Vegan leben: vegan wohnen und sich vegan kleiden

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Vegan sein ist trendy, tierschützerisch, vielleicht auch gesund. Aber es erfordert einiges an Umdenken. Und zwar nicht nur beim Kochen und Essen. Denn wer es mit dem Veganertum wirklich ernst meint, verzichtet auf alle Produkte tierischer Abstammung – aufs Fleisch am Teller genauso wie auf Pelzmäntel, Daunendecken oder Lederschuhe. 

Vegan essen bedeutet Fleisch, Milch, Eier, Honig und alle anderen tierischen Lebensmittel zu meiden. Vegan leben aber heißt, auch sonst keine Produkte tierischer Herkunft zu verwenden. Also etwa sich vegan zu pflegen, sich vegan zu kleiden und vegan zu wohnen. Der tierfreundliche Lifestyle reduziert zwar die Auswahl an Materialien für Kosmetika, Mode, Schuhe und Möbel, verschafft seinen Anhängern jedoch ein gutes Gewissen. Und erspart so manchem Tier viel Leid.

Lebenseinstellung Veganismus: ein Luxus der Neuzeit?

Unsere Vorfahren waren nicht nur Sammler, sondern auch Jäger. Schließlich mussten sie nutzen, was die Natur ihnen bot. Die erbeuteten Tiere dienten ihnen einerseits als Nahrungsquelle, andererseits – vor allem die Fellträger – auch als Lieferanten für vor Kälte schützender Bekleidung. Das tun sie heute immer noch, doch: Heute, wo eine Vielfalt an Materialien zu diesem Zweck zur Verfügung stehen, sind wir in puncto Textilien nicht mehr auf Tierprodukte angewiesen. Dennoch müssen Jahr für Jahr unzählige Tiere für die Pelz- und Lederindustrie qualvoll sterben. Und zwar meist ohne wenigstens vorher – wie oft von der Werbung suggeriert – unter strahlend blauem Himmel auf grünen, saftigen Wiesen oder im trauten Wald ein gutes Leben geführt zu haben. Vor allem die mitfühlenden Seelen unter uns, die diese Tatsachen mit Entsetzen registrieren, reagieren darauf zunehmend so, dass sie ausschließlich Erzeugnisse nichttierischer Herkunft verwenden wollen und werden zu echten Veganern. Deshalb ersetzen sie Ledersofas, Seidenkissen, Pelzdecken und Co. durch pflanzliche und synthetische Alternativen.

Doch nicht von allen Kleidungsstücken oder Gebrauchsgegenständen wie etwa vielen Teppichen, Kissenbezügen oder Kerzen ist allgemein bekannt, dass Tiere dafür haben leiden und/oder sterben müssen. Um also wirklich vegan leben zu können, heißt es sich damit auseinandersetzen, woraus Kleidung, Mobiliar, Hausrat etc. hergestellt werden. Etwa indem man die Produktbeschreibungen bzw. Herstellerangaben nachliest und beim Händler oder Hersteller nachfrägt. Einigermaßen auf der sicheren Seite ist jedenfalls jeder mit veganer Lebenseinstellung, der beispielsweise Leder, Seide, Daunen, Pelze, Schafwolle und Bienenwachs meidet. Hier einige dem Veganismus gerecht werdende Alternativen zu den genannten Materialien:

Ersatz für Leder

Leder ist längst nicht mehr nur ein Abfallprodukt, das ohnehin bei der Schlachtung von tierischen Fleischlieferanten wie z.B. Rindern anfällt, sondern für seine Gewinnung werden eigens Tiere gezüchtet. Denn da das Material sehr reißfest ist, erfreuen sich Produkte aus dieser gegerbten und haltbar gemachten tierischen Haut wie Schuhe, Taschen, Sofas, Sessel, Sitzgarnituren etc. großer Beliebtheit, wobei gerade für das Mobiliar extrem viel Leder benötigt wird.

Für Veganer heißt die Alternative: Sofas mit Stoffbezug. Die mögen vielleicht nicht ganz so lange intakt bleiben, sind aber allemal gemütlicher als ihre im Winter kalten und im Sommer leicht klebrigen ledernen Pendants. Wer auf den Leder-Look steht, kann immer noch auf Kunstleder ausweichen. Das Gerüst eines veganen Sofas darf aus Kunststoff (z.B. Polyester) bestehen oder auch Naturmaterialien wie Naturlatex oder Kokosfaser enthalten. Handtaschen gibt es ohnehin in zahlreichen anderen Materialvarianten – von Polyurethan über Hanf und Kork bis hin zu (z.B. gehäkelter) Baumwolle. Gleiches gilt für Accessoires wie Gürtel oder Brieftaschen sowie Schuhe.

Ersatz für Seide

Textilien wie Kleidung, Bettwäsche oder Vorhänge bestehen oft aus Seide. Für die Herstellung dieses edlen Materials braucht man die hauchdünnen Seidenfäden, die die Seidenraupen in speziellen Drüsen produzieren, um sich ihren Kokon zu bauen, indem sie sich damit viele tausend Male umwickeln. Um das Reißen dieser kostbaren Fäden beim Schlüpfen zu verhindern, werden die Raupen kurz bevor sie sich in Schmetterlinge verwandeln, bei lebendigem Leibe gekocht. Da die Ausbeute an Fäden pro Raupe gering ist (3000 Kokons, die etwa einem Kilogramm Raupen entsprechen, liefern ca. 250 Gramm Seide), müssen für jedes Wäschestück sehr viele dieser Tierchen sterben.

Für Veganer heißt eine mögliche Alternative Viskose. Sie wird aus der pflanzlichen Cellulose hergestellt, ist haltbarer und zudem kostengünstiger als Seide. Seidige Kleidungsstücke wie Blusen oder Hemden lassen sich durch solche aus Nylon, Polyester, Baumwolle, Viskose, Lyocell, Modal, Acetat oder Cupro ersetzen.

Ersatz für Pelze

Ebenso wie Leder verbieten sich für Veganer natürlich auch Pelze, denn sie sind oft verbunden mit tierquälerischer Käfighaltung der Felllieferanten oder brutalen Jagd- und Fangmethoden (z.B. Fallen).

Ein Ausweg für Veganer kann Kunstpelze lauten, doch ist hier Vorsicht geboten, weil sich dahinter aus fernen Ländern stammende, falsch deklarierte Hunde-, Katzen- oder andere echte Pelze verstecken können.

Ersatz für Daunen

Schon an ihren natürlichen Trägern, den Gänsen, zeigen Daunen die Fähigkeiten, für die wir Menschen sie schätzen: Sie halten im Winter wohlig warm und im Sommer angenehm kühl. Das flauschige Vergnügen einer jeden Daunendecke oder Daunenjacke kostet jedoch mehreren Dutzenden von Gänsen ihre Unterfedern (Federn mit kurzem Kiel und sehr weichen, langen, strahlenförmig angeordneten Federästen ohne Häkchen), die ihnen unter Schmerzen und Stress ausgerupft werden.

Für Veganer heißt die Alternative synthetische Füllmaterialien. Sie sind nicht nur kostengünstiger, sondern können auch – anders als die wasserempfindlichen (Verlust der Dämmfähigkeit bei Kontakt mit Wasser) Daunen – pflegeleicht in der Waschmaschine gewaschen werden.

Ersatz für Schafwolle

Viele Pullis, Westen, Decken und Teppiche sind aus Schafwolle gefertigt. Wer die zur Wollgewinnung nötige Schafschur sieht, könnte auf die Idee kommen, diese wäre für die Tiere ohnehin unerlässlich. Doch das stimmt nicht, denn Schafe in freier Wildbahn dünnen ihre Wolle selbst aus, indem sie sich z.B. an Bäumen scheuern. Die in Gefangenschaft lebenden Tiere jedoch müssen die Prozedur über sich ergehen lassen, die vielleicht auf manchen Biobauernhöfen sanft genug sein mag. Jedoch bestimmt nicht, wenn wie etwa in Australien, wo ein erheblicher Teil der leistbaren Schafwolle herkommt, für nach abgeschorener Wollmenge bezahlte Wanderarbeiter die Schafe unter Zeitdruck im Akkord scheren. Das beschert den Tieren panische Angst und oft auch Wunden.

Für Veganer heißt daher die Alternative für Kleidungs- oder Heimtextilien Kunstfasern (z.B. Polyester, Nylon, Elasthan) oder nachwachsende, pflanzliche Rohstoffe wie z.B. Bast (Gewebe unter der Borke von Bäumen), Bambus, Hanf, Baumwolle oder Leinen (Flachs). Auch wurden inzwischen von Forschern neue Stoffe entwickelt – etwa aus Algen-, Buchen- und Eukalyptusfasern.

Ersatz für Bienenwachs

Beim Bau ihrer Waben, in denen der Nachwuchs aufgezogen sowie Pollen und Honig gespeichert werden, produzieren Honigbienen in speziellen Drüsen Wachs, das den Waben vom Imker mittels Schleuderverfahren unsanft entrissen wird. Um beispielsweise in Form von Kerzen das traute Heim gemütlich zu machen.

Für Veganer lautet die Alternative: aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellte Kerzen, etwa solche aus pflanzlichen Fetten wie Stearin (Achtung: es gibt auch tierisches Stearin!). Oder aus Sojawachs.

Der Teufel steckt im Detail

Dass es in puncto veganer Tauglichkeit so manches Mal nicht nur aufs grundsätzliche Material, aus dem Dinge bestehen, ankommt, sondern auch auf Hilfsstoffe, die zu ihrer Verarbeitung eingesetzt werden, zeigt folgendes Beispiel: Möbel aus Holz eignen sich durchaus für einen veganen Lebensstil. Sofern sie nicht mit Knochenleim geklebt sind, denn der wird aus Tierblutbestandteilen erzeugt. Stattdessen sollten synthetische Bindemittel zum Einsatz kommen. Oder man leistet sich Steckmöbel, die ohne Kleber zusammengebaut werden können. Bezüglich Leim gilt Ähnliches für Schuhe, auch für solche aus synthetischem Material, denn Schuhkleber kann ebenfalls tierische Bestandteile enthalten.

Zudem sollten Veganer auf die Textilfarben in und “Kleinigkeiten“ an ihrer Kleidung achten. Etwa ob es sich bei roter Farbe um E120 alias Karminrot, auch als “Naturfarbstoff” oder “echtes Karmin” bezeichnet, handelt, das meist tierischer Herkunft ist. Für diesen Farbstoff werden nämlich weibliche Cochenille-Läuse zermahlen und/oder ausgekocht. Oder ob Blusen oder Jacken mit Perlmutt- oder Hornknöpfen versehen sind, denn auch dafür haben Tiere (beim Perlmutt: Muscheln) ihr Leben oder zumindest Körperteile (Geweih) gelassen.

Ach übrigens: Bio oder Öko Mode ist nicht gleichbedeutend mit vegan und vice versa. Auch wenn eingefleischte Veganer darauf schauen, dass die von ihnen verwendeten Produkte nicht nur vegan, sondern auch ökologisch verträglich sind.

 

Weiterführender Link:
Label für tierleidfreie Mode

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