Gasvergiftung: wie man der unsichtbaren Gefahr entkommt

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Wohnen mit schlecht gewartetem Durchlauferhitzer, defektem Ofen oder undichtem Kamin, unvorsichtiges Hantieren mit Chemikalien, ein ungeschützter Gang in den Weinkeller/ins Silo u.a.m. kann unvorbereitet und recht rasch zum Tod führen. Daran schuld sind Gase, die dem Organismus den Sauerstoff rauben oder auch direkt Organe schädigen. Was bei einer solchen Gasvergiftung zu beachten ist, lesen Sie hier.

Immer wieder erinnern Medienberichte über Gasvergiftungen daran, dass vor allem im Haushalt unsichtbare Schadstoffe wie Kohlenmonoxid oder Kohlendioxid usw. lauern. Das Gefährliche daran: Bemerkt man erst einmal Vergiftungserscheinungen, kann es für ein Verlassen der brenzligen Situation schon zu spät sein. Darum ist es besser, Gasvergiftungen vorzubeugen. Kommt es dennoch dazu, ist neben unbedingtem Selbstschutz der Retter vor allem eiliges und richtiges Handeln angesagt.

Potenziell schädliche Gase

Im Haushalt oder auch am Arbeitsplatz können Vorgänge (z.B. Verbrennung) stattfinden, bei denen potenziell schädlich wirksame Gase freiwerden wie

Kohlenmonoxid (CO) entwickelt sich vor allem bei unvollständigen Verbrennungsvorgängen von Kohlenstoffen (z.B. Motorabgasen, Feuerrauch), kommt im Erd- und Grubengas vor und ist auch im Zigarettenrauch enthalten. Das brennbare, unter bestimmten Umständen explosive, farb-, geruch- und geschmacklose Gas ist ein gefährliches Atemgift, das sich sehr rasch und 200 bis 300 Mal stärker als Sauerstoff oder Kohlendioxid an das Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) in den Erythrozyten (rote Blutkörperchen) bindet, so den Sauerstoff verdrängt und damit für eine schlechtere Sauerstoffversorgung der Organe und einen beeinträchtigten CO2-Rücktransport von den Organen zur Lunge sorgt. Sitzt das CO erst einmal am roten Blutfarbstoff, kann es von dort nur schwer (Sauerstoffgabe unter Überdruck) weggebracht werden.

Kohlendioxid (CO2) ist in geringen Mengen ein natürlicher Bestandteil der Luft. In höheren Mengen tritt es im Rahmen von Gär- und Zersetzungsprozessen, z.B. bei der alkoholischen Vergärung von Maischen, Most oder Futtermitteln auf. Unter Umständen kann sich auch eine zu hohe CO2-Konzentration in Pressluftflaschen von Tauchern befinden. Das nicht explosive, farb-, geruch- und geschmacklose Gas sammelt sich – da es schwerer ist als Luft – am Boden von Räumen (z.B. in Weinkellern, Futtersilos, Höhlen, Brunnen- oder Bergwerksschächten) zu einem unsichtbaren “See“ an und verdrängt Sauerstoff. Vor allem wenn es dort an notwendigen Belüftungseinrichtungen fehlt, kommt es deshalb durch den Sauerstoffmangel gern zu Gärgasunfällen.

Cyanid (Blausäure) entsteht bei der Verbrennung von Haushaltsgegenständen in geschlossenen Räumen sowie bei der Herstellung von Papier und Textilien. Es ist farblos und giftiger als CO.

Rauchgase (Brandgas) sind ein Mix an verschiedenen Gasen, die bei Verbrennungen frei werden und das Lungengewebe schädigen.

Reizgase sind Bestandteile chemischer Produkte (z.B.  Desinfektions-, Reinigungs-, Pflanzenschutzmittel, Insektizide), sowohl in der Industrie als auch in vielen Haushalten. Sie können verschiedenen Organen schaden, allen voran der Lunge.

Symptome von Gasvergiftungen

Werden Gase eingeatmet, kommt es abhängig von ihrer Konzentration zu diversen Beschwerden, bei genügend hohen Gasmengen auch zum Tod.

Kohlenmonoxidvergiftung: Unglücklicherweise ist Kohlenmonoxid farb-, geruch- und geschmacklos, weshalb sein Ausströmen anfangs unbemerkt bleibt. Eine CO-Vergiftung beginnt mit unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit, Ohrensausen, Kopfschmerzen, Herzklopfen, Unwohlsein und Übelkeit. Mit steigender Gaskonzentration treten Sehstörungen (“Flimmern vor den Augen“), Gereiztheit und Krämpfe hinzu. Ist mehr als 40 Prozent des Hämoglobins von Kohlenmonoxid besetzt, zeigen sich auch Lähmungserscheinungen, Schwindel, Rausch- und Erregungszustände, eine Bewusstseinstrübung und Verwirrtheit bis hin zur Bewusstlosigkeit. Ein Wert über 70 Prozent führt innerhalb weniger Minuten via Atemnot, Schock bzw. Lungen- und Herz-Kreislaufversagen zum Tod. Typisch für fortgeschrittene Stadien einer CO-Vergiftung ist ein “rosiges Aussehen“, d.h. eine hellrote Gesichtsfarbe und kirschrote Lippen durch die CO-Einwirkung auf das Hämoglobin. Ein langfristiges Einatmen niedriger Kohlenmonoxid-Konzentrationen kann Depressionen auslösen.

Jedes Jahr sterben auch hierzulande mehrere Menschen an einer sogenannten Rauchgasvergiftung, d.h. der toxischen Wirkung von Kohlenmonoxid, meist weil bei ihnen ein nicht oder unzureichend gewarteter Durchlauferhitzer in Betrieb oder auch ein Gasofen defekt oder ein Kamin undicht ist. Seltener, weil sie verbotenerweise benzinbetriebene Geräte oder Holzkohlen-Grills in Innenräumen benutzen oder (z.B. in selbstmörderischer Absicht) Fahrzeuge in der Garage im Leerlauf rennen lassen.

Kohlendioxidvergiftung: Es kommt zu Kopfschmerzen, Ohrensausen, Schwindel, Herzklopfen, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfen, Schweißausbrüchen, Atemnot (flache, hechelnde Atmung), einem Blutdruckanstieg, Panikreaktionen, einer Zyanose, zunehmenden Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit, schließlich zu einem Schock bzw. Atemstillstand, weil das völlige Fehlen von Sauerstoff im “Kohlendioxid-See“ zum Tod durch Ersticken führt.

Blausäurevergiftung: Cyanid bewirkt Schleimhautreizungen, die sich z.B. durch ein Kratzen im Hals bemerkbar machen. Außerdem Unruhezustände, Krampfanfälle, letztendlich einen Kreislaufstillstand und damit den Tod.

Rauch- und Reizgase-Vergiftung: Charakteristisch sind ein Hustenreiz, eine Augenrötung, ev. auch ein Brennen und Schmerzen in den Atemwegen. Schlimmstenfalls entwickelt sich ein Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge).

Erste Hilfe: Eigenschutz geht vor

Um nicht selbst ein weiteres Opfer giftiger Gase zu werden, gebietet sich für potenzielle Ersthelfer, bei Gasunfällen zuallererst Eigensicherung zu betreiben. Das bedeutet, möglichst eine Atemschutzmaske zu tragen (KEIN Betreten von Räumen mit Gas-Seen ohne Atemschutz!), möglichst aber für Frischluftzufuhr (Fenster und Türen öffnen) zu sorgen und, so es sich einrichten lässt, die Schadstoffquelle zu eliminieren (z.B. in suizidaler Absicht oder vergessenerweise angestellten Gasherd abdrehen, Fahrzeugmotor abstellen). Dann:

  • den Notarzt alarmieren (Tel.: 144)
  • vergiftete Personen möglichst aus der Gefahrenzone bringen, sie beruhigen, ihre ev. beengte Kleidung öffnen, sie zudecken und mit erhöhtem Oberkörper lagern
  • bewusstlose Gasopfer in stabile Seitenlage bringen
  • engmaschig die Bewusstseinslage und Vitalzeichen (Atem, Puls) der Verunfallten kontrollieren und bei Bedarf Wiederbelebungsmaßnahmen (Atemspende, Herzdruckmassage) starten

Handelsübliches Erdgas, das eigentlich geruchlos ist, wird aus Sicherheitsgründen odoriert, d.h. mit Duftstoffen versehen, die an den Geruch von faulen Eiern erinnern, damit defekte oder unkontrolliert geöffnete Gasleitungen sofort bemerkt werden. Kommt es zu einem Gasgebrechen, besteht Explosionsgefahr. Deshalb sollten bei Auftreten des typischen Gasgeruchs alle Fenster geöffnet, der Gashahn zugedreht und alle Hausbewohner über den Vorfall informiert und zum Verlassen des Hauses gebracht werden. Um offene Flammen und Funkenbildung zu vermeiden, was aufgrund der Explosionsgefahr unbedingt nötig ist, dürfen im betroffenen Haus keine Telefone oder Türklingeln betätigt werden. Dann ist der Bereitschaftsdienst des Gasversorgers zu kontaktieren.

Gasvergiftungen vorbeugen

Auf jeden Fall gilt es, bei Einbau und Inbetriebnahme von Thermen, Öfen und Herden alle Installations- und Gebrauchsvorschriften des Herstellers zu befolgen. Dann sollten Verbrennungsgeräte, Schornsteine und Rauchrohre einmal jährlich fachmännisch (Thermenwartungsdienst, Rauchfangkehrer) auf ihre Funktionstüchtigkeit hin überprüft und im Bedarfsfall saniert werden.
Darüber hinaus verbietet es sich, benzinbetriebene Geräte oder Holzkohle-Grills in Innenräumen zu benutzen oder Fahrzeuge in der Garage im Leerlauf laufen zu lassen.

 

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