Guarana: Muntermacher aus dem Regenwald

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Stundenlang in einer anstrengenden Sitzung ausharren, vor einer Prüfung büffeln bis zum Abwinken, im sportlichen Wettkampf bestehen, dank der Koffein-Liane aus dem Dschungel namens Guarana alles kein Problem. Denn Guarana macht müde Menschen munter, unkonzentrierte leistungsfähiger und schwächelnde stärker. Übertreiben darf man es mit dem natürlichen Aufputschmittel aber nicht. 

In den tropischen Regenwaldgebieten Südamerikas, vor allem am Amazonas und Orinoko, wächst eine mehrjährige, immergrüne, an größeren Bäumen emporkletternde Rankpflanze mit verholzenden Stengeln, die man auch als Liane bezeichnen kann und die bis zu 12 Meter hoch wird. Sie heißt Guarana (Bezeichnung bezieht sich auf das südamerikanische indigene Volk der Guaraní), gehört zu den Seifenbaumgewächsen (Sapindaceae), hat eine bräunliche Rinde, die zuerst eine weiche Behaarung aufweist, später aber kahl wird. Die Paullinia cupana, wie die Pflanze wissenschaftlich genannt wird, besitzt wechselständige, unpaarig gefiederte, bis zu 35 Zentimeter lange, ledrige Blätter mit länglicher oder ovaler Form. Bei manchen Unterarten bilden sich aus den Blattachseln Ranken.

Aus den in Trauben hängenden, weißen, männlichen und weiblichen Blüten der Guarana mit ihren fünf Kelch- und Kronblättern, acht Staubblättern und einem Fruchtknoten mit drei Kammern entwickeln sich zwei bis drei Zentimeter große, grell orangerote Kapselfrüchte, in denen sich bis zu drei schwarz-grüne Samen (auch Nüsse genannt) befinden. Sind die Früchte reif, öffnen sie sich und die dunklen Samen gucken aus dem weißen Fruchtfleisch und der orange-roten Hülle hervor, sodass die Gebilde frappant an Augen erinnern, worum sich auch viele Legenden der Indianer am Amazonas, die die Guarana als wara (Frucht der Jugend) bezeichnen und ihre Samen als Medizin (Stärkungsmittel) und zur Körperpflege nutzen, drehen. Für die Guarana werden auch Trivialnamen wie Brazilian Cocoa, Uaraná, Narana, Guaranauva, Guaranaina, Guaraná cerebral und Guaraná-da-amazônia verwendet.

Hauptwirkstoff: Koffein

Das aus den Samen gewonnene bräunliche Guarana-Pulver hat einen bitteren Geschmack und wird in Getränke oder Joghurts gemischt. Es ist außerdem in Form von Kapseln oder Tabletten, als Stärkungs- oder Nahrungsergänzungsmittel erhältlich und findet sich auch als Zugabe in diversen Lebensmitteln wie Süßigkeiten (Kaugummis, Gummibärchen, Schokoladen), Soft-, Fitness- oder Energydrinks, Tees oder Trinkampullen.

Guaranasamen sind sehr begehrt, weil sie reichlich anregendes Koffein (fünffache Menge im Vergleich zu Kaffeebohnen) enthalten, das wacher, konzentrierter sowie körperlich und geistig leistungsfähiger macht. Denn Koffein wirkt als Gegenspieler einer körpereigenen Substanz namens Adenosin, das beispielsweise zu einer Blutdrucksenkung oder Verlangsamung des Herzschlags führt.

Dieses Guarana-Koffein erweist sich als besser verträglich gegenüber demjenigen aus Kaffee, weil es in der Pflanze an Gerbstoffe gebunden ist, die seine Aufnahme verlangsamen, sodass das Koffein der Guarana-Samen erst nach dem Abbau der Gerbstoffe allmählich seine Wirkungen entfaltet. Somit verbleibt es bis zu neun Stunden im Organismus – ein triftiger Grund, dass Guarana-Zubereitungen gerne Anwendung finden bei Lernstress, intensiver sportlicher Beanspruchung, in Prüfungssituationen, bei mangelndem Durchhaltevermögen sowie Konzentrations- und Leistungsschwäche. Zudem dämpft es Hunger- und Durstgefühle, wodurch es beim Abnehmen hilft.

Neben Koffein (durchschnittlich 3,6 bis 5,8%) und Gerbstoffen besitzt die Guarana Guanin, Tannine, Proanthocyanidine, Methylxanthine (Theophyllin, Theobromin), Catechin, Catechu, Cholin, Saponine, Schleimstoffe, Faserstoffe, pflanzliche Fette, Eiweiß, Stärke, Spurenelemente und Mineralstoffe. Daher werden ihr

  • anregende, stimulierende und vitalisierende, erfrischende und belebende,
  • herzfrequenzsteigernde (Koffein, Theobromin, Theophyllin) und kreislaufstärkende,
  • die Atemwege erweiternde und damit antiasthmatische (Theophyllin),
  • die Muskelfunktion verbessernde (Koffein, Theobromin, Theophyllin),
  • fiebersenkende,
  • harntreibende und entwässernde sowie
  • die Durchblutung der Nieren steigernde (Theobromin, Theophyllin)

Wirkungen zugeschrieben. Demnach lauten ihre Einsatzgebiete

  • Müdigkeit, Erschöpfung, Entkräftung oder Rekonvaleszenz nach langer Krankheit
  • Kopfschmerzen (z.B. Migräne)
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • Kreislaufschwäche
  • Depressionen oder Sexualstörungen
  • Übergewicht

Bitte nicht übertreiben!

Munter und leistungsfähig zu sein ist heute zwar sehr gefragt, doch es bringt nichts, sich zu überfordern, um anschließend erschöpft zusammenzubrechen. Deshalb sollte man darauf achten, es mit der Anwendung von Guarana nicht zu übertreiben (normal ein bis zwei, maximal drei bis fünf Gramm Guarana-Pulver pro Tag), denn die potentiellen Nebenwirkungen ähneln denen, die auch bei zu regem Konsum anderer Koffeinquellen auftreten können. Wie etwa Schlafstörungen (verkürzte Schlafdauer, schlechtere Schlafqualität), Reizbarkeit, Herzrasen, Kopfschmerzen, Zittern, innere Unruhe oder Durchfall. Überdosierungen können zudem ein vermehrtes Wasserlassen, Übelkeit und Erbrechen, Sodbrennen sowie Bauchkrämpfe verursachen. Auch kann es bei längerem, regelmäßigem Gebrauch von Guarana zu Entzugserscheinungen kommen, wenn man es absetzt.

Potentiell gefährlich ist außerdem das durch Guarana verminderte Durstgefühl, weil es zu einer Austrocknung führen kann, besonders bei starker sportlicher Beanspruchung und/oder Hitze. Daher empfiehlt es sich, bei der Nutzung von Guarana auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten sowie auf alkoholische und koffeinhaltige Getränke zu verzichten. Ebenso sollten Schmerzmittel mit Koffeingehalt möglichst nicht zugleich mit Guarana eingenommen werden.

Da Koffein in der Leber abgebaut wird, können unter Umständen andere Medikamente, die ebenfalls dort abgebaut werden, in ihrer Wirkung (z.B. Aufhebung der Effekte zentraldämpfender Substanzen wie Beruhigungsmittel oder Opioide) bzw. Wirkdauer beeinflusst werden.

Ungeeignet oder mit Vorsicht zu genießen erweist sich Guarana

  • bei Bluthochdruck
  • bei Tachyarrhythmien (Herzrhythmusstörungen mit zu raschem Herzschlag)
  • bei Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren
  • bei chronischen Kopfschmerzen
  • bei einer Schilddrüsenüberfunktion
  • für schwangere und stillende Frauen
  • bei Nierenerkrankungen
  • bei erhöhter Krampfneigung, Angststörungen oder anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen

In diesen Fällen sowie bei Kindern und Jugendlichen sollte die Pflanze nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zum Einsatz kommen. Zudem empfiehlt es sich, sie nicht vor dem Schlafengehen anzuwenden.