Isländisch Moos: Schutzmantel für Schleimhäute lindert Husten und Halsweh

© by-studio - Fotolia.com

Wer in der Silvesternacht nackt um die Flechte herumgeht, verliert Gicht und andere Beschwerden, behauptet eine alte Volksweisheit. Dieses Versprechen kann das Isländische Moos zwar kaum einhalten, doch eines ist sicher: Das Heilkraut schützt die Schleimhäute, lindert Atemwegsleiden, Verdauungsbeschwerden und noch anderes mehr.

Eigentlich beschränkt sich Isländisch Moos entgegen seines Namens in seinem Wachstum nicht auf Island, sondern ist überall auf der nördlichen Erdhalbkugel bis hin zu arktischen Regionen beheimatet. Botanisch betrachtet handelt es sich auch um kein Moos, sondern eine Flechte (symbiotische Lebensgemeinschaft aus Alge und Pilz). Die Pflanze heißt aber dennoch so. Viele kennen Isländisch Moos (Cetraria islandica, Lichen Islandicus, Isländisches Moos, Islandmoos, Irisches Moos) aus der Apotheke, wo man es in diversen Hustenmitteln findet. Erkältungserscheinungen sind aber längst nicht alles, wogegen das Heilkraut wirken soll.

Nordische Flechte

Das zur Pflanzenfamilie der Schüsselflechten gehörende Isländisch Moos bzw. richtiger die Irische Moosflechte wächst in verschiedenen Mittelgebirgen und Heidegebieten, vorwiegend an buschigen Hängen, am Waldrand oder auf Lichtungen, aber auch auf Wiesen. Die Flechte wird bis zu 10 cm hoch und besitzt feine, geweihförmig verzweigte Gewebslappen mit ledriger, olivgrünbrauner Oberseite und grüner bis grauweißer Unterseite mit grubenartigen hellen Vertiefungen. Kurze Haftorgane halten sie am Erdboden fest. Ihr Duft erinnert an Seetang. Ihr Geschmack ist bitter.

Isländisch Moos wird von April bis Oktober vor allem in kalten bis arktischen Gebieten Skandinaviens, Osteuropas und Kanadas geerntet. Gesammelt und verwendet wird der ganze Flechtenkörper, wobei darauf zu achten ist, keine “toten“ Pflanzenteile zu nehmen, denn sie haben ihre Heilkraft verloren. Warum sich das Isländische Moos nur im Norden blicken lässt, erklärt eine Legende, nach der einst – um die Menschen zu prüfen – Christus als Bettler verkleidet eine reiche, aber hochmütige Bäuerin, die in fetter Milch statt in Wasser badete, um ein Almosen bat und von ihr barsch zurückgewiesen wurde. Woraufhin er der Flechte auftrug, nur noch unterm Schnee zu wachsen. Damit verschwand sie von Feldern und Wiesen (auch der arroganten Bäuerin), wo sie ursprünglich üppig gedieh und die Kühe milchreich machte.

Der Volksmund kennt Isländisch Moos auch unter Namen wie Berggraupen, Blutlungenmoos, Blutlungenmoss, Brockenmoos, Brockenmoss, Felsengras, Fiebermoos, Fiebermoss, Hirschhornflechte, Isländische Flechte, Lungenmoos, Matzegge, Raspel, Reniterflechte und Purgiermoos.

Heilsame Schleimstoffe

Für die Heilwirkungen des Isländisch Moos verantwortlich zeichnen im Besonderen seine großen Mengen an reizmildernden und abdichtenden Schleimstoffen (Lichenin, Isolichenin), die auf den Schleimhäuten einen schützenden Film ausbreiten und so vor allem bei Halsschmerzen, trockenem Husten und Reizzuständen der Verdauungsorgane helfen. Damit die Schleimstoffe aber überhaupt ihren Schutzmantel bilden können, sollten Sie möglichst lange mit der entsprechenden Schleimhaut Kontakt haben. Deshalb eignen sich zur Bekämpfung von Atemwegsproblemen Lutschtabletten besser als flüssige Zubereitungen, die nur kurz die Schleimhaut benetzen. Die Schleimstoffe binden auch Magensäure und lindern auf die Art Magenbeschwerden.

An weiteren Inhaltsstoffen bietet Isländisch Moos Flechtensäuren (Depsidone) und zwar bittere wie Cetrarin und Fumarsäure, aliphatische wie die Protolichesterinsäure sowie Lichensäure und Usninsäure (wirkt antibakteriell, entzündungshemmend, ev. sogar krebshemmend). Außerdem Eisen, Vitamine und ätherische Öle.

Anwendungsgebiete und -formen

Antibakteriell, appetitanregend, blutbildend und -stillend, entzündungshemmend, hustenreiz- und schmerzlindernd, schleimlösend, auswurffördernd, tonisierend, kräftigend, immunstimulierend und muttermilchbildend soll Isländisch Moos laut Naturheilkunde wirken. Deshalb lauten seine Einsatzgebiete

  • Appetitlosigkeit (Flechtensäuren: appetitanregend)
  • Wunden und Hautunreinheiten
  • Atemwegserkrankungen wie Husten, Bronchitiden, Katarrhe der oberen Luftwege, Heiserkeit, Asthma und Tuberkulose
  • Hals-, Lungen-, Magenschleimhaut-, Darm- und Blasenentzündungen
  • Verdauungsstörungen wie Brechreiz, Blähungen, Magenreizungen, Dyspepsie, Gallenleiden, Völlegefühl, Verdauungsschwäche (Bitterstoffe: Anregung der Verdauung)
  • Blasensteine und Nierenschwäche
  • Blutarmut (Cetrarin: Vermehrung der Blutkörperchen)
  • Nervosität, Erschöpfungs- und Schwächezustände.

Isländisch Moos wird bereits seit dem 17. Jahrhundert zu Heilzwecken verwendet. Heute als wissenschaftlich anerkannt gelten seine therapeutische Wirksamkeit bei (Reiz-)Husten, Schleimhauterkrankungen vor allem des Mund- und Rachenraums und Appetitmangel. Es gibt auch Hinweise auf immunmodulierende (bedarfsgerecht die Abwehr anregend oder dämpfend) Effekte.

Isländisch Moos kommt vor allem als antibiotisch, schleimlösend und stimulierend wirkender Tee zum Einsatz. Und in Form von Fertigpräparaten wie – häufig in Kombination mit anderen Heilpflanzen (z.B. Lindenblüten, Thymian) – Hustenmitteln, meist Lutschpastillen oder Gurgellösungen, aber auch Tabletten oder Extrakten. Das Kraut lässt sich jedoch ebenso für aufsteigende Voll- und Armbädern sowie Wickel verwenden. Es dient zudem als Zusatzstoff zu Zahnpasten.

Nahezu risikolos

Da Isländisch Moos bislang keine nennenswerten Nebenwirkungen gezeigt hat, eignet es sich auch für Kinder, alte und geschwächte Menschen. Lediglich bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Flechtensäuren darf es nicht angewendet werden. Auch ist – so es nicht aus der Apotheke bezogen wird – auf seine Herkunft zu achten, denn via Internet sollen auch vom Reaktorunfall in Tschernobyl verstrahlte Flechten vertrieben werden.

Von Isländisch Moos sind auch keine dezidierten Wechselwirkungen bekannt. Allerdings können seine Schleimstoffe im Magen-Darm-Trakt die Aufnahme von Medikamenten beeinflussen. Deshalb sollten Arzneien zeitlich (mindestens eine Stunde) getrennt von Isländisch Moos-Zubereitungen eingenommen werden.

Bittere Delikatesse der Nordländer

Trotz des bitteren Aromas der Flechte, die übrigens Rentiere sehr als Delikatesse zu schätzen scheinen, wurde sie früher als Nahrungsmittel (z.B. Verdickungsmittel für Suppen oder Brei) genutzt, da sie bis zu 70 Prozent Stärke enthält. Aus ihrem Mehl wurde eine Art Brot hergestellt. Auch heute noch ist sie nicht vollständig vom Speiseplan der Nordländer verschwunden. Beispielsweise als Zutat zur isländischen “Fjallagrasasupa“ (Fjällagras = Felsengras). Oder nach Trocknung am Feuer und anschließende Zerstoßung als Grütze.

 

Link zu unserem Lexikon:
Isländisch-Moos-Tee

Verwandte Ratgeber:
Husten (Tussis)
Halsschmerzen: harmlos oder nicht?
Hustensäfte für Kinder
Hausmittel: Was wirkt gegen Husten, Schnupfen & Co.?
Sonnentau: Fleischfressende Moorpflanze als Hustenmittel
Salbei: Naturheilmittel gegen Schwitzen, Halsweh und Co.