Artischocke: schmackhafte Heilkraft aus dem Orient

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Die meisten schätzen sie als delikates und kalorienarmes Edelgemüse. Insider kennen darüber hinaus die gesundheitlichen Vorteile der Artischocke: sie lindert Verdauungsstörungen, regt den Gallefluss an, soll zudem den Cholesterinspiegel senken und die Leber schützen.

Vor etwa 2000 Jahren gelangte die Artischocke aus den arabischen Ländern in den Mittelmeerraum. Die Wildform (Cynara cardunculus) des zu den Korbblütlern (Asteraceae) zählenden, distelartigen Gewächses galt schon im alten Ägypten, Griechenland und Rom als bekömmliche Speise und Arzneipflanze, doch konnten sich im Verlauf der Geschichte meist nur Wohlhabende das Edelgemüse leisten. Inzwischen wird die Artischocke überall dort (v.a. in Spanien, Italien, Frankreich) kultiviert, wo es das Klima zulässt und landet auch bei uns des Öfteren auf dem Teller, was Gourmets sehr zu schätzen wissen. Naturheilkundler wiederum erfreuen sich vor allem an den verdauungsfördernden Effekten der Artischocke. Doch sie kann noch mehr.

Heilsame Blätter – schmackhafte Knospen

Die heute genutzte, mehrjährige, frostempfindliche Artischocke (Cynara scolymus) bevorzugt windgeschützte, sonnige und sehr warme Plätze. Sie erreicht eine Höhe von bis zu zwei Metern und besitzt einen dicken, verzweigten Stängel mit bis zu 80 Zentimeter langen, graugrünen, derben, gewölbten, tief gelappten, eine Rosette bildenden, arzneilich wirksamen Blättern mit glatter Oberseite und filzig behaarter Unterseite.

An dem Stängel wächst der Blütenstand, der viele körbchenförmig angeordnete Knospen trägt. Der essbare Teil der Knospen besteht aus den fleischigen unteren Teilen der eiförmigen, wuchtigen Hüllblätter, auf denen die bis zu 15 Zentimetern großen, röhrigen, violett gefärbten Blütenköpfe sitzen und dem Grund der Hüllblätter (angenehm zartbitter schmeckende sog. “Artischockenherzen“). Die Blütenstände werden vor dem Aufblühen – also in Österreich Mitte Juli bis Ende September – geerntet und frisch oder getrocknet zu Presssäften oder Extrakten verarbeitet.

Inhaltsstoffe und ihre Wirkungen

Artischockenblätter enthalten

  • Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe, v.a. Luteolin, Cynarosid), die die Produktion von Gallensäuren fördern und die Gallenblase dazu bringen, mehr Gallensäuren in den Darm abzugeben, wo sie die Fettverdauung erleichtern, somit Verdauungsstörungen wie Blähungen, Magendrücken oder ein Völlegefühl verringern. In menschlichen Zellkulturen regen sie die Bildung eines Stickstoffmonoxid produzierenden Enzyms (eNOS) an, das die Gefäße erweitert und somit den Blutdruck senkt sowie vor der Bildung von Blutgerinnseln schützt.
  • Caffeoylchinasäure-Abkömmlinge (z.B. Cynarin, Chlorogen-, Neochlorogensäure), die den Gallenfluss anregen und die Blutfette senken sollen. Ihre Menge in den Artischockenblättern hängt vom Erntezeitpunkt und Alter der Blätter ab.
  • Bitterstoffe (z.B. Cynaropikrin), die die Bildung von Magensäure und somit den Appetit anregen. Möglicherweise beugen sie auch der Bildung von Gallensteinen vor. Deshalb werden Extrakte aus Artischocken unter anderem zur Herstellung von Magenbitter und Likören verwendet.
  • Inulin, das günstig auf den Blutzuckerspiegel wirkt.
  • Kalium, Magnesium, Eisen, Folsäure, Provitamin A Vitamin C, B1 und B6, Enzyme und Gerbsäuren.

Außer appetitanregenden, verdauungsfördernden, choleretischen (die Gallenabsonderung anregenden) und leberstärkenden Effekten schreibt die Naturheilkunde der Artischocke entzündungshemmende, antioxidative, die Blutfette und den Blutzucker senkende, krampflösende, leicht harntreibende, leberregenerierende und -schützende Eigenschaften zu. Und setzt die Pflanze daher hauptsächlich bei Gallenbeschwerden (z.B. Gallenschwäche, nach Gallenblasenentfernung), aber auch bei Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit, Blähungen, Völlegefühl, funktioneller Dyspepsie, Reizdarm-Syndrom, Diabetes, Bauchspeicheldrüsenschwäche, Hypercholesterinämie (zu hoher Cholesterinspiegel) und Leberschwäche, Gicht, Cellulitis, außerdem zur Verbesserung der Fettverdauung, Anregung der Entgiftungsfunktion der Leber und Lösung von Cholesterinablagerungen (Arteriosklerose) ein.

Hepatoprotektive (leberschützende) und die Blutfette (Senkung des Gesamtcholesterins und der Triglyzeride, Erhöhung des “guten“ Cholesterins HDL) betreffende Wirkungen der Artischocke legen inzwischen auch einige schulmedizinische Untersuchungen nahe.

Neben Fertigpräparaten (Tinkturen, Tabletten, Kapseln) kommen auch zum Einsatz

  • Artischocken-Tee: einen Teelöffel getrocknete Artischocken-Blätter mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, abgedeckt 10 Minuten ziehen lassen, dann durch ein Sieb gießen und bei Bedarf mit Honig süßen. Eine halbe Stunde vor dem Essen getrunken steigert der Tee den Appetit. Direkt nach der Mahlzeit genossen sorgt er für eine gute Verdauung.
  • Artischocken-Saft: gepresst aus frischen Artischockenblättern oder als fertiger Frischpflanzenpresssaft gekauft helfen rund 25 ml gegen Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen sowie erhöhen das Wohlbefinden.

Auch die Homöopathie bedient sich der Artischocke (Cynara Scolymus). Ebenso die traditionelle chinesische Medizin (TCM), wo die Pflanze als entstauend bei Leber-Qi-Stagnation gilt.

Meistens harmlos

Mit Ausnahme gelegentlich beobachteter Übelkeit, Sodbrennen oder eines leicht abführenden Effekts hat die Artischocke bislang zwar noch keine Nebenwirkungen gezeigt. Doch darf sie nicht angewendet werden bei einer Allergie gegen Artischocken oder andere Korbblütler (z.B. Kamille, Ringelblume, Arnika). Ebenso bei Störungen im Bereich der Gallenwege, die einen Gallenwegsverschluss nach sich ziehen können wie eine Cholangitis (Entzündung der Gallengänge) oder Gallensteine.

Da bezüglich Wirkungen der Artischocke auf Ungeborene oder gestillte Babys keine Erfahrungen (ev. Hemmung der Milchbildung) vorliegen, empfiehlt sich auch für Schwangere und stillende Mütter, artischockenhaltige Arzneimittel zu meiden. Möglicherweise beeinflussen Inhaltsstoffe der Artischocke zudem blutgerinnungshemmende Mittel vom Cumarintyp, weshalb bei Einnahme solcher Arzneien ärztliche Kontrollen ratsam sind.

Mediterrane Gaumenfreude

Frische Artischocken (Kennzeichen: enganliegende Blätter ohne braune Stellen, leuchtend grüne oder violette Blüten, heller, grüner Stiel) schmecken leicht herb, ein wenig süßlich und zartbitter. Sie können zwar auch roh verzehrt werden, entwickeln ihr charakteristisches Aroma aber erst durch leichtes Braten oder Garen in Salz-Zitronen-Wasser, auch wenn dabei viele wertvolle Inhaltsstoffe ihre (Heil-)Wirkung verlieren.

Besonders in Frankreich, Italien und Spanien wird die kulinarische Besonderheit gerne als appetitanregende Vorspeise oder Salat gegessen, etwa als Carciofi (Baby-Artischocken: kleine ganze Blütenknospen mit Stiel) oder Cardy (gebleichte große Artischockenblätter). Oder in Öl eingelegt, um sie später für Salate, Risotto oder Nudelgerichte zu verwenden.

 

Weiterführender Link:
Artischocken-Rezepte

 

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