Blutungen: mit Druck Blutverluste stoppen

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Blut zirkuliert normalerweise nur in den Adern. Werden diese verletzt, kommt es zu Blutungen. Droht dadurch ein lebensbedrohlicher Blutverlust, ist rasches Handeln angesagt. Fingerdruck oder ein Druckverband bringen Blutungen in den meisten Fällen zum Stillstand. Was bei dieser Art von Hilfeleistung zu beachten ist, lesen Sie hier.   

In unseren Adern fließt ein ganz besonderer Saft, der nicht nur lebenswichtige Zellen und Stoffe transportiert, sondern auch für die Aufrechterhaltung des Kreislaufs sorgt. Man nennt ihn Blut. Tritt er aus den Blutgefäßen aus, entweder nach außen oder ins Körperinnere, handelt es sich um eine Blutung (Hämorrhagie). Wieviel von den bis zu sieben Litern Blut (Blutmenge entspricht sieben bis acht Prozent des Körpergewichts), die normalerweise im Organismus eines Erwachsenen zirkulieren dabei verloren geht, entscheidet neben dem Ort der Blutung (im Gehirn können z.B. bereits kleine Blutungen lebensbedrohlich sein) darüber, ob eine Hämorrhagie harmlos ist oder (lebens)gefährlich.

Deshalb heißt es rasch handeln, droht ein beträchtlicher Blutverlust. Denn tritt erst ein Schock (Missverhältnis zwischen Blutmenge und Gefäßvolumen) ein, sinken die Überlebenschancen beträchtlich. Das ist bei Erwachsenen bei einem Blutverlust von rund 20 Prozent, also durchschnittlich eineinhalb Litern Blut, der Fall.

Blutungsarten

Abhängig vom verletzten Gefäß unterscheidet man zwischen arteriellen, venösen, kapillären, Varizen- und Hämorrhoidalblutungen. Blutungen verlaufen entweder akut oder chronisch. Je nachdem, wohin das Blut fließt, kommt es zu einer äußeren (Blutverlust nach außerhalb vom Körper) oder inneren (Blutaustritt in eine Körperhöhle oder ins Gewebe = Hämatom) Blutung. Äußere Blutungen haben aus notfallmedizinischer Sicht den Vorteil, sichtbar und daher vom Ausmaß leichter einschätzbar zu sein.

Innere Blutungen hingegen machen sich oft erst in ihren Folgen (z.B. Kreislaufprobleme, Schwindel, kalte Gliedmaßen, Schock) bemerkbar und werden deshalb gern unterschätzt. Verursacher innerer Blutungen sind hauptsächlich Verletzungen innerer Organe infolge einer Gewalteinwirkung und Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts wie z.B. blutende Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre oder geplatzte Kampfadern in der Speiseröhre. Aber auch Blutgerinnungsstörungen (z.B. Hämophilie) oder eine unsachgemäße Anwendung gerinnungshemmender Medikamente können innere Blutungen bewirken. Anders als Blutungen in die Brust- oder Bauchhöhle können solche im Verdauungs-, Harn- oder Genitaltrakt als “kaffeesatzartiges“ Bluterbrechen, Blut- oder Teerstuhl (verdautes Blut im Stuhl erscheint schwarz) bzw. Hämaturie (Blut im Harn) oder Vaginalblutung zutage treten.

Blutungsfolge Schock

Übersteigt der Blutverlust ein gewisses Ausmaß, versucht der Organismus ihn zu kompensieren, indem er die Arteriolen (kleinen Arterie) und Venolen (kleine Venen) verengt und somit – zumindest zunächst – einen mit dem Leben vereinbaren Blutdruck aufrechterhält. Es findet eine sogenannte Zentralisation statt, eine Minderdurchblutung peripherer Organe wie der Haut zugunsten lebenswichtiger Organe (v.a. Gehirn, Herz). Ein solcher hämorrhagischer Schock verursacht Symptome wie eine blasse und kühle Haut, Kaltschweißigkeit, flache schnelle Atmung, Unruhe, eventuell auch Verwirrtheit oder Ängstlichkeit, ein Zittern und einen beschleunigten Herzschlag sowie schließlich eine Bewusstseinsstörung bis hin zur Bewusstlosigkeit. Ein zu großer Blutverlust führt dazu, dass sich die Herzkammern nicht mehr mit genügend Blut füllen und die Sauerstoffversorgung der Organe leidet. Dann helfen nur noch Bluttransfusionen.

Sofortmaßnahmen bei Blutungen

Wie in jedem Fall von Erste-Hilfe-Leistung gilt auch hier natürlich: Eigenschutz geht vor Fremdschutz, denn ein lädierter oder gar toter Ersthelfer nützt dem Verunglückten nichts. Daher auf etwaige Gefahren achten und sie ggf. ausschalten (z.B. die Maschine, die die Verletzung verursacht hat, abstellen).

Vorrangiges Ziel der Ersten Hilfe bei einer Blutung ist das Stoppen oder wenigstens Eindämmen des Blutverlusts. Kleinere Verletzungen aktivieren automatisch das Gerinnungssystem, das die Wunde meist schon nach wenigen Minuten abdichtet (Hämostase). Dann genügt – nach vorheriger Säuberung/Desinfektion ein Pflaster oder eine Mullbinde, um sie vor Verunreinigungen zu schützen.

Verletzungen großer Blutgefäße hingegen können starke Blutungen mit der Gefahr des Verblutens verursachen. Dann empfiehlt sich folgende lebensrettende Vorgangsweise:

  • Die blutende Person hinlegen, um einem Kollaps vorzubeugen und bei Schocksymptomen ihre Beine hochlagern.
  • Druck auf die Wunde ausüben. Das kann auch die verletzte Person selbst machen, sofern sie dazu in der Lage ist. Die verwundete Region (z.B. den Arm) hochlagern.
  • Den Notruf 144 oder 112 wählen.
  • Aus dem Verbandskasten Einmalhandschuhe nehmen und zwecks Eigenschutz vor Infektionen wie Hepatitis oder HIV anziehen.
  • Eine möglichst sterile Wundauflage (z.B. Mullkompresse), notfalls auch ein sauberes Tuch, auf die Wunde legen und mit den Fingern darauf drücken.
  • Reicht das zur Blutstillung nicht aus, einen Druckverband anbringen, bis der Notarzt eintrifft. Bei dieser Verbandstechnik wird über die auf der Wunde befindlichen Wundauflage ein Druckkörper (z.B. eine Mullbinde, klein gefaltetes Dreieckstuch) gelegt und dann fest mit einer Mullbinde umwickelt. Blutet es trotzdem weiter, über dem bestehenden Druckverband einen weiteren anlegen. Fest genug, dass die Blutung zum Stillstand kommt, aber nicht so streng, dass die Blutversorgung des betroffenen Körperteils abgeschnitten wird (z.B. am Arm oder Bein: Beweglichkeit und Gefühl in Fingern bzw. Zehen muss erhalten bleiben).
  • Bei einer stoß- oder schwallweise stattfindenden Blutung aus der Oberschenkelarterie, die durch Fingerdruck oder Druckverband nicht zum Stillstand gebracht werden kann, ist Druckausübung mit vollem Körpereinsatz gefragt: die Faust kräftig in die Leiste pressen. Übrigens: Spritzende (= arterielle) Blutungen werden immer vor der Blutungsstelle (zum Herzen hin) abgedrückt.
  • Abbindungen (z.B. nach Abtrennungen von Extremitäten), wie man sie aus Kriegszeiten kennt, sollten nur im äußersten Notfall, wenn Blutungen nicht anders zu stoppen sind, zum Einsatz kommen, nur mit genügend breitem Material erfolgen und medizinischen Profis überlassen werden.
  • Liegen abgetrennte Körperteile (z.B. abgeschnittener Finger) vor, diese keimfrei umwickeln,  in einen dichten, mit Eis und Wasser gefüllten Beutel legen und dem Rettungsdienst übergeben. Nach der Wundversorgung oder durch einen weiteren Helfer.
  • Tritt Bewusstlosigkeit ein, die Bewusstseinslage, Atmung und Puls prüfen, die bewusstlose Person in die stabile Seitenlage bringen, wiederholt die Vitalfunktionen (Atmung, Puls) kontrollieren und bei Bedarf Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen.

Erste Hilfe bei Nasenbluten

Auch hier ist Druckausübung das Mittel der Wahl zum Stoppen der Blutung. Zunächst den Kopf leicht nach vorne beugen. Dann die Nase mindestens zehn Minuten lang mit Zeigefinger und Daumen kontinuierlich fest zudrücken. Bei stärkerer Epistaxis (Nasenbluten) hilft eine sogenannte Nasen-Tamponade. Zum Beispiel mit zu einer Rolle gedrehtem, eingefettetem Klopapier, das in den vorderen Abschnitt der blutenden Nase eingeführt wird. Dann die Nasenflügel für mindestens zehn Minuten fest zusammenpressen. Die Blutstillung unterstützt das Auflegen eines kühlen feuchten Waschlappens oder Eisbeutels auf einem Tuch (Direktkontakt mit der Haut könnte Erfrierungen verursachen) im Nacken.

 

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Druckverband

Link zu unserem Lexikon:
Nasenbluten

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Erste Hilfe