Blutspende: Sicherheit hat Vorrang

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Blutspenden – für die edlen Spender des anschließend untersuchten und aufbereiteten Blutes ein recht geringer Aufwand bei vernachlässigbarem Risiko. Für die Empfänger der daraus gewonnenen Produkte sogar oft eine lebensrettende Maßnahme. Damit beide – Spender und Empfänger – von der Prozedur möglichst nur Vorteile haben, finden Blutspenden hierzulande unter streng geregelten Voraussetzungen statt.

Unfälle oder Verletzungen mit beachtlichen Blutverlusten sowie schwere Störungen der Blutbildung machen oft die Übertragung von Fremdblut (Transfusion) auf die Erkrankten notwendig. Glücklicherweise erklären sich immer wieder gesunde Menschen bereit, einen Teil ihres kostbaren Lebenssafts herzugeben, damit es Patienten in Not besser geht. Doch nicht jeder, der willig ist, Blut zu spenden, eignet sich auch dazu. Darum unterliegt das Blutspendeverfahren hierzulande bestimmten Bedingungen. Ebenso der Umgang mit den dadurch gewonnenen Produkten.

Was beim Blutspenden passiert

Vor der Blutabnahme füllt der potentielle Spender, der sich am besten in guter körperlicher Verfassung befindet und nicht mit ganz leerem Magen erscheint, nach Überprüfung seiner Identität anhand eines Personalausweises möglichst gewissenhaft einen umfassenden Fragebogen aus, der Fragen zu persönlichen Daten, zu Gesundheit, Lebensstil, früheren Erkrankungen, der Medikamenteneinnahme, Impfungen und Auslandsaufenthalten enthält. Mit dieser Erhebung, die vertraulich zu behandeln ist und dem Datenschutzgesetz unterliegt, wird geklärt, ob der Interessent in puncto Sicherheit für eine Blutspende überhaupt geeignet ist. Dem gleichen Zweck dient eine ärztliche Untersuchung des Spenders mit Messung von Blutdruck, Puls, Körpertemperatur und Hämoglobinwert (mindestens 14 g/dl bei Männern bzw. 12,3 g/dl bei Frauen) vor der Blutspende.

Wird er für tauglich befunden, werden ihm unter ärztlicher Überwachung rund 450 Milliliter Blut aus einer Armvene entnommen. Der Prozedur folgt eine Ruhepause mit einem kleinen Imbiss zur Stärkung. Das Ganze dauert rund eine halbe Stunde. Das abgenommene Blut erfährt im Labor Sicherheitstests auf Infektionen, eine Auftrennung (“Inline-Filtration“) in verschiedene Komponenten (rote Blutzellen, weiße Blutzellen, Blutplättchen, Blutplasma) und Verarbeitung zu unterschiedlichen Blutprodukten. Dann werden die Blutkonserven in Blutbanken diverser Spitäler gelagert.

Vollblut spenden dürfen in Österreich alle gesunden Erwachsenen ab dem Alter von 18 Jahren. Männer sechsmal, Frauen (Gefahr: Eisenmangel) vier- bis fünfmal jährlich. Die seltener vorgenommenen Multikomponentenspenden einzelner Blutbestandteile (Blutplasma oder Thrombozyten = Blutplättchen) sind öfter erlaubt, sofern vorher eine ärztliche Eignungsuntersuchung erfolgt. Dabei wird nach der Entnahme der gewünschten Blutbestandteile (z.B. Plasmapherese) der Rest des Blutes in die Vene zurückgeführt, weshalb der Vorgang einen höheren Zeitaufwand als eine Vollblutspende bedeutet. Übrigens: Der Organismus benötigt nach einer Blutspende nur Tage bis zwei Wochen, um entnommene Blutbestandteile zu ersetzen.

Wonach vorher gefragt wird

An medizinischen Daten eines Blutspendewilligen interessieren neben der Frage, ob er sich gesund fühlt und über 50 kg (= gefordertes Mindestgewicht) wiegt bzw. einen BMI ≥ 19 aufweist

  • ob er schon einmal Blut, Blutplättchen oder Blutplasma gespendet hat und wenn ja, ob das innerhalb der letzten acht Wochen erfolgt ist sowie die früheren Blutspenden gut vertragen wurden. Außerdem, ob er schon einmal als Blutspender abgelehnt wurde und warum sowie ob er jemals Blutkonserven und/oder Gerinnungsfaktoren erhalten hat.
  • ob er sich aktuell in ärztlicher Behandlung oder im Krankenstand befindet, derzeit entzündliche offene Hautstellen oder einen Hautausschlag, Fieberblasen, Bläschen im Mund oder anderen Körperregionen hat sowie ob er Drogen, Alkohol oder Medikamente in missbräuchlicher Weise verwendet.
  • ob er unter einer Herz-/Kreislauferkrankung (Bluthochdruck, Herzschwäche, Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen, Thrombosen), chronischen Magen-, Darmerkrankung, neurologischen Erkrankung, Epilepsie, Autoimmunerkrankung, Blutungsneigung, Nierenerkrankung, Osteomyelitis, Krebs, Asthma, Diabetes oder Rheuma leidet oder litt.
  • ob er Allergien hat oder eine Desensibilisierung durchführen lässt.
  • ob er ständig Medikamente einnimmt und welche Arzneien (auch Salben, Tropfen und Hausmittel) er in den letzten vier Wochen angewendet hat sowie ob er in den letzten 12 Monaten ein Medikament gegen Akne (z.B. Roaccutan, Isotretinoin, Ciscutan, Lurantal, Neotigason) eingenommen oder ein Immunglobulin (“passive Impfung“) erhalten hat.
  • ob er sich in den letzten vier Wochen einer zahnärztlichen Behandlung, einem kleineren chirurgischen Eingriff (z.B. Muttermal-Entfernung) oder einer Impfung (wogegen?, auch Schluckimpfungen sind anzugeben) unterzogen hat.
  • ob er in den letzten acht Wochen einen Zeckenbiss oder in den letzten vier Wochen Durchfall oder einen fieberhaften Infekt (Fieber über 38°C) oder Kontakt zu Personen mit Infektionskrankheiten (z.B. Grippe, Masern, Mumps) hatte.
  • ob er in den letzten vier Monaten sich hat tätowieren oder piercen lassen, außerhalb einer medizinischen Einrichtung akupunktiert oder in das Ohr gestochen wurde, unter unklarem Fieber, Lymphknotenschwellungen, Nachtschweiß oder unklarem Gewichtsverlust litt, im Krankenhaus oder in einer medizinischen Einrichtung (z.B. schwerer Unfall, größere Operation, Magen- oder Darmspiegelung, Endoskopie, Therapie über zentralen Venenzugang, Verweilkatheter) war, eine Schnitt- oder Stichverletzung mit “verunreinigten“ medizinischen Instrumenten, einen engen oder infektionsgefährdeten Kontakt zu Personen (z.B. Lebensgemeinschaft oder familiäre Pflege), die an Hepatitis B, Hepatitis C, HIV oder Tuberkulose leiden, hatte sowie ob er ein Permanent-Make up trägt.
  • ob er sich in den letzten sechs Monaten – außer für Tagesausflüge oder Einkaufsfahrten in das benachbarte Grenzgebiet – im Ausland aufhielt und wenn, wo.
  • ob er in einem Malariagebiet geboren bzw. aufgewachsen ist oder sich dort länger aufgehalten hat oder in den letzten vier Wochen in einem Westnil-Virus-Infektionsgebiet wie z.B. in einem aktuellen europäischen Risikogebiet oder in den USA, Mexiko, Kanada, Israel war.
  • ob er jemals HIV, Leberentzündung (Hepatitis), Syphilis, Chagas-Krankheit, Q-Fieber, Leishmaniose, Lepra, Babesiose, HTLV-1/2, Rickettsiose, Schlafkrankheit, Malaria oder andere Infektionen hatte bzw. in den letzten zwei Jahren an Tuberkulose, Toxoplasmose, Brucellose, Borreliose oder in den letzten sechs Monaten an Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber) erkrankt war.
  • ob bei ihm oder einem Familienangehörigen jemals die Creutzfeldt-Jakob’sche Erkrankung oder eine andere von Prionen verursachte Erkrankung (vCJD) vermutet oder festgestellt wurde, er sich zwischen 1980 und 1996 insgesamt mehr als sechs Monate in Großbritannien aufgehalten hat oder dort nach 1980 operiert wurde sowie dort Blutkonserven oder Gerinnungsfaktoren erhalten hat.
  • ob er mit menschlichen Wachstumshormonen oder einem anderen Hypophysenextrakt behandelt oder einer stereotaktischen Operation (Gehirneingriff mittels Sonde) unterzogen wurde oder Empfänger von Organ-, Gewebe-, Hornhaut- od. Gehirnhaut-Transplantaten ist.
  • ob er jemals Sex im Austausch für Geld oder Drogen hatte, Drogen sich gespritzt oder geschnupft hat oder einem (auch einmaligen) Risiko einer sexuell übertragbaren Infektion (z.B. Hepatitis B, Hepatitis C, HIV) durch Intimpartner mit Risikoverhalten (z.B. als Mann Sex mit einem anderen Mann, Geschlechtsverkehr mit Personen aus Ländern mit einer erhöhten AIDS-Rate) ausgesetzt war.
  • bei Spenderinnen, ob sie innerhalb der letzten sechs Monate schwanger waren oder stillen.

Benefits für Blutspender

Neben der angenehmen Gewissheit, Gutes zu tun, ja vielleicht sogar Leben zu retten, bekommt jeder Blutspender

  • die Bestimmung seiner Blutgruppe, seines Rhesus-Faktors und Hämoglobinwerts
  • die Information, ob er vielleicht eine unentdeckte Gelbsucht (Hepatitis B oder C) durchgemacht hat sowie eine Benachrichtigung bei Verdacht auf Erkrankungen (z.B. HIV)
  • den Nachweis eventueller Blutfaktoren-Antikörper (wichtig, falls man selbst einmal Blutkonserven benötigt)
  • einen Blutspendeausweis

Diesen Vorteilen stehen beinahe vernachlässigbare Risiken gegenüber: Es kann beim Blutspenden zu einem Bluterguss an der Einstichstelle, selten auch zu Übelkeit, Schwindel oder Kreislaufproblemen kommen.

Wer darf nicht spenden?

Blut spenden bei einer gesundheitlich unbedenklichen Verfassung ist in der Regel kein Problem. Doch gibt es Umstände, die die gute Tat für einen gewissen Zeitraum verhindern wie etwa

  • unkomplizierte Infekte (z.B. Fieberblase, Erkältung) oder Zahnextraktionen: Ausschluss für ein bis zwei Wochen
  • fieberhafte Erkrankungen, Durchfallerkrankungen oder Antibiotika-Einnahme: Ausschluss für vier Wochen
  • Endoskopien, Tättowierungen, Piercings, Stechen von Ohrlöchern, nicht ärztlich durchgeführte Akupunktur: Ausschluss für vier Monate
  • Operationen, Knochenbrüche oder Verbrennungen: je nach ärztlicher Empfehlung
  • Impfungen: je nach Impfstoff Ausschluss für einen Tag bis zu 4 Wochen
  • eine Schwangerschaft plus sechs Monate danach

Es existieren aber auch Gründe, jemanden dauerhaft vom Blutspenden auszuschließen wie z.B.

  • schwere Infektionskrankheiten (z.B. HIV, Hepatitis, Malaria)
  • schwere neurologische Erkrankungen (z.B. Epilepsie) oder Krebsleiden (Ausnahme: örtlich begrenzter Tumor)
  • Herz- und Gefäßleiden (Herzinfarkt) oder sonstige für den Empfänger potentiell gefährliche chronische Erkrankungen (z.B. insulinpflichtiger Diabetes)
  • Medikamenten-, Alkohol- oder Drogensucht
  • zwischen 1980 und 1996 länger als sechs Monate dauernde Aufenthalte in Großbritannien (inklusive Nordirland) oder dort nach 1980 erhaltene Bluttransfusionen
  • häufig wechselnde Sexualpartner oder Sex von Männern mit Männern