Vorsorgeuntersuchung: Früherkennung erhöht Heilungschancen

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Auch wenn inzwischen viele Erkrankungen heil- oder wenigstens therapierbar sind: Ihnen vorzubeugen ist allemal besser. Daher gibt es hierzulande schon seit Jahrzehnten freiwillige, umfassende und kostenlose Vorsorgeuntersuchungen, die neben der Erhaltung der Gesundheit zwei Ziele verfolgen: gesundheitliche Risikofaktoren zu vermeiden (Primärprävention) und Krankheiten zu verhüten oder wenigstens frühzeitig zu erkennen (Sekundärprävention), weil sie dann in der Regel nachhaltiger bekämpfbar sind und somit höhere Heilungschancen haben.

Der Erfolg gibt Präventivmaßnahmen wie der Vorsorgeuntersuchung (“Gesundenuntersuchung“) recht: Seit ihrer Einführung in Österreich Mitte der 1970er-Jahre ist die Lebenserwartung beider Geschlechter deutlich angestiegen. Die Sterblichkeitsrate an bestimmten Krankheiten (z.B. Gebärmutterhalskrebs: PAP-Abstrich zur Früherkennung, Reduktion tödlicher Schlaganfälle durch frühzeitige Bluthochdrucktherapie) ist hingegen gesunken. Dennoch nehmen immer noch zu wenige Krankenversicherte die wichtigen Untersuchungen in Anspruch. Und riskieren damit ihre Gesundheit oder sogar ihr Leben.

Schwerpunkte der Vorsorgeuntersuchung

Die Hauptanliegen der Vorsorgeuntersuchung, die hierzulande jedem Erwachsenen ab dem 18. Lebensjahr mit Wohnsitz in Österreich jedes Jahr kostenlos zusteht, liegen auf der Früherkennung und Prävention (Vorbeugung) bestimmter Krankheiten und zwar der:

Früherkennung von Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall), die in Österreich Todesursache Nummer eins sind. Dazu zählen erhöhte Cholesterin- und Blutzuckerwerte, Übergewicht und Rauchen. Der Arzt erstellt aus den erfragten Lebensgewohnheiten (z.B. Nikotin-, Alkoholkonsum), der körperlichen Untersuchung und den erhobenen Werten (z.B. Gewicht, Blutdruck), die er zueinander in Beziehung setzt, ein individuelles Risikoprofil für den Untersuchten.

Früherkennung von Risikofaktoren für Stoffwechselerkrankungen: Hier liegt die Gewichtung v.a. in der Erkennung eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), der sich in Österreich inzwischen zu einer Volkskrankheit entwickelt hat und unbehandelt zu schweren Folgeschäden (Herzinfarkt, Schlaganfall, Augen- und Nierenprobleme, diabetisches Fußsyndrom) führen kann. Die Erhebung von Diabetesfällen in der Familie und gemessene Blutzuckerwerte liefern Hinweise auf ein erhöhtes Diabetesrisiko bzw. eine vorliegende Zuckerkrankheit.

Früherkennung häufiger Krebserkrankungen wie Gebärmutterhals-, Brust- und Darmkrebs, die hierzulande die zweithäufigste Todesursache darstellen. Denn Tumore im Frühstadium erlauben oft die Anwendung von weniger belastenden Therapieverfahren als fortgeschrittene Krebserkrankungen. Deshalb wird ein sogenannter PAP-Abstrich (Krebsabstrich) für Frauen ab dem 18. Lebensjahr zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs empfohlen. Außerdem ein Brustkrebsscreening mittels Mammografie (Röntgenuntersuchung der Brust) alle 24 Monate, das sich besonders an Frauen im Alter zwischen 45 und 69 Jahren richtet. Und eine erweiterte Darmkrebs-Früherkennung für Frauen und Männer ab dem 50. Lebensjahr mit zusätzlich zum jährlichen Hämoccult-Test (Untersuchung auf Blut im Stuhl) alle zehn Jahre stattfindender Koloskopie (Darmspiegelung).

Prävention von Suchterkrankungen: Erfasst wird der Konsum von Tabak, Alkohol und Medikamenten, angeboten die Unterstützung bei der Entwöhnung.

Prävention von Parodontalerkrankungen: Eine – oft schmerzfrei verlaufende und daher gern vernachlässigte – Parodontitis (bakterielle Zahnbetterkrankung) bildet den größten Risikofaktor für Zahnausfall. Ziel der Vorsorgeuntersuchung ist es, durch geeignete Vorbeugung den Krankheitsverlauf zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen.

Prävention von Erkrankungen des höheren Alters: Hier geht es um die Erkennung von Hörstörungen (z.B. Flüstertest) und Sehbeeinträchtigungen, unter denen fast ein Drittel aller über 65-Jährigen leiden und die Lebensqualität kosten.

Ablauf der Vorsorgeuntersuchung

Die Gesundenuntersuchung, die sich in Basisuntersuchungen und Zusatzuntersuchungen für bestimmte Zielgruppen gliedert, beginnt mit einer ausführlichen Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte), d.h. der Arzt fragt nach aktuellen und vergangenen Beschwerden, Erkrankungen und Behandlungen (z.B. eingenommene Medikamente), familiären Vorbelastungen und Lebensgewohnheiten, erfasst die Informationen in einem Anamnesebogen sowie Alkoholfragebogen (wie oft wird wie viel getrunken) und verschafft sich so ein erstes Bild über den Gesundheitszustand.

Es folgt eine ausgiebige körperliche Untersuchung, die dem Arzt einen ersten Eindruck über die körperliche Verfassung und den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten vermittelt. Sie umfasst:

  • eine Inspektion der gesamten Haut nach Auffälligkeiten und Veränderungen
  • eine Testung der Beweglichkeit des Halses und sein Abtasten zur Beurteilung der Schilddrüse
  • eine Tastuntersuchung der Lymphknoten (Hals, Achselhöhlen, Leistenbeuge etc.)
  • eine Kontrolle der Herzfrequenz mittels Pulsmessung und das Abhören des Herzens
  • eine Auskultation (Abhören) der Lunge
  • ein Abtasten und Abhören des Bauches zwecks Beurteilung der Leber und Darmaktivität
  • eine Prüfung der Gelenke auf Beweglichkeit, Schmerzhaftigkeit und Schwellungen und der Wirbelsäule auf Krümmung und Beweglichkeit
  • eine Untersuchung der Gefäßpulse und Prüfung der Durchblutung an Armen und Beinen (durch Tasten oder mithilfe einer Blutdruckmanschette) zur Feststellung von Arterienverengungen

Zudem wird der Blutdruck gemessen und der Body-Mass-Index (BMI) zur Feststellung von Über- oder Untergewicht berechnet.

Schließlich erfolgt eine Blutabnahme, wofür der Patient nüchtern (acht bis zwölf Stunden davor keine Nahrungs- und Getränkezufuhr) sein muss. Das abgezapfte Blut landet im Labor, wo der Blutzucker, die Gamma-GT (Gamma-Glutamyl-Transferase, Leberwert) und Blutfette (Cholesterin, Triglyzeride) bestimmt, bei Frauen zusätzlich das rote Blutbild (Erkennung einer ev. Blutarmut) beurteilt wird. Darüber hinaus erfolgt eine Harnuntersuchung, um Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwege festzustellen. Zu diesem Zweck gibt die der Patient eine Harnprobe in einem kleinen Becher ab, woraus mittels Harnstreifentests nach normalerweise im Urin kaum vorkommenden Bestandteilen wie Leukozyten, Eiweiß, Glucose, Nitriten, Urobilinogen und Blut gefahndet wird. Zu guter Letzt erhält der Patient Kärtchen zum Auftragen von Stuhlproben zur Untersuchung auf verstecktes Blut (Hämoccult-Test), was Anzeichen für einen Darmtumor sein kann.

Sämtliche Untersuchungsergebnisse werden in einem Arztbrief dokumentiert und mit dem Arzt bei einem Folgetermin in einem Abschlussgespräch besprochen. Verbunden mit einer Aufklärung über den aktuellen Gesundheitszustand und bei Bedarf einer Beratung über gesunde Lebensführung. Finden sich in den erhobenen Befunden Hinweise auf krankhafte Veränderungen, können weiterführende Untersuchungen empfohlen oder veranlasst werden (z.B. Hörtest beim Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde bei vermuteter Hörschwäche).

Anlaufstellen für Vorsorgeuntersuchungen

  • Die Basisuntersuchungen können in Anspruch genommen werden
  • bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten für Allgemeinmedizin mit einem eigenen Kassenvertrag für die Vorsorgeuntersuchung
  • Fachärztinnen und Fachärzten für Innere Medizin mit einem eigenen Kassenvertrag für die Vorsorgeuntersuchung
  • Fachärztinnen und Fachärzten für Lungenheilkunde mit einem eigenen Kassenvertrag für die Vorsorgeuntersuchung
  • bei Vertragseinrichtungen beziehungsweise Gesundheitszentren der Krankenkassen

Mitzubringen ist auf jeden Fall die e-card als Anspruchsnachweis. Am besten aber auch Befunde über vorausgegangene Untersuchungen, Arztbriefe über bereits stattgefundene Vorsorgeuntersuchungen (erlaubt Vergleiche erhobener Werte) und eine Liste aller regelmäßig eingenommenen Medikamente.

Der PAP-Abstrich aus dem Gebärmutterhals mithilfe einer Cervixbrush (kleine Bürste) wird von niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzten für Frauenheilkunde und Geburtshilfe oder auch Ärztinnen und Ärzten für Allgemeinmedizin durchgeführt und in einem Labor auf krebsverdächtige Zellen geprüft. Die Mammografie erfolgt bei niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzten für Radiologie. Für sie bekommen alle Frauen im Alter zwischen 45 und 69 Jahren sowie andere Teilnehmerinnen (Vorsorgemammographie auf Wunsch für 40-bis 44-Jährige und 70-bis 74-Jährige) am seit 2014 bestehenden Brustkrebs-Früherkennungsprogramm, für das keine ärztliche Zuweisung mehr nötig ist, alle zwei Jahre per Post einen persönlichen Einladungsbrief. Die Vorsorge-Koloskopie, für die sehr wohl eine Zuweisung erforderlich ist, obliegt Fachärztinnen und Fachärzten für Innere Medizin (Schwerpunkt: Gastroenterologie) oder Chirurgie sowie Krankenhaus-Abteilungen für Innere Medizin/Gastroenterologie oder Chirurgie.

 

Weiterführende Links:
Informationsbroschüre zum Thema “Vorsorgeuntersuchung“
Österreichisches Brustkrebs-Früherkennungsprogramm

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