Wetterfühligkeit: Wie Sie Wetterkapriolen Paroli bieten

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Erst warm, gleich darauf kalt – Wetterumschwünge machen Empfindlichen zu schaffen. Zu Unrecht oft belächelt beeinträchtigt Wetterfühligkeit Wohlbefinden, Laune und Leistungsfähigkeit. Außer man steuert dagegen.

Luftdruckschwankungen, Temperatursprünge, wechselnde Luftfeuchtigkeit, Föhn oder Gewitter – schlägt das Wetter solche Kapriolen, spüren viele Menschen – Frauen deutlich häufiger als Männer – diese klimatischen Veränderungen bereits vor ihrem Eintritt. Wetterfühligkeit (Meteoropathie) heißt diese Befindlichkeitsstörung, die mit diversen Beschwerden einhergeht. So lösen z.B. Tiefdruckgebiete Herz-, Kreislaufbeschwerden und Kopfschmerzen aus. Feucht-kühles Wetter spüren dafür Prädestinierte als Gelenks- oder Narbenschmerzen. Eine “Null-Wetterlage” (stagnierende, sich trübende Luft) wiederum fördert das Auftreten von Infarkten, Depressionen und allergischen Reaktionen.

Vegetative Sensibilität entscheidet

Was genau hinter der besonderen Empfindlichkeit gegenüber dem Wetter steckt, bleibt bis dato ungeklärt. Im Verdacht stehen z.B. so genannte “Sferics“, atmosphärische elektromagnetische Impulse, die den Organismus irritieren sollen. Als gesichert in der Medizin-Meteorologie (Biometeorologie, Bioklimatologie, Meteorobiologie) gilt jedenfalls, dass gewisse Wetterlagen zu einer Häufung bestimmter Beschwerden führen. Die Wettersensibilität zeigt sich – mit fließenden Übergängen – in drei Formen, nämlich als:

  • Wetterreaktion: Darunter versteht man die physiologische Reaktion auf atmosphärische Reize, z.B. Kopfschmerzen infolge von Föhn.
  • Wetterempfindlichkeit: Verletzungen und Krankheiten machen sensibel für Klimaveränderungen.
  • Wetterfühligkeit (“das Wetter spüren“) bedeutet eine Überempfindlichkeit gegenüber Witterungserscheinungen, bei der es schon 24 bis 28 Stunden vor Eintritt einer neuen Wetterlage zu Beschwerden kommt.

Welche speziellen Wetterverhältnisse gerade Symptome hervorrufen, lässt sich mit einem mehrwöchig geführten Beschwerdenkalender, in dem Wettererscheinungen (plus Temperatur, Windgeschwindigkeit, Luftdruck und -feuchtigkeit), Eigenbehandlungen und deren Erfolg notiert werden, herausfinden. Diese Aufzeichnungen bilden die Basis für die Entwicklung effektiver vorbeugender Maßnahmen.

Klimakapriolen Paroli bieten

Die Wetterlage lässt sich bekanntlich nicht beeinflussen. Wohl aber deren Auswirkungen auf das Befinden. Hier einige Tipps, wie Wetterumschwünge Sensiblen nicht mehr so viel anhaben können:

  • Bewegung an der frischen Luft: Schlechte Nachricht für Stubenhocker: Sich in den eigenen vier Wänden verkriechen verschlimmert die Situation nur – auch wenn draußen wenig einladende Verhältnisse wie Nässe oder Frost herrschen. Denn durch lange Aufenthalte in künstlich wohltemperierten Räumen (Heizung, Klimaanlage) verlernt man, mit unterschiedlichen Klimareizen zurechtzukommen. Abhilfe schafft regelmäßiges Kreislauftraining mit Outdoor-Sport wie Radfahren, Walken oder Joggen – und zwar bei jeder Witterung.
  • Wellness und Entspannung: Wöchentliche Sauna-Gänge mit anschließender kalter Dusche oder Wechselduschen nach Kneipp regen Durchblutung und Stoffwechsel an und stärken das Immunsystem. Bewusstes Meiden unnötiger Belastungen, Yoga, Pilates, Meditationen und Entspannungstechniken wie z.B. Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson bauen (Wetter-)Stress ab und lassen sich situationsspezifisch anwenden.
  • Energiequelle Schlaf: Zur Bewältigung von spannungsgeladenen Episoden wie z.B. Wetterumschwüngen ist ein regelmäßiger Schlaf-Wachrhythmus mit Einhaltung der individuell notwendigen Schlafzeit (normal: zwischen vier und zehn Stunden pro Nacht) unerlässlich. Jedes länger dauernde Schlafdefizit rächt sich mit zusätzlicher Belastung des Organismus in Form von Symptomen wie z.B. Tagesmüdigkeit und erhöhter Infektanfälligkeit.
  • Gesund leben: Eine ausgewogene, vitalstoffreiche Ernährung, das Normalgewicht halten und der Verzicht auf Genussgifte wie Nikotin bzw. zuviel Alkohol oder Koffein lindern wetterbedingte Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen.
  • Kräuter und östliche Heilkunst: Gegen Symptome der Wetterfühligkeit bewährt haben sich – neben Lavendel, Weißdorn, Schlüsselblumenblüten, Johanniskraut und Schafgarbe – vor allem die Melisse (Melissentee oder Melissengeist), die Homöopathie sowie die zur Traditionellen Chinesischen Medizin gehörige Akupunktur.

 

Ratsuchende Wetterfühlige finden Unterstützung bei der vom Fonds Soziales Wien geführten Beratungsstelle für Wetterfühligkeit unter der Tel.Nr.: 01/4000 667 30.