Was ist Krebs? 

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Häufen sich Schäden im Erbmaterial gesunder Zellen an und fallen Sicherungssysteme, die diese Fehler reparieren sollen, aus, wandeln sich diese Zellen Schritt für Schritt um. Verlieren bestimmte normale Eigenschaften und erhalten dafür neue, andere. Wie etwa die Fähigkeit, sich unkontrolliert zu teilen. So entsteht Krebs. Eine gefürchtete Erkrankung, die sich durch drei Charakteristika auszeichnet: eine ungebremste Zellvermehrung, bösartige Gewebsneubildung und Ausbreitung im Organismus.

Im Erbmaterial bewirken verschiedene Einflüsse (z.B. Kopierfehler bei der Verdoppelung des Erbguts im Rahmen der Zellteilung oder Einwirkung potenzieller Kanzerogene, d.h. krebserregender Stoffe) laufend schadhafte Veränderungen (Mutationen). Normalerweise beheben körpereigene Reparaturmechanismen diese Fehler bzw. fallen Zellen, deren genetische Schäden nicht ausgebessert werden können, der Apoptose (programmierter Zelltod) anheim. Greifen diese Mechanismen nicht mehr ausreichend, was v.a. mit zunehmendem Alter der Fall ist (das erklärt, dass die meisten Arten von Krebs gehäuft bei Senioren auftreten), werden die Mutationen bei der Zellteilung an die Tochterzellen weitergegeben. Sie führen zu einer Aktivierung von Krebsgenen (Onkogene) und gleichzeitig zu einem “Abschalten“ sogenannter Suppressorgene, deren Produkte ein wesentliches Merkmal von Tumoren unterdrücken: die unkontrollierte Teilung mutierter Zellen.

Somit erhöht sich die Chance, dass ursprünglich normale Zellen zu Krebszellen entarten (Anaplasie), die in gesundes Gewebe einwachsen und es schädigen. Bei den meisten Krebsarten formieren sich die Krebszellen zu einer Geschwulst (Tumor, Primärtumor), die das Organ zerstört, aus dem sie entstanden ist, was meist zu Beschwerden (z.B. Schmerzen, Funktionseinbußen) führt.

Darüber hinaus kann sich ein Teil der Zellen aus dem Primärtumor loslösen, über die Blut- und Lymphbahnen in andere Organe gelangen und sich dort (z.B. in der Leber, Lunge, in Knochen, im Gehirn) niederlassen. Auf die Art entstehen Tumorabsiedelungen, auch Tochtergeschwülste oder Metastasen genannt. Dabei unterscheidet man zwischen Lymphknotenmetastasen und Fernmetastasen (Tochtergeschwülste in nicht benachbartem Gewebe). Wo sie entstehen, hängt davon ab, wo der Tumor liegt und wohin die Blut- und Lymphgefäße aus dem Tumor abfließen (z.B. Darmkrebs: in erster Linie in die Leber, Brustkrebs in die Lymphknoten der Achselhöhle). Wie es darum beim jeweiligen Krebs bestellt ist, klassifiziert das international geltende TNM-System (engl.: tumor, node, metastasis), bei dem bestimmte Buchstaben und Zahlen für bestimmte Merkmale stehen:

  • T = Tumor bzw. Größe des Primärtumors (T1 = klein bis T4 = groß),
  • N = Lymphknotenbefall (N0 = keine, N1 = regionale, N2 und N3 = weiter entfernte Lymphknotenmetastasen)
  • M = Metastasen (M0: keine, M1: vorhandene Fernmetastasen)

Leukämien, die von Beginn an im gesamten Körper auftreten, werden anhand ihres zeitlichen Verlaufs, des Aussehens und Anteils veränderter Zellen im Blut oder Knochenmark klassifiziert, Lymphome in Hodgkin-Lymphome und Non-Hodgkin-Lymphome unterteilt.

Dass Krebs (Neoplasie, bösartiger Tumor, maligner Tumor, Karzinom, Malignom) mit der Zeit lebenswichtige Strukturen und Funktionen von Organen beeinträchtigt und daher häufig zum Tod führt, erfahren Jahr für Jahr Millionen von Menschen am eigenen Leib. Krebs stellt nach Herz-Kreislauferkrankungen nämlich weltweit die zweithäufigste Todesursache dar.

Unterschiede: gutartiger Tumor – bösartiger Tumor

Das Wort “Tumor“ (lat.: Schwellung, Verhärtung) allein kennzeichnet noch keinen Krebs, denn dieser Begriff steht für Schwellungen aller Art, z.B. auch solche, die durch eine Entzündung, einen Erguss usw. zustande kommen. Selbst wenn ein Gewächs als Tumor bezeichnet wird, heißt das noch nicht, dass es bösartig sein muss, denn es gibt auch gutartige Tumore.

Benigne (gutartige) Tumore sind abnorme Vergrößerungen, Wucherungen oder Neubildungen (Neoplasien) von nicht entartetem, körpereigenem Gewebe. Sie beschränken sich auf den Ort ihrer Entstehung, wo sie sich vom umliegenden Gewebe abkapseln, das sie durch ihr Wachstum allerdings verdrängen können. Beispiele: Muttermale, Lipome, Myome, Hämangiome.

Maligne (bösartige) Tumore hingegen zeigen ein infiltratives Wachstum, d.h. sie dringen aggressiv in ihre Nachbarschaft (betroffenes Organ, später: über die Organgrenzen hinaus) ein und zerstören es. Sie setzen die Kontrollmechanismen (normaler Zellzyklus zur ständigen Erneuerung von Gewebe: durch wachstumskontrollierende Gene, Regulationsproteine und komplizierte Signalübertragungsketten streng geregelte Abfolge der Wachstums-, Teilungs- und Ruhephasen der Zellen) des Körpers außer Kraft, indem sie durch unbegrenzte Teilung “unsterblich“ werden und überschießend wachsen. Deswegen sind Krebszellen sehr wandlungsfähig hinsichtlich ihrer biologischen Eigenschaften, was ihre therapeutische Beeinflussbarkeit teilweise begrenzt. Die schnellen Zellteilungen bedingen zudem, dass die Krebszellen meist nicht voll ausdifferenzieren, also unreif bleiben und daher die Funktion(en) des Gewebes, aus dem sie entstehen, nicht erfüllen können.

Ihr Differenzierungsgrad (Unterscheidung von den gesunden Zellen) gibt daher oft Aufschluss über das Verhalten des Tumors. Er wird festgestellt im “Grading“, einer histologischen Einteilung des Tumors nach Aggressivität respektive Malignität (Bösartigkeit; G1 = niedrige Bösartigkeit bis G4 = ausgeprägte Bösartigkeit). Die Kennzeichnung R (Residualtumor) verrät, ob noch ein Resttumorgewebe nach einer operativen Behandlung vorhanden ist (R0 = kein Resttumor, R1 oder R2 = Resttumor in verschiedenem Ausmaß, RX = keine Beurteilung möglich).

Für ihre Ausbreitung nutzen Malignome nicht nur vorhandene Gefäßbahnen, sondern auch bestimmte Wachstumsfaktoren, um die Bildung von Blut- und Lymphgefäßen (Angiogenese), durch die sich die Krebszellen die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen sichern und über die sie sich im Organismus verteilen (Metastasierung), voranzutreiben. Sie werden in 3 Hauptgruppen unterteilt:

  • Karzinome: bei dieser häufigsten Krebsform bildet sich ein solider Tumor in epithelialen Geweben (Organ-Deckgewebe), der Haut, Auskleidung von Körperhöhlen (z.B. Darmschleimhaut), im Brust- oder Prostata-Drüsengewebe. Entsteht der Tumor während der Entwicklung eines Organs oder Gewebes, spricht man von einem Blastom. Geht er von einer Keimdrüse (Eierstock bzw. Hoden) aus, bezeichnet man ihn als Keimzelltumor.
  • Sarkome: hier entwickelt sich im Nerven- (Neurosarkom), Binde- (Fibrosarkom) und Stützgewebe wie z.B. Knochen (Osteosarkom) oder Knorpel (Chondrosarkom), im Fett (Liposarkom), in Muskeln (Myosarkom) oder Blutgefäßen (Angiosarkom) ein solider Tumor.
  • Leukämien (“Blutkrebs“) und Lymphome (“Lymphdrüsenkrebs“): diese bösartigen Systemerkrankungen entstehen aus Zellen im Blut, in den blutbildenden (Milz, Knochenmark) oder lymphatischen (Lymphknoten) Organen. Sie beschränken sich nicht auf ein Organ, sondern betreffen den ganzen Körper (daher “systemisch“).

Krebs kann sich grundsätzlich so gut wie in jedem Organ entwickeln, doch gibt es Organe, in denen das öfter geschieht als in anderen. Frauen leiden am häufigsten an Brust- oder Darmkrebs, Männer an Prostata- oder Darmkrebs. Bei Kindern findet man vor allem Leukämien und Lymphome, Hirn- und Rückenmarkstumore. Der Dünndarm, die Leber, Muskeln, Sehnen, Bänder, Gelenke, Knochen sowie bei Nichtrauchern die Lunge sind Orte, wo sich nur selten bösartige Primärtumore bilden.

Kanzerogene: was Krebserkrankungen auslöst

Bei vielen Krebserkrankungen lässt sich nicht eindeutig sagen, worauf sie zurückzuführen sind, denn ihre Entstehung beruht auf einem komplexen Prozess, dem vielfältige Ursachen zugrunde liegen (“multifaktorielle Genese“). Es gibt aber Faktoren, die das Risiko für die Krebsentstehung nachweislich erhöhen. Wie etwa

  • chemische Substanzen, z.B. im Tabakrauch, in Nahrungsmitteln (z.B. Nitrosamine), Aflatoxine (Schimmelpilzgifte), Asbest u.a.m.
  • Strahlen: z.B. UV-Strahlen (Sonne, Solarium; Hautkrebs), radioaktive Strahlung (Leukämien).
  • Virusinfektionen: z.B. das humane Papillomavirus (HPV; Gebärmutterhalskrebs), Hepatitis-C-Virus (Leberzellkrebs).
  • ein übermäßiger Alkoholkonsum (z.B. Leber- oder Speiseröhrenkrebs).
  • eine ungesunde Lebensweise: Fehlernährung, körperliche Inaktivität, Übergewicht.

In einem gewissen Teil der Fälle – z.B. von Dickdarm-, Brust- oder Eierstockkrebs – ist die Veranlagung zur Krebsentstehung genetisch bedingt. Dann tritt das Karzinom in den betroffenen Familien in jeder Generation und oft bereits in jungen Jahren auf. Als Kofaktoren der Krebsentstehung werden psychische Befindlichkeiten in Betracht gezogen (z.B. Häufung von Prostatakarzinomen bei Kindesverlust laut Statistik).

Wie Krebs in Erscheinung tritt

Im Frühstadium verursachen die meisten Krebsformen oft keine oder nur unspezifische Symptome. Je nach betroffenem Organ können jedoch verschiedene Warnzeichen – vor allem, wenn sie länger andauern – auf einen bösartigen Tumor hinweisen. Etwa farbliche oder größenmäßige Veränderungen von Muttermalen auf einen Hautkrebs, Blut im Stuhl auf Darmkrebs, ein Knoten in der Brust auf Brustkrebs oder Heiserkeit auf Kehlkopfkrebs u.v.a.m. Doch auch Allgemeinsymptome wie Schmerzen ungeklärter Herkunft, eine anhaltende Appetitlosigkeit, Blässe, ständige Müdigkeit, Abgeschlagenheit und ein unerklärlicher Gewichtsverlust können Anzeichen für einen Krebs sein.

Entsprechend der möglichen Symptomenvielfalt ist es auch nicht immer einfach, einem Krebsleiden auf die Spur zu kommen. Je nach Verdacht auf eine bestimmte Krebsart werden zu ihrer Diagnostik bildgebende Verfahren (z.B. Röntgen, Ultraschall), Laborwerte (z.B. Tumormarker: körpereigene Substanzen, die bei manchen Tumoren im Blut vermehrt vorkommen) oder auch feingewebliche Untersuchungen von zuvor entnommenen Gewebeproben (Biopsie) herangezogen. Für einige erblich bedingten Krebsleiden gibt es für Risikopersonen genetische Untersuchungen. Metastasen lassen sich mithilfe einer Skelettszintigraphie nachweisen.

Behandlungsmöglichkeiten: “Stahl und Strahl“

Rund. 30% aller Krebspatienten können derzeit von ihrer Krankheit geheilt werden, etwa 90% davon durch eine lokoregionäre Behandlung, d.h. durch Operation und Strahlentherapie, wobei die Heilungschancen umso besser sind, je früher ein Tumor erkannt wird. Am besten, wenn er sich noch auf sein Entstehungsorgan begrenzt und nicht bereits in mehrere Organe gestreut hat. Nur sehr selten kommt es zu einer Spontanremission, d.h. dem Verschwinden des Tumors ohne jegliche anerkannte Behandlung. Die Heilungschancen einzelner Tumorformen werden oft in Form der 5- oder 10-Jahres-Überlebensrate beurteilt.

Zur Anwendung kommen je nach Tumorart, -stadium und -eigenschaften Therapien wie:

  • eine Operation, d.h. chirurgische Entfernung des Tumors und benachbarter Lymphknoten.
  • eine Strahlentherapie, d.h. Applikation von radioaktivem Jod oder gezielte Bestrahlungen mit ionisierenden Strahlen oder Mikrowellen (Aufheizung des Gewebes) zur Tumorschrumpfung.
  • Arzneien: eine Chemotherapie (mit Zytostatika = Zellgifte, die allerdings auch gesunde Zellen angreifen), bei hormonsensitiven Tumoren (z.B. einige Formen von Brust- und Prostatakrebs) eine Hormontherapie (mit Hormonen oder Antihormonen), Immuntherapie (Antikörpertherapie: Steigerung der Immunantwort auf die Tumorzellen), eine medikamentöse Hemmung des Blutgefäßwachstums) oder zielgerichtete Krebstherapie mit Mitteln, die speziell Tumorzellen angreifen, indem sie deren Stoffwechselprozesse beeinflussen.
  • Palliativbehandlung bei Aussichtslosigkeit auf Heilung zur Verbesserung des Allgemeinbefindens, etwa in Form einer Schmerzbehandlung, Optimierung der Ernährung, Hemmung des Knochenabbaus, Steigerung der Blutbildung im Knochenmark oder auch alternativer Behandlungsmethoden.

Da Krebs zusätzlich eine erhebliche seelische Belastung bedeutet, ist es ratsam, qualifizierte psychologische Unterstützung oder auch eine Selbsthilfegruppe in Anspruch zu nehmen, um mit der Erkrankung und ihren Auswirkungen auf die persönliche Lebenssituation besser fertigzuwerden.

Krebs vorbeugen

Da der Lebensstil großen Einfluss auf die Entstehung vieler Krebsarten hat, empfiehlt es sich

  • nicht zu rauchen bzw. das Rauchen einzustellen.
  • nur in Maßen Alkohol zu konsumieren.
  • sich ausgewogen zu ernähren, d.h. täglich frisches Obst und Gemüse sowie ballaststoffreiche Getreideprodukte verzehren, bei tierischen Fetten aber Maß zu halten.
  • sich täglich zu bewegen.
  • das Gewicht zu normalisieren.
  • übermäßige Sonnenbestrahlung, Sonnenbrände und radioaktive Belastungen zu vermeiden.
  • Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften im Umgang mit krebserregenden Stoffen (z.B. am Arbeitsplatz) einzuhalten.
  • regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen (z.B. Mammographie, gynäkologischer Gebärmutterhalsabstrich, Prostatatastuntersuchung, Test auf Blut im Stuhl bzw. Coloskopie).
  • sich gegen Hepatitis B und humane Papillomviren impfen zu lassen.

 

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