Insektenstiche: Erste Hilfe gegen Schwellung, Juckreiz & Co.

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Wenn uns die warme Jahreszeit ins Freie lockt, warten dort schon allerlei stechlustige Gesellen. Hier einige Tipps, um den lästigen Insekten bzw. deren Stichen Paroli zu bieten.

Zahlreiche Stechmücken (alias Gelsen, Staunsen, Stanzen oder Schnaken) – allen voran die Gattungen Aedes und Culex – machen jeden Sommer den ÖsterreicherInnen das Leben schwer. Genauer gesagt die Weibchen, denn sie brauchen zur Reifung ihrer Eier Blut und werden deshalb nach der Paarung ausgesprochen stechwütig. Ausgerüstet mit einem langen Saugrüssel machen sie sich auf die Jagd nach menschlicher Haut und hinterlassen dort nach einer Mahlzeit eine kleinere oder größere juckende und gerötete Beule, genannt Gelsenstich.

Heftige Gelsenplagen treten besonders gerne nach Flutkatastrophen auf, denn dann haben die sogenannten Überschwemmungsmücken – vor allem die Wiesen- und Auwaldmücken – Hochsaison. Sie bevorzugen als Brutstätten feuchte, sumpfige Gebiete, wo sie auf getrockneten Flächen überwinterungsfähige Eier ablegen, aus denen bei nachfolgenden Überflutungen Larven schlüpfen und im Wasser zu fertigen Insekten heranreifen. Die Weibchen nutzen dann alle erdenklichen Wasserflächen (Gartenteiche, Regenfässer, Dachrinnen etc.), um Eier abzulegen, aus denen sich wiederum Larven und schließlich Gelsen entwickeln usw. usf.

Im Gegensatz zu tropischen Ländern, in denen bestimmte Mücken als Überträger schwerwiegender Infektionskrankheiten wie beispielsweise Malaria fungieren, erweisen sich Insektenstiche hierzulande – mit Ausnahme von Bienen-, Wespen- oder Hornissenstichen, auf die ein Teil der ÖsterreicherInnen allergisch reagieren – in der Regel als lästig, aber harmlos.

Allerdings sind Insektenstiche, auch wenn sie selten als solche wahrgenommen werden, Wunden und können sich somit infizieren, etwa wenn die Stichstelle aufgekratzt wird, der Stachel des Insekts (Biene, Wespe) oder Körperteile des Tiers (Zecke) dort zurückbleiben.

Was tun nach einem Insektenstich?

  • Auf keinen Fall kratzen! Zuallererst: nachsehen, ob ein Insektenstachel in der Haut verblieben ist und wenn ja, diesen entfernen (z.B. mit einer Pinzette). Dann ist Kühlung angesagt – mit Eiswürfeln, kalten Umschlägen, Kühlkompressen oder einer Packung Tiefkühlkost. Ein mit kaltem Wasser getränktes Taschentuch oder Stück Stoff tut es in Ermangelung von Alternativen auch. Die Kühlung bremst das Anschwellen der Stichstelle. Gegen unangenehme Folgeerscheinungen von Insektenstichen wie Schwellungen, Juckreiz oder Entzündungen an der Stichstelle hilft neben in Apotheken erwerbbaren kühlenden Gels, Salben oder Stiften eine Reihe von Hausmitteln wie z.B.:
  • Ein paar Minuten eine aufgeschnittene Zwiebel oder Kartoffel auf die Stichstelle legen hemmt die Entstehung einer Entzündungsreaktion.
  • Den gleichen Zweck erfüllt ein mit einigen Tropfen Teebaumöl getränkter Wattebausch, wenn man damit die Stichstelle abtupft.
  • Den Juckreiz lindert das Einreiben mit Zitronenschale, das Beträufeln mit Zitronen- oder Lavendelöl oder dem Saft zerriebener Spitzwegerichblätter.
  • Längerfristig kühlend und entzündungshemmend wirken Umschläge mit Topfen oder essigsaurer Tonerde.

Infiziert sich ein Insektenstich (Merkmale: Schwellung, Rötung, Überwärmung, ev. Eiteraustritt), kann das Aufbringen einer antibiotikahaltigen Salbe erforderlich werden. Kommt es zu einer allergischen Reaktion, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Besonderes Augenmerk erfordern Insektenstiche im Mund- und Halsbereich. Hier ist sofortige Kühlung notwendig: Eiswürfel oder sonstiges Kaltes lutschen, zusätzlich den Hals mit einem feuchtkalten Umschlag von außen kühlen. Unverzüglich den Notarzt alarmieren!

Insekten fernhalten

Angelockt werden Insekten durch die Körperwärme und Gerüche, etwa bestimmte Duftstoffe in Kosmetika oder auch im menschlichen Schweiß. Daher empfiehlt es sich, nach schweißtreibenden Aktivitäten wie z.B. Sport zu duschen, duftstoffarme Seifen, Deos etc. zu verwenden und auf Parfüms zu verzichten.

Angriffsfläche für Insekten ist die Haut. Bei Aufenthalten im Freien möglichst viel vom Körper bedecken – z.B. mit langärmeligen Oberteilen und langen Hosen – reduziert die Stichgebiete der Blutsauger.

Citronellkerzen o.ä. helfen bei Grillpartys, die lästigen Gesellen fernzuhalten.

Insektengitter an Fenstern und Türen schützen vor dem Eindringen der ungebetenen stechwütigen Gäste in Küche, Schlafzimmer und Co.

Nicht zuletzt gibt es einige Pflanzen, die im Ruf stehen, mückenfeindlich zu wirken und so Gartenfreunden das Leben erleichtern. Wie etwa Tomaten, deren Geruch die Mücken nicht leiden können oder die Katzenminze, deren ätherisches Öl Insekten nicht besonders schätzen. Ebenso der Abwehr von Mücken und Co. dienlich sein sollen Duftgeranien, Walnussbäume, Tagetes, Nelken, Pfefferminze, Zedern und Eukalyptus.

Letzter Ausweg: chemische Keulen

Insektenabwehrende Mittel (Repellents, Repellenzien) verändern den Körpergeruch in der Weise, dass Insekten ihn nicht mehr attraktiv finden und deshalb nicht stechen. Eine schwächere, aber ähnliche Wirkung wird bestimmten ätherischen Ölen (z.B. Lavendel, Melisse, Zeder, Pfefferminze, Zitrone, Eukalyptus, Anis, Nelken, Cajeput) zugeschrieben. Hier gilt zu bedenken, dass diese u.U. allergische Reaktionen auslösen und das Sonnenlicht eventuelle Nebenwirkungen der Öle verstärken kann. Auch zu beachten: Repellents nur gemäß der Anweisung verwenden und erst nach dem Sonnenschutz auftragen. In Österreich gängige Repellenzien sind:

  • DEET (Diethyltoluamid, z.B. in Anti Brumm forte®, Nobite Haut®, Anti-Mückenmilch®): Der Wirkstoff kann die Plazenta passieren und eignet sich deshalb nicht für schwangere und stillende Frauen. Außerdem kann er Kunststoffe,  Farben und Lacke angreifen und deshalb Gegenstände mit Kunststoffgehäuse (z.B. Armbanduhren, Brillen oder Handys) beschädigen.
  • Icaridin (auch: Picaridin, Bayrepel, Hepidanin; z.B. in Parazeet Gelsenschutz®, Autan family®, Autan active®): Die Substanz löst zwar kaum Kunststoffe auf, wird aber nicht für Kindern unter zwei Jahren empfohlen.
  • EBAAP (Ethyl-butyl-acetylaminopropionat; z.B. in SENH®, Flystop®, Exopic Kids®, Hansaplast Anti-Insekten Lotion®); Der Stoff wirkt deutlich kürzer als die anderen und wird für Kinder erst nach Vollendung des ersten Lebensjahres empfohlen, darf aber laut Hersteller in der Schwangerschaft angewendet werden.

Insektizide (z.B. Pyrethroide, Phosphorsäureester, Phenylpyrazole) dienen der Abtötung von Insekten und deren Entwicklungsstadien. Sie eignen sich nicht zum Aufbringen auf die Haut. Diese Sprays, Gelsenstecker usw. sollten aber nur sparsam Anwendung finden, da sie auch für Menschen nicht als vollkommen unbedenklich eingestuft werden können. Mögliche Nebenwirkungen sind z.B. Reizungen der Augen und Schleimhäute oder Irritationen des Nervensystems.

 

Links zu unserem Lexikon:
Bienenstich, Wespenstich 
Zeckenbiss 

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