Zyklusstörungen: wenn die Regel außer Takt gerät

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Setzt die Periode zu früh oder zu spät ein, fällt sie stärker oder schwächer aus als normal oder bleibt sie gar aus, liegt eine Menstruationsstörung vor. Dafür kommen viele Gründe infrage. Doch nicht jede Blutungsanomalie muss behandelt werden. Hier ein kleiner Überblick. 

Normalerweise haben Frauen im fruchtbaren Alter, wenn sie nicht schwanger sind, alle vier Wochen ihre Tage. Dann wird die für eine eventuelle Einnistung einer befruchteten Eizelle aufgebaute oberste Schleimhautschicht der Gebärmutter mit Blut- und Schleimbeimengungen abgestoßen. Das Geschehen heißt Menstruation. (Periode, Regel, Monatsblutung). Den bei Ausbleiben einer Schwangerschaft sich laufend wiederholenden Vorgang nennt man Menstruationszyklus. Ein solcher Zyklus dauert normalerweise rund 25 bis 31 Tage, die Monatsblutung etwa 3 bis 5 Tage. Dabei gehen ca. 50 bis 150 Milliliter Blut verloren.

Arten von Menstruationsstörungen

Abweichungen von der üblichen Zyklus- oder Blutungsdauer oder eine veränderte Ausprägung der Blutungen nennt man Menstruationsstörungen, Blutungsstörungen, Zyklusstörungen oder Blutungsanomalien. Demnach unterscheidet man

  • Regeltempostörungen (Rhythmusstörungen): Die Intervalle zwischen den Blutungen schwanken, d.h. es finden zu häufige (Polymenorrhoe), zu seltene (Oligomenorrhoe) oder gar keine (Amenorrhoe) Blutungen statt.
  • Regeltypusstörungen: Das Blutungsmuster ist verändert, d.h. die Blutungen sind zu stark (Hypermenorrhoe), zu schwach (Hypomenorrhoe), zu kurz (Brachymenorrhoe) oder zu lang (Menorrhagie)

Zudem können Zwischenblutungen auftreten (Metrorrhagie).

Amenorrhoe: wenn die Regelblutung ausbleibt

Eine Amenorrhoe, also ein Ausbleiben der Regel, findet natürlicherweise während der Schwangerschaft und Stillperiode statt. Als krankhaft ist sie zu werten, wenn bis über das 16. Lebensjahr hinaus noch keinerlei Monatsblutung eingetreten ist (primäre Amenorrhoe). Oder wenn nach einem bereits vorhandenen regelmäßigen Zyklus die Periode für mehr als 3 Monate aussetzt (sekundäre Amenorrhoe).

Eine primäre Amenorrhoe beruht fast immer auf körperlichen Ursachen wie z.B. angeborenen Chromosomenanomalien (z.B. Ulrich-Turner-Syndrom), Fehlbildungen im Genitaltrakt, Fehlfunktionen der Eierstöcke oder hormonellen Störungen (v.a. im Zwischenhirn/in der Hirnanhangsdrüse, die die Funktion der Eierstöcke regulieren).

Anders sieht es bei der sekundären Amenorrhoe aus. Sie ist häufig eine Folge seelischer oder körperlicher Belastungen wie z.B. Stress, Reisen, Leistungssport, anstehender wichtiger Entscheidungen oder familiärer Ereignisse. Vermutlich bewirken solche Auslöser Fehlfunktionen im Nervensystem, die die Regulation der Hormone beeinflussen.

An körperlichen Ursachen für eine sekundäre Amenorrhoe kommen etwa starke Gewichtsschwankungen oder ein bedeutender Gewichtsverlust (v.a. bei Magersucht), Hormonstörungen (z.B. polyzystisches Ovarialsyndrom, hormonproduzierender Tumor im Eierstock), Fehlbildungen der Gebärmutter oder Scheide, Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes, Nebennierenrindenschwäche, Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion), schwere Allgemeinerkrankungen (z.B. Hirn- oder Hirnhautentzündung) und Medikamente (z.B. therapeutische Hormonpräparate, Krebsmittel, Psychopharmaka, Blutdrucksenker) infrage. Verhütungsmittel wie die Drei-Monats-Spritze oder eine pausenlos eingenommene Antibabypille können ebenfalls nach ihrem Absetzen zu einer sekundären Amenorrhoe führen (“Post-Pill-Amenorrhoe“), denn dann baut sich die Schleimhaut in der Gebärmutter nicht auf. Somit kann auch keine Abstoßung derselben erfolgen.

Die Behandlung einer krankhaften Amenorrhoe richtet sich nach ihrer Ursache.

Oligomenorrhoe: wenn sich das Regelintervall verlängert

Ein Abstand zwischen zwei Blutungen von mehr als 31 Tagen kennzeichnet eine Oligomenorrhoe. Diese häufige Blutungsstörung, die oft aus einer Verzögerung der Follikelreifung und damit des Eisprungs infolge Hormonmangels in der ersten Zyklushälfte resultiert, tritt vor allem bei natürlichen Veränderungen im Hormonsystem auf. Meist in der Zeit nach der ersten Regelblutung (Menarche) und vor den Wechseljahren. Ebenso bei Hormonstörungen (z.B. adrenogenitales Syndrom, Prolaktin-Überschuss), Beeinträchtigungen der Eierstockfunktion (z.B. polyzystisches Ovarialsyndrom) oder der für die Hormonproduktion zuständigen Gehirnteile (Hypothalamus, Hirnanhangsdrüse), Entzündungen, Tumoren (Eierstock-, Gebärmutter-, Scheidenkrebs) oder Fehlbildungen der Geschlechtsorgane, einer Magersucht, Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion, Stress, seelischen Belastungen oder Leistungssport.

Die Oligomenorrhö kann in eine Amenorrhö übergehen. Indem sich die Abstände zwischen den Regelblutungen zunehmend vergrößern, bis die Periode schließlich komplett ausbleibt.

Ob eine Therapie notwendig ist bzw. welche, richtet sich nach der Ursache der Blutungsanomalie. Beim polyzystischen Ovarialsyndrom etwa erfolgt bei Kinderwunsch eine Hormontherapie, bei Störungen der Schilddrüsenfunktion deren medikamentöse Normalisierung.

Polymenorrhoe: wenn sich das Regelintervall verkürzt

Bei der Polymenorrhoe beträgt der Abstand zwischen zwei Blutungen weniger als 25 Tage. Sie kann das Ergebnis einer Verkürzung der ersten oder zweiten oder auch beider Zyklusphasen sein. Dafür verantwortlich sind oft hormonelle Störungen. Etwa natürliche Veränderungen im Hormonsystem, z.B. in der Zeit nach der Menarche und vor den Wechseljahren, wo sich die hormonellen Funktionskreise im Körper neu einspielen müssen. Oder eine Gelbkörperschwäche. Der Gelbkörper entsteht nach dem Eisprung aus der Eizellhülle. Er bildet für das die Einnistung einer befruchteten Eizelle erforderliche Progesteron. Aber auch Stresssituationen sowie starke körperliche und seelische Belastungen können eine Polymenorrhoe verursachen.

Besteht kein Kinderwunsch, verlängert ein hormonelles Verhütungsmittel (“Pille“) den Zyklus und lindert die Beschwerden. Ähnlich regulierend soll Mönchspfeffer wirken. Bei einer verkürzten Gelbkörperphase haben ab dem 12. Zyklustag verabreichte Gestagene einen zyklusverlängernden Effekt. Oft erfordert eine Polymenorrhoe jedoch gar keine medikamentöse Therapie, sondern normalisiert sich von selbst wieder. Etwa wenn die Auslöser wie z.B. Stress wegfallen. Oder dank gesunder Lebensführung der Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht kommt.

Hypomenorrhoe: wenn die Regelblutung zu schwach ausfällt

Eine Hypomenorrhoe liegt vor, wenn der Blutverlust weniger als 25 Milliliter pro Periode beträgt. Oft verbunden mit einer verkürzten Blutungsdauer von ein bis zwei Tagen oder gar nur wenigen Stunden (Brachymenorrhoe). Häufig kommt es überhaupt nur zu Schmierblutungen. Die Zyklusdauer kann jedoch normal sein.

Diese Blutungsstörung findet sich häufig zu Beginn der Wechseljahre, wenn eine Eierstockschwäche eine geringere und kurzzeitigere Hormonbildung und damit einen verminderten Aufbau der Gebärmutterschleimhaut bedingt. Oder (seltener) bei starkem Übergewicht, weil die Hormonbildung für die Aufrechterhaltung eines normalen Zyklus nicht ausreicht. Ein zu geringer Aufbau der Gebärmutterschleimhaut kann auch die Folge einer Gestagen-Behandlung (z.B. gestagenhaltige Spirale), einer Funktionsstörung der Eierstöcke, Endometritis (Gebärmutterschleimhautentzündung) oder von wiederholten Kürettagen (Ausschabungen der Gebärmutter) sein.

Eine Hypomenorrhoe ist nicht in jedem Fall behandlungsbedürftig. Erfolgt trotz der Blutungsanomalie ein Eisprung, lässt sich mit der “Pille“ (Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat) die Stärke der Periode beeinflussen. Bei Kinderwunsch hingegen bedarf es einer sorgfältigen Abklärung der Ursache der Blutungsstörung.

Hypermenorrhoe: wenn die Regelblutung zu stark ausfällt

Bei einer Hypermenorrhoe beträgt der Blutverlust mehr als 150 Milliliter. Merkbar daran, dass täglich mehr als 5 Monatsbinden verbraucht werden oder ein Tampon in weniger als 2 Stunden vollgesogen ist. Und im Menstruationsblut größere Klümpchen (Blutkoagel) auftreten. Das kann daran liegen, dass sich die Gebärmuttermuskulatur nicht richtig zusammenziehen kann, um die Schleimhautschicht abzustoßen und letztendlich die Blutgefäße in der Schleimhaut wieder zu schließen, damit die Blutung aufhört. Die Ursachen sind größtenteils organischer Natur. Beispielsweise Myome, Eileiter- oder Gebärmutterentzündungen, Polypen, Gebärmutterkrebs oder -fehlbildungen, eine Endometriose oder Gelbkörperschwäche. Aber auch die Spirale, Stress, Erkrankungen der inneren Organe (z.B. Nieren-, Herz-, oder Leberleiden), ein Bluthochdruck oder Gerinnungsstörungen können eine Hypermenorrhoe auslösen.

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Im Falle von Myomen oder Polypen kann das z.B. ein chirurgischer Eingriff sein. Zur Beschwerdelinderung dient auch eine Ausschabung der Gebärmutter. Oder – in sehr schweren Fällen – gar eine Abtragung der Gebärmutterschleimhaut mit Laser oder Hitze. Aber nur dann, wenn kein Kinderwunsch mehr besteht und ein darauffolgendes völliges Ausbleiben der Regelblutung für die betroffene Frau kein Problem darstellt.

Menorrhagie: wenn die Regelblutung zu lange anhält

Als Menorrhagie bezeichnet man eine über die normale Dauer von 5 Tagen hinaus anhaltende Blutung. Sie kann zu einer Eisenmangelanämie (mögliche Symptome: Blässe, Schwindel, Leistungsabfall, Luftnot) führen. Die Blutungsstörung ist eine Begleiterscheinung von Myomen, Polypen, Karzinomen, einer Endometriose, Gebärmutter- oder Eierstockentzündung. Oder anderer Erkrankungen (Gerinnungsstörungen, Nieren-, Leberinsuffizienz, Bluthochdruck). Abhilfe schafft in vielen Fällen ein über den gesamten Zyklus eingenommenes Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat oder eine zyklische Östrogen-Gestagen-Therapie.

Brachymenorrhoe: wenn die Regelblutung zu kurz anhält

Blutungen, die kürzer andauern als sonst, sind oft auf hormonelle Störungen zurückzuführen. Hält die Menstruation nur einige Stunden bis anderthalb Tage an, kann eine Endometriumanomalie, eine angeborene Veränderung der Gebärmutterschleimhaut, dahinterstecken.

Metrorrhagie: wenn Zwischenblutungen auftreten

Unter Metrorrhagien versteht man Blutungen außerhalb des normalen Menstruationszyklus (azyklisch, Zwischenblutungen). Bis hin zu Dauerblutungen. Sie lassen sich auf eine Reihe von organischen Erkrankungen zurückführen wie z.B. Gebärmutterentzündungen, Myomen, Polypen, Gebärmutter- oder Scheidenkrebs, einer Gebärmutterfehlbildung oder Endometriose. Oder auf hormonelle Störungen. Beispielsweise auf eine Gelbkörperschwäche, die Minimalblutungen zwei bis drei Tage vor der eigentlichen Regelblutung hervorruft. Minimalblutungen im Anschluss an die Regelblutung können auf einer verzögerten Regeneration der Gebärmutterschleimhaut infolge eines Östrogenmangels beruhen. Solche zur Zeit des Eisprungs (“Ovulationsblutung“) auf das plötzliche Absinken des Östrogenspiegels in dieser Phase. Auch eine Ausschabung, von der sich die Gebärmutterschleimhaut noch nicht genug erholt hat, kann eine Metrorrhagie hervorrufen.

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Zusatzblutungen. So kommen etwa bei hormonell bedingten Metrorrhagien hormonelle Verhütungsmittel oder Gestagenpräparate zum Einsatz. Bei Frauen mit abgeschlossener Familienplanung und anders nicht behandelbarer Metrorrhagie auch eine Verödung der Gebärmutterschleimhaut.

Dysmenorrhoe: wenn Blutungen schmerzen

Krampfartige Schmerzen im Unterbauch können die Menstruation begleiten. Eventuell verbunden mit Schlappheit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung. Hier helfen außer Schmerztabletten Hausmittel wie warme Kirschkern- oder Dinkelkissen und frische Kräutertees (z.B. Brennnessel-, Zitronenmelissen-, Kamillentee).

Davon zu unterscheiden ist das sogenannte prämenstruelle Syndrom (PMS), bei dem Frauen Tage vor der Menstruationsblutung unter Beschwerden wie z.B. depressiver Verstimmung, Reizbarkeit, Migräne oder einem Spannungsgefühl in den Brüsten leiden. Die Symptome klingen mit dem Eintreten der Regelblutung üblicherweise wieder ab.

Menstruationsstörungen erkennen

Bei der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) interessieren den Frauenarzt neben durchlebten und bestehenden Erkrankungen, stattgehabten Operationen im Bauchraum und eingenommenen Medikamenten vor allem der Verlauf der Blutungen während des Zyklus. Hilfreich dabei ist, wenn die Frau einen Menstruationskalender führt, in dem sie Abstand und Stärke (Anzahl der benötigten Binden oder Tampons) der Blutungen sowie eventuelle Schmerzen und Zwischenblutungen vermerkt.

Bei der Anamnese erhobene Begleitsymptome wie seelische Verstimmungen, nervöse Reizzustände und Depressionen, Wassereinlagerungen, eine Akne, verstärkte Körperbehaarung (Hirsutismus), Gewichtszunahme oder ein Gewichtsverlust können dem Arzt wertvolle Hinweise zur Ursachenforschung der Blutungsstörung liefern.

Der gynäkologischen Inspektion und Tastuntersuchung von Scheide, Gebärmutter und Eierstöcken folgt üblicherweise ein Ultraschall, manchmal auch andere bildgebende Verfahren (CT, MR). um etwaige organische Veränderungen (z.B. Tumoren der Geschlechtsorgane) festzustellen. Unter Umständen (v.a. bei einer Amenorrhoe) auch ein Schwangerschaftstest.

Ob und wann ein Eisprung stattfindet, darüber geben Messungen der sogenannten Basaltemperatur Auskunft. Das bedeutet: über einen oder mehrere Zyklen wird die Körpertemperatur kurz nach dem Aufwachen, aber noch vor dem Aufstehen gemessen. Das erlaubt Rückschlüsse auf die Funktion der Eierstöcke.

Zur Abklärung der Ursache einer Menstruationsstörung kann auch eine diagnostische Bauchspiegelung (z.B. bei primärer Amenorrhoe), eine Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung) und Kürettage (z.B. bei einer Metrorrhagie oder Menorrhagie) oder Computertomografie des Schädels (bei Verdacht auf einen Hirntumor, der die hormonproduzierenden Hirnteile beeinflusst) notwendig sein.

Der Aufdeckung von Hormonstörungen oder einer Eisenmangelanämie dienen Blut- und Urinuntersuchungen. Findet der Frauenarzt keine Ursachen, sollte z.B. ein Internist zu Rate gezogen werden.

Menstruationsstörungen vorbeugen

Das ist nur begrenzt möglich. Etwa durch

  • Vermeidung von Stress und psychischen Belastungen
  • eine Normalisierung des Gewichts
  • eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger körperlicher Bewegung
  • einen Verzicht auf Alkohol und Nikotin

Auf jeden Fall ist eine regelmäßige Vorsorge-Untersuchung beim Gynäkologen ratsam.

 

Weiterführende Links:
Endometriose: Regelschmerzen als typisches Zeichen
Myom: Lage entscheidet über Symptome und Behandlung
Klimakterium (Wechsel, Menopause) 
Schwangerschaft (Geburtshilfe, Gynäkologie)