Schwangerschaftsdiabetes & Präeklampsie: Gefahr für Mutter und Kind

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Zum Thema Schwangerschaftsbeschwerden fallen einem meist spontan Übelkeit, häufiger Harndrang, vielleicht auch geschwollene Beine und Müdigkeit ein. Sie sind häufig harmlos, manchmal aber auch Zeichen ernster Komplikationen wie z.B. einer Präeklampsie (Gestose) oder eines Schwangerschaftsdiabetes.

Während einer Schwangerschaft sind sowohl die werdende Mutter als auch das ungeborene Kind verschiedensten Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Einige (z.B. alkohol- oder nikotinbedingte Schäden, Infektionen wie z.B. Röteln) lassen sich komplett vermeiden, andere nicht oder nur teilweise. Zu letzteren zählen der Schwangerschaftsdiabetes und die Präeklampsie. Hier finden Sie Näheres zu diesen beiden häufigen und bedrohlichen Geißeln der Fruchtbarkeit.

Schwangerschaftsdiabetes: Entstehung & Auswirkungen

Ob schwanger oder nicht – ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist immer Zeichen eines gestörten Zuckerstoffwechsels und geht mit einem erhöhten Blutzuckerspiegel einher. Nicht zwingend, aber u.U. verbunden mit ausgeprägtem Durstgefühl, der Ausscheidung größerer Harnmengen, einer verstärkten Müdigkeit oder Neigung zu Infekten (z.B. Scheidenpilz, Blasenentzündungen). Das Besondere am Schwangerschaftsdiabetes: Er tritt erst während der Gravidität (meist im Verlauf des zweiten Schwangerschaftsdrittels) auf und bei seiner Entstehung spielen die Hormone humanes Plazentalaktogen und Progesteron eine Rolle. Sie lassen den Blutzuckerspiegel steigen, damit das Kind ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird. Dieser an sich normale Vorgang bringt die mütterliche Bauchspeicheldrüse dazu, mehr Insulin auszuschütten, das für die Aufnahme der Glukose in die Zellen sorgt und so den Blutzuckerspiegel wieder senkt. Beim Schwangerschaftsdiabetes gelingt es der Bauchspeicheldrüse aber nicht, genug Insulin zur Blutzuckersenkung bereitzustellen. Davon merken viele betroffene werdende Mütter nichts, wohl aber ihre Kinder, denn ihnen drohen

  • Fehlbildungen v.a. der Wirbelsäule, Nieren und des Herzens.
  • eine Makrosomie (besondere Größe und Schwere; Geburtsgewicht über 4.000 Gramm), was vorzeitige Wehen oder mechanische Behinderungen während der Geburt mit der Notwendigkeit eines Kaiserschnitts zur Folge haben kann.
  • Reifungsstörungen von Organen wie der Lunge (Atemprobleme), Leber (Gelbsucht) und des Herzens (Übergröße und verminderte Leistungsfähigkeit durch Zuckereinlagerung).
  • eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) des Neugeborenen mit Schlappheit, Zittrigkeit und Trinkschwäche, ev. auch niedrigem Blutdruck oder Krampfanfällen.
  • die spätere Entwicklung einer dauerhaften Zuckerkrankheit des Kindes bei unzureichend behandeltem Schwangerschaftsdiabetes der Mutter.

Schwangerschaftsdiabetes: Risikofaktoren & Diagnose

Vor einem Schwangerschaftsdiabetes ist keine werdende Mutter gefeit. Allerdings gibt es einige Faktoren, die das Risiko für seine Entwicklung erhöhen. Dazu gehören

  • eine kohlenhydratreiche Fehlernährung (z.B. viel Süßigkeiten), die rasche Blutzuckeranstiege verursacht und Übergewicht (Body-Mass-Index > 27)
  • Blutsverwandte mit Diabetes mellitus
  • ein Schwangerschaftsdiabetes oder schwere kindliche Fehlbildungen in einer vorherigen Gravidität
  • eine vorangegangene Totgeburt oder Geburt eines Kindes mit mehr als 4.500 Gramm Gewicht
  • eine Neigung zu Fehlgeburten

Da Beschwerden oft fehlen, wird in Österreich bei allen Schwangeren zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche (bei bestehenden Risikofaktoren, Zucker im Urin oder auffallend großem Kind im Ultraschall auch schon früher) ein Glukose-Belastungstest (Glukose-Toleranztest) gemacht.

Schwangerschaftsdiabetes: Behandlung & Vorbeugung

Ziel einer jeden Diabetestherapie – so auch in der Schwangerschaft –  ist die Normalisierung des Blutzuckerspiegels z.B. mit  kohlenhydratärmerer (Vollkornprodukte statt “schneller Zucker“ wie z.B. in Süßigkeiten) Kost und Ausdauersport, bei Notwendigkeit aber auch mit einer Insulintherapie. Rechtzeitig erkannt lässt sich ein Schwangerschaftsdiabetes meist gut in den Griff kriegen und bildet sich zurück, kann aber in einer nachfolgenden Gravidität erneut auftreten. Zum Teil vermeiden, in jedem Fall aber bessern kann einen Schwangerschaftsdiabetes eine gesunde Lebensführung mit ausgewogener Ernährung, reichlich Bewegung und dem Einhalten des Normalgewichts.

Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen: Gefahr für Mutter und Kind

Ein nach der 20. Schwangerschaftswoche neu auftretender Bluthochdruck mit Werten über 140/90 mmHg wird als Schwangerschaftshypertonie (Gestationshypertonie) bezeichnet. Das allein ist noch kein Grund, eine Entbindung vor dem eigentlichen Geburtstermin anzustreben, sofern das Kind normal wächst. Kommt zum Bluthochdruck allerdings eine Proteinurie (Eiweißausscheidung im Harn) von mehr als 300 mg in 24 Stunden hinzu, ist also eine Präeklampsie (Gestose) im Gange, sieht die Sache anders aus, denn dann drohen Wachstums-, Leber- und Nierenfunktionsstörungen des Fetus. Deshalb erfolgt kurz vor dem Entbindungstermin eine medikamentöse Einleitung der Geburt, bei früherem Auftreten der Erkrankung eine Blutdruckregulierung der werdenden Mutter mit geeigneten Präparaten und Beschleunigung der Lungenreifung des Ungeborenen mit Kortison, damit bei einer ev. Verschlechterung des Zustandsbildes eine vorzeitige Niederkunft in die Wege geleitet werden kann.

Präeklampsie

Typisches Zeichen einer Präeklampsie sind rasch auftretende Wassereinlagerungen (Ödeme) in Gesicht und Händen der Schwangeren, was in der ehemals gängigen Bezeichnung EPH-Gestose (engl. Edema = Ödem, Proteinurie, Hypertonie) zum Ausdruck kommt. Oft zeigen sich darüber hinaus Blutveränderungen (Eindickung, verminderte Blutplättchenzahl, erhöhte Leber- und Nierenwerte). Bei einer schweren Präeklampsie (Blutdruckwerte über 160/110 mmHg oder Eiweißausscheidung über fünf Gramm in 24 Stunden) auch neurologische Probleme wie Kopfschmerzen, Sehstörungen (z.B. Doppelbilder, Gesichtsfeldeinengung), motorische Unruhe und gesteigerte Muskeleigenreflexe.
Warum es zu einer Gestose kommt, ist bislang noch nicht restlos geklärt (vermutete Ursache: Fehlentwicklung der Plazenta). Es gibt aber Risikofaktoren für ihre Entstehung

  • Erst-, Spät- (Alter der Schwangeren über 40 Jahre) oder Mehrlingsschwangerschaft
  • Präeklampsie in der Vorschwangerschaft
  • familiäre Vorbelastung (Mutter oder Schwester: Präeklampsie oder Eklampsie)
  • Übergewicht und Vorerkrankungen (Bluthochdruck, Diabetes, Nierenleiden, Gerinnungsstörungen, Autoimmunerkrankungen)

Gesellt sich ein Krampfanfall – ev. mit nachfolgender Atempause und Koma – zu einer Präeklampsie, spricht man von einer Eklampsie. Das ist auch für das Kind gefährlich, weil dadurch eine vorzeitige Plazentalösung und damit ein Sauerstoffmangel ausgelöst werden kann. Ein bedrohliches Ereignis, das – nach Stabilisierung des Zustandes – eine ehebaldige Entbindung erfordert (meist per Kaiserschnitt). Die Gabe von Magnesiumsulfat bei einer schweren Präeklampsie kann einer Eklampsie vorbeugen.

Eine lebensgefährliche, u.U. hochakut verlaufende, aber nicht immer leicht zu erkennende Variante der Präeklampsie ist das HELLP-Syndrom. Hierbei steht H für haemolysis (Hämolyse, Abbau roter Blutkörperchen), E und L für elevated liver enzymes (erhöhte Leberwerte), L und P für low plates (verminderte Thrombozytenzahl). Weitere damit verbundene Symptome sind Bauchschmerzen auf der rechten Seite und Übelkeit, aber ebenso ein arges Krankheitsgefühl, Augenflimmern, Doppelbilder und Lichtempfindlichkeit. Auch hier ist eine Beendigung der Schwangerschaft Mittel der Wahl.

Da eine Präeklampsie Gesundheit und Leben von Mutter (z.B. Gehirnblutung, Arterienverschluss, Leberruptur, Nierenversagen) und Kind (erhöhte Rate an Früh- und Totgeburten) bedroht, beinhalten die im Mutter-Kind-Pass vorgeschriebenen Untersuchungen Blutdruck- und Blutbildkontrollen sowie Harntests, um bei Entwicklung der Erkrankung rechtzeitig therapeutische Schritte setzen zu können. Aufschluss über Vorzeichen einer Präeklampsie gibt auch ein Doppler-Ultraschall der Gebärmutterarterien, die vor Auftreten der Krankheit eine Erhöhung des Widerstands bei Messung der Blutflussgeschwindigkeit zeigen. Eine möglichst frühe Verabreichung niedriger Dosen von Acetylsalicylsäure (ASS) kann das Risiko einer Präeklampsie verringern.

 

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