Quallen: unsichtbare Gefahr im Wasser

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Quallen wirken grazil, geheimnisvoll und alles andere als aggressiv. Doch zu nahe kommt man den fragilen Gebilden besser nicht. Denn ein Kontakt mit manchen Vertretern der meist giftigen Nesseltiere kann sogar tödlich enden. Zumindest hinterlassen die Medusen unliebsame Hauterscheinungen. Was also tun, wenn man ihnen begegnet?

Feengleich und majestätisch schweben sie in allen Weltmeeren, faszinierende durchsichtige Gebilde von kugeliger, schirmartiger oder auch würfeliger Gestalt, die hauptsächlich aus Wasser und etwas Gallertmasse bestehen. Doch die meisten dieser weltweit 2500 Arten von einzigartigen, kaum wahrnehmbaren Lebewesen haben es in sich – Gift, das bei Kontakt mit ihnen mindestens für äußerst unangenehme Hautsensationen sorgt. Für Lähmungen oder auch Todesfälle. Besser also, man kommt den zarten, aber alles andere als harmlosen Quallen (Medusen) nicht zu nahe. Passiert es doch, ist es gut zu wissen, was hilft und was die Situation verschärft.

Gefährliche Nesseltiere

Ebenso wie Seeanemonen und Korallen gehören Quallen zu den Nesseltieren, Lebewesen einfacher Bauart, die Wasser, Grund oder auch Küsten der Weltmeere, seltener einige Süßgewässer bevölkern. Sie besitzen Nesselkapseln, die sowohl dem Beutefang (Plankton, kleine Fische) als auch der Verteidigung gegen – echte oder vermeintliche – Fressfeinde dienen. Die sitzen bei den Quallen an ihren Tentakeln (Fangarmen).

Die Mehrzahl der Quallen sind Hochseebewohner, die eigentlich in Küstennähe nichts zu suchen haben, aber dank der Meeresströmungen dennoch – meist bei feuchtem Wetter und Wind – in Strandnähe landen. Spezielle Witterungsverhältnisse wie milde Winter mit höheren Wassertemperaturen, außerdem die Überdüngung von Meeresarealen, die zusammen mit der Überfischung (Folge: weniger Nahrungskonkurrenten und Fressfeinde) für ein steigendes Futterangebot für die Quallen sorgt, führen aber immer häufiger zu Quallenplagen. Weil die Medusen durchsichtig sind, lassen sie sich im Wasser, wo sie sich von Strömungen gezogen langsam bewegen, oft nur recht schwer erkennen.

Quallen durchlaufen einen Generationswechsel, d.h. geschlechtliche und ungeschlechtliche Fortpflanzungsstadien. Sie bilden Geschlechtszellen, die zu Larven verschmelzen, die sich als Polypen (ungeschlechtliche Form) am Meeresboden anheften. Diese wiederum schnüren sich ab und bilden neue Quallen, die dann erneut den geschlechtlichen Lebenszyklus beginnen.

Die verschiedenen Arten von Quallen unterscheiden sich in ihrer Form, Färbung und Länge ihrer Fangarme, zudem hinsichtlich ihrer Giftigkeit und damit Gefährlichkeit. So sind etwa Schirmquallen in der Regel wesentlich weniger giftig als Würfelquallen (australische Seewespe!). Und in puncto regionalem Vorkommen, sodass in bzw. an manchen Meeren ein höheres Risiko lauert als in/an anderen. Allerdings wird seit einigen Jahren eine besorgniserregende Zunahme bestimmter sehr giftiger Quallenarten (z.B. Portugiesische Galeere) auch am sonst eher “harmlosen“ Mittelmeer registriert. Als besonders gefährliche Vertreter der Medusen gelten:

  • die Leuchtqualle (pelagia noctiluca; Mittelmeer, tropischer und subtropischer Atlantik)
  • die Feuerqualle (Nordsee, Ostsee, kühlerer Atlantik und Pazifik)
  • die Portugiesische Galeere (physalia physalis; tropische und subtropische Meere, z.B. südlicher Atlantik)
  • die Kompassqualle (Pazifik, tropischer und subtropischer Atlantik)
  • die Seewespe (Meere um Australien)

Gift als Abwehrsystem

An den Fangarmen der Quallen sitzen Nesselzellen (Cnidozyten), die spezielle Organellen enthalten, die giftgefüllten Nesselkapseln (Nematozysten) mit ihrer fadenförmigen Ausstülpung, dem Cnidocil, das jede Berührung mit einem Feind registriert. Auf den “Angriff“ antwortet die Nesselkapsel mit einer blitzschnellen Reaktion: In ihrem Inneren baut sich ein Druck von bis zu 200 Atmosphären auf, sodass sich der Nesselfaden mit seiner pfeilspitzenähnlichen Struktur in die Haut des Gegners bohrt und den giftigen Inhalt explosionsartig dorthin injiziert. Für dieses Geschehen ist die Unversehrtheit der Qualle nicht erforderlich. Es genügen auch Überreste (abgerissene Tentakel, weil sie noch sehr lange Gift absondern können) von – z.B. durch die Einwirkung von Schiffschrauben – toten Quallen.

Hautkontakt mit den Nesselorganen einer oder mehrerer Medusen führt fast immer sofort zu örtlich begrenzten, brennenden und schmerzenden oder auch juckenden Hautveränderungen, die zumeist innerhalb einiger Tage wieder verschwinden. In Form von Hautrötungen und -schwellungen (ähnlich denen, die Brennnesseln oder Verbrennungen verursachen) bzw. einer Urtikaria (Nesselausschlag) – in streifenförmiger oder “strickleiterartiger“ Anordnung (Tentakel-“Abbild“). Manchmal bilden sich zusätzlich Blasen. Gelegentlich entstehen aber auch tiefergehende, unter Narbenbildung und Pigmentverschiebungen abheilende Hautläsionen, die durch eine lokale Atrophie (Schwund) des Unterhautfettgewebes bleibende Entstellungen zurücklassen. Selten (v.a.in den Tropen) kommt es zu Hautnekrosen (Absterben von Gewebe).

Selten führt eine Begegnung mit Nesseltieren vorübergehend zu Allgemeinsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Muskelkrämpfen, Verwirrtheit oder Kollaps. Die Einwirkung von Giften bestimmter Quallenarten (z.B. Würfelqualle, Portugiesische Galeere) hat jedoch lebensbedrohlichen Charakter. Manche Toxine wirken z.B. curareähnliche und damit lähmend, andere kardiotoxisch (herzschädlich). Unter Umständen können Quallengifte auch allergische Reaktionen, schlimmstenfalls einen anaphylaktischen Schock auslösen. Die Situation gestaltet sich umso gefährlicher, je mehr Quallen sich an einem Ort ansammeln, weshalb Meeresareale mit hoher Quallenbesiedelung besser gemieden werden sollten.

Quallenkontakt: die Dos and Don´ts

Wenn die Haut plötzlich brennt, d.h. ein Quallenkontakt stattgefunden hat, gibt es nur eines: schnell, aber ohne in Panik zu geraten (wildes im Wasser um sich schlagen aktiviert auf der Haut abgesetzte Nesseln) ans Ufer schwimmen und die Hautstelle untersuchen, ohne sie zu berühren oder gar sie zu reiben. Denn an der Haut haften Medusenfäden. Diese enthalten noch nicht aktivierte Nesselzellen, die nicht platzen und ihr Gift absondern sollten. Gelangt nämlich das Gift erst einmal in den Körper, lässt es sich nicht mehr entfernen. Deshalb:

  • Um die an der Haut klebenden Nesseln rasch zu entfernen und damit die Giftfreisetzung zu verhindern, die Hautstelle mit Meerwasser (Vorsicht! Enthält möglicherweise Tentakelreste) oder Essig spülen. Wenn möglich mit Schutzhandschuhen, damit kein Gift über die Hände aufgenommen wird. Gute Dienste zur Entfernung von Quallenresten leistet auch eine Pinzette. Oder Rasierschaum, weil die Nesselfäden darin hängen bleiben: ihn vorsichtig aufstreichen, eintrocknen lassen und dann – z.B. mit einem Spatel, Messerrücken, einer Plastikkarte o.ä. – sanft abstreifen. Das gleiche Procedere mit trockenem Sand soll ebenfalls helfen, kann aber bei darin enthaltenem Schmutz und offenen Hautstellen zu Entzündungen führen.
  • Dann die Quallen“verbrennungen“ mit Eis bzw. Eiswickeln kühlen und damit lindern. Gegen den Juckreiz und die Schmerzen wirken auch entsprechende Salben oder Gels. Großflächige betroffene Hautareale mit einem einfachen sterilen Verband versorgen und ärztlich begutachten lassen.
  • Trotzdem über eine längere Zeitspanne anhaltender Schmerz lässt meist nach bei Einnahme von Antiallergika bzw. Einreiben der Hautstelle mit Antihistaminika-, Kortison- oder Brandsalbe.
  • Symptome wie sehr starke Schmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Atemnot erfordern eine sofortige medizinische Versorgung, um z.B. einen Kreislaufzusammenbruch oder allergischen Schock zu verhindern. Ebenso darf der Gang zum Arzt nicht unterbleiben, wenn die Augen in Kontakt mit einer Qualle gekommen sind oder Unsicherheit hinsichtlich des Schweregrades der Verletzung besteht. Einige Touristenstrände verfügen auch über eigene Rettungsschwimmer-Stationen, die sich mit der Problematik auskennen.

Auf keinen Fall sollte man versuchen, einem häufig in einer solchen Situation auftretenden ersten Impuls nachzugeben und eine Dusche mit Süßwasser zu nehmen, denn dieses bringt die Nesseln zum Platzen und damit Freisetzen des Toxins. Genauso ungünstig wirkt Alkohol, weshalb sich weder Süßwasser noch Alkohol zum Säubern von Stellen mit Quallenverbrennungen eignen. Ebenso wenig ratsam ist es, Quallenreste mit einem Handtuch oder bloßen Händen abzuwischen, um das Gift nicht noch tiefer in die Haut zu reiben.

Quallenattacken vorbeugen

Die lokale Bevölkerung weiß meist, ob und wo es Plätze mit einer hohen Quallenbesiedelung gibt. Diese sind unbedingt zu meiden. Außerdem sollte man auf Flaggen achten, die die Anwesenheit von Quallen kundtun und diesbezügliche Warnungen der einheimischen Organe hören, zudem weder baden noch barfuß laufen, wenn am Strand oder im Wasser Quallen zu sehen sind. Wer beim Schwimmen Quallen entdeckt, kehrt besser um und schwimmt ans Ufer zurück.

Auch tote Quallen oder Quallenteile sind riskant, da sie weiterhin Gift freisetzen. Deshalb dürfen sie nicht berührt werden.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte einen speziellen dünnen Neoprenanzug beim Schwimmen oder Tauchen anziehen, der im Gegensatz zu T-Shirts oder langen Shorts, in denen sich Quallen leicht verhängen (Folge: großflächige Verletzungen), Schutz gegen Quallenkontakte bietet. Abgesehen davon gibt es in Apotheken ein Sonnenschutzmittel mit integriertem Quallenschutz (Safe Sea), das vor dem Baden sorgfältig – auch auf die vom Badetrikot bedeckte Haut! – aufgetragen werden muss. Es schützt vor Quallen-Verbrennungen, indem es die Zahl der Nesselzellen auf der Haut reduziert, sodass sich keine Hautveränderungen nach Quallenkontakt entwickeln.

 

Weiter führende Links:
Quallenverletzungen und Prophylaxe
SafeSea – Schutz vor Nesselverletzungen durch Quallen