Tipps gegen Flugangst und Reisekrankheit

©panthermedia.net, Vladimir Surkov

Bricht schon beim Gedanken an die Urlaubsreise der kalte Schweiß aus, ist Flugangst im Spiel. Doch auch die Fahrt mit anderen Verkehrsmitteln kann reisekrank machen. Außer…

Die Koffer sind gepackt, die Haustiere untergebracht und die Reisedokumente griffbereit. Doch statt Vorfreude auf den wohlverdienten Urlaub stellen sich Herzrasen, Schweißausbrüche oder Magenschmerzen ein? Dann steckt möglicherweise eine Angststörung namens Aviophobie (Flugangst) dahinter. Darunter leidet – in mehr oder minder stark ausgeprägter Form – mindestens ein Viertel der Flugpassagiere. Das hat mit objektiven Tatsachen nichts zu tun, denn Flugzeuge sind das sicherste aller Verkehrsmittel.

Flugangst gehört zu den sogenannten “spezifischen Phobien” (Phobie: rational nicht begründbare Angst vor eigentlich ungefährlichen Objekten oder Situationen). Ihr liegen meist verschiedene Faktoren zugrunde, etwa unvorhergesehene Ereignisse bei vorhergehenden Flügen (z.B. ungeplante Zwischenlandungen, Kreisen in der Warteschleife etc.), eine bestehende Akrophobie (Höhenangst) oder Klaustrophobie (Angst vor engen/geschlossenen Räumen), Furcht vor Kontrollverlust (“ausgeliefert sein“), auch Terrorangst u.a.m.

Was hilft gegen Flugangst?

Die Bekämpfung der Flugangst beginnt schon vor dem Einsteigen in den Flieger: Da die Phobie allein schon Stress genug macht, sollte man sich nicht noch zusätzlichen Aufregungen aussetzen. Daher: rechtzeitig Reisevorbereitungen treffen wie z.B. die Buchung der Reise, die Organisation notwendiger Papiere u.a.m. Nicht erst in letzter Sekunde Koffer packen etc.

Mulmige Gedanken an den Flug vertreibt man am besten mit Bewegung, z.B. am Flughafen Treppen rauf- und runtersteigen. Beim Einsteigen ins Flugzeug das Bordpersonal über seine Flugangst informieren stellt sicher, im Bedarfsfall Unterstützung zu erhalten.

Im Flugzeug selbst entscheidet der Sitzplatz mit, wie wohl man sich fühlt. Ein Platz über einer Trag¬fläche garantiert, dass man die Bewegungen des Flugzeugs weniger spürt. Ein Platz am Gang reduziert das Gefühl von Enge. Geistig anregende, aber nicht zu fordernde Aktivitäten wie Spielen oder Lesen lenken von quälenden Grübeleien ab. Immer wieder mal kurz aufstehen und sich ein wenig bewegen baut ebenso wie Atemübungen oder Entspannungstechni¬ken (z.B. progressive Muskelrelaxation) Spannungen ab. Manchmal helfen auch milde pflanzliche Mittel wie z.B. Baldrian- oder Passionsblumenextrakte. Medikamente wie z.B. Beruhigungs- oder Schlafmittel sollten nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen, denn sie wirken nur kurzfristig, beheben die Ursache nicht und verstärken gesundheitsschädliches Verhalten wie z.B. die Bewegungsarmut im Flieger.

Auch die Verpflegung beeinflusst das Wohlbefinden. Daher: Nicht mit leerem Magen starten. Im Flieger leichte Kost zu sich nehmen und viel trinken, aber weder Alkohol noch Koffein.

Nimmt die Aviophobie derart überhand, dass schon allein das Einsteigen in eine Maschine unmöglich ist, sollte ein Anti-Flugangst-Seminar (Kombination aus Verhaltenstherapie und Aufklärung über die Technik vor Ort mit anschließendem Testflug), eine Hypnose- oder Psychotherapie in Anspruch genommen werden.

Reisekrankheit: Ungewohnte Bewegungen verwirren die Sinne

Auch wer statt zu fliegen lieber mit dem Schiff, Bus, Zug oder Auto fährt, muss nicht von Unannehmlichkeiten verschont bleiben, denn passive Bewegungen können bei dafür Empfindlichen in sämtlichen Verkehrsmitteln zu Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit oder auch Erbrechen führen. Diese sogenannte Kinetose (griech.: kinein = bewegen) ist vor allem als Seekrankheit bekannt. Weitere Varianten der Reise- oder Bewegungskrankheit sind z.B. die Luftkrankheit, Raumkrankheit oder die Landkrankheit von Seeleuten auf Landgang.

Widersprüchliche Wahrnehmungen zwischen der erfahrenen Bewegung und der räumlichen Lage des eigenen Körpers in den Sinnesorganen (Konflikt zwischen Seheindruck und Lagesinn des Innenohrs) zeichnen verantwortlich für die Entstehung einer Kinetose. Die hohe Anpassungsfähigkeit des Gehirns bewirkt aber eine Adaptierung des Organismus an die Situation, sodass die Symptome meist nach wenigen Tagen nachlassen. Die Anfälligkeit für Reisekrankheit ist individuell sehr unterschiedlich.

Was hilft gegen Kinetose?

„Hinschauen“, wie die gefühlten Bewegungen zustande kommen: Im Auto den Blick in Fahrtrichtung halten und sich auf die Straße konzentrieren. Bester Platz: der Beifahrersitz bzw. im Bus ein Platz vor der Vorderachse. Auch wichtig: Pausen mit viel frischer Luft. Am Schiff an Deck gehen und sich den Schiffsbewegungen anpassen. Dabei einen Punkt am Horizont fixieren. Außerdem ist günstig:

  • Die Reise ausgeschlafen und ohne Hektik antreten.
  • Vor der Fahrt eine leicht verdauliche Mahlzeit zu sich nehmen und während der Fahrt den Magen mit kleinen Mengen Zwieback, Salzbrezeln oder fettarmen Keksen “beschäftigen“.
  • Schlechten Gerüchen aus dem Weg gehen. Sie intensivieren die Übelkeit.
  • Kaugummi oder Gummibärchen kauen.
  • Möglichst auf Alkohol, Kaffee und Rauchen verzichten
  • Entspannungsübungen wie autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation praktizieren.
  • Pflanzliche oder homöopathische Präparate (z.B. Ingwer, Cocculus D4) einnehmen.
  • Lesen während der Fahrt vermeiden. Es kann die Kinetose verstärken.
  • Keine Gespräche über Reisekrankheit führen. Sie können schon genügen, um Übelkeit zu verursachen.

Wenn absolut nichts von alledem helfen will, bleibt noch die “chemische Keule“ in Form von Kaugummis oder Tabletten mit dem Antihistaminikum Dimenhydrinat. Häufigste Nebenwirkung: Müdigkeit. Gegen arge Beschwerden wirken Präparate aus der Gruppe der Antiemetika (Antibrechmittel, z.B. Metoclopramid oder Scopolamin) oder Antivertiginosa (Mittel gegen Schwindel).

Ein Trost für alle Geplagten auf langen Reisen: Ob mit oder ohne Behandlung – die Krankheit klingt, sobald sich das Gehirn an die neuen Bewegungen gewöhnt hat, in der Regel nach wenigen Tagen von selbst ab.

 

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