Raucherentwöhnung: Finger weg vom Glimmstängel, aber wie?

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Viele Raucher, die die gesundheitlichen Folgen ihres Verhaltens kennen, möchten mit dem Zigarettenkonsum aufhören. Doch der Rauchverzicht gerät oft – trotz vielfältiger Möglichkeiten zur Raucherentwöhnung – zum Kraftakt. Was nämlich keine der Rauchstopp-Methoden kann: den ernsten Willen des Rauchers ersetzen, an seinem Verhalten etwas zu ändern, um seine Sucht zu besiegen.

An ihre erste Zigarette erinnern sich die meisten Raucher noch, obwohl die in der Regel nicht schmeckt und es vielen danach sogar schlecht geht. Trotzdem sind sie offenbar am sogenannten Glimmstängel hängengeblieben, behaupten nun, dass er ihnen jetzt schmeckt, auch wenn es in Wirklichkeit Nikotinsucht und Gewohnheit sind, die sie zur Zigarette greifen lassen. Als zufrieden mit diesem Verhalten (konsonant) bezeichnen sich viele Raucher nicht. Denn sie spüren die Folgen ihres gesundheitsschädlichen Tuns, die sich z.B. als Husten, Kurzatmigkeit, verminderte Belastbarkeit oder gar schlimme Erkrankungen (z.B. COPD, diverse Krebsleiden) zeigen. Und reichlich Geld kostet der “blaue Dunst“ auch. Abgesehen davon, dass Rauchen zunehmend als gesellschaftlich unerwünscht gilt und an verschiedenen Orten verboten ist. All das bringt so manchen “Pofler“ dazu, das Laster aufgeben zu wollen. Um nicht selten die Erfahrung zu machen, dass das gar nicht so leicht ist. Denn eine nachhaltige Raucherentwöhnung erfordert in erster Linie eine bewusste Verhaltensänderung.

Wie Nikotinsucht entsteht

Motive wie Neugier, Experimentierfreude oder der Wunsch, es anderen gleichzutun bringen viele spätere Raucher dazu, ihre erste Zigarette zu probieren. Das geschieht in den meisten Fällen im Jugendalter, einer Phase, wo Gruppenzugehörigkeit, Anerkennung und damit verbundener sozialer Druck zu Gleichartigkeit eine große Rolle spielen. In dieser Zeit entscheidet sich im Allgemeinen auch, ob jemand Raucher wird oder Nichtraucher bleibt. Denn dann ist die Gefahr besonders hoch, dass Mitschüler, Freunde, Bekannte oder Angehörige zum Rauchen verleiten. Schließlich erscheint miteinander rauchen geradezu ideal, um Barrieren zu überwinden, mit anderen ins Gespräch zu kommen oder auch zu flirten. Es hilft, Unsicherheiten zu überspielen, indem man sich an einer Zigarette “festhält“. Und entspannen soll es auch.

Was als Ausprobieren beginnt, führt viele Zug für Zug unversehens in den regelmäßigen Zigarettenkonsum. Andere aber nicht. Das hat auch damit zu tun, dass manche Gehirne mehr aufs psychostimulierende (ähnlich wie Kokain oder Amphetamin) Nikotin “anspringen“ als andere, d.h. die Gefährdung für die Entwicklung einer Nikotinsucht ist individuell verschieden. Verknüpft das Belohnungszentrum im Hirn erst einmal die Umstände des Zigarettenkonsums mit der spezifischen Wirkung (= “beglückend“) der Nikotindroge, speichert es diese Erfahrung. Mit jeder Zigarette wird diese beglückende Erfahrung aufgefrischt. So entsteht ein “Suchtgedächtnis“, das immer dann aktiv wird, wenn der Spiegel an Wirksubstanzen im Belohnungszentrum nachlässt oder ein Raucher jemand anderen qualmen sieht. Ob sich bereits eine Abhängigkeit eingestellt hat, erkennt ein Nikotinsüchtiger daran, dass er immer wieder zur Zigarette greifen muss, auch wenn er sich einzureden versucht, jederzeit damit aufhören zu können, es aber – zumindest jetzt – nicht zu wollen.

Voraussetzungen für einen erfolgreichen Rauchverzicht

Um mit dem Rauchen zu brechen, muss sich ein “Nikotin-Junkie“ erst einmal über die Stärke seiner Abhängigkeit (erkennbar im sogenannten Fagerström-Test, dessen Ergebnis über die Methode der Raucherentwöhnung mitentscheidet) im Klaren und mit seinem Verhalten unzufrieden sein sowie es auch tatsächlich ändern wollen. Deshalb gelingt eine Raucherentwöhnung in der Regel nur bei Rauchern mit ausreichend großem Problembewusstsein. Wer einen konsonanten (mit seinem Verhalten einverstandenen) Raucher dazu bringen will, eine Entwöhnung ins Auge zu fassen, sollte ihn deshalb vorher in einen dissonanten (mit seinem Verhalten nicht einverstandenen) Raucher überführen, z.B. durch Aufklärung über die nachteiligen Folgen des Zigarettenkonsums und Benefits eines Rauchstopps. Um die Unzufriedenheit mit dem eigenen Rauchverhalten und damit die Abstinenzbereitschaft zu erhöhen, sind jedoch wiederholte Interventionen (“motivationale Gesprächsführung“) nötig, in Gang gesetzte Bewusstwerdungsprozesse und die Motivation zum Rauchverzicht zu stärken.

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, wird das eigene Rauchverhalten aufgezeichnet, d.h. jede gerauchte Zigarette in ein Tagesprotokoll eingetragen, inklusive Situationen und Stimmungen, in denen geraucht wird. Das hilft, Verhaltensweisen, Gewohnheiten und Kompensationsversuche zu erkennen, die zum Rauchen verleiten. Sie können mittels Schulung abtrainiert bzw. durch andere Rituale oder Belohnungen ersetzt werden.

Methoden der Raucherentwöhnung

Je nach Intensität der Tabakabhängigkeit und Stärke der Motivation zum Rauchstopp stehen verschiedene Methoden bzw. Therapien zur Verfügung:

  • die Schlusspunkt-Methode: Der Rauchstopp-Willige setzt sich innerhalb der nächsten Wochen ein bestimmtes Datum, an dem er mit dem Rauchen aufhört und bereitet sich darauf vor, indem er sich sein Rauchverhalten bewusstmacht, sich – z.B. mit Broschüren oder im Internet – über die Raucherentwöhnung inklusive der damit verbundenen Entzugserscheinungen informiert und ein Rauchstopp-Protokoll führt.
  • die Raucherberatung und -entwöhnung etwa bei Einrichtungen der Raucherberatung (z.B. Rauchfrei-App, Rauchfrei-Telefon: 0800 810 013, kostenlose Hotline, Montag bis Freitag von 10:00 bis 18:00), bei einem Arzt mit der Zusatzqualifikation (ÖÄK-Zertifikat) Raucherentwöhnung, Gesundheitspsychologen mit der Zusatzqualifikation Raucherentwöhnung oder bei Raucher-Beratungswochen in Apotheken. Die Palette reicht dabei von einer Kurzberatung über Möglichkeiten zur Raucherentwöhnung über Entwöhnungsprogramme für Einzelpersonen oder Gruppen bis hin zu einer stationären Behandlung einer starken krankhaften Nikotinsucht in einer darauf spezialisierten Einrichtung nach Stellung eines Kurantrags. Am Beginn einer Raucherentwöhnung stehen ein Gespräch, in dem die Bereitschaft zu einem Rauchverzicht und das Rauchverhalten analysiert wird, gefolgt von einer Besprechung der weiteren Vorgehensweise, um eine langfristige Entwöhnung zu erreichen. Am wirksamsten erweist sich erfahrungsgemäß eine Kombination aus medikamentösen und anderen Behandlungsmethoden (z.B. Verhaltenstherapie, Psychotherapie, regelmäßige Bewegung) sowie die Einbeziehung von Familienangehörigen in den Prozess.
  • die Verhaltenstherapie: Im Rahmen einer Verhaltenstherapie erkundet der Raucher gemeinsam mit seinem Therapeuten diejenigen Situationen und Anreize, die das Verlangen (Craving) nach einer Zigarette auslösen. Dann werden Strategien erarbeitet, solche Risikosituationen zu bewältigen und Rückfälle zu vermeiden.
  • die Nikotinersatztherapie: Rezeptfrei in Apotheken erhältliche Nikotinpräparate (z.B. Kaugummis, Pflaster, Inhalatoren, Tabletten) bauen einen Nikotinspiegel im Blut auf und sollen damit das sonst aus Zigaretten stammende Nikotin ersetzen. Im Verlauf der Therapie wird die verabreichte Nikotinmenge reduziert, und zwar nicht abrupt, sondern stufenweise, um Entzugserscheinungen und somit die Rückfallgefahr möglichst zu verhindern.
  • eine medikamentöse Therapie: Zur Nikotinentwöhnung zugelassene, rezeptpflichtige Arzneien (z.B. Vareniclin: bindet im Gehirn an Rezeptoren, über die auch Nikotin seine Wirkung vermittelt, hemmt die Bindung von Nikotin an diese Rezeptoren und schwächt seine Wirkung auf das Belohnungszentrum ab, kann aber ernste Nebenwirkungen haben) oder bestimmte Antidepressiva (z.B. Bupropion) sind imstande, die Entwöhnung zu unterstützen, Rückfällen vorzubeugen und zu helfen, mit etwaigen Entzugssymptomen besser umzugehen. Sie können aber – ebenso wie Nikotinpräparate – eine aktive Veränderung des Rauchverhaltens nicht ersetzen.
  • die Akupunktur/Akupressur/Laserpunktur: Die Stimulierung bestimmter Akupunkturpunkte (“Suchtpunkte“) im Ohr mit Nadeln, Fingerdruck oder Laser soll – allerdings wissenschaftlich nicht hinreichend belegt –  das Verlangen nach einer Zigarette oder Entzugssymptome bei der Raucherentwöhnung verringern.
  • die Hypnose/Hypnotherapie: Sie soll – in ihrer Effizienz ebenfalls wissenschaftlich nicht ausreichend gesichert – vor allem die Psyche des Rauchers bzw. sein Rauchverhalten beeinflussen. Dennoch schwören viele darauf.
  • die E-Zigarette (= elektronische oder elektrische Zigarette, e-cigarette): Die “High-Tech-Zigarette“ besteht aus einem unterschiedlich gestalteten (oft zigarettenähnlichen) Gehäuse, einem elektrischen Vernebler (Heizspirale), einer Batterie und auswechselbaren Kartusche (Depot, Flüssigkeitsbehälter), die mit verschiedenen Liquids (enthalten meist Propylenglykol, Glycerin, diverse Lebensmittelaromen, Wasser und verschiedene Mengen an Nikotin) befüllt werden kann, zusammen. Das gewählte Liquid wird via Akku zu Dampf erhitzt, den der Nutzer der E-Zigarette inhaliert. Eine Verhaltensänderung findet beim “Dampfen“ nicht statt, denn die E-Zigarette wird ähnlich wie eine gewöhnliche Zigarette gehandhabt. Werden nikotinhältige Liquids gebraucht, unterbleibt auch die weitgehende Nikotinentwöhnung. Ihr fehlen aber so manche schädliche Chemikalien, die normale Tabakwaren enthalten und sie verbreitet auch nicht so einen störenden Geruch. Dafür aber sind oft nicht alle Substanzen der Liquids und somit allfällige Risiken bekannt. Einige der Stoffe erweisen sich jedenfalls als atemwegsreizend.

Noch in der Testphase befindet sich ein neuer Therapieansatz, die Raucherimpfung. Sie soll zur Produktion von Antikörpern führen, die das Nikotin im Blut abfangen und auf die Art verhindern, dass das Gehirn bestimmte abhängig machende Stoffe freisetzt, weshalb das Nikotin nicht mehr in gewohnter Weise wirkt.

Motivierend: was nach einem Rauchstopp passiert

Eine halbe Stunde nach dem letzten Zug an einer Zigarette sinkt der Nikotinspiegel auf die Hälfte. Nach einer Stunde beträgt er nur noch ein Viertel des Ausgangswerts. Drei Tage später eliminiert allmählich der Organismus das in ihm gespeicherte Nikotin, bis dessen Spiegel gegen null geht und langsam erholen sich die Geruchs- und Geschmacksrezeptoren. Nach einer Woche beginnen sich auch die Atemwege zu regenerieren, transportieren in ihnen abgelagerte Gifte und Teerstoffe langsam ab. Nach einem Monat fängt das Immunsystem wieder besser zu funktionieren an und kann Infektionen effizienter bekämpfen. Auch der Stoffwechsel von Dopamin, einem für Empfindungen wie Glück, Freude und Zuversicht zuständigen Botenstoff im Nervensystem, kommt wieder ins Lot, was vorübergehend (!) allerdings zu einer sogenannten Entlastungsdepression, die oft die Nikotinabstinenz in den ersten Wochen erschwert, führen kann.

 

Weiterführende Links:
Fagerström-Test
Beratungsstellen und Adressen für ambulante und stationäre Raucherentwöhnung
Rauchfrei App
Auf Raucherbehandlung/-entwöhnung spezialisierte Psychologinnen/Psychologen

Link zu unserem Lexikon:
Raucherentwöhnung

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