sollte, damit er nicht unangenehm dominiert.

Links zu unserem Lexikon:
Lavendelbad
Lavendelblüten-Tee
Lavendelblüten-Tinktur
Lavendelblüten-Vollbad
Lavendelöl in der Duftlampe
Lavendelöl-Brustwickel
Lavendelöl-Einnahme
Lavendelöl-Einreibung
Lavendelöl-Inhalat
Lavendelöl-Kompresse
Lavendelöl-Massage
Nahrungsmittelallergie auf Lippenblütler
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