Eibisch: Schutzherr der Schleimhäute

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Kratzt es im Hals, stellt sich trockener Reizhusten ein oder ist der Magen sauer, hat der Eibisch Schleimstoffe parat, die einen Schutzfilm auf der irritierten Schleimhaut bilden, sie so vor schädlichen Einwirkungen bewahren und die Beschwerden lindern. Und das nebenwirkungsfrei.

In so manchem mitteleuropäischem Garten wächst eine ursprünglich in Südeuropa heimische, mehrjährige, bis zu zwei Meter hohe Pflanze namens Eibisch, deren Wurzel im Frühling in Bodennähe befindliche, rundliche Blätter treibt. Später wächst daraus ein Stängel, der dreilappige Blätter mit samtigen Haaren trägt. Im Sommer sprießen hellrosa Blüten mit fünf Blütenblättern und rot-violetten Staubbeuteln. Aus diesen Blüten entwickeln sich kastenartige Früchte.

Im Volksmund nennt man den Eibisch auch Allee, Altee, Alter Thee, Alte Eh, Altheeblätter, Eibsche, Flusskraut, Heilwurz, Hilfwurz, Ibsche, Ipsche, Sammt-Pappel, Samtpappel, Schelimtee, Weiße Malve, Weiße Pappel, Ade-, Drianten-, Heimisch-, Schleim- oder Weißwurzel.

Im Englischen heißt der Eibisch Marshmallow, ein Hinweis darauf, dass die heute als Schaumzuckerware (“Mäusespeck“) gehandelte Masse aus Zucker, Eischnee, Geliermittel, Farb- und Aromastoffen ursprünglich aus Eibischwurzeln hergestellt wurde.

Schleimstoffe als Schleimhautschutz

Der Eibisch besitzt – in saisonal abhängig unterschiedlichen Mengen – Schleimstoffe (z.B. Glucane,  Arabinogalaktane, Galakturonorhamnane), die behütend auf alle Schleimhäute wirken, indem sie sie einhüllen und vor lokalen Reizungen schützen. Daher hilft die Althea officinalis (griech.: altho = heilen), wie der Eibisch wissenschaftlich heißt, gegen Erkältungen, trockenen Reizhusten, Heiserkeit, Hals- und Luftröhrenentzündungen, Bronchitis, Mundgeruch, Mund-, Magen- und Darmschleimhautentzündungen, Magenübersäuerung und -geschwüre, laut Volksmedizin aber auch gegen Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Blasenentzündungen und -steine, Wunden, leichte Verbrennungen, rissige und trockene Haut, feuchte Ekzeme, Furunkel, Quetschungen und Muskelkater. Denn der zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae) gehörenden Pflanze werden beruhigende, blutstillende, entzündungshemmende, erweichende, harntreibende und tonisierende Effekte zugeschrieben.

Zu heilkundlichen Zecken genutzt werden ihre von September bis November gesammelten und geschälten Wurzeln (Althaeae radix), frisch aufgeblühten Blüten und nach der Blütezeit (höchster Schleimgehalt) geernteten Blätter (Folium Althaeae), wobei v.a. die Wurzeln große Schleimmengen enthalten. Nebst Substanzen wie ätherisches Öl, Saponine, Asparagin, Ephedrin, Gerbstoffe, Gerbsäure, Cumarine, Stärke und Zink.

Anwendungsformen

Eibisch findet vor allem als Tee Anwendung, der äußerlich auch in Form von Waschungen, Bädern oder Umschlägen zum Einsatz kommt. Besteht ein solcher Tee nur aus Eibischwurzeln, empfehlen Pharmazeuten, diesen mit kaltem Wasser anzusetzen, damit die darin reichlich enthaltene Stärke nicht verkleistert, was sie bei Kontakt mit heißem Wasser tun würde. Das hätte zur Folge, dass aus den Wurzelstücken nur noch wenig wertvolle Schleimstoffe austreten können.

Breiumschläge aus mit Honig vermischten, fein geriebenen Eibischwurzeln sollen Furunkel und sogar Karbunkel erweichen.

Bei Insektenstichen hilft das Auflegen frischer, gequetschter Eibischblätter.

Schmackhafte Darreichungsformen der Heilpflanze sind der Eibisch-Sirup und der weich-elastische Eibischteig (Pasta Althaeae), ein bewährtes Hausmittel zum Lutschen und Kauen aus Eibisch- und Süßholzwurzelextrakten, das einen rauhen Hals beruhigt.

Extrakte aus Eibischwurzeln werden zu Fertigarzneimitteln wie Hustensirup und Hustensaft verarbeitet. In Kombination mit anderen Heilpflanzen auch zu Tropfen und Dragees. Eibischwurzeln sind Bestandteil von Fertigarzneitees – allein oder in Kombination mit anderen Heilkräutern (z.B. Isländisch Moos).

Achtung!

Es sind zwar keine Nebenwirkungen der schon seit Jahrtausenden genutzten Heilpflanze bekannt, doch sollten Diabetiker den hohen Zuckergehalt von Eibischwurzeln beachten. Und: Eibisch sollte man nach Möglichkeit nicht zusammen mit anderen Arzneien einnehmen, da seine Schleimstoffe die Aufnahme der Medikamente in den Organismus beeinträchtigen können.

 

Links zu unserem Lexikon:
Eibischblätter-Tee
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Eibischwurzel-Gurgellösung
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