Die österreichischen Krankenkassen im Überblick

Welche Krankenkassen gibt es in Österreich, was ist der Unterschied zwischen Wahlarzt und Privatarzt? Hier finden Sie einen Überblick.  

Wesentlichster Eckpfeiler der sozialen Sicherheit hierzulande ist die Österreichische Sozialversicherung, die sich in Pensions-, Unfall- und Krankenversicherung gliedert. 22 Sozialversicherungsträger erbringen Leistungen für die Versicherten, wobei einige über mehrere Zweige verfügen. Dazu zählen 5 Pensions-, 4 Unfall- und 19 Krankenversicherungsträger, genannt Krankenkassen:

  • 9 Gebietskrankenkassen (pro Bundesland eine Gebietskrankenkasse):
    BGKK, KGKK, NGKK, OGKK, SGKK, STGKK, TGKK, VGKK und WGKK
  • 6 Betriebskrankenkassen: Austria Tabak, Kapfenberg, Mondi Business Paper, Voestalpine, Bahnsysteme der Wiener Verkehrsbetriebe, Zeltweg
  • Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA d. gew. W.)
  • Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB)
  • Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB)
  • Versicherungsanstalt öffentlicher Bediensteter (BVA)

Zusätzlich gibt es Krankenfürsorgeanstalten (KFA) für Länder und Gemeinden, die nicht dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger angehören.

In Österreich ist die Krankenversicherung eine Pflichtversicherung, was bedeutet: Jeder unselbstständig Beschäftigte ist krankenversichert, sofern sein Einkommen über die Geringfügigkeitsgrenze (2017: € 425,70/Monat) hinausgeht. Welcher Krankenversicherungsträger Leistungen erbringt, hängt jeweils vom Dienstgeber des Versicherten und dessen Standort ab und ist hierzulande nicht frei wählbar. Auch Arbeitslose und Pensionisten unterliegen der gesetzlichen Krankenversicherung. Kinder sind beitragsfrei mitversichert. Unternehmer und Selbstständige sind bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) kranken- sowie pensionsversichert. Wie viel eine bestimmte medizinische Leistung kostet bzw. wie viel Geld refundiert wird, legen sogenannte kassenspezifische Leistungskataloge für medizinische Leistungen fest.

Allgemeinmediziner und Fachärzte, die einen Vertrag mit den Krankenkassen haben und daher als Kassen- oder Vertragsärzte bezeichnet werden, rechnen ihre Leistungen (z.B. Behandlungen), die sie an den Patienten erbringen, direkt mit diesen Sozialversicherungsträgern ab.

Kassenarzt

Ein Kassenarzt (Vertragsarzt) hat einen Vertrag mit einer, mehreren oder allen gesetzlichen Krankenkassen, wobei es sich um Einzelverträge im Rahmen eines Gesamtvertrages der jeweiligen Landesärztekammer mit den Sozialversicherungsträgern handelt und die Honorierung jährlich angepasst wird. Zurzeit werden Einzelverträge nur als Gesamtpaket vergeben, d.h. die jeweilige Gebietskrankenkasse gemeinsam mit den “kleinen Kassen“ (BVA, SVA der Gewerblichen Wirtschaft, VAEB, SVA der Bauern). Als niedergelassener Arzt arbeitet ein Kassenarzt in einer Einzel-, Gruppen- oder Teilgemeinschaftspraxis, Praxisgemeinschaft oder auch in einem medizinischen Zentrum. Die Verrechnung der von ihm getätigten Leistungen erfolgt direkt zwischen ihm und dem/den Sozialversicherungsträger(n).

Wahlarzt

Ein Wahlarzt steht in keinem Vertragsverhältnis zu den Sozialversicherungsträgern. Das bedeutet: Er verrechnet seine Leistungen direkt mit dem Patienten über ein Privathonorar, das sich nicht an einen vorgegebenen Kassentarif halten muss, sondern vom Wahlarzt frei bestimmt wird. Die Formulierung “Wahlarzt aller Kassen“ auf dem Ordinationsschild zeigt, dass Patienten über das Recht auf Honorarrückerstattung bei jeder Krankenkasse verfügen. Als Überbleibsel vergangener Zeiten gibt es aber auch manche Wahlärzte, die Verträge lediglich mit einzelnen Krankenkassen (oft mit den “Kleinen Kassen“) haben, also nur Wahlärzte für Patienten der Gebietskrankenkassen sind.

Privatarzt

In der Regel handelt es sich dabei entweder um einen Arzt mit Kassenvertrag, der zusätzlich eine Privatordination betreibt, die in denselben Räumlichkeiten wie die Kassenordination oder an einem anderen Ort lokalisiert sein kann. Oder um einen Wahlarzt, der seine Honorarnoten nicht im Sinne der Leistungen der Krankenkassen aufschlüsselt, sodass eine allfällige Kostenrückerstattung der Kassen nur für die Position “Ordination“ erfolgt, also sehr gering ausfällt.

Kosten beim Kassenarzt

Für den Patienten sind die Leistungen – je nach Krankenkasse, bei der er versichert ist – ganz oder teilweise (ein Selbstbehalt wird ihm nachträglich in Rechnung gestellt; z.B. bei der BVA: 20%) kostenlos. Einige Leistungen jedoch zahlen die Krankenkassen grundsätzlich NICHT wie z.B.:

  • nicht im Heilmittelverzeichnis des Hauptverbandes oder der Österreichischen Sozialversicherung enthaltene Medikamente
  • medizinische Atteste (z.B. Privatversicherungen etc.), Pflegefreistellungsbestätigungen
  • Impfungen
  • medizinisch nicht notwendige Untersuchungen, Zusatzuntersuchungen zu Vorsorgeuntersuchungen, Führerscheinuntersuchungen

Kosten beim Wahlarzt

Der Patient kann die vom Wahlarzt ausgestellte Honorarnote zwecks Kostenübernahme bei seiner Krankenkasse einreichen. Er hat dabei theoretisch Anspruch auf Rückerstattung von 80 Prozent des Tarifs, den ein Arzt mit Kassenverträgen für dieselbe Leistung erhält. Die restlichen – nicht rückerstatteten – 20 Prozent sollen den erhöhten Verwaltungsaufwand der Sozialversicherungsträger bei der Abrechnung mit Wahlärzten vergüten.

Praktisch führen zahlreiche Ausnahmen (“limitierte Leistungen“)  dazu, dass der reale Rückerstattungstarif oft nur 20 oder 30 Prozent des Kassentarifs beträgt. Einzig die Krankenfürsorgeanstalten (KFA) zahlen auch bei Wahlärzten 100% des Kassentarifs.

Voraussetzung zur Kostenübernahme ist die Vorlage der Originalhonorarnote, Bestätigung über die durchgeführte Bezahlung und Angaben zur Bankverbindung des Patienten bei seiner Krankenkasse. Es empfiehlt sich den Patienten eines Wahlarztes, vor Inanspruchnahme einer ärztlichen Leistung Informationen über die Höhe des Honorars dafür einzuholen.

Kosten beim Privatarzt

Ein Privatarzt bietet seinen Patienten keinen Anspruch auf Kostenrückerstattung seiner privat erbrachten medizinischen Dienste, auch wenn er Leistungen im Sinne der Krankenkassen ausführt. Er darf seine Honorare frei gestalten und muss sich dabei an keine Ober- oder Untergrenzen halten.

Private Krankenversicherung

Zusätzlich zur Pflichtversicherung kann jeder Österreicher bei einem Versicherungsunternehmen seiner Wahl diverse private Zusatzversicherungen abschließen. Sie bieten oft die Vergütung von Leistungen, die Krankenkassentarife in der Regel nicht abgelten wie etwa – je nach Vertrag – die Kostenerstattung für alternative Heilmethoden. Oder im Falle einer Sonderklasse-Versicherung, bei einem Krankenhausaufenthalt besonderen Komfort (z.B. Einzelzimmer). Im Gegensatz zur Pflichtversicherung hängt die Möglichkeit, eine private Krankenversicherung abzuschließen respektive die Höhe ihrer Prämie von Faktoren ab wie dem Alter und Gesundheitszustand des Versicherten oder  dem geografischen Abdeckungsradius (nur Österreich, europa- oder weltweit) der Versicherungsleistungen.

 

Weiterführende Links:
Krankenkassen Beiträge in Österreich – Anbieter, Kosten und Tarife
Online-Ratgeber Kostenerstattung

 

aktualisiert am 17.02.2014