Organtransplantation

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Erkranken Organe so schwer, dass sie kaum noch funktionieren, hilft manchmal nur, sie zu ersetzen. Dazu braucht es tote oder auch lebendige Spender funktionsfähiger “Ersatzteile“, Vermittler derselben, Tests auf deren Verträglichkeit für den Empfänger und ein versiertes Operationsteam, das die Organtransplantation durchführt. Aber auch verschiedene Rahmenbedingungen müssen passen.

 
Quittiert ein Organ seinen Dienst, hat das meist weitreichende Folgen oder endet sogar tödlich. Deshalb wäre es gut, könnte man auf ein eigenes “Ersatzteillager“ zurückgreifen, um einfach funktionsunfähige gegen intakte Organe zu tauschen. Doch bislang muss die Medizin – tote oder lebendige – Spender heranziehen, um Organtransplantationen (lat.: plantare = pflanzen) durchführen zu können. Ein auf verschiedene Art mühsamer Vorgang. Aber für die Empfänger oft die einzige Möglichkeit, um zu überleben.

Was einen Organersatz notwendig macht

Lebensbedrohliche Krankheiten wie ein schweres Herz-, Lungen- oder Leberversagen oder Funktionseinbußen von Organen (z.B. der Nieren oder Bauchspeicheldrüse), die mit Einschränkungen der Lebensqualität und negativen Folgeerscheinungen einhergehen, machen in der Regel umfassende therapeutische Maßnahmen (z.B. Dialyse bei Nierenschwäche) notwendig, die häufig dennoch keine normalen Verhältnisse herzustellen imstande sind. Dann bietet sich in vielen Fällen als Ausweg die Übertragung eines funktionstüchtigen Spenderorgans an, das die Lebensqualität verbessert und das Auftreten von Spätschäden verhindert. Oft genug bildet eine Organtransplantation auch die einzige Möglichkeit, ein drohendes vorzeitiges Ableben abzuwenden.

Häufig transplantierte Organe sind die Niere, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse, Hornhaut des Auges und das Herz.

Woher kommen die Transplantate?

Organtransplantation nennt man die Verpflanzung von Organen oder Organteilen (“Transplantat“). Und zwar in der Regel von einem Individuum der gleichen Art auf ein anderes (Mensch und Mensch, = allogene Transplantation), meist aus therapeutischen Gründen. Sie erfordert das Vorhandensein eines passenden Spenders und so es sich dabei um eine lebende Person handelt, deren Bereitschaft, den dazu notwendigen – oft riskanten – Eingriff vornehmen zu lassen. Passend heißt, Spender und Empfänger weisen möglichst ähnliche Gewebemerkmale (Eiweißstrukturen der Zelloberfläche) auf, um Abstoßungsreaktionen hintanzuhalten, weil das Immunsystem des Empfängers das gespendete Organ als fremd erkennt. Dieses Problem fällt weg, wenn es sich beim Spender und Empfänger um eineiige Zwillinge handelt, da sie genetisch die gleiche Ausstattung besitzen (= syngene Transplantation).

Grundsätzlich gibt es aber außer der allogenen auch noch andere Arten von Transplantationen:

  • autologe Transplantation: Organspender und -empfänger sind die gleiche Person, z.B. bei Übertragungen von Hautteilen von einer Stelle auf eine andere zur plastischen Deckung von Verletzungen
  • xenogene (heterologe) Transplantation: Spender und Empfänger gehören verschiedenen Arten (Tier und Mensch) an, wie etwa bei Herzklappenfehlern, wo menschliche Herzklappen durch solche vom Schwein ersetzt werden
  • alloplastische Transplantation: Verwendung künstlichen Materials, z.B. das Einsetzen eines Kunstherzens zur Unterstützung des nicht mehr genug leistungsfähigen natürlichen Organs bis zu dessen Ersatz durch ein Spenderherz

Weil es auf eine gute genetische Übereinstimmung ankommt, eignen sich Blutsverwandte oft besonders gut als Organspender und werden daher – bei benötigten Lebendspenden von Organteilen (z.B. Leber, Lunge, Knochenmark) oder eines paarweise angelegten Organs (z.B. Niere) – gern zuallererst nach ihrer Bereitschaft zur Organspende gefragt und auf Verträglichkeit der Gewebe getestet. Nicht zugelassen zur Organspende werden jedoch HIV-positive, an einem septischen Schock oder metastasierenden Tumor leidende Personen.

Organübertragung: geregeltes Szenario

Die Bedingungen, unter welchen Organtransplantationen stattfinden dürfen, sind hierzulande streng gesetzlich geregelt. Und zwar in einem einheitlichen Bundesgesetz, dem Organtransplantationsgesetz. Das betrifft sowohl die Herkunft der Transplantate als auch die Orte, an denen sie verpflanzt werden (dafür zugelassene Zentren) und das gesamte Procedere von der Organentnahme bis zur Organübertragung. Anders als etwa in Deutschland, wo ein zur Organspende Gewillter extra festlegen und per Organspendeausweis kundtun muss, dass ihm Organe nach seinem Tod entnommen werden dürfen (Zustimmungslösung), gilt in Österreich die sogenannte Widerspruchslösung: Eine Explantation ist nach Todesfeststellung grundsätzlich zulässig, sofern der potentielle Spender nicht zu Lebzeiten anderes verfügt hat, was in einem Widerspruchsregister vermerkt wird. Daher ist vor jeder Organentnahme eine Abfrage des Widerspruchsregisters gesetzlich verpflichtend. In der Praxis streben Ärzte immer auch ein Gespräch mit den Angehörigen des Spenders zwecks deren Zustimmung an, obwohl hierzu keine gesetzliche Verpflichtung besteht.

Zur Vermittlung passender Organspender wurden internationale Organisationen gegründet. Wie z.B. die Eurotransplant, die alle Patienten ihrer Mitgliedsländer (auch Österreich), die auf ein Spenderorgan warten, auf einer gemeinsamen Warteliste führt. Denn damit Mediziner Organspenden durchführen können, brauchen sie Menschen, die sich bereit erklären, nach ihrem Tod ihre Organe zu spenden. Vor der Explantation (Organentnahme) aus einem solchen potentiellen Spender stellen zwei vom Transplantationsteam unabhängige und in keinem persönlichen Verhältnis zum Spender oder Empfänger stehende Ärzte seinen Hirntod, d.h. die unwiderruflich erloschene Hirnfunktion als sicherstes Todeszeichen (Diagnose: “Hirntodsyndrom“) fest. Und zwar über eine fixe Abfolge verschiedener Untersuchungen (z.B. EEG = Elektroenzephalographie = Ableitung der Hirnströme), deren Ergebnisse detailliert (z.B. fehlende Hirnstammreflexe) dokumentiert werden.

Sind alle Formalitäten geklärt, entnimmt ein Arzt die Spenderorgane und konserviert sie bis zu ihrer Verpflanzung. Die Entnahme von Blut- und Gewebeproben dient der Gewebetypisierung, d.h. Feststellung von Merkmalen, die für die Übereinstimmung von Spender und Empfänger bedeutsam sind. Bei der Eurotransplant werden EDV unterstützt nach festgelegten Kriterien zu den Ergebnissen der Spender-Gewebetests passende Empfänger ermittelt. Diese werden umgehend benachrichtigt, für vorbereitende Untersuchungen in die Klinik bestellt, untersucht und bekommen – sofern keine medizinischen Vorbehalte bestehen – das jeweils geeignete Spenderorgan eingesetzt.

Bei Lebendspenden, die ja einen großen operativen Eingriff an einem gesunden Menschen bedeuten, darf eine Organentnahme nur dann durchgeführt werden, wenn das Risiko für den Spender in einem angemessenen Verhältnis zu demjenigen des Empfängers steht. Auch muss der potentielle Spender vor der Lebendspende medizinisch untersucht und aufgeklärt werden sowie eine unterschriebene schriftliche Einwilligungserklärung abgeben, die er aber jederzeit widerrufen kann. Und er sollte nach dem Eingriff alle empfohlenen fachärztlichen Nachkontrollen wahrnehmen.

Selbstverständlich dürfen in unseren Breiten Organe nur freiwillig und unentgeltlich gespendet werden und keinesfalls Gegenstand von auf Gewinn ausgerichteten Rechtsgeschäften sein, sprich Geschäftemacherei mit Organen ist verboten. Das gilt leider nicht weltweit, sodass besonders in den von Armut geprägten Ländern der Dritten Welt ein schwunghafter illegaler Handel mit Organen (“Organtourismus“) durch kriminelle Organisationen blüht und gedeiht.

Gefahr: Abstoßungsreaktion

Da der Spender, so er kein eineiiger Zwilling ist, an seinen Zellen andere Oberflächenmerkmale (Histokompatibilitäts-Antigene) aufweist als der Empfänger, entwickeln sich bei letzterem spezielle Immunreaktionen gegen das Transplantat. Das bedeutet, die T-Lymphozyten und Antikörper des Empfängers bekämpfen das fremde Organ. Dadurch kommt es entweder zu einer unterschiedlich stark ausgeprägten akuten Abstoßungsreaktion in der ersten Zeit nach der Transplantation oder einer chronischen Abstoßung, bei der die Transplantatfunktion nach und nach versagt, weil das Organ abstirbt.

Um diese Reaktionen zu unterdrücken ist es notwendig, die körpereigene Abwehr zu bremsen. Und zwar mittels sogenannter Immunsuppressiva, die dauerhaft eingenommen werden müssen, damit es zu keiner Abstoßung des übertragenen Organs kommt. Erkauft wird dieses “Bleiberecht“ des Spenderorgans allerdings mit einer deutlich erhöhten Infektanfälligkeit und anderen unerwünschten Wirkungen der Medikamente wie z.B. Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, einer möglichen Auslösung eines Diabetes mellitus, Bluthochdrucks oder einer Einschränkung der Nierenfunktion. Das macht regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig.

 

Weiterführende Links:
Organtransplantationsgesetz
Eurotransplant 

 

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