Dost alias Oregano: Pizzagewürz als Heilmittel

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Gesundheit kann auch lecker schmecken, beweist ein Gewürz, das als Bestandteil der mediterranen Küche kaum noch wegzudenken ist. Auf Pizza, Pasta und Co. mundet der Oregano Groß und Klein. Als Tee, Tinktur und Co. hilft er vor allem bei Beschwerden der Atem- und Verdauungswege.

Vor allem Liebhaber der italienischen Küche schätzen ein Gewürz, das für Pizza & Co. unentbehrlich ist. Dost heißt der Lippenblütler, der auch in unseren Breiten wächst. Die meisten kennen ihn aber als Oregano (griech.: óros = Berg, gános = Schmuck, also quasi “Zierde des Berges“). Die Wissenschaft nennt ihn Origanum vulgare (Origanum anglicum, O. barcense, O. capitatum, O. creticum, O. decipiens, O. elegans, O., floridum, O. latifolium, O. majus, O. nutans, O. orientale, O. purpurascens, O. stoloniferum, O. thymiflorum, O. venosum, O. watsoni, Thymus origanum). Der Volksmund weiß für ihn noch weitere Namen wie Badchrut, Berghopfen, Bergminze, blauer Dunst, brauner Dost, Dorant, Dosten, echter Dost, Frauendost, Frauendosten, gemeiner Dost, gewöhnlicher Dost, grober Chölm, Lungenkraut, Maran, Müllerkraut, Mutterkraut, Ohrkraut, Orant,  Origano, wilder Balsam, wilder Majoran oder Wohlgemut. Doch egal wie man den Dost auch bezeichnen mag, werden ihm zahlreiche Heilwirkungen zugeschrieben.

Aromatisches Küchenkraut

Die dem Majoran ähnelnde, in unterschiedlichen Sorten vorkommende, mehrjährige, charakteristisch duftende und geschmackvolle Pflanze wird bis zu 50 cm hoch. Sie bevorzugt trockene, warme, steinige und kalkhaltige Plätze wie sonnige Südhänge, Bergwiesen, Kahlschläge, Böschungen, Waldränder oder magere Wiesen, wo sie, wenn sie sich wohlfühlt, von Jahr zu Jahr dichter wächst. Zu finden ist sie in ganz Europa bis hin zu Zentralasien und besitzt behaarte, gegenständig angeordnete, kleine und ovale Blätter, die rötlichen Stängeln entspringen und den typischen “Pizzageruch“ verströmen, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt.

Von Juni bis September blüht der Oregano mit weißen, öfter aber rosa bis zu weinroten, rispenähnlichen, Insekten anlockenden Blüten. Daher kam er in der Barockzeit bei den adeligen Damen, die die Farbe rot schätzten, als Farbstofflieferant zu Ehren.

Geerntet wird der Oregano zur Blütezeit – und zwar am besten mittags, dann im Schatten in dünnen Schichten oder in Bündeln hängend schonend getrocknet und in verschlossenen Behältern trocken gelagert.

In der Küche findet das würzige, leicht bitterliche Kraut bzw. seine frischen Blätter am häufigsten in mediterranen Gerichten Verwendung und verleiht Pizzen, Soßen, Salaten, Suppen, Aufläufen und vielen anderen Speisen eine besondere Note. Im Gegensatz zu anderen Kräutern kann Oregano mitgekocht werden, ohne an Aroma einzubüßen. Ihn zu trocknen intensiviert sogar seine Würzkraft. Gleichzeitig ist er ein “essbares Heilmittel“.

Freund der Atem- und Verdauungswege

Verdauungsfördernd soll die mediterrane Pflanze sein, appetit- und stoffwechselanregend, antimikrobiell, desinfizierend, schleim- und krampflösend, auswurffördernd, entzündungshemmend, antiseptisch, adstringierend, schweiß- und harntreibend, choleretisch (den Gallefluss fördernd), beruhigend, nervenstärkend und stimmungsaufhellend. Dafür verantwortlich zeichnen Inhaltsstoffe wie ätherische Öle (Thymol, Carvacrol), Flavonoide, Phenylcarbonsäurederivate (z.B. Rosmarinsäure), Gerb- und Bitterstoffe.

Demnach nennt die Volksheilkunde, die den Dost schon seit der Antike als Arznei nutzt, als passende Einsatzgebiete Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden (Blähungen, Durchfall, Koliken), Atemwegsleiden (Husten, Heiserkeit, Bronchitis, Asthma), rheumatische Beschwerden, Verrenkungen, Verstauchungen, Menstruationsprobleme, Brustentzündungen, Pilzinfektionen, Mund- und Rachenentzündungen, Cellulitis, Ekzeme und Wunden.

Seine meist gebrauchte Anwendungsform ist Tee. Man kann aus ihm aber auch eine Tinktur ansetzen und diese z.B. als Hustentropfen oder für Inhalationen einsetzen. Oder aus ihm einen Sirup herstellen, der gegen Bronchialerkrankungen wirkt: Hierzu eine Handvoll frischen Dost in einem Liter kalten Wasser ansetzen, am Folgetag aufkochen und eine Viertelstunde lang köcheln lassen, danach das Kraut entfernen und die Flüssigkeit mit einem halben Kilo Zucker einkochen.

Frisch schichtweise mit Salz eingelegt oder getrocknet mit Salz im Mörser zerrieben lässt sich aus Oregano – ev. unter Zusatz ätherischer Öle (z.B. aus Thymian oder Angelika) – hustenlinderndes Badesalz erzeugen.

Wer unter Gelenkbeschwerden leidet, dem kann eine Gelenksalbe aus frischem oder getrockneten Dost, Weizenkeimöl und Bienenwachs gute Dienste leisten. Zudem findet man den Dost in heilsamen Kräuterkissen, die den Schlaf (inklusive schöne Träume) fördern. Darüber hinaus dient Oregano-Öl in Form von Umschlägen und Einreibungen Heilzwecken. Allerdings darf das ätherische Öl niemals innerlich angewendet werden.

Schwangere nehmen am besten überhaupt Abstand von der medizinischen Nutzung des sonst als nebenwirkungsfrei eingestuften Dosts, was nicht heißt, dass sie nicht hin und wieder eine Pizza essen dürfen. Die empfohlene Vorsicht erklärt sich aus einer möglicherweise geburtsauslösenden Wirkung der Pflanze, für die sie in grauer Vorzeit auch eingesetzt wurde.

Kultische Schutzpflanze

Gemäß dem Spruch „Hättest du nicht Dorant und Dosten, tät es Dich Dein Leben kosten“ galt Dost einst als magisches Kraut, das negative Energien, Hexen, Dämonen und sogar den Teufel abwehren kann. Das soll den Herrn der Hölle zum Ausruf „Dosten und Johanniskraut verführen mir meine Braut!“ bewegt haben, aus Wut darüber, dass er ein Mädchen, das Dost und Johanniskraut bei sich trug, nicht verführen konnte.

Auch einen gewissen Schutz gegen die Pest schrieb man der Pflanze zu. Deshalb war es früher auch Brauch, Dost vor Haus oder Stall zu hängen, für Räucherungen zu nehmen, in Schutzamuletten um den Hals zu tragen sowie ihn in einen Brautschuh zu legen und in den Brautstrauß zu binden, um böse Mächte fernzuhalten.

Außerdem soll er imstande sein, Kummer (Liebeskummer, Melancholie, depressive Verstimmungen) jeglicher Art verschwinden zu lassen. Diese Funktion als Freudenbringer, Trostspender und Lustigmacher kommt in einem seiner Namen – Wohlgemut – zum Ausdruck. Und erklärt, warum die alten Griechen ihren Sklaven Dost zu verzehren gaben: Das friedlich und ruhig stimmende Kraut sollte dafür sorgen, dass es zu keinen Aufständen kam.

 

Links zu unserem Lexikon:
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Dostenkraut-Tee
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Dostenöl in der Duftlampe
Nahrungsmittelallergie auf Lippenblütler