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Reisethrombose: Richtige Prophylaxe schützt

© panthermedia.net, Lisa Young© panthermedia.net, Lisa Young

In den Urlaub fahren – das bedeutet oft stundenlanges Sitzen in Auto, Flieger oder Bahn. Stunden, in denen das Blut in den Beinen langsamer fließt. Und deshalb leichter Gerinnsel bildet.

Economy-Class-Syndrom nennt man eine durch langes Sitzen während eines Fluges hervorgerufene Thrombose (Blutgerinnsel). Doch die Gefahr der Bildung einer Phlebothrombose (Venengerinnsel) beschränkt sich nicht auf Flugreisen in der Touristenklasse. Egal ob Auto, Zug, Flieger oder Bus – jede Langstreckenreise heißt für die Beinvenen während der ganzen Fahrt bzw. des ganzen Flugs – v.a. in der Leiste und Kniekehle – abgeknickt verharren zu müssen. Diese Bewegungsarmut verlangsamt den Blutrückstrom in den Venen. Das Blut wird zähflüssig. Die Gefahr, dass sich in den Adern Blutgerinnsel bilden, wächst. Allerdings kommen bei Langstreckenflügen erschwerende Faktoren wie ein niedriger Luftdruck (Folge: Die Venen dehnen sich aus. Das Blut fließt langsamer. Die Beine schwellen an) und eine geringe Luftfeuchtigkeit (Folge: Der Körper trocknet mehr aus, das Blut dick ein) hinzu.

Oft symptomarm, nie harmlos

Eine Phlebothrombose kann symptomlos verlaufen oder nur moderate Beschwerden (“schwere Beine“, leichte ziehende Schmerzen in der Wade) verursachen, die nicht immer richtig zugeordnet werden. Klassische Zeichen einer Beinvenenthrombose sind

•    plötzliche Schwellung
•    Schmerzen ähnlich wie bei einem Muskelkater
•    bläuliche Verfärbung
•    Rötung und Überwärmung

Das Gefährlichste an einer Beinvenenthrombose: Löst sich der Thrombus von der Venenwand, wird er über den Blutkreislauf in die Lunge transportiert. Bleibt er in einem Lungengefäß stecken und verstopft dieses (Lungenembolie, Pulmonalembolie), kann das – sofern es sich um ein größeres Lungengefäß handelt – auch tödlich verlaufen. Zeichen einer Pulmonalembolie sind plötzliche starke Brustschmerzen, Atemnot und Schock. Ein Notfall, der sofortige ärztliche Hilfe erfordert.

Niedriges, mittleres, hohes Risiko

Wie hoch die Gefahr einer Reisethrombose ist, hängt vor allem vom Gesundheitszustand des Reisenden ab. Demnach sind – unter der Prämisse einer Reisedauer von über vier Stunden in sitzender Position – laut Reisethrombose-Konsensus 2001 drei Gruppen zu unterscheiden:

Gruppe I (niedriges Risiko): gesunde Personen unter 60 Jahren.

Gruppe II (mittleres Risiko): Es treffen zwei oder mehr der folgenden Faktoren zu:
•    Alter über 60 Jahre
•    Übergewicht (BMI > 30)
•    Körpergröße über 1,90m oder unter 1,60m
•    Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
•    Herzinfarkt innerhalb der letzten 6 Wochen
•    Verletzung eines Beines in den letzten 6 Wochen oder Lähmung eines Beines
•    Krampfadern oder chronisch venöse Insuffizienz (CVI, chronische Venenstauung)
•    Östrogentherapie, z.B. “Pille“ (insbesondere bei gleichzeitigem Rauchen)
•    Entzündliche Darmerkrankungen
•    Schwangerschaft

Gruppe III (hohes Risiko): Es trifft einer der folgenden Faktoren zu:
•    stattgehabte Thrombose oder Lungenembolie
•    bekannte familiäre Thromboseneigung (angeborene Blutgerinnungsstörung)
•    gelenksüberschreitender Gipsverband an einem Bein
•    größere Operation mit erhöhtem Thromboserisiko innerhalb der letzten 6 Wochen (z. B. Hüft- oder Kniegelenksersatz, Eingriffe im Beckenbereich)
•    Krebsleiden oder schwere internistische Erkrankungen

Venengesund reisen

Wer von seinem wohlverdienten Urlaub lieber nette Souvenirs mitbringt statt mit einem unangenehmen Andenken namens Reisethrombose bzw. Lungenembolie im Spital zu liegen sollte während der Reise zum und vom Urlaubsort als Vorbeugung (Prophylaxe)

•    einen Gangplatz buchen. Von dort kann man leichter mal die Beine Richtung Gang ausstrecken.
•    bequeme, nicht einschnürende Kleidung und Schuhe tragen.
•    mit Bewegungsübungen (z.B. Fußwippen, Fußkreisen) die Durchblutung der Beine in Schwung bringen.
•    viel trinken, um das Blut zu verdünnen – aber keinen Alkohol und nur wenig Kaffee.
•    leichte Kost in moderater Menge verzehren. Das belastet nicht zusätzlich den Kreislauf.
•    keine Schlaf- oder Beruhigungsmittel einnehmen. Sie leisten der Bewegungsarmut Vorschub.
•    bei Autofahrten alle zwei Stunden eine Pause machen und “sich die Beine vertreten“. Bei Busreisen die Pausen zu einem Spaziergang nutzen. Bei Flug- oder Bahnreisen stündlich aufstehen.
•    bei einer akuten Erkrankung keine Reise antreten.

Reisende mit erhöhtem Thromboserisiko (Gruppe II und III) sollten auf Langstreckenreisen außerdem:

•    vor Antritt der Reise ärztlich abklären lassen, ob bzw. welche gerinnungshemmende Behandlung (Thromboembolie-Prophylaxe) erforderlich ist und sich die Handhabung der Therapie (z.B. niedermolekulares Heparin spritzen) zeigen lassen.
•    ärztlich verordnete Kompressionsstrümpfe oder beim Bandagisten erhältliche Reisestrümpfe tragen.

 

 

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