Wenn es auf der Straße kracht: Erste Hilfe am Unfallort

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Nur ein Moment der Unachtsamkeit und schon krachen Fahrzeuge ineinander oder nehmen unfreiwillig Kontakt auf mit Bäumen, Masten oder anderen Objekten. Das geht auch an ihren Insassen oft nicht spurlos vorüber. Dann sollte jeder Verkehrsteilnehmer und Passant imstande sein, Erste Hilfe zu leisten, was Fahrzeuglenker ja einst in einem Kurs auch gelernt haben. Doch viele potenzielle Ersthelfer haben Angst, bei der Versorgung von Verletzten etwas falsch zu machen. Das verkehrteste, was man tun kann ist aber, gar nichts zu tun.

Zugsunglücke und Flugzeugabstürze sind spektakuläre, aber eher seltene Ereignisse, die Schlagzeilen machen. Die größere Gefahr, sein Leben zu lassen oder verletzt zu werden, lauert jedoch auf der Straße. Dort, wo sich die meisten von uns täglich tummeln – als Fußgänger, Zweirad- oder Autofahrer oder Benützer öffentlicher Verkehrsmittel. Dementsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit, einen Verkehrsunfall zu erleben – als Beobachter oder gar als Beteiligter. Dann sollte man wissen, wie man sich am Unfallort verhält, was leider längst nicht auf alle Verkehrsteilnehmer zutrifft. Denn Fußgänger sind nicht verpflichtet, einen Kurs in Erste Hilfe zu absolvieren. Führerscheinbesitzer schon, aber die können sich häufig nicht mehr erinnern, was dort vor Jahren alles gelehrt wurde. Viele fühlen sich deshalb hoffnungslos überfordert, kommen sie in die Situation, im Straßenverkehr Verunglückte versorgen zu sollen. Dabei ist Soforthilfe wichtig, entscheiden doch nach schweren Verkehrsunfällen oft Minuten über die Überlebenschancen von Verunglückten. Den gravierendsten Fehler, den man dabei machen kann ist allerdings, nichts zu unternehmen. Häufig helfen schon wenige Handgriffe viel – wenn man sich nur traut. Daher hier die wichtigsten Tipps, was man nach einem Crash am besten tut, bis der Notarzt eintrifft.

Auf jeden Fall helfen

Im Notfall Erste Hilfe zu leisten, ist für jeden sowohl eine moralische als auch eine rechtliche Pflicht. Andernfalls macht man sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar – etwa wenn man bei einem Autounfall mit Verletzten einfach weiterfährt. Richtig ist: Das eigene Fahrzeug mit ausreichend Sicherheitsabstand (10-20 m) zum Unfallort abstellen und Hilfe anbieten.

Auf Eigensicherung achten

Auch wenn die Absicht, andere zu retten, noch so edel sein mag, ist niemandem geholfen, wenn sich Helfer dabei selbst in Gefahr bringen. Richtig ist: Die Warnblinkanlage einschalten, eine Warnweste anlegen und möglichst nicht auf der Fahrbahn herumlaufen, d.h. beispielsweise auf Autobahnen hinter der Leitplanke zur Unfallstelle gehen.

Die Unfallstelle absichern

Ebenso wenig hilfreich ist es, weitere Verkehrsteilnehmer in Gefahr zu bringen, d.h. Folgeunfälle (erhöhtes Risiko in der dunklen Jahreszeit mit schlechten Sicht- und Straßenverhältnissen) zuzulassen. Richtig ist: Ein Warndreieck aufstellen und zwar auf Landstraßen 100 Meter, auf Autobahnen 200 Meter von der Unfallstelle entfernt – nicht auf die Fahrbahn, sondern an den Rand, damit es nicht umgefahren wird. Bei Kurven und Bergkuppen das Warndreieck davor aufstellen.

Sich einen Überblick verschaffen und einen Notruf absetzen

Um adäquat helfen und beim Notdienst zweckdienliche Angaben machen zu können, erfordert es zumindest einen groben Überblick über die Situation zu haben: Wo ist der Unfall passiert? Wie viele Menschen sind verletzt? Gibt es Bewusstlose? Sind weitere Helfer in der Nähe, die mitanpacken können? Drohen weitere Gefahren (z.B. Absturz eines Autos an einer Böschung)? Richtig ist: Den Rettungsdienst (Tel.: 144 oder 112) alarmieren, dessen Fragen beantworten und ev. Anweisungen befolgen.

Bedarfsweise Insassen aus dem Fahrzeug holen

Wenn ein Unfallauto weder brennt noch Benzin verliert und es sicher steht, seine Insassen zwar eingeklemmt, aber bei Bewusstsein sind, ist lediglich Wärme spenden, Wunden versorgen und trösten angesagt. Läuft aber Benzin aus, brennt das Auto oder muss ein Verunfallter wiederbelebt werden, wird es notwendig, die Insassen aus dem Fahrzeug (nur, wenn der Eigenschutz gewährleistet ist!) zu holen. Richtig ist: Wenn erforderlich zwecks Zugang zu dem/den Verunfallten Scheiben einschlagen (nicht direkt neben dem Gesicht von Insassen!). Wenn möglich den Motor abstellen. Den Gurt lösen oder durchschneiden. Das Unfallopfer an der entfernteren Hüfte fassen, es auf die Sitzkante ziehen und mit dem Rücken zur Tür drehen. Es im Rettungsgriff fassen, vorsichtig aus dem Fahrzeug ziehen, an einen sicheren Ort bringen, zudecken, betreuen und beobachten.

Bei verunglückten Motorradfahrern kann der Helm zur Gefahr werden (Ersticken an Erbrochenem bei Bewusstlosigkeit). Außerdem ist eine Überprüfung auf Atemtätigkeit bzw. Beatmung mit Helm nicht möglich. Richtig ist: Den Helm sehr vorsichtig (falls die Halswirbelsäule verletzt ist) herunternehmen.

Bei Bedarf Wiederbelebungsmaßnahmen setzen

Ob und welche Erste Hilfe Maßnahmen erforderlich sind, hängt vom Bewusstseinszustand sowie dem Vorhandensein der Vitalparameter Atmung und Puls ab. Richtig ist: Zunächst die Bewusstseinslage prüfen durch Ansprechen bzw. Kneifen des Verunglückten. Beim Bewusstlosen kontrollieren, ob er atmet und Puls hat. Dazu die eigene Wange an Mund und Nase des Verletzten halten und prüfen, ob man den Atem auf der Haut spürt bzw. danach Ausschau halten, ob sich der Brustkorb hebt und senkt. An den Halsschlagadern nach Pulsschlägen tasten.

Atmet er nicht oder ist kein Puls spürbar, sofort mit der Herz-Druck-Massage und Beatmung beginnen: Den Verunfallten auf eine harte Unterlage legen, 30 Mal mit übereinander gelegten Handballen die Mitte seines Brustbeins vier bis fünf Zentimeter niederdrücken, dann ihm bei nackenwärts überstrecktem Kopf und zugehaltener Nase zweimal über den Mund eine Atemspende verabreichen, sodass sich der Brustkorb hebt – beides solange wiederholen, bis er selbst wieder atmet und Herzschlag hat oder die Rettungsmannschaft die Reanimation übernimmt.

Bewusstlose mit eindeutig vorhandener Atmung und Kreislauf, aber ohne Hinweis auf eine Wirbelsäulenverletzung (sonst möglichst nicht bewegen!) hingegen einfach nur in die stabile Seitenlage bringen.

Wunden versorgen

Dabei geht es nicht um die Behandlung von Bagatellverletzungen, sondern in erster Linie um die Blutstillung bei stärkeren Blutverlusten. Richtig ist: Den Verbandskasten öffnen, Handschuhe anziehen, Verbandspäckchen aufreißen und den Verband so fest anlegen, dass er Druck auf die verletzte Stelle ausübt. Bei Wunden an den Extremitäten den Arm oder das Bein hochlagern.

Starke Blutverluste können einen Schock verursachen (Anzeichen: blasse, kalte und schweißnasse Haut, starkes Zittern, schneller und schwächer werdender Puls, Angst, Unruhe, später Teilnahmslosigkeit). Richtig ist: Die Beine erhöht lagern, damit die lebenswichtigen Organe (Herz, Gehirn) ausreichend mit Blut versorgt werden.

Wärme spenden

Unfallopfer drohen rasch auszukühlen – auch an heißen Sommertagen. Das hat zur Folge, dass sie mehr bluten, schneller ein Lungen- und Nierenversagen entwickeln oder sich wegen der Gerinnungsstörung schlechter operieren lassen sowie insgesamt schlechtere Überlebenschancen haben. Richtig ist: Verletzte mit Kleidungsstücken, einer Wolldecke oder einer Rettungsfolie (mit der silbernen Seite nach unten) aus dem Verbandkasten zudecken und warmhalten.

Psychische Betreuung

Haben Unfallopfer das Gefühl, allein zu sein, kann sich ihr Zustand verschlimmern, denn das Ereignis bedeutet für sie neben den körperlichen Verletzungen auch großen psychischen Stress. Richtig ist: Verunglückte trösten („Ich bleibe bei Ihnen. Hilfe kommt.“ etc.), sie beruhigen und ihnen beistehen.

Doch noch unschlüssig, ob Sie sich im Ernstfall anzupacken trauen? Dann schafft ein Kurs in Erster Hilfe (z.B. beim Roten Kreuz), den ohnehin jeder Erwachsene in regelmäßigen Abständen auffrischen sollte, für mehr Sicherheit.

 

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