Weibliche Sexualstörungen: wenn Sex Frauen kalt lässt

© Photographee.eu - Fotolia.com

Weibliche sexuelle Störungen, früher häufig auch mit dem meist abfällig gebrauchten Begriff Frigidität bezeichnet, gehören ergründet, da sie sonst das (Liebes-)Leben empfindlich beeinträchtigen können. Ursachen für ein eingeschränktes sexuelles Begehren oder Empfinden gibt es viele. Eine davon lautet Schmerzen beim Geschlechtsakt.

Frigidität (lat.: frigidus = kalt, kühl) wurde früher als Synonym für Gefühlskälte in abwertender Absicht Frauen unterstellt, wenn sie nicht genug sexuelle Begeisterung an den Tag legten, d.h. den erotischen Wünschen eines Sexualpartners nicht wie von ihm erwartet entgegenkamen. Heute bezeichnet man Blockaden des sexuellen Verlangens (Libido) oder Empfindens (Störung in der sexuellen Erregung, eingeschränkte Orgasmusfähigkeit) und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr von Frauen eher als Sexualstörungen (sexuelle Dysfunktionen). Sie beruhen manchmal auf körperlichen Ursachen. Viel öfter aber liegt ihre Wurzel im partnerschaftlichen oder seelischen Bereich.

Arten von Sexualstörungen

Wie häufig weibliche Sexualstörungen auftreten, darüber gibt es kaum erfasste Daten, obwohl eine große Anzahl von Frauen zumindest vorübergehend unter einer solchen leiden. Mediziner kennen vier Erscheinungsformen von Sexualstörungen, die bei beiden Geschlechtern vorkommen können:

  • sexuelle Appetenzstörungen: mangelndes sexuelles Verlangen, d.h. es fehlt an sexuellen Fantasien oder Bedürfnissen bis hin zur Ablehnung von sexuellen Beziehungen bzw. wird trotz ev. verspürten Verlangens kaum die Initiative zu sexuellen Aktivitäten ergriffen.
  • Störungen der sexuellen Erregung: trotz sexueller Reize Ausbleiben genitaler Reaktionen wie einer vermehrten Produktion von Scheidenflüssigkeit, ev. verbunden mit Symptomen wie z.B. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und dem fehlenden Empfinden von Lust.
  • Orgasmusstörungen: trotz sexueller Erregung wird kein Orgasmus erlebt oder erst stark verzögert.
  • sexuell bedingte Schmerzen: Hiervon gibt es zwei Formen: einerseits trotz normaler Erregungsphase vor, bei oder nach dem Geschlechtsverkehr wiederholt auftretende anhaltende Schmerzen (Dyspareunie, Algopareunie). Andererseits eine unwillkürliche Verkrampfung der Scheidenmuskulatur (Vaginismus, “Scheidenkrampf“), der einen Geschlechtsverkehr schmerzhaft macht bis verunmöglicht.

Organische Ursachen weiblicher Sexualstörungen

Sexualstörungen können körperliche und/oder seelische Gründe haben. Mögliche organische Ursachen für eine Dyspareunie sind z.B.

  • Entzündungen und Infektionen der inneren oder äußeren Geschlechtsorgane wie Eierstockentzündungen, Harnwegsinfekte, Genitalwarzen oder Geschlechtskrankheiten
  • Vernarbungen: z.B. nach einem Dammschnitt oder Dammriss
  • Störungen im Hormonhaushalt
  • eine Scheidentrockenheit: häufig in der Menopause
  • eine Endometriose
  • Myome (Gebärmuttermuskelgeschwülste)
  • angeborene Fehlbildungen der inneren Geschlechtsorgane
  • schmerzhafte Reaktionen auf chemische Verhütungsmittel oder Intimpflegeprodukte
  • eine Schwäche der Scheidenwand (v.a. bei älteren Frauen
  • ein Beckenvenensyndrom (Pelvic Congestion Syndrome): schmerzhafte Krampfadern im Beckenbereich, meist bei Frauen im gebärfähigen Alter, die mindestens zwei Schwangerschaften erlebt haben.
  • Durchblutungsstörungen
  • Nebenwirkungen von Arzneimitteln

Werden diese Probleme behandelt, verschwinden in der Regel auch die Schmerzen und damit die Sexualstörungen.

Partnerschaftsprobleme als Ursache von Sexualstörungen

Sexualität hängt auch vom Verlauf einer Partnerschaft ab. Treten Partnerschaftsprobleme auf, können diese sich in Form von Sexualstörungen niederschlagen. So führen etwa Streitereien oder ein eintöniger Alltag gern dazu, dass es mit dem Genießen des erotischen Beisammenseins nicht klappen will. Oft liegt es auch an mangelnder offener Kommunikation bezüglich eigener sexueller Wünsche und Bedürfnisse, dass diese unbefriedigt bleiben. Fehlt es an Zärtlichkeit, Einfühlungsvermögen oder Bereitschaft des Partners, auf die sexuellen Anliegen der Frau einzugehen, kommt diese nicht in Stimmung. Das Feuchtwerden der Scheide kann dadurch ausbleiben und den Geschlechtsakt schmerzhaft machen. Auch ein Orgasmus bleibt dann meist aus – im Normalfall nichts, was die weibliche Lust steigert und die Partnerschaft verbessert. Auch Veränderungen wie z.B. eintreffender Familienzuwachs können sich negativ auf das Sexualleben eines Paares auswirken.

Psychische Ursachen weiblicher Sexualstörungen

Viele Frauen fühlen sich in Bezug auf Sexualität einem starken Leistungsdruck ausgesetzt oder beobachten sich zu selbstkritisch. Oder entwickeln Ängste in Bezug darauf, etwa weil es an entsprechenden Kenntnissen (z.B. über den eigenen Körper) fehlt oder falsche Vorstellungen darüber herrschen. Auch Depressionen, Angststörungen, Furcht vor einer Schwangerschaft oder Geschlechtskrankheiten, ein Mangel an Selbstwertgefühl oder anerzogene Hemmungen, Scham- und Schuldgefühle durch eine sexualfeindliche Erziehung können eine erfüllende Sexualität verhindern. Traumatische – weil als beängstigend oder demütigend erlebte – sexuelle Erfahrungen (z.B. Missbrauch) können ebenfalls Sexualstörungen hervorrufen.

Weibliche Sexualstörungen behandeln

Damit Frauen mit Sexualstörungen die “schönste Nebensache der Welt“ (wieder) genießen können, ist eine angemessene Behandlung des jeweiligen Auslösers vonnöten. Dazu müssen zunächst körperliche Ursachen ausgeschlossen werden. Beim Frauenarzt, der die äußeren und inneren Geschlechtsorgane (mittels Spekulum = Spiegel und per Ultraschall) bezüglich Auffälligkeiten untersucht und mit Hilfe eines Abstrichs das Scheidensekret auf Krankheitserreger untersucht. Wenn nötig folgen Blut- und Harnuntersuchungen oder Biopsien (Gewebeprobenentnahmen).

Ist der Grund einer Sexualstörung organischer Natur, muss die zugrundeliegende Krankheit adäquat therapiert werden, d.h. beispielsweise eine Antibiotika-Einnahme gegen Harnwegsinfekte, Operation oder Hormontherapie bei Endometriose, Genitalwarzenentfernung mit Elektro- oder Lasertherapie, Hormonersatztherapie gegen Wechseljahrsbeschwerden etc. Bei Überempfindlichkeitsreaktionen der Scheide gegen chemische Verhütungsmittel empfiehlt sich ein Umsteigen auf eine andere Verhütungsmethode.

Partnerschaftsprobleme, seelische Störungen oder Traumata erfordern hingegen Maßnahmen wie eine Sexualberatung, Paar-, Sexual- oder Psychotherapie.

Wenn Sexualstörungen unbehandelt bleiben

Nun ist es zwar völlig normal, dass sexuelles Verlangen und Empfinden während des Lebens phasenweisen Schwankungen unterliegen. Besteht jedoch über längere Zeiträume kein Interesse an sexuellen Aktivitäten oder ein beeinträchtigtes Empfinden dabei, leidet darunter nicht nur die “frigide“ Frau, sondern meist auch ihr(e) Partner. Und das nicht nur in der Sexualität, sondern auch in anderen mit dem Gefühlsleben in Verbindung stehenden Lebensbereichen. Daraus resultieren z.B. oft ein einander Ausweichen, eine gehemmte Kommunikation, gegenseitige Schuldzuweisungen bis hin zu aggressivem Verhalten, eine Entfremdung und nicht selten schließlich Trennung. Misstrauen und Versagensängste verhindern dann oft den Aufbau neuer Partnerschaften. Es droht ein sozialer Rückzug. Und damit der Verzicht auf ein wichtiges Kapitel eines glücklichen Lebens: eine erfüllte Sexualität.

 

Verwandte Ratgeber:
Sexualprobleme: Sexualmedizin hilft Frau und Mann
Verhütung (Kontrazeption)
Endometriose: Regelschmerzen als typisches Zeichen
Lästiges Übel Blasenentzündung
Harnwegsinfekt (Zystitis, Blasenentzündung)

Links zu unserem Lexikon:
Wechseljahresbeschwerden
Scheideninfektion (Candida-Pilze)