Ingwer: scharfe Angelegenheit mit Heilwirkung

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Übelkeit, Entzündungen und Schmerzen – das sind die Domänen einer Gewürzknolle asiatischen Ursprungs, die als Heilpflanze in der chinesischen Medizin schon seit Jahrtausenden Verwendung findet. Inzwischen hat der Ingwer auch in Europas Pflanzenheilkunde Einzug gehalten. Denn er bringt die Verdauung in Schwung, beugt Erkältungen vor, senkt den Blutzuckerspiegel und, und, und….

Ingwer gewinnt als Gewürz immer mehr an Beliebtheit in unseren Breiten. Vermutlich auch deshalb, weil die asiatische Küche immer mehr Freunde findet. So ist er kaum noch wegzudenken aus gut sortierten Lebensmittelläden. Doch eignet sich Ingwer nicht nur als exotisches Gewürz, sondern auch als natürliches Heilmittel. Seine besondere Stärke: er beseitigt Übelkeit.

Schöne Blüten – köstliche, heilsame Wurzeln

Der schilfähnliche Ingwer (wissenschaftlich: Zingiber officinale, im Volksmund: Ingberwurzel, Immerwurzel, Ingber, Imber) besitzt auf einem meterlangen Stängel zapfenartig angeordnete gelbe, violette und braune Blüten und grüne Deckblätter mit gelbem Rand. Die bis zu einem Meter hohe Staude aus der Pflanzenfamilie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) wird von Indien bis Malaysia und auch in China angebaut. Denn da der Ingwer in rauen Mengen als Gewürz genutzt wird, reicht der Bestand an Wildpflanzen nicht aus, sodass er zwecks Bedarfsdeckung kultiviert werden muss.

Doch die Kochkunst und auch die Pflanzenheilkunde interessiert nur ihr bis zu 20 Zentimeter langer, geweihartig verzweigter, sich waagrecht im Boden verbreitender gelblich-brauner, aromatisch duftender Wurzelstock (Zingiberis rhizoma, Radix Zingiberis), der im Herbst geerntet wird.

Ingwer enthält v.a. Scharfstoffe und ätherische Öle (z.B. Zingiberen, für den Geruch entscheidendes Zingiberol, Curcumen, beta-Eudesmol).

Damit Ingwer seinen aromatischen Geschmack und seine Heilwirkungen gut entfalten kann, achtet man beim Kauf am besten darauf, dass die Knolle schön fest ist und und eine pralle, glatte Haut aufweist. Wichtig ist zudem, sie richtig zu lagern: vor Licht geschützt, d.h. in Küchenpapier eingewickelt, in einem luftdichten Behälter, der nicht aus Kunststoff sein sollte (ätherisches Öl).

Was kann Ingwer kulinarisch?

Ingwer ist in der Küche vielseitig verwendbar. Dementsprechend findet man ihn in Kandiszucker, Limonaden, Tees, Gebäck, Glühwein, Lebkuchen, Desserts, Chutneys, Gewürz-Mischungen (Curry, in Kombination mit Muskatnuss, Gewürznelke und weißem Pfeffer als Bestandteil der französischen “Quatre épices“, die für Eintöpfe, Braten, Ragouts, Wurst, Pasteten verwendet wird) u.a.m. Vor allem in England in Ingwerbier (Ginger Ale) und -plätzchen (Ginger Bread), in Asien in beinahe allen Speisen (z.B. Sushi, Sashimi).

Gerieben oder in Scheiben geschnitten passt die würzige Wurzel zu Fleisch- oder Fischgerichten, aber ebenso zu Gemüsebeilagen und Aufläufen. Sie schmeckt auch kandiert.

Was kann Ingwer medizinisch?

Der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, bekannt als Paracelsus, hat den Ingwer zur Heilpflanze des Jahres 2018 gewählt. Weil er krampf- und schleimlösend, Schmerzen, Brechreiz und Erbrechen lindernd, die Darmperistaltik und die Sekretion von Speichel, Magensaft und Galle anregend, tumor- und keimhemmend wirken sowie bei Erkältungen die Atemwege befreien soll. Sodass ihn die Volksheilkunde für folgende Anwendungsgebiete nimmt:

  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen (auch bei einer Chemotherapie)
  • Reisekrankheit
  • Reizmagen
  • Magengeschwüre
  • Blähungen und Völlegefühl
  • Regelkrämpfe
  • Husten
  • Schmerzen (z.B. Migräne, Muskel-, Rückenschmerzen, Arthrose, Arthritis)

Hierzu gibt es Ingwerpräparate in Form von Tabletten, Kapseln oder Tropfen. Doch hilft oft ebenso, eine dünne Scheibe frischen Ingwers zu kauen, etwa bei akuter Übelkeit.

Nasennebenhöhlenentzündungen sprechen meist gut auf Ingwerkompressen an. Hierzu hackt man ein ca. 1 cm langes Stück frische Ingwerwurzel klein, setzt es in 250 ml kaltem Wasser an, kocht es auf, lässt es eine Dreiviertelstunde abgedeckt ziehen und tränkt damit eine Kompresse. Die legt man möglichst heiß auf die jeweilige Wange bzw. die Stirn und nimmt sie nach maximal 5 Minuten (bei spürbarem Brennen auf der Haut sofort!) ab.

Eine verlegte Nase befreit Ingwer-Sirup, d.h. 2 Teelöffel frischer, klein gehackter Ingwer, der eine halbe Stunde in 200 ml Wasser geköchelt hat und der nach Zugabe von 100 g braunem Zucker und zwei Gewürznelken eindicken durfte. Teelöffelweise pur oder in heißem Tee eingenommen hilft der bei Aufbewahrung im Kühlschrank etwa 2 Monate haltbare Sirup auch gegen Halsschmerzen.

Gegen Verdauungsschwäche wirkt Ingwertee. Seine Zubereitung ist denkbar einfach: Ein daumengroßes Stück frischen Ingwer in dünne Scheiben schneiden und mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen. Den Tee rund 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen und ihn möglichst heiß in kleinen Schlucken vor, zum oder nach dem Essen trinken. Er bekämpft Verdauungsbeschwerden und macht verzehrtes Fett bekömmlicher. Ebenso eine aufkommende Erkältung mit Kopf- und Gliederschmerzen, wenn man rasch 2 Tassen mit Honig gesüßten Ingwertee zu sich nimmt.

Wie wirkt Ingwer?

Einige der dem Ingwer nachgesagten Effekte konnten inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen werden. So kommen etwa die übelkeitshemmenden Eigenschaften durch seine Scharfstoffe (Gingerol, Shogaol) zustande, die ihm seine charakteristische Würze verleihen. Indem sie an den Bindungsstellen für das Hormon Serotonin andocken, die am Erbrechen beteiligt sind. Somit wird das Brechzentrum im Gehirn nicht aktiviert und die Übelkeit bleibt aus.

Gingerol und Shogaol regen auch – durch die zusätzliche Bildung von Magensäure – den Appetit an und lindern Schmerzen (z.B. Kopfweh).

Doch die Scharfmacher, die einem warm werden, die Nase triefen und den Gaumen brennen lassen, können noch mehr. Denn sie sollen aufgrund einer ähnlichen chemischen Struktur dasselbe Enzym (Cyclooxygenase) im Körper hemmen wie die Acetylsalicylsäure (z.B. in Aspirin ®), die als Schmerzmittel dient, Entzündungen eindämmt und die Blutgerinnung bremst.

Forschungen zufolge unterstützen aus der Ingwerwurzel gewonnene Extrakte, genauer gesagt das darin enthaltene Gingerol, die Aufnahme von Glukose in Muskelzellen und senken so – unabhängig von einer Insulingabe – den Blutzuckerspiegel und in der Folge den Langzeitblutzuckerwert (HbA1c). Vielleicht eine zukünftige Therapieoption für Diabetiker.

Wer verzichtet besser auf Ingwer?

Ingwer kann wahrscheinlich das Blutungsrisiko erhöhen. Diesbezüglich erblich vorbelastete Menschen und solche, die zwecks Thromboseprophylaxe Blutverdünnungsmittel einnehmen, sollten daher sicherheitshalber keinen Ingwer einnehmen. Ebenso solche mit einem empfindlichen Magen oder Gallensteinen. Und Schwangere, denn bestimmte Inhaltsstoffe der Knolle könnten Wehen auslösen.

 

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