Nasenscheidewandverkrümmung: wenn eine schiefe Nase Probleme macht

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Ist die Nase ständig verlegt und verschnupft? Oder sind immer wieder Infekte wie z.B. Nasennebenhöhlenentzündungen im Gange? Dann sollte man an die Möglichkeit einer Septumdeviation (Nasenscheidewandverkrümmung) denken und sich einem Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten vorstellen, denn die von der Mittellinie abweichende Stellung der Nasenscheidewand kann negative Folgen haben.

Die menschliche Nase besitzt eine Scheidewand (Septum nasi), die sie in zwei etwa gleich große Nasenhöhlen teilt. Sehr häufig verläuft dieses Septum statt gerade leicht schief oder ist gebogen. Sofern das die Atmung nicht beeinträchtigt, handelt es sich um eine vernachlässigbare Abweichung. Führt eine solche Nasenscheidewandverkrümmung (Septumdeviation, Deviatio septi nasi) jedoch zu Atembeschwerden oder wiederkehrenden Entzündungen, ist eine operative Korrektur anzustreben.

Ursachen und Zeichen einer Nasenscheidewandverkrümmung

Eine Septumdeviation ist sehr häufig angeboren, d.h. erblich bedingt. Eine Verkrümmung der Nasenscheidewand kann auch durch ein unterschiedlich schnelles Wachstum der knöchernen und knorpeligen Anteile des Septums oder des Mittelgesichtsknochens bei im Wachstum befindlichen Kindern zustande kommen. Eine erworbene Nasenscheidewandverkrümmung entsteht durch eine Gewalteinwirkung (z.B. “Schlag auf die Nase“) wie einen Unfall oder eine Verletzung, bei der der Knochen bricht und danach ungleichmäßig zusammenwächst.

Typische Symptome einer ausgeprägten Nasenscheidewandverkrümmung sind

  • eine Verbiegung der Nasenscheidewand
  • eine einseitige Hyperplasie der Conchae nasales (Vergrößerung der Nasenmuscheln), was eine freie Nasenatmung auf dieser Seite stark behindert bis verunmöglicht, sodass es sogar zu Luftnot (Dyspnoe) kommen kann.
  • eine verlegte Nase und erschwerte Nasenatmung, da der Luftstrom durch die Schiefstellung des Septums behindert wird. In der nicht mehr ausreichend belüfteten, engen und warmen Nase siedeln sich mehr Keime (Viren und Bakterien) an, die eine vermehrte Schleimproduktion und ein Anschwellen der Nasenschleimhaut, d.h. eine Rhinitis (Schnupfen) verursachen. Und Entzündungen auslösen, die sich bis in die benachbarten Schleimhäute des Rachens (Pharyngitis: geröteter Rachen mit die Rachenwand hinunter laufendem weißlichen Schleim) und der Nebenhöhlen (Sinusitis) ausbreiten.
  • eine aufgrund der behinderten Nasenatmung vermehrte Mundatmung. Sie begünstigt – da die so eingeatmete Luft weder erwärmt noch gefiltert wird – die Entstehung von Entzündungen in den Luftwegen – vom Rachenraum (Pharyngitis = Rachenentzündung, Tonsillitis = Gaumenmandelentzündung) bis hin zu den Bronchien (Bronchitis).
  • Schnarchen durch die erschwerte Nasenatmung. Folgen sind Ein- und Durchschlafstörungen, Tagesmüdigkeit und Kopfschmerzen.

Auch das Riechvermögen leidet meist unter den Veränderungen. Darüber hinaus kann Nasenbluten auftreten, wenn z.B. ein Sporn auf der Nasenscheidewand so weit in die Nasenhöhle ragt, dass er die Schleimhaut auf der gegenüber liegenden Nasenwand lädiert.

Diagnostik einer Septumdeviation

Eine starke Verbiegung der Nasenscheidewand lässt sich bereits optisch erkennen. Doch auch weniger deutliche Verkrümmungen können Beschwerden verursachen. Wer auch außerhalb der Erkältungssaison mit dem Luftholen durch die Nase kämpft, ist gut beraten, die Stellung seiner Nasenscheidewand vom Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten prüfen zu lassen. Der ergründet die genaue Lage und Beschaffenheit (z.B. knorpelige und knöcherne Übergänge) sowie den Verlauf des Septums mittels Rhinoskopie (Nasenspiegelung mit einem dünnen Nasenendoskop mit winziger Kamera), die das Innere der Nasenhöhle untersucht.

Eine Rhinomanometrie (“Nasendruckmessung“) misst mit Hilfe einer Atemmaske und eines digitalen Empfangsgerätes den Luftwiderstand beim Ein- und Ausatmen, der als Kenngröße für die Durchlässigkeit der Nase und damit Beeinträchtigung der Nasenatmung dient. Untersucht werden nacheinander beide Seiten der Nase. Zu diesem Zweck wird die gerade nicht untersuchte Seite – z.B. mit einem Schaumstoffpfropfen – verschlossen, dann durch eine spezielle, den Raum vor Nase und Mund abdichtende Maske geatmet. Bei einer Septumdeviation mit behinderter Nasenatmung ist der Luftstrom auf der betroffenen Seite charakteristischerweise vermindert.

Bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen oder eine Computertomographie weisen Brüche, Stauchungen oder Verschiebungen der knorpeligen und knöchernen Nasenstrukturen nach.

Riechprüfungen fahnden nach Riechstörungen und erlauben –vor der Operation durchgeführt – einzugrenzen, ob eine Beeinträchtigung des Riechvermögens eine Folge des Eingriffs ist oder nicht. Zu unterscheiden sind subjektive Riechprüfungen, bei denen jedem Nasenloch getrennt Riechproben (z.B. Kaffee, Kakao, Vanille, Zimt, Lavendel) dargeboten werden, die es zu benennen gilt (Prüfung des Riechnervs). Außerdem Gerüche mit zusätzlichem, meist unangenehmem Sinneseindruck (Prüfung des 5. Hirnnervs) wie z.B. Menthol, Essigsäure oder Formalin und solche, die zusätzlich Geschmacksempfindungen (Prüfung des 7. Hirnnervs) auslösen wie etwa Chloroform. Die Tests erfolgen nach Abschwellen der Nasenschleimhaut mit Hilfe von Nasentropfen. Auf die Art lässt sich feststellen, ob es nach Abschwellen der Nasenschleimhaut zu einer Besserung des Riechvermögens kommt – ein Zeichen, dass eine Riechstörung zumindest teilweise auf eine geschwollene Nasenschleimhaut zurückführbar ist.

Es gibt aber auch eine objektive, d.h. von der Mitarbeit des Getesteten unabhängige Riechprüfung, bei der zwar auch Duftstoffe vor die Nase gehalten werden, die aber nicht erkannt werden müssen. Stattdessen erfassen am Kopf aufgeklebte Elektroden die Hirnströme über denjenigen Hirnregionen, die für die Verarbeitung von Riecheindrücken zuständig sind.

Therapie einer Nasenscheidewandverkrümmung

Ist eine Nasenscheidewandverkrümmung so stark ausgeprägt, dass sie Beschwerden verursacht, ist eine chirurgische Korrektur notwendig. Möglichst erst nach beendetem Wachstum, da sich sonst die Scheidewand wieder verschieben kann. Das heißt bei Kindern werden Operationen der Nasenscheidewand nur bei besonders starker Ausprägung der Verbiegung oder nach Unfällen durchgeführt. Denn da ihr Gesichtsschädel noch nicht ausgewachsen ist, verändern sich auch die knorpeligen und knöchernen Anteile der Nase noch.

Bei dem zumeist durch die Nasenlöcher, seltener durch den Mund durchgeführten Eingriff wird der Nasenknorpel vom Knochen abgetrennt. Dann werden die verkrümmten Septumteile entweder entfernt (Septumresektion) oder wenn möglich begradigt (Septumplastik), eventuelle Sporne und Leisten am Septum abgetragen, so erforderlich die Nasenmuscheln korrigiert (Conchotomie: reicht in bestimmten Fällen als alleinige Maßnahme) und zuletzt die Nasenscheidewand wieder zusammengesetzt, sodass sie spannungsfrei in der Mittellinie der Nase steht. Damit diese neu geformte Scheidewand gerade zusammenwächst, stützen sie an beiden Seiten kleine Halteplättchen, die im Rahmen einer ambulanten Nachsorgeuntersuchung nach rund einer Woche entfernt werden. Ist die Nase nach einer Gewalteinwirkung eingestaucht, kann zudem eine Rekonstruktion ihrer ursprünglichen Form mit Knorpel oder Knochenersatzmaterial erfolgen. Vorübergehend angebrachte Gele oder Tamponaden mit kleinen Luftröhrchen in ihrem Inneren (erlauben eine Nasenatmung gleich nach der Operation) fangen eventuelle geringfügige Nachblutungen ab.

Nach der Korrektur einer Nasenscheidewandverkrümmung ist mindestens eine Woche lang körperliche Schonung angesagt, d.h. die Nase sollte möglichst keinen Belastungen bzw. Bewegungen ausgesetzt sein wie etwa durch Schnäuzen (Gefahr: Septumhämatom; stattdessen: Wundsekret abtupfen), Zähneputzen, Niesen, Schlafen auf der Seite, Tragen einer Brille oder Sport. Auch lokale Hitzeeinwirkungen wie Sonnenbäder, Solariumsbesuche oder Saunagänge sind zu vermeiden, da die Wärmezufuhr eine vermehrte Durchblutung bewirkt, was das Gewebe anschwellen lässt.

Risiken einer Septumoperation

Wie bei jeder anderen Operation auch kann es zu unerwünschten Folgen wie Blutungen, Infektionen Thrombosen, Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen kommen. Darüber hinaus drohen spezifische Komplikationen wie etwa

  • eine Formveränderung der Nase, v.a. des Nasenrückens (“Sattelnase“: Nasenform erinnert an einen Pferdesattel).
  • eine Septumperforation (bleibendes Loch in der Nasenscheidewand), die oft keine Beschwerden, manchmal aber Atem- oder Pfeifgeräusche oder wiederholtes Nasenbluten hinterlässt.
  • ein Septumhämatom, eine Blutansammlung zwischen Knorpel und Nasenschleimhaut, die durch einen kleinen Schnitt in die Nasenschleimhaut gelöst wird, damit der Knorpel, der über keine eigene Blutversorgung verfügt und deshalb vom umliegenden Gewebe ernährt wird, keinen Schaden (Septumperforation) nimmt.
  • eine Krusten- und Borkenbildung durch eingetrocknetes Wundsekret. Eine intensive Nasenpflege mit Ölen, Salben, Emulsionen und Nasenspülungen hält den Prozess hintan.
  • Geruchsstörungen vorübergehender (z.B. durch die Borkenbildung, postoperative Schwellung der Nasenschleimhaut) oder – sehr selten – bleibender (Verletzung des Geruchsepithels am Nasendach) Natur.
  • ein Rezidiv, d.h. eine nochmalige Verkrümmung, weil z.B. die begradigte Nasenscheidewand später abrutscht und somit eine erneute Behinderung der Nasenatmung bewirkt.

 

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