Malaria: Reisende in Gefahr

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Malaria ist hierzulande kein Thema. Außer bei Heimkehrern aus den Tropen, die auf Vorsichtsmaßnahmen, genannt Malaria-Prophylaxe, vergessen. Das kann sie teuer zu stehen kommen.

In den Tropen und Subtropen leiden und sterben viele Menschen an einer Infektion, die in unseren Breiten kaum eine Rolle spielt: die Malaria (Wechselfieber, Sumpffieber). Sie wird von Parasiten verursacht und von Mücken übertragen, die in Österreich nicht heimisch sind. Wer in Risikogebiete (Teile Afrikas, Asiens, Südamerikas) reist, sollte vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Sonst bringt er womöglich die Krankheit als unerwünschtes Souvenir mit. Das kann für ihn lebensgefährlich sein.

Erreger & Überträger

Plasmodien heißen die Parasiten, die Malaria auslösen. Hiervon sind vier Arten zu unterscheiden, die drei verschiedene Formen des Sumpffiebers hervorrufen. Plasmodium malariae führt zur Malaria quartana, der mildesten Form der Erkrankung. Plasmodium vivax und Plasmodium ovale sind die Erreger der Malaria tertiana, die meist recht heftig, aber nur selten tödlich verläuft. Plasmodium falciparum verursacht die Malaria tropica, die gefährlichste Malaria-Art, die in bis zu 30 Prozent der Fälle tödlich endet.

Überträger der Parasiten sind weibliche Mücken der Gattung Anopheles, die an Gewässern (Teiche, Pfützen, langsam fließende Flüsse) leben und Blut benötigen, damit ihre Eier ausreifen können. Beim Blutsaugen an einem Infizierten nimmt die Anopheles-Mücke Plasmodien auf und überträgt diese über ihren Speichel auf spätere Stechopfer. Dieser Infektionsweg kommt im Namen der Krankheit nicht zum Ausdruck, denn früher glaubte man, dass sie durch schlechte Luft in Sumpfgebieten hervorgerufen werde. Daher die Bezeichnung Malaria (ital.: male = schlecht, aria = Luft).

Plasmodien brauchen beide Wirte, Mensch und Mücke, um heranzureifen. Sie durchlaufen einen geschlechtlichen Zyklus im Magen des Insekts, wo die männlichen Geschlechtszellen die weiblichen befruchten, sodass Sporozoiten (Sichelkeime) entstehen. Letztere werden beim Saugakt auf den Menschen übertragen. Dort wandern sie in die Leber und vollziehen einen ungeschlechtlichen Zyklus, indem sie sich zu Schizonten entwickeln. Der weitere Verlauf hängt von der Art der Plasmodien ab und erklärt die unterschiedlichen Formen von Malaria.

Beim Plasmodium falciparum werden alle Schizonten zu reifen Zellen, die Merozoiten enthalten, welche nach Zerstörung der Leberzellen in die Blutbahn gelangen, wo sie die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) befallen und deren Oberflächenbeschaffenheit verändern, sodass sie sich verformen und die Kapillaren (feinste Blutgefäße) verstopfen, was eine verminderte Blut- und damit Sauerstoffzufuhr zu den Organen bedeutet. Bei den anderen Plasmodien-Arten reift nur ein Teil der Schizonten zu Merozoiten heran, der andere Teil verbleibt Monate bis Jahre in der Leber und kann später (Auslöser: Stress?, andere Infektionen?) nachreifen. Die Endphase des Entwicklungszyklus ist bei allen Malaria-Erregern gleich: Ein geringer Teil der Merozoiten entwickelt sich zu Vorstufen der Geschlechtszellen, die beim nächsten Mückenstich in eine Anophelesmücke gelangen.

Die Vermehrung der Merozoiten in den Erythrozyten führt zur Hämolyse (Zerstörung der Blutzellen), sodass die dabei freigesetzten Parasiten neue rote Blutkörperchen befallen – und der Kreislauf aus Befall – Vermehrung – Zerstörung beginnt von Neuem. Die Zerstörungsphase erzeugt – infolge Freisetzung von fiebererzeugenden Substanzen aus den Plasmodien – die Symptome der Malaria.

Leitsymptom: Fieberschübe

Malaria beginnt nach einer Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch von Symptomen) von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen in der Regel mit grippeähnlichen Beschwerden wie einem starken Krankheitsgefühl, Schüttelfrost, Husten, Müdigkeit, Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen. Vor allem aber Fieber, das charakteristischerweise in Intervallen (Länge hängt vom jeweiligen Erreger ab) auftritt, wobei die Fieberschübe bei einer Malaria tertiana alle 48 Stunden (jeden dritten Tag, daher “tertiana“), bei einer Malaria quartana alle 72 Stunden (jeden ersten und vierten Tag, daher “quartana“) und bei der Malaria quotidiana (Sonderform einer Infektion mit Plasmodium vivax oder ovale mit um 24 Stunden verschobenem Entwicklungszyklus) alle 24 Stunden, also rhythmisch auftreten. Bei der Malaria tropica hingegen sind sie unregelmäßig, was die Gefahr einer Fehldiagnose birgt.

Im weiteren Krankheitsverlauf entwickelt sich infolge des Zerfalls der roten Blutkörperchen eine Anämie (Blutarmut) und Splenomegalie (Milzvergrößerung, Gefahr: Milzriss).
Unbehandelt können bei einer Malaria tropica ernste bis tödliche Komplikationen entstehen wie etwa Organschäden (z.B. Nierenversagen, Lungenödem, Gerinnungsstörungen), zusätzliche bakterielle Infektionen (z.B. Lungenentzündung) sowie die gefürchtete zerebrale Malaria (Gehirnmalaria), die mit Benommenheit, Verwirrtheit, Krampfanfällen bis hin zum Koma einhergeht.

Malaria-Diagnostik

Die typischen Symptome, verbunden mit dem Hinweis auf einen stattgehabten Aufenthalt in einem Risikogebiet, führen oft schon zum Verdacht auf Malaria. Gelegentlich übertragen aber auch z.B. mit dem Gepäck “importierte“ Anopheles-Mücken (Flughafen-Malaria, Baggage-Malaria), selten Bluttransfusionen oder infizierte Nadeln die Infektion. Der Nachweis der Erreger erfolgt mittels mikroskopischer Untersuchung (typisch: in den Erythrozyten sind Einschlüsse in Siegelringform) von Blutausstrichen, wobei die Plasmodien nur dann in Erscheinung treten, wenn sie aus zerstörten Erythrozyten freigesetzt werden (Fieberphase), sodass eine Untersuchung allein für eine korrekte Diagnose nicht genügen muss. Am zuverlässigsten erkennt die PCR (Polymerase Chain Reaction) Bestandteile der Erbsubstanz der Plasmodien.

Der zur Malaria-Diagnostik zur Verfügung stehende, auch selbst anwendbare Streifen-Schnell-Test auf Antikörper gegen Plasmodium falciparum im Blut kann bei fehlerhafter Handhabung ein falsches Ergebnis liefern. Fatal, wenn dieses bei der ehebaldigst behandlungsbedürftigen Malaria tropica falsch negativ ist.

Malaria-Therapie: zunehmende Resistenzen als Problem

Zur Therapie einer Malaria stehen mehrere Medikamente (Chloroquin, Mefloquin, Primaquin, Chinin, Clindamycin, Doxycyclin, Artesunate, Kombination aus Atovaquone und Proguanil oder Artemether und Lumefantrin) zur Verfügung, die jedoch nicht wahllos anwendbar sind, da sich nicht alle für jeden eignen. Bei ihrer Verabreichung müssen Faktoren wie etwa bestehende Grunderkrankungen oder Unverträglichkeiten berücksichtigt werden. Ebenso aber regional unterschiedliche Resistenzen (Widerstandsfähigkeit gegen die Arzneien, Folge: Unwirksamkeit) mancher Malaria-Erreger gegen die Mittel. Zudem können einige dieser Arzneien sehr unangenehme Nebenwirkungen verursachen. Ihre Verschreibung gehört daher in die Hände eines kundigen Tropen- oder Reisemediziners.

Darüber hinaus kommen fiebersenkende und je nach Organschädigung spezifische Maßnahmen zum Einsatz. Die Behandlung einer komplizierten Malaria tropica (Malaria maligna, bösartige Malaria) erfordert einen Aufenthalt auf einer Intensivstation.

Eine überstandene Malaria schützt nicht vor neuerlichen Infektionen, führt aber zu einer Teil-Immunität, sodass in Malariagebieten lebende Menschen oft leichtere Krankheitsverläufe zeigen.

Malaria-Prophylaxe

Einen Impfstoff gegen Malaria gibt es bislang nicht, aber zwei Wege, einer Infektion mit Plasmodien vorzubeugen. Einer davon ist die Expositionsprophylaxe, d.h. die Vermeidung von Mückenstichen durch das Tragen von langer Oberbekleidung sowie der Verwendung von Moskitonetzen und Repellentien (Insektenschutzmittel).

Der andere ist die Chemoprophylaxe, d.h. – je nach Reiseziel, Jahreszeit, Art der Reise und individueller Eignung – präventive Einnahme von Malaria-Medikamenten, wobei hier ebenso wie bei der Behandlung der Krankheit zu bedenken ist, dass aufgrund regional unterschiedlicher Resistenzen nicht jede Arznei überall wirkt. Für Gebiete mit geringem Malaria-Risiko genügt eine “Stand-By“-Prophylaxe (Notfalls-Selbstbehandlungsmethode), d.h. das Malariamittel wird nicht schon vor der Reise eingenommen, sondern nur vorsorglich mitgeführt und erst im Krankheitsfall geschluckt. Das ist vor allem dann von Bedeutung, wenn innerhalb von 24 Stunden nach Eintritt von Malariasymptomen keine ärztliche Versorgung zur Verfügung steht.

 

Weiter führende Links:
Expositionsprophylaxe (Schutz vor Mückenstichen)
Malaria & Malaria-Prophylaxe