Erfrierungen: Vorsicht Kälte!

©panthermedia.net, Gary Whitton

Wenn Frost und Wind regieren, drohen Erfrierungen . Dann heißt es rasch und richtig handeln!

Für Kälteschäden bedarf es nicht erst zweistelliger Minusgrade. Schon +6°C können genügen, dass Kälte, Nässe und Wind die Wärmeerzeugung im Organismus durch Zittern (Muskelarbeit) ankurbeln. Gleichzeitig wird – zum Schutz lebenswichtiger Organe – die Durchblutung und damit die Wärmeabgabe durch Engstellung der Blutgefäße in peripheren Körperteilen wie z.B. den Extremitäten gedrosselt. Folgen sind lokale Gewebeschäden, genannt Erfrierung (Congelatio), v.a. an exponierten (Finger, Zehen, Nase, Ohren) und von zu enger Kleidung (z.B. Schuhe) umgebenen und daher bereits in ihrer Blutversorgung eingeschränkten Stellen. Gibt der gesamte Organismus mehr Wärme ab als er bilden kann, sinkt die Körpertemperatur (Normalwert: rund 37°C). Dann spricht man von einer Unterkühlung (Hypothermie).

Besonders gefährdet für Kältetraumata sind Kleinkinder, alte, unterernährte und an Durchblutungsstörungen leidende Menschen, v.a. aber – infolge einer verminderten Kältewahrnehmung – Betrunkene.

Je nach Schwere der Kälteeinwirkung unterscheidet man bei Erfrierungen:

  • Grad 1: Schmerzen, Hautblässe, „Gefühllosigkeit“, nach Ende der Kälteeinwirkung Hautrötung, -jucken und -schmerzen.
  • Grad 2: Rötungen, Schwellungen, Blasen, zum Teil auch Gewebeblutungen.
  • Grad 3: Verlust der Schmerzwahrnehmung, schwarz-blaue Verfärbung, Verhärtung, Gewebszerstörung (Nekrose, Gangrän): Ausmaß und Therapiebedarf (operative Nekrosenentfernung, Amputation) erst Wochen nach der Kälteexposition – wenn sich abgestorbenes Gewebe gegen lebendes abgrenzt (Demarkation) – sicher feststellbar.

Je nach Ausmaß des Körpertemperaturabfalls unterscheidet man bei Unterkühlungen:

  • Stadium 1 (35 bis 32°C) : Muskelzittern, tiefe Atmung, erhöhte Pulsfrequenz.
  • Stadium 2 (32 bis 28°C) : Schläfrigkeit, verminderte Ansprechbarkeit, Muskelsteife.
  • Stadium 3 (unter 28°C) : Lebensgefahr! Bewusstlosigkeit, kaum tastbarer Puls, Atem- und Kreislaufstillstand.

Erste Hilfe bei Erfrierungen

Wer hier an “Hausmittel“ wie mit Schnee einreiben oder massieren denkt, liegt falsch. Richtig ist: Zuallererst den Notruf (144 bzw. 112) verständigen, dann den normal ansprechbaren Menschen mit Erfrierungen an einen warmen Ort bringen (Berghütte, beheiztes Auto). Dort Schmuck und nasse Kleidung entfernen. Erfrorene Körperteile im Wasserbad unter ständiger Zugabe von warmen Wassers auftauen und Schmerzmittel verabreichen. Zur Vermeidung von Infektionen Blasen ungeöffnet lassen und die betroffenen Stellen locker steril verbinden.

Muss die Versorgung draußen erfolgen zwecks Aufwärmung, z.B. erfrorene Finger in die Achselhöhlen stecken oder warme Hände auf erfrorene Stellen im Gesicht legen. Trockene Kleidung und (Alu-) Decken schützen in jedem Fall vor weiterer Kälteeinwirkung.

Erste Hilfe bei Unterkühlungen

Auch hier heißt es den Notruf verständigen, den Unterkühlten an einen warmen Ort bringen und von nasser Kleidung befreien. Ihn zum Aufwärmen in Decken wickeln, ihm eine Mütze aufsetzen und warme, gezuckerte, aber alkoholfreie Getränke servieren. Alkohol erzeugt zwar zunächst ein Hitzegefühl, aber auch eine Weitstellung der Blutgefäße und damit eine Wärmeabgabe. Muss die Versorgung draußen erfolgen, den Betroffenen vor weiterer Kälteexposition (Wind, kalter Untergrund) mit Rettungsfolien oder Decken schützen.

Schläfrigkeit bzw. Verwirrung sind Zeichen einer starken Unterkühlung mit Zentralisation (nur noch absolut lebenswichtige Organe werden durchblutet) und verlangen nach einer Ruhigstellung. Bis zum Eintreffen der Rettungsmannschaft den Kältegeschädigten zudecken und möglichst wenig bewegen. Sonst gerät kaltes Blut in den Kreislauf und kann ein Multiorganversagen (Herz, Leber, Nieren; „Bergetod“) verursachen. Bei Bewusstlosigkeit, Atem- oder Herzstillstand entsprechende Erste Hilfe leisten (z.B. Herzdruckmassage).