Ertrinken: Pools und Teiche als Todesfallen

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Brennt die Sonne unbarmherzig vom Himmel, retten sich alle, die es können ins kühle Nass der Pools, Schwimmbäder und Badeteiche. Sorglosigkeit und Übermut sorgen aber dafür, dass so mancher Badespaß mit dem Ertrinkungstod endet. Was im Ernstfall zu tun ist und wie sich der Aufenthalt im feuchten Element sicher gestalten lässt, das erfahren Sie hier.

Klettert das Thermometer auf sommerliche Temperaturen, haben Freibäder und Badeseen Hochsaison. Eine willkommene Form der Abkühlung, die jedoch Jahr für Jahr mit Unfällen einhergeht, denn nicht jeder, der sich für einen guten Schwimmer hält, ist auch einer. Zudem lauern im Wasser einige Gefahren, die Baden zu einem riskanten Unternehmen machen können. Gefährdet sind neben Senioren vor allem kleine Kinder. Bei ihnen ist Ertrinken die zweithäufigste Todesursache.

Was bedeutet Ertrinken?

Gelangt Flüssigkeit über die Atemwege in die Lunge, kommt es zum Ersticken, das in mehreren Phasen abläuft:

  • Abwehrreaktionen: Viele, wenn auch nicht alle Ertrinkende versuchen krampfhaft, Mund und Nase über Wasser zu halten, schlagen deshalb wild um sich, um nicht unterzugehen.
  • Reflektorische Inspiration: Trifft kaltes Wasser auf die Bauch- und Rückenhaut, kommt es häufig zu reflexartigem Einatmen.
  • Willkürliches Luftanhalten: Geraten bewusstseinsklare Personen unter Wasser, halten sie die Luft an. Das lässt jedoch das Kohlendioxid im Blut steigen, was eine automatische Ingangsetzung der Atmung bewirkt.
  • Atemnot: Eingeatmetes Wasser kann im Kehlkopf einen Stimmritzenkrampf verursachen. Somit kann kein Wasser mehr in die Lunge eindringen. Aber auch keine Luft. Der Sauerstoffmangel führt zu Bewusstlosigkeit.
  • Krämpfe: Der Sauerstoffmangel bewirkt zudem eine Anspannung und Versteifung der Muskulatur sowie Zuckungen der Extremitäten.
  • Atemlähmung: Die Atmung verflacht (“finale Schnappatmung“) bis ein Atem- und schließlich ein Herz-Kreislauf-Stillstand eintritt.

Diese Vorgänge geschehen innerhalb von vier bis fünf Minuten, weshalb rasche Hilfeleistung nottut. Sofern überhaupt erkannt wird, dass sich ein Notfall abspielt. Das gestaltet sich beim Ertrinken nämlich insofern oft schwierig, als sich lediglich aus der Kopf- und Körperposition (Überstreckung, Senkrecht- oder Schräglage) sowie allfälligen Abwehrreaktionen schließen lässt, dass sich ein Badegast in einer Gefahrensituation befindet. Im Überlebenskampf ist dieser nämlich in der Regel nicht imstande, um Hilfe zu rufen oder sie herbeizuwinken.

Zudem wirkt die kritische Lage manchmal fälschlicherweise harmlos, z.B. so als ob ein Kleinkind lediglich tauchen würde. A propos Kleinkinder: Sie schaffen es nicht, Mund und Nase über der Wasseroberfläche zu halten. Oder gehen gleich unter, weil sie erstarren. Sofort sinken auch Erwachsene (“leises Ertrinken“), wenn sie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Herzinfarkt) oder einen Krampfanfall (z.B. Epilepsie) erleiden, sich im Alkohol- oder Drogenrausch befinden oder infolge eines Sprungs ins kalte Wasser Herzrhythmusstörungen bekommen.

Erste Hilfe bei Ertrinken

Wer einen im Wasser Verunfallten selbst zu retten gedenkt, sollte sicher sein, dass er dazu auch wirklich schwimmtechnisch und konditionell in der Lage ist und sich möglichst eines Hilfsmittels wie z.B. eines Rettungsrings bedienen. Andernfalls bringt er sich selbst in Gefahr. Der Grundsatz der Ersten Hilfe “Eigenschutz hat Vorrang“ besitzt auch hier seine Gültigkeit. Umso mehr als Ertrinkende die Tendenz haben, ihren Retter zu umklammern. Deshalb: Bevor man einen unbeholfenen Rettungsversuch unternimmt und so die Situation verschärft, d.h. aus einem Ertrinkenden zwei macht, im Zweifelsfall lieber einen Profi zu Hilfe rufen, im Freibad z.B. den Bademeister. In freien Gewässern bergen Taucher der Feuerwehr (Tel.: 122) Personen in Not. Oder ein geprüfter Rettungsschwimmer.

Die Rettung (Tel.: 144) verständigen (das kann ein weiterer Ersthelfer übernehmen), deren Leitstelle auch telefonische Anweisungen zur Ersten Hilfe gibt. Ist der Verunglückte schließlich an Land und zeigt Lebenszeichen (Atmung, Puls), bis zum Eintreffen der Rettung Erste-Hilfe-Maßnahmen setzen wie ihn in stabile Seitenlage bringen, vor Unterkühlung schützen und ihm seelischen Beistand leisten. Fehlen Lebenszeichen, muss eine Reanimation (Wiederbelebung, Herzdruckmassage, Mund-zu-Mund-Beatmung) durchgeführt werden. Dabei zu beachten ist: Geschieht der Unfall in kaltem Wasser (z.B. Einbrechen ins Eis im Winter), schützt die rasche Herabsetzung der Körpertemperatur das Gehirn vor Sauerstoffmangel, d.h. eine Wiederbelebung kann auch noch nach längerem Aufenthalt unter Wasser von Erfolg gekrönt sein.

Altersabhängige Risikofaktoren

Warum Badeunfälle passieren, hat zu einem erheblichen Teil mit dem Lebensalter zu tun. Bei Kleinkindern sind es v.a. ungesicherte Pools und Biotope, die sie zum Planschen verlocken sowie eine unzureichende Aufsicht durch ihre Betreuer. Da Babys und Kleinkinder einen im Verhältnis zum restlichen Körper schweren Kopf besitzen, genügt bereits eine geringe Wassertiefe (10 bis 20 cm), um zu ertrinken.

Neben Kleinkindern besonders ertrinkungsgefährdet sind Senioren, die außer Acht lassen, dass mit zunehmendem Alter die Kräfte nachlassen und sie eher gefährdet sind, im Wasser Beschwerden (z.B. Schwindel) zu entwickeln. Außerdem Untrainierte und Nichtschwimmer.

Lieber Abhilfe als Erste Hilfe

Besser als vor dem Ertrinkungstod gerettet zu werden ist natürlich, erst gar keinen Badeunfall zu erleiden. Der lässt sich meistens vermeiden, etwa durch:

  • so früh wie möglich (es gibt auch Baby-, und Kinder-Schwimmkurse) gut schwimmen lernen.
  • bei heißer Außentemperatur abkühlen (z.B. mit einer Dusche) vor dem Gang ins kühle Wasser.
  • nicht mit vollem Bauch oder bei einem Gewitter ins Wasser gehen.
  • vor dem Schwimmen kein Alkoholgenuss.
  • die Beachtung und Befolgung von Warnhinweisen (z.B. vor Strömungen) z.B. auf Schildern oder vom Strandwart etc.
  • die Meidung unbekannter Gewässer.
  • das Unterlassen von Kopfsprüngen in seichtes oder unbekanntes Gewässer. Das kann mit schweren Schädel- oder Rückenverletzungen und einem Leben im Rollstuhl enden.
  • die eigene Fitness nicht überschätzen und – das gilt v.a. für Senioren! – sich nicht überfordern.
  • zur Vermeidung einseitiger Belastungen und Verspannungen Schwimmlage und Schwimmstil öfters wechseln.
  • längere Schwimmtouren nicht allein unternehmen.
  • beim Auftreten von Krämpfen oder Ermüdung sowie bei einem Gewitter sofort das Wasser verlassen.
  • auf Wasserrutschen immer nur einzeln und nicht auf dem Bauch, mit dem Kopf voran oder stehend rutschen. Nach der Ankunft im Wasser gleich weg von der Rutsche schwimmen.
  • das Tragen passender Schwimmwesten bei Bootsfahrten.
  • Kinder nie (!) unbeaufsichtigt planschen, baden und schwimmen lassen, auch nicht “nur“ für ein paar Minuten.
  • zwecks Kindersicherheit das Anbringen von Pool-Alarmanlagen und festen Abdeckungen an gerade nicht benutzten Pools oder Planschbecken, Gittern an Biotopen und Umzäunungen (ohne zum Klettern einladende Querlatten) bei Gartenteichen.
  • Kinder sicherheitsgeprüfte Schwimmflügel (getrennt aufblasbare Kammern) in der Nähe von Gewässern tragen lassen, denn oft kommt es zu Stürzen in der Nähe von Gewässern, weil es z.B. rund um Schwimmbecken gern rutschig ist. Andere Schwimmhilfen sind lediglich Spielzeug und schützen nicht vor dem Ertrinken.

Werden alle diese Tipps konsequent eingehalten, gehen nur die Badegäste und nicht auch die Sicherheit baden. Dann steht ungetrübtem Spaß im erfrischenden Nass nichts mehr im Wege.

 

Weiter führende Links:
Spaß im kühlen Nass
Maßnahmen zur Absicherung von Biotopen und Schwimmteichen
Österreichisches Rettungsschwimmerabzeichen

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Badespaß: Mitbringsel Fußpilz und Co.