Leberkrebs: heimtückische Folge von Hepatitis, Alkoholismus und Co.

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Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Übelkeit – wer denkt da schon gleich an Leberkrebs? Genau solche unspezifischen Beschwerden sind es aber, die Leberkarzinome – leider erst in fortgeschrittenem Stadium – verursachen. Besonders bei Leberentzündungen (v.a. Hepatitis B)  oder längerfristigem, allzu reichlichem Alkoholgenuss tut man daher gut daran, sich regelmäßig untersuchen zu lassen. Denn früh erkannt bestehen durchaus Heilungschancen für Leberkrebs.

Die größte Drüse sowie Stoffwechsel- und Entgiftungszentrale des menschlichen Körpers, die Leber (Hepar) ist zwar – selbst nach umfangreichen Belastungen – sehr regenerationsfähig, doch auch in diesem wichtigen Organ können sich bösartige Tumore bilden. Entsteht ein primärer Leberkrebs aus den Leberzellen (Hepatozyten), nennt man ihn hepatozelluläres Karzinom (Leberzellkarzinom, Leberzellkrebs). Geht er – was deutlich seltener geschieht – von den Zellen der Gallenwege aus, wird er als cholangiozelluläres Karzinom (Gallengangskarzinom, Gallengangskrebs) bezeichnet. Auch Angiosarkome, von Blutgefäßen der Leber abstammende seltenere Krebsgeschwülste, gehören zu den primären Leberkrebs-Arten. Manchmal lässt sich die zugrunde liegende Krebsart allerdings nicht feststellen, sodass man von einem sogenannten CUP-Syndrom (Cancer of unknown primary) spricht. Viel häufiger aber siedeln sich Tochtergeschwulste (Metastasen) anderer Karzinome (z.B. Magen-, Darm-, Lungen-, Brustkrebs u.a.m.) in der Leber an, die dann Lebermetastasen oder auch sekundärer Leberkrebs heißen.

Leberkrebs zählt insbesondere in Südostasien und Afrika zu den häufigsten Krebsleiden. Nicht so in den westlichen Industrieländern. In Österreich etwa erkranken daran pro Jahr rund 900 Menschen, meist in fortgeschrittenem Alter und bevorzugt Männer, was u.a. auf deren höheren Alkoholkonsum zurückzuführen sein dürfte.

Risikofaktoren für Leberkrebs

Das Risiko, ein hepatozelluläres Karzinom zu entwickeln, steigt mit dem Vorhandensein folgender Erkrankungen bzw. Umstände:

  • infektiöse Leberentzündungen, allen voran die Hepatitis B (Risiko steigt mit der Erkrankungsdauer), ebenso die Hepatitis C
  • eine Leberzirrhose bzw. alle Krankheiten, die zu einer solchen führen
  • ein längerfristiger Alkoholmissbrauch
  • eine Fettleibigkeit
  • eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (Steatohepatitis, NASH)
  • ein Diabetes mellitus
  • eine Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)
  • der Verzehr von mit bestimmten Schimmelpilzen kontaminierten Nahrungsmitteln (z.B. Nüsse, Getreide), die Gifte wie z.B. Aflatoxine enthalten
  • eine (berufliche) Belastung mit chemischen Substanzen wie z.B. Lösungs- und Pflanzenschutzmitteln
  • ein Mangel an Alpha-1-Antitrypsin (entzündungshemmendes Enzym)
  • eine genetische Disposition (Leberkrebserkrankungen in der Familie)

Für das seltenere Gallengangskarzinom dürften folgende Erkrankungen als Risikofaktoren dienen:

  • Choledochuszysten (Gallengangszysten)
  • Adenome (ursprünglich gutartige Gewächse) der Gallengänge
  • Gallengangssteine
  • eine primär sklerosierende Cholangitis (PSC, seltene chronische Entzündung der Gallenwege)
  • chronische Infektionen mit Parasiten wie z.B. Leberegeln (v.a. in China, Japan)

Ein höheres Lebensalter sowie Rauchen scheint ebenfalls das Risiko für Leberzell- und Gallengangskrebs zu erhöhen. Auch die Einnahme von Sexualhormonen wie beispielsweise Anabolika steht im Verdacht, Leberkrebs verursachen zu können.

Anzeichen für Leberkrebs

Symptome sind etwa ein Druckschmerz im rechten Oberbauch, Gewichtsverlust, Aszites (Wasseransammlung im Bauch), Fieber ungeklärter Ursache, Ikterus (Gelbsucht, durch Gallestau bedingte Gelbfärbung der Skleren (Augenlederhaut) und Haut, ev. auch Dunkelfärbung des Urins und Hellfärbung des Stuhls sowie Juckreiz) eine tastbare Schwellung unter dem rechten Rippenbogen, Verschlechterung des Allgemeinzustandes, Müdigkeit, Leistungsschwäche, Appetitlosigkeit oder Übelkeit.

Leider macht sich Leberkrebs oft erst in schon weit fortgeschrittenem Stadium bemerkbar, da er recht lange auf das von einer Bindegewebskapsel umhüllte Organ beschränkt bleibt. Er kann sich auf benachbarte Strukturen wie das Bauchfell oder Lymphknoten im Bauchraum ausbreiten und später über die Blut- oder Lymphgefäße auch Metastasen in verschiedene Organe wie die Lunge, Nebennieren, Knochen oder das Gehirn streuen. Deshalb ist es wichtig, dass bei jeder chronischen Lebererkrankung regelmäßige Untersuchungen im Hinblick auf die Entstehung einer Leberzirrhose stattfinden. Wird eine solche diagnostiziert, sind engmaschige Ultraschall-Kontrollen angesagt, um einen Leberkrebs möglichst früh und damit in einem gut behandelbaren Stadium zu entdecken. Liegt der Verdacht auf ein Leberkarzinom vor, klären weiter führende Untersuchungen wie z.B. eine Computer- oder Magnetresonanztomografie oder auch Laparoskopie (Bauchhöhlenspiegelung) Lage und Ausdehnung des Tumors sowie ob, wo und wie viel Metastasen der Tumor gestreut hat. Ev. Unklarheiten beseitigt eine Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe per Feinnadelpunktion unter Ultraschallsicht mit nachfolgender mikroskopischer Begutachtung). Besteht der Verdacht auf ein Gallengangskarzinom, kann eine ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiographie, Spiegelung der Gallenwege mit einem Endoskop) Klarheit bringen.

Zudem erfolgt eine Blutabnahme zwecks Überprüfung der Leberwerte und Anfertigung einer Hepatitisserologie (Nachweis einer infektiösen Leberentzündung). Außerdem zur Bestimmung der Tumormarker AFP (Alpha 1-Fetoprotein) oder Ca 19-9 (Cancer Antigen 19-9). Letztere sind jedoch nur relativ wenig spezifisch, d.h. sie können auch trotz Leberkrebs im Normbereich liegen oder bei anderen Erkrankungen erhöht sein. AFP z.B. bei Tumoren des Magen-Darm-Trakts, der Hoden oder Lunge, bei chronischer Hepatitis oder während einer Schwangerschaft. Handelt es sich um einen sekundären Leberkrebs, wird – z.B. mithilfe einer Gastroskopie (Magenspiegelung) und Coloskopie (Darmspiegelung) – nach dem Primärtumor gesucht.

Behandlung von Leberkrebs

Abhängig von der Tumorart, vom Erkrankungsstadium, Alter und Allgemeinzustand des Erkrankten kommen unterschiedliche Therapieformen zur Anwendung:

Leberresektion (Leberteilentfernung): Beschränkt sich der Krebs auf die Leber und droht keine massive Beeinträchtigung der Leberfunktionen nach dem Eingriff, kann er inklusive einem ausreichenden Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe (soll sicherstellen, dass keine Tumorzellen verbleiben) vollständig entfernt und damit geheilt werden.

Lebertransplantation: Beschränkt sich der Krebs auf die Leber, ist deren Funktion aber durch eine Zirrhose bereits eingeschränkt, wird die erkrankte Leber komplett entfernt und durch ein Spenderorgan ersetzt. Das ist nur möglich, wenn in der Leber höchstens drei Knoten mit einem Durchmesser von weniger als drei Zentimetern sitzen oder ein Tumor mit einem Durchmesser von weniger als fünf Zentimetern, ein guter Allgemeinzustand und kaum Begleiterkrankungen vorliegen.

Kann der Krebs auch auf nicht-operativem Weg geheilt werden, soll die Zeit bis zu einer Lebertransplantation therapeutisch genutzt werden oder ist der Leberkrebs zum Zeitpunkt seiner Diagnose nicht mehr operabel, können verschiedene sogenannte lokal-ablative Verfahren – allein oder in Kombination angewendet – in heilsamer oder palliativer (die Lebensqualität verbessernd, wenn keine Chance auf Heilung besteht) Absicht das Tumorwachstum zum Stillstand bringen, den Tumor verkleinern oder wenigstens durch ihn bedingte Beschwerden lindern:

Thermo- oder Kryotherapie (Wärme- oder Kältebehandlung): Hierbei wird das Tumorgewebe – zumeist in mehreren Sitzungen – mittels in die Leber unter Ultraschallkontrolle eingeführter Sonde oder Applikator per Laser (LITT, Laserablation) oder Radiofrequenzwellen (Radiofrequenzablation, RFA: Hochfrequenzschwingungen) durch Hitze zerstört bzw. mittels flüssigem Stickstoff vereist und dadurch zum Absterben gebracht. Diese Methoden sind nur sinnvoll, wenn nicht zu viele Tumoren über die Leber verteilt sind, der Tumor nicht zu groß ist und keine anderen Körperregionen (z.B. Lymphknoten) befällt.

Transarterielle Chemoembolisation (TACE): Ein Gelschaum oder kleine Metallspiralen unterbrechen durch gezielte Verstopfung von Gefäßen (Embolisation) die Blutzufuhr zu den Krebsgeschwüren. Zusätzlich kann ein Chemotherapeutikum (Zellgift) über einen Katheter in das Blutgefäß, das den Tumor versorgt, eingebracht werden, das die Krebszellen zerstört. Die TACE kann auch zwecks Tumorverkleinerung vor einer Leberresektion erfolgen.

Ethanol-Injektion (perkutane Ethanolinjektion, PEI): Der perkutan (durch die Haut) in die Leber eingespritzte hochkonzentrierte Alkohol verödet – wenn weder eine Operation noch eine Radiotherapie möglich ist – kleinere Tumoren unter drei bis vier Zentimetern Durchmesser, nicht jedoch gesundes Lebergewebe. Diese Behandlung wird in der Regel mehrmals wiederholt.

Selektive interne Radiotherapie (SIRT, Radioembolisation): Winzige, mit einer radioaktiven Substanz angereicherte Kügelchen werden direkt in die Leberarterie und damit ins Tumorgewebe eingebracht, sammeln sich dort an und bewirken eine Bestrahlung des Karzinoms von innen. Die Gefahr einer erneuten Tumorbildung im zerstörten Gebiet bleibt allerdings bestehen.

Kontrastmitteltherapie: Das mit radioaktiven Teilchen beladene Kontrastmittel Lipiodol wird in die Leberarterie gespritzt, sodass es sich im Tumor ansammelt und durch die radioaktive Strahlung die Tumorzellen abtötet.

Je nach Erkrankungsstadium und Therapieart sind Nachsorgeuntersuchungen in unterschiedlichen Zeitabständen erforderlich. Etwa in den ersten beiden Jahren nach einer Operation vierteljährliche, später halbjährliche und dann jährliche Kontrollen. Ist eine kausale Behandlung, d.h. Beseitigung des Tumors nicht möglich, bleibt die ärztliche Versorgung notgedrungen auf palliativmedizinische Maßnahmen (z.B. Schmerzstillung, Verbesserung der Lebensqualität) beschränkt.

Leberkrebs vorbeugen

Zumindest den beiden häufigsten Ursachen einer Leberzirrhose und damit eines Leberkarzinoms – Hepatitis B und Alkoholmissbrauch – kann man entgegenwirken: durch eine Hepatitis B-Impfung und Alkoholkarenz.

 

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Selektive interne Radiotherapie

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