Schlaflabor: Schlafstörungen auf die Schliche kommen

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Probleme beim Einschlafen, häufiges Aufwachen in der Nacht, Schnarchen – so sehen die Nächte vieler Menschen aus. Von Nachtruhe kann man da kaum sprechen. Die Ursachen solcher Schlafstörungen sind vielfältig. Was daran schuld ist, dass das Sandmännchen nicht und nicht kommen will, das klärt oft erst ein Aufenthalt in einem Schlaflabor. Das “diagnostische Schlafen“ mutet ungewohnt an, ist aber gefahrlos.

Ein Schlaflabor ist eine Einrichtung zur Abklärung der Ursachen von Schlafstörungen, die in der Regel in einer Klinik (z.B. Lungenabteilung, Neurologische Abteilung) untergebracht ist. Was dort geschieht? Die zu Untersuchenden übernachten im Labor und werden dabei verkabelt, vermessen und medizinisch überwacht. Schmerzlos und nebenwirkungsfrei. Die Auswertung der Ergebnisse erleichtert es, die optimale Therapie gegen ihr jeweiliges Schlafproblem zu finden.

Wann der Gang ins Schlaflabor angesagt ist

Der nächtliche Schlaf ist eine wichtige Erholungsphase für den menschlichen Organismus, von dem wesentlich das körperliche und seelische Wohlbefinden abhängt. Verschiedene Lebensumstände sorgen jedoch dafür, dass viele Zeitgenossen mindestens gelegentlich Probleme mit dem Einschlafen, dem Durchschlafen oder auch mit beidem haben. Ein nicht zu unterschätzender Teil aller Erwachsenen vermisst sogar häufig oder dauerhaft eine erholsame Nachtruhe, leidet also unter einer chronischen Schlafstörung. Dann sollte ein Arzt – am besten ein Schlafmediziner – zu Rate gezogen werden, um mittels ausführlicher Befragung, wenn vorhanden eines daheim geführten Schlafprotokolls oder Schlaftagebuchs und gegebenenfalls ambulant durchführbaren Diagnoseverfahren nach dem Grund zu fahnden. Liegt aber eine anhaltende Schlafstörung vor, für die sich keine körperliche oder seelische Erkrankung als Ursache finden lässt, ist es angebracht, den Patienten an ein Schlaflabor zu überweisen, um die Schlafstörung genauer zu analysieren. Das sollte geschehen bei

  • schweren Schlafstörungen, die die Befindlichkeit/Leistungsfähigkeit am Tag deutlich beeinträchtigen (ständige Tagesmüdigkeit, Erschöpfung).
  • chronischen, therapieresistenten Schlafstörungen, die sich trotz Behandlung über mehr als ein halbes Jahr nicht bessern.
  • Verdacht auf eine organisch bedingte Schlafstörung (z.B. Schlaf-Apnoe-Syndrom, Epilepsie, Restless-Legs-Syndrom)
  • ungeklärten, auffälligen Verhaltensweisen im Schlaf. z.B. Parasomnien (Störungen des Erwachens oder Schlafstadienwechsels) wie Somnambulismus (Schlafwandeln) oder Bruxismus (Zähneknirschen).
  • Störungen des Schlaf-Wachrhythmus, z.B. durch Schichtarbeit

Was im Schlaflabor geschieht

Im Wesentlichen finden in einem Schlaflabor Aufzeichnungen des gesamten Schlafs (Polysomnographie) statt. In allen seinen Stadien (Übergang Wachzustand – Schlaf, Leichtschlaf, Tiefschlaf, REM-Schlaf = Traumphasen), die einander mehrfach abwechseln. Und zwar in der Regel zwei Nächte lang, bei speziellen Schlafstörungen wie der Schlafapnoe drei bis vier Nächte, weil dann gleich eine Behandlung (z.B. cpap) angewendet und ihr Erfolg überprüft wird. Das Ganze geschieht in einem speziell eingerichteten Patientenzimmer bzw. einer Kabine, wo Menschen mit Schlafstörungen übernachten und währenddessen elektronisch überwacht werden können. In einem Nebenraum befinden sich die fürs Monitoring und die Aufzeichnungen zuständige technische Ausrüstung und das schlafmedizinische Personal, das ständig die Patienten überwacht und mit dem sie jederzeit über eine Gegensprechanlage Kontakt aufnehmen können.

Neben dem Schlafverlauf, der Schlaftiefe, -kontinuität und -qualität werden anhand von an bestimmten Stellen angebrachten Elektroden und Sensoren auch bestimmte Körperfunktionen und -aktivitäten laufend registriert (kardiorespiratorische Polysomnographie):

  • Elektroden am Kopf zeichnen die Hirnaktivität während des Schlafs auf = Schlaf-EEG (Elektroenzephalogramm) zur Identifizierung der verschiedenen Schlafstadien bzw. Schlaftiefe.
  • Erfasst werden auch die in den verschiedenen Schlafphasen unterschiedlichen Augenbewegungen, die Auskunft geben, wann der Schlafende sich in einer Traumphase (REM = rapid eye movements = schnelle Augenzuckungen) oder Tiefschlafphase befindet.
  • Per Atemflusssensor zwischen Mund und Nase wird an Mund und Nase die Atmung überwacht, um zu eruieren, ob ein Schlafapnoe-Syndrom vorliegt, bei dem die Atmung mehrmals für wenige Sekunden bis Minuten aussetzt und das mit starkem, unregelmäßigem Schnarchen einhergeht.
  • Dehnungssensoren in über dem Brustkorb und Bauch angelegten Gurten registrieren die Atembewegungen des Brustkorbs und des Bauchs.
  • Ein Sensor am Ohrläppchen oder Zeigefinger misst die Sauerstoffsättigung im Blut (Pulsoxymetrie).
  • Ein via Elektroden am Brustkorb abgeleitetes EKG (Elektrokardiogramm) gibt Auskunft über die Herztätigkeit (Frequenz, Rhythmus).
  • Die Muskelspannung des Kinns wird per Elektroden vermessen (Elektromyogramm, EMG).
  • Beinbewegungen (zwei Elektroden an jedem Unterschenkel) und Körperlage (Sensor auf dem Brustgurt) während des Schlafes werden ebenfalls erfasst um festzustellen, ob ein Restless-Legs-Syndrom (nervlich bedingter starker Bewegungsdrang der Beine) vorliegt.
  • Ein meist im Kehlkopfbereich fixiertes Mikrofon zeichnet Schnarchgeräusche auf.
  • Eine Infrarot-Videokamera hilft, Verhaltensauffälligkeiten während des Schlafs zu entdecken und dokumentieren.

Je nach Fragestellung kann das medizinische Personal auch Werte wie den Blutdruck, Speiseröhrendruck oder Magensäurerückfluss messen. Bei Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom kann im Schlaflabor eine entweder nur die Nase oder Nase und Mund bedeckende Atemmaske für eine cpap-Therapie (continuous positive airway pressure; Atemwegsstabilisierung durch Erzeugung eines leichten Überdrucks durch ein Gerät) angepasst werden.

Die über die Elektroden bzw. Sensoren erfassten Werte werden an spezielle Geräte übermittelt, die Signale verstärkt, grafisch aufbereitet und aufgezeichnet. Das heißt, es wird ein sogenanntes Polysomnogramm erstellt. Dieses wertet ein Experte für Schlafmedizin aus und interpretiert die Ergebnisse, aus denen sich die Schlafqualität beurteilen und eine vorliegende Schlafstörung inklusive Rückschlüsse auf ihre Ursachen erkennen lässt.

Reicht das alleinige Beobachten des Nachtschlafs nicht aus, was in Einzelfällen vorkommt, kann am Tag danach ein Mehrfach-Schlaflatenz-Test folgen, um die sogenannte Einschlaflatenz (Schläfrigkeitsgrad, Schlafdruck, Tagesschläfrigkeit: Dauer vom Beginn der Ruhephase bis zum Schlafeintritt) zu ermitteln. Hierzu wird der Patient in einem abgedunkelten, geräuschgedämmten Raum über den gesamten Tag verteilt in zwei Stunden-Abständen (insgesamt fünfmal) zu einem Nickerchen animiert. Sämtliche Schlafperioden und deren Qualität erfasst die gleiche technische Apparatur, die schon nachts aktiv war. Das bedeutet, im Prinzip wird die nächtliche Schlafüberwachung auf den Tag ausgedehnt. Die ausgewerteten Ergebnisse des Tests erlauben eine bessere Einschätzung der vorliegenden Schlafstörung und damit eine passendere Auswahl an Therapieoptionen.

In umgekehrter Weise verfährt der Multiple Wachbleibe-Test (MWT), bei dem sich der bequem sitzende Patient bemühen soll, für jeweils 40 Minuten wach zu bleiben. Beurteilt wird, wie lange es bis zum Einschlummern dauert und welche Schlafstadien bei solchen unfreiwilligen Nickerchens durchlaufen werden. So ist es etwa für eine Narkolepsie (krankhafte Schlafsucht) typisch, dass sofort nach dem Einschlafen eine REM-Phase auftritt.

Vor der Untersuchung

Am Tag der Polysomnographie sollte der zu Untersuchende auf koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Schwarztee oder Cola und auf Spirituosen verzichten. Ebenso darauf, tagsüber zu schlafen, um das Ergebnis nicht zu verfälschen. Damit die Elektroden für das Schlaf-EEG am Kopf gut halten, ist es ratsam, die Untersuchung mit frisch gewaschenen, aber trockenen Haaren (ohne Haarspray, -öl oder -gel!) anzutreten.

Im Vorfeld einer umfangreichen Schlaflaboruntersuchung kann zwecks Ausschluss von schlafbezogenen Atmungsstörungen mittels eines kleinen Gerätes über Nacht zu Hause eine ambulante Polysomnographie (“kleines Schlaflabor“) erfolgen, bei der aber nur ausgewählte Parameter (z.B. Pulsfrequenz, Sauerstoffsättigung des Blutes, Atembewegungen, Atemströmung) gemessen werden. Hirnströme (EEG) und damit die Schlaftiefe werden dabei nicht erfasst.

Problem Schlafen in fremder Umgebung?

Unter einem Labor stellt man sich normalerweise eine sterile, kalte, neonlichtgeflutete und technische Umgebung vor. Das trifft auf die meisten Schlaflabors nicht zu, die sich um ein wohnliches Ambiente bemühen, um ein gewohntes häusliches Umfeld zu imitieren. Die technischen Geräte befinden sich hauptsächlich in einem separaten Raum. Natürlich bis auf die zahlreichen Elektroden und Sensoren, die an Kopf und Körper der Patienten befestigt werden. Und genau das fürchten viele: dass sie wegen der Verkabelung nicht schlafen können. Erfahrungsgemäß werden diese Utensilien aber nur anfangs als störend empfunden und schon nach kurzer Zeit kaum noch bewusst wahrgenommen. Denn die Haut gewöhnt sich daran, wie an eine Armbanduhr. Übrigens: Die Elektroden/Sensoren/Kabel werden so befestigt, dass man sich damit normal bewegen (z.B. im Bett drehen) kann, ohne dass sie abreißen.

Untersuchungen zeigen, dass rund 30 Prozent der Schlaflaborpatienten in der ersten Untersuchungsnacht wirklich schlechter schlafen als daheim, wohl aufgrund der ungewohnten Umgebung und des Gefühls, beobachtet zu werden. 25 Prozent aber schlafen besser als zuhause. Vielleicht weil der Druck wegfällt, unbedingt schlafen zu müssen, um am nächsten Morgen fit zu sein. Beide Effekte verschwinden meist in der zweiten Nacht. Ist eine dritte oder auch vierte Schlaflabornacht vonnöten, verlaufen diese in der Regel wie heimische Nächte. Und: Selbst wenn sich die Nachtruhe anders als im eigenen Schlafzimmer gestaltet, beeinträchtigt das die Aussagekraft der Untersuchung kaum.

 

Weiterführender Link:
Schlaflabore in Österreich

Links zu unserem Lexikon:
Einschlafstörungen
Durchschlafstörungen
Schlafapnoe

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