Flip Flops: modisch – luftig – ungesund?

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Der Urschuh – bestehend aus Sohle und Riemchen – ist vom Badelatschen zum absolut straßentauglichen Modetrend aufgestiegen. Luftig und bequem scheinen Flip Flops für den Sommer das ideale Schuhwerk zu sein. Doch Vorsicht ist geboten.

Ist es draußen heiß, sieht man die trendigen Schuhe an vielen Füßen. Flip-Flops gehören schließlich zum Sommer. Wie Sonnenbrille, Badehose und Bikini. Die in allen Farben und Größen erhältlichen, bequemen Gummi-Latschen sind jedoch ins Kreuzfeuer der Kritik von Orthopäden, Sportmedizinern und Fußpflegern geraten. Warum? Weil die Zehenstegsandalen am Bewegungsapparat unphysiologische Belastungen oder sogar Verletzungen verursachen können. Einige enthalten darüber hinaus bedenkliche Substanzen.

Hauptproblem: mangelnder Halt

High Heels quälen Füße, Beine und Rücken. Das ist längst bekannt. Wer sich nun aber mit flachem Schuhwerk wie Flip Flops auf der sicheren Seite fühlt, der irrt. Denn auch die beliebten sommerlich-luftigen Zehenschlapfen können der Gesundheit schaden. Warum und wie sie das tun, haben US-amerikanische Wissenschaftler der Auburn-Universität (Alabama) erforscht.

Sie ließen Studenten mit Flip Flops gehen, laufen, hüpfen und klettern. Währenddessen wurden – EDV unterstützt – die an den Füßen der Probanden wirkenden Kräfte gemessen. Kameras zeichneten Schrittlänge und Gelenkkrümmung auf. Ergebnis: Mit Flip Flops macht man viel kleinere Schritte, bei denen sich die Zehen kaum anheben und die Fersen kaum den Boden berühren. Um die Flip Flops nicht zu verlieren, werden sie von den Zehen festgehalten, weshalb der restliche Fuß schlechter abrollt und stärker angewinkelt wird. Die Beinmuskulatur ist deshalb einer erhöhten Spannung ausgesetzt. Das belastet Knochen und Sehnen.

Die Flachheit der Gummi-Treter verhindert, dass der Druck von Vorfuß und Ferse abgefedert wird. Es fehlt an der Stütze des Fußgewölbes und der Fuß findet nur mangelhaft Halt. Das führt zu Schmerzen an der Fußsohle und Ferse, die ins Bein ausstrahlen können. Durch die vermehrte Arbeit der Wadenmuskulatur drohen längerfristig Beschwerden wie z.B. schmerzhafte Verspannungen nicht nur an den Füßen, sondern auch an den Knöcheln, Unterschenkeln bis hinauf zu den Hüften und zum unteren Rücken.

Vor allem bei Outdoor-Aktivitäten besteht infolge des losen Halts durch Umknicken oder Ausrutschen Verletzungsgefahr, z.B. in Form von Bänderrissen oder Gelenksläsionen. Der permanente Versuch der Zehen, die Sohlenplatte am Fuß zu halten, kann Zehenkrämpfe verursachen. Die mechanische Reibung des Zehenstegs zwischen Groß- und Zweitzehe findet z.B. in Abschürfungen ihren Ausdruck.

Chemie an den Füßen

Basierend auf einer Studie der Swedish Society for Nature Conservation, in der Kunststoffschuhe, insbesondere Flip-Flops mit Zehensteg, auf schädliche Inhaltsstoffe untersucht wurden, warnt das Verbrauchermagazin Konsument davor, sie längere Zeit zu tragen. In einem erheblichen Teil der Sandalen wurde nämlich – unabhängig von deren Herkunft oder Preis – der Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP) entdeckt, der das Hormon- und Immunsystem ungünstig beeinflusst. Außerdem potenziell krebserregende Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und bis zu zehn Schwermetalle (z.B. Blei, Chrom), die die Umwelt belasten.

Wann sind Flip Flops tabu?

Ungeeignet sind Flip Flops für das Zurücklegen längerer Fußwege, weil sie keine normale Schrittabwicklung erlauben. Ebenso zu vermeiden ist das Begehen von unebenem Gelände und Flächen mit losem Geröll, denn die Gummisohlen unterstützen die Füße nicht, bieten dort keinen Halt und absorbieren nicht wie festere Schuhe die Erschütterungen, die durch das Aufsetzen des Fußes entstehen. Aus demselben Grund taugen sie – schon allein aus Sicherheitsgründen – auch nicht zum Radeln oder Autofahren. Ebenso wenig für Sport oder Wandern.

Unbrauchbar sind Flip Flops zudem bei Fußfehlstellungen wie etwa Knickfüßen, wo das Fußgewölbe und die Ferse ohnehin nicht genug Stabilität besitzen, um die Beinachse in der natürlichen, d.h. geraden Linie zu halten. In diesem Fall sorgt die weiche Sohle der Gummitreter dafür, dass sich bei ihrem längeren Tragen Sehnen und Bänder dehnen und damit der Fuß stärker einknickt.

Flip Flops schützen auch nicht vor schädlichen äußeren Einwirkungen wie etwa Sonnenbrand, Insektenstichen, messerscharfen Klingen eines Rasenmähers usw., weshalb sie sich auch nicht für Gartenarbeit eignen.

Schäden vermeiden

Auch wenn es den Füßen beim Tragen von Flip Flops an Stabilität mangelt, muss man nicht ganz auf das modische Schuhwerk verzichten, sofern man es nicht dauerhaft verwendet. Bei kurzzeitigen Streifzügen am Strand oder Pool schützen die beliebten Badeschuhe die Füße vor heißen Oberflächen, bis zu einem gewissen Grad auch vor Fußpilz. Positive Effekte werden den Zehenstegsandalen auch in puncto Training der Zehen- und Fußmuskulatur zugeschrieben, denn die wird bei der Aufgabe, den Schuh nicht zu verlieren, vermehrt aktiviert. Es gibt übrigens auch orthopädische, d.h. nach einem Abdruck des jeweiligen Fußes angefertigte, Flip Flops, deren erhoffte fußgerechtere Passform aber nicht bewiesen ist.

Um Schäden durch die Gummischuhe hintanzuhalten, rät die American Pediatry Medical Association (APMA, Vereinigung amerikanischer Fußorthopäden) bei der Wahl von Flip Flops auf ihr Material zu achten. Sie empfiehlt weiches Leder, das – anders als minderwertiges Material – keine Blasen erzeugt. Die Sandalen sollten sich in ihrer Mitte weder ganz zusammenfalten noch eindrehen lassen. Zudem müssen sie groß genug sein, d.h. die Zehen dürfen nicht vorne überstehen. Flip Flops, die den Qualitätsanforderungen der APMA entsprechen, hat die Organisation mit einem Siegel ausgezeichnet.

Gesündere Alternative FitFlops?

Zu diesen mit dem APMA-Siegel ausgestatteten Schuhen gehören etwa FitFlops, die neben Formschönheit und Bequemlichkeit infolge unterschiedlicher Dämpfungsgrade in der Sohle auch noch ein effektives Muskeltraining, also quasi ein “Workout beim Gehen“, und obendrein eine Stimulation der Fußreflexzonen versprechen.

 

Weiter führende Links:
Studie zu Flip Flops
Studie der Swedish Society for Nature Conservation
Konsument: Flip Flops im Test
APMA-Siegel
FitFlop-Studie der Universität Salford