Ahorn: heilsamer Baum aus den Bergwäldern

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Viele Wälder und Parks ziert ein Seifenbaumgewächs, dem die Naturheilkunde kühlende und abschwellende Eigenschaften nachsagt. Ahorn heißt der Baum, der gegen Hautentzündungen, Insektenstiche und Fieber helfen soll.

Der wissenschaftlich als Acer (lat.: acer = spitz, scharf; als Hinweis auf die Blätter) bezeichnete Ahorn gehört zur Pflanzenfamilie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae). Beheimatet ist er in Europa, Kleinasien, Nordafrika und Nordamerika, jedoch wachsen nicht alle Ahornarten in allen genannten Gebieten. Es handelt sich dabei um bis zu 25 Meter hohe, sommergrüne Bäume mit oft handförmig-gelappten Blättern, die eine rötlich-goldene Herbstfärbung durchlaufen. Da sich alle Ahornarten im Gehalt ihrer Wirkstoffe und in ihrer Verwendung ähneln, lässt sich in der Pflanzenheilkunde für sie einfach Ahorn (im Volksmund “Engelsköpfchenbaum“, da seine geflügelten Früchte an tanzende Engel erinnern) als Sammelbegriff verwenden.

Ahorn-Arten

Ahornbäume, von denen es zwittrige und getrenntgeschlechtliche Arten gibt und die durch Insekten oder Wind bestäubt werden, sind Herz- bzw. Flachwurzler und damit empfindlich gegen Bodenverdichtung. Hierzulande findet man sie wild wachsend deshalb vorwiegend in Bergwäldern und zwar drei Arten: den Berg-, Spitz- und Feldahorn:

Der Feldahorn (Acer campestre, Massholder, Messelder, Fladerbaum) besitzt eine rissige, an den Ästen meist knotige Rinde, kleine, fünflappige Blätter und von März bis Mai in aufrechten, weichhaarigen Doldentrauben stehende Blüten.

Der aufgrund seines schönen Wuchses, der frühen Blüte und prächtigen Herbstfärbung gern in Parkanlagen und Alleen gepflanzte Spitzahorn (Acer platanoides, Leinbaum, Leinurle, Len, Lenne, Löhne) weist eine dichte, rundliche Krone, weißliche bis aschgraue glatte Rinde, die sich in länglichen Schuppen vom eher kurzen Stamm abstößt, auf. Zudem herzförmige, gezähnte, glänzende Blätter mit für seinen Namen verantwortlichen spitz geformten fünf Blattlappen und von März bis Mai in aufrechten doldigen Rispen stehende, gelblich-grüne Blüten.

Der Bergahorn (Acer pseudoplatanus, gemeiner Ahorn, weißer Ahorn, Waldahorn, Acher, Aesche, Bergäsche, Fladerbaum, Urle, Weissarle) besteht aus einer dicht belaubten Krone, graubraunen Rinde und handförmigen, fünflappigen, unten weich behaarten Blättern und von März bis Mai herabhängende, traubenartig angeordnete, gelblich-grüne Blüten.

Während in Mitteleuropa nur wenige Ahornarten in freier Natur vorkommen, sind es in Nordamerika oder Ostasien über hundert, unter anderem der Feuer-Ahorn (Acer ginnala), Kolchische Ahorn (Acer cappadocicum), Rot-Ahorn (Acer rubrum), Silber-Ahorn (Acer saccharinum), Tatarische Steppen-Ahorn (Acer tataricum), Wein-Ahorn (Acer circinatum),) Eschen-Ahorn (Acer negundo: gefiederte Blätter) oder Zucker-Ahorn (Acer saccharum).

Die Ahornfrüchte besitzen zwei Flügel, die im stumpfen Winkel auseinanderklaffen. Beide Flügel tragen an der Stelle, wo sie zusammentreffen, je ein flaches Nüsschen. Im Mai noch in schweren, grünen Trauben herabhängend, werden die Früchte später braun und segeln per Windstoß propellerartig durch die Luft.

Das Wärme ausstrahlende, für Drechsler angenehm zu verarbeitende, weiße bis gelbe Ahornholz und zwar vor allem das wie Mahagoni färbbare und gut polierbare Holz des Berg-Ahorns, gilt als eines der wertvollsten Edellaubhölzer. Es wird für den Möbel-, Treppen- und Innenausbau verwendet, ebenso zur Herstellung von Musikinstrumenten, Spielwaren, Haus- (z.B. Wanduhren), Küchen- (z.B. Teller, Löffel), Sport-, Mess- und Zeichengeräten. Einer Legende zufolge war sogar das Trojanische Pferd aus Ahornholz gezimmert.

Inhaltsstoffe & Anwendungsgebiete des Ahorns

Dass der Ahorn zu den Seifenbaumgewächsen zählt lässt – richtig – vermuten, dass er Seifenstoffe (Saponine) enthält, die Pflanzen wahrscheinlich als Abwehrstoffe gegen Pilzbefall und Insektenfraß dienen. Doch er besitzt zudem weitere Wirkstoffe, die auch heute noch in der Volksmedizin genutzt werden wie

  • antioxidativ und adstringierend wirksame sowie auswurffördernde Gerbstoffe
  • vor schädlichen Umwelteinflüssen schützende Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe)
  • Mineralstoffe (Kalium, Calcium, Magnesium, Mangan, Eisen) und Eiweiß in den jungen Blättern und Blüten

Sie sollen der Pflanze kühlende und abschwellende Eigenschaften verleihen und sie somit geeignet machen zur Behandlung von

  • Fieber
  • Geschwüren und Prellungen
  • Insektenstichen (Blätter zerquetschen und auf den Stich legen)
  • Schwellungen an den Lidern und der Haut
  • schweren Beinen und Wadenkrämpfen

Junge Ahorntriebe sollen bei Muskelschmerzen und Menstruationsbeschwerden helfen, abgekochte Ahornrinde als Auflage Ekzeme (Hautentzündungen) mildern oder als Tee wohltuend auf Magen und Darm einwirken. Ahornwasser gilt als Stärkungsmittel. Die Benediktinerin, Dichterin, Universalgelehrte und Heilerin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) setzte am Feuer erwärmtes Ahornholz – auf die erkrankte Stelle aufgelegt – gegen Gicht ein. Gestoßene Ahornwurzeln sollen – ebenfalls aufgelegt – Seitenstechen lindern.

Nach volksmedizinischem Glauben spielt der Johannistag eine besondere Rolle in der Entwicklung der Heilkräfte des Ahorns. Daher werden an diesem Tag (24. Juni) gepflückte Ahornblätter werden getrocknet und später in kochendem Wasser erweicht, sodass sie Wunden zur Heilung verhelfen sollen. Mit zur selben Zeit gebrochenen Ahornzweigen lässt sich angeblich Kopfschmerzen gut beikommen.

Das Erfreuliche daran: Es sind bislang keine Nebenwirkungen zu verzeichnen, sodass lediglich bei einer bestehenden Überempfindlichkeit gegenüber Ahorn von seiner Anwendung abgeraten werden muss.

Nährender Ahorn

Früher wurde der Ahorn als Speisebaum bezeichnet und tatsächlich auch als solcher genutzt. Indem etwa die in Holzgefäße oder Erdgruben unter Luftabschluss eingelegten Blätter des Berg- oder Feldahorns zu Sauerkraut verarbeitet wurden. Der milchige Saft des Ahorns mit seinem ansehnlichen Zuckergehalt fand als wertvoller Energielieferant ebenfalls Verwendung. Und tut es vor allem in Nordamerika auch heute noch, wo der im Frühjahr in der Rinde aufsteigende Saft aus dem Zuckerahorn – ähnlich wie Birkensaft – durch Anbohren gewonnen und zu braunem Zucker eingedickt wird, wobei ein einziger Baum bis zu 40 Liter Saft liefert. Aus den Rückständen wird Ahornessig gewonnen. Vor allem aber wird der Saft verkocht und in den USA und Kanada (nicht umsonst ziert ein Ahornblatt die Flagge Kanadas) zu dem sehr geschätzten Ahornsirup umgesetzt. Er gilt als ein gut bekömmliches, leicht abführendes Süßungsmittel, denn er enthält bis zu acht Prozent Saccharose, außerdem Proteine, Kalzium, Eisen, Phosphor, Kalium und organische Säuren.

Abgesehen davon sind die jungen Keimlinge aller Ahorn-Arten roh und gekocht essbar. Und die Blätter, aus denen sich auch eine Suppe zubereiten lässt, eignen sich – z.B. in Salatmischungen als Beigabe – zum Verzehr, allerdings nur solange sie jung und zart sind, d.h. im Frühjahr. Später werden sie zäh und derb. Früher wurde Ahornlaub als Viehfutter verwendet.

Magischer Ahorn

Wie vielen anderen Heilpflanzen auch werden dem Ahorn magische Kräfte nachgesagt. Etwa Hexen und Dämonen abwehren zu können, wenn Zapfen aus Ahornholz in die Türen und Schwellen geschlagen oder zu Johanni (24. Juni) Ahornzweige gepflückt und an Türen und Fenster gesteckt werden, was auch vor Blitzschlägen bewahren soll. Ahornblätter werden für Geld- und Liebeszauberprozeduren verwendet, denn der Baum steht für Liebe, Langlebigkeit und Geldmittel. Seine Äste werden als Zauberstäbe eingesetzt.
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