Holunder: Heilmittel gegen Erkältung und Grippe

Im Holunderbusch wohnen angeblich gute Hausgeister. Sofern damit seine Heilwirkungen gemeint sind, könnte was Wahres dran sein. Denn Holunder soll gegen Schnupfen und Co. beinahe magische Wirkungen entfalten.

Er ist ein Hausmittel im wahrsten Sinn des Wortes, denn Holunder (Sambucus nigra) gedeiht gerne in bebauten Gebieten, also praktisch vor der Haustür. Dort wächst die zu den Geißblattgewächsen (Caprifoliaceae) gehörende Pflanze in wenigen Jahren zu einem buschigen und breiten Baum von bis zu sieben Metern Höhe heran, weshalb Holunderbäume immer wieder mal beschnitten oder gar gefällt werden. Laut altem Volksglauben ein Affront gegen die darin lebenden, vor Schaden bewahrenden Hausgeister, die dadurch ihre Wohnstätte verlieren, was sich mit Unglück und Tod rächen soll.

Heilig bis teuflisch

Den Germanen war der Holunder heilig, denn er galt als Sitz der Schutzgöttin Holda (auch: Holla) und sollte darüber hinaus Blitz und Donner abhalten. Deshalb durfte er ungestraft nur von Witwen und Waisen, die als ohnehin vom Tode gezeichnet betrachtet wurden, geschnitten werden. War das Fällen eines Holunderbaumes unvermeidbar, musste das von einer Bitte um Verzeihung begleitet werden: „Frau Ellhorn, gib mir von deinem Holz, so will ich dir auch von meinem geben, wenn es wächst im Walde.“
Im Märchen “Frau Holle“ erinnern die Gebrüder Grimm an den germanischen Göttinnenkult. Diese im Grunde freundliche ältere Frau bringt den Menschen auf der Erde den Schnee. Dass sie eine Wintergöttin darstellt, wird in ihrem seltener gebrauchten Namen Perchta (auch: Berchta) sichtbar. Diese Nähe zur Märchen- bzw. heidnischen Götterwelt lässt nicht verwundern, dass der Holunder auch magischen Ritualen diente, z.B. als Sympathiezauber zur Behandlung tierischer Hautkrankheiten oder “Ableitung von Krankheiten in die Unterwelt“ (z.B. durch Aufhängen eitriger Wundverbände an Holunderzweigen). Solche hexenartig anmutenden Gebräuche ließen zu Zeiten der Christianisierung so manchen Heilkundigen den bislang heiligen Holunder plötzlich als einen Baum des Teufels betrachten. Andere wie z.B. Sebastian Kneipp nutzten ungebrochen seine vielfältigen Heilwirkungen.

Weiß und schwarz

Im Mai und Juni blühen und duften die in Dolden wachsenden weißen Holunderblüten (alias Aalhorn-, Flieder-, Holder- oder Hollerblüten, Hütschen- oder Kailkenblumen). Von August bis Oktober reifen sie zu schwarzen Beeren heran. Beide enthalten v.a. ätherisches Öl und Flavonoide (z.B. Rutin). Die schwarze Farbe der Beeren verursachen Anthocyane (z.B. Sambucin, Sambucyanin).

Die Heilwirkungen des Holunders sind schon seit Jahrtausenden bekannt. Hippokrates (460-377 v. Chr.) empfahl sie gegen Verstopfung, Wassersucht und Frauenbeschwerden. Sowohl Holunderblüten als auch –beeren gelten traditionsgemäß als Mittel gegen Erkältungen.

Kehraus für Husten, Schnupfen und Co.

Die häufigste Anwendungsform als Heilmittel ist Holunderblütentee. Auch wenn nicht für jeden behaupteten positiven Effekt ein wissenschaftlicher Nachweis existiert (Siehe auch: Artikel „Schwarzer Holunder gegen Erkältung und Grippe“, Online Zeitung der Universität Wien), soll sich der Tee für Schwitzkuren bei Fieber und Erkältung, zur Schleimlösung in Nasennebenhöhlen und Bronchien sowie zur Stärkung des Immunsystems eignen, außerdem mit seiner entgiftenden Eigenschaft Schlankheitskuren unterstützen. Ihm werden harntreibende und blutreinigende Wirkungen zugeschrieben, weshalb er auch bei Hautunreinheiten und Rheuma eingesetzt wird. Äußerlich angewendet dient er der Hautpflege und Linderung von Hautentzündungen und leichten Verbrennungen.

Die Beeren mit ihrem Gehalt an Vitamin C, Folsäure und B-Vitaminen gelten als die Abwehrkräfte stärkend, leicht abführend sowie wassertreibend und helfen so – durch Ausschwemmung der Keime – gegen milde Harnwegsinfekte. Die Früchte kann man als Saft, Mus oder Marmelade genießen. Aber Vorsicht! Wer den vitaminreichen Saft erhitzt, zerstört damit das hitzeempfindliche Vitamin C. Deshalb darf er nur kurz erwärmt werden. In Kombination mit ebenfalls schweißtreibenden Lindenblüten ist schwarzer Holunder Bestandteil von Erkältungstees.

Auch die Homöopathie bedient sich der Infekte abwehrenden Wirkung der Heilpflanze, in Form von Sambucus nigra-Globuli.

Nur reif bekömmlich

Unreife Holunderbeeren sind der Gesundheit nicht sehr zuträglich, denn sie enthalten Sambunigrin, aus dem Blausäure freigesetzt werden kann. Es kann Übelkeit und Erbrechen auslösen. Daher: Nur reife Beeren für den Hollerkoch und andere Zubereitungen der schwarzen Früchte verwenden!

 

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Links zu unserem Lexikon:
Holunderbeersaft, warm
Holunderbeer-Tee
Holunderblüten-Tee
Holunderrinden-Tee
Erkältung
Grippe