Endometriose: Regelschmerzen als typisches Zeichen

© panthermedia.net / Axel Bückert

Die Endometriose zählt zu den häufigsten Frauenleiden, bereitet oft sehr unangenehme Beschwerden, ist aber trotzdem weitgehend unbekannt und wird gern erst spät erkannt. Leitsymptome der “verirrten“ Gebärmutterschleimhautherde sind Regel- und andere Schmerzen. Auch Unfruchtbarkeit droht.

Viele Frauen im gebärfähigen Alter (schätzungsweise bis zu 15 Prozent, in Österreich bis zu rund 300.000 Frauen) leiden an einer gutartigen, aber chronischen und beschwerdeträchtigen Erkrankung, die trotz ihrer Häufigkeit nicht jeder kennt. Sie heißt Endometriose. Schon der Name verrät, dass sie wohl etwas mit dem Endometrium, der Gebärmutterschleimhaut zu tun hat.

Tatsächlich entsteht die Endometriose durch eine Versprengung von Gebärmutterschleimhautherden in die Muskelschicht der Gebärmutter (Adenomyose, Endometriosis genitalis interna) oder andere Organe, zumeist in solche des kleinen Beckens (Endometriosis genitalis externa) wie die Eierstöcke, Eileiter oder den Douglas Raum (Excavatio rectouterina, Bauchfellhöhle zwischen Gebärmutter und Enddarm). Oder auch Nachbarorgane der Gebärmutter wie die Blase, Harnleiter oder den Darm (Endometriosis extragenitalis). Seltener siedeln sich die Schleimhautinseln in weiter entfernten Organen wie etwa dem Zwerchfell, Nabel oder der Lunge an.

Warum Gebärmutterschleimhaut “auswandert“, ist bislang ungeklärt. Die Transplantationstheorie besagt, dass Teile der Uterusschleimhaut während der Periode über die Eileiter in den Bauchraum gelangen (“retrograde Menstruation“) und sich dort festsetzen können. Die Metaplasietheorie (Metaplasie = Umwandlung einer Gewebeart in eine andere) wiederum geht davon aus, dass durch chronische Reize wie Infektionen oder Immunstörungen Gebärmutterschleimhautzellen am falschen Ort platziert werden. Möglicherweise sind es auch die unkoordiniert und verstärkt stattfindenden Muskelbewegungen der Gebärmutter, die im Endometrium kleine Verletzungen auslösen und dabei herausgelöste Zellen über die Eileiter in den Bauchraum streuen bzw. in die Muskelschicht des Uterus einwachsen lassen.

Vermutlich wirken genetische, hormonelle, immunologische und mechanische Faktoren sowie Umwelteinflüsse (z.B. vermehrtes Auftreten von Endometriose in Gebieten mit hoher Dioxin-Belastung) bei der Krankheitsentstehung zusammen.

Leitsymptom: Schmerz

Ebenso wie die reguläre Gebärmutterschleimhaut unterliegen die Endometrioseherde den hormonell gesteuerten zyklischen Veränderungen. Das bedeutet, sie bluten ebenfalls zum Zeitpunkt der Menstruation. Da das Blut aber nicht abfließen kann, entstehen sogenannte Schokoladezysten, oft auch Verklebungen und Verwachsungen, Entzündungen und Vernarbungen. All diese Veränderungen rufen häufig starke bis extreme Schmerzen hervor – meist während der Periode, ev. auch beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie), Wasserlassen oder Stuhlgang. Abhängig vom Sitz der versprengten Schleimhaut können sich auch Übelkeit und Darmsymptome einstellen. Hierbei steht die Heftigkeit der Beschwerden jedoch in keinem klaren Verhältnis zu dem Ausmaß der Veränderungen. Das heißt, eine massive Endometriose kann auch nahezu symptomlos verlaufen, genauso wie eine gering ausgeprägte mit starken Schmerzen.

Typisch sind Blutungsstörungen wie eine Dysmenorrhoe (besonders schmerzhafte Regelblutung), Menorrhagie (verlängerte Monatsblutung) oder Metrorrhagie (Blutungen außerhalb des Zyklus). Bei Darmendometriose können zyklisch Darmblutungen auftreten, bei Blasenendometriose blutiger Harn.

Je nach Lage und Ausprägung können die wachsenden Herde infolge ihrer Größenzunahme oder durch Einwachsen in Organe diese schädigen (z.B. Harnstau mit nachfolgender Nierenschädigung durch Ummantelung eines Harnleiters) und zu Funktionsstörungen führen. Auch unspezifische Allgemeinsymptome wie Antriebslosigkeit, Fieber oder Rückenschmerzen kommen oft vor, was die Diagnose der Endometriose, die ohnehin häufig spät erfolgt (Zeitraum zwischen ersten Beschwerden und Feststellung der Erkrankung: im Durchschnitt acht Jahre), nicht unbedingt erleichtert.

Überdies sorgt die Krankheit gern für Fruchtbarkeitsprobleme. Die Gründe dafür dürften vielfältiger Natur sein. Neben entzündlichen Prozessen, die die Befruchtung der Eizelle bzw. ihre Einnistung in die Uterusschleimhaut beeinträchtigen und mechanischen Hindernissen (z.B. Verklebungen oder Vernarbungen der Eileiter) wird auch eine verminderte Reaktionsfähigkeit der Gebärmuttermuskulatur auf Samenzellen diskutiert, wodurch ihre rhythmischen Bewegungen, die sonst die Spermien durch die Eileiter zur Eizelle hinführen, nicht zielführend wirken.

Endometriose selbst ist kein Krebs, kann jedoch die Wahrscheinlichkeit, eine  bestimmte Form von Eierstockkrebs (endometroides Ovarialkarzinom) zu entwickeln erhöhen. Das legt die Vermutung nahe, dass sich Endometriosegewebe in Tumorzellen umwandeln kann.

Schwere Hürde: eine Endometriose erkennen

Leicht erkennbar ist die Endometriose trotz Tastuntersuchung und Ultraschall beim Gynäkologen sowie bildgebender Verfahren (z.B. MRT = Magnetresonanztomographie) oft nicht. Die sicherste Methode, sie zu entdecken (und gleichzeitig zu behandeln), ist eine Laparoskopie (Bauchspiegelung).

Psychosozial belastend

Immer wieder Schmerzen und eventuell auch andere Symptome (z.B. Verdauungsstörungen), außerdem vielleicht zusätzlich eine ungewollte Kinderlosigkeit – das beeinträchtigt nicht selten Partnerschaft, Leistungsfähigkeit und Selbstwertgefühl. Also die Lebensqualität. Und schürt Ängste – z.B. vor einem Jobverlust wegen erforderlicher Krankenstände. Hinzu kommt, dass die geäußerten Beschwerden des Öfteren wenig ernst genommen werden (“eh nur Regelschmerzen“) und der Weg zur richtigen Diagnose lang sein kann. So verwundert es nicht, dass bei Frauen mit Endometriose gehäuft Depressionen auftreten.

Oft hilft bereits die richtige Diagnose, denn sie vermittelt, endlich ernst genommen zu werden. Und die Informierung seiner Umgebung über die Krankheit, um Verständnis für die Beschwerden zu erreichen. PsychotherapeutInnen oder Selbsthilfegruppen/-organisationen bieten Unterstützung (z.B. Schmerzbewältigungsprogramme) für den Umgang mit der Endometriose, die moderne Reproduktionsmedizin bei der Erfüllung des Kinderwunsches.

Was tun gegen Endometriose?

Wenn sie keine Beschwerden verursacht, muss sie nicht unbedingt behandelt werden. Auch eine Spontanheilung der Erkrankung ist möglich. Ebenso aber ein Stagnieren oder Fortschreiten. Ob und welche Therapien Sinn machen, entscheidet sich anhand des Ausmaßes der Krankheit, der Lage der Endometrioseherde, dem Alter der Frau (Verschwinden der Symptome mit den Wechseljahren) und richtet sich danach, ob ein Kinderwunsch vorliegt oder nicht.

Von Grund auf heilbar ist die Endometriose jedenfalls nicht. Die Schleimhautinseln lassen sich aber operativ beseitigen, was jedoch keinesfalls das Ende der Erkrankung bedeuten muss, denn die Herde neigen zur Wiederkehr. Ihr neuerliches Auftreten kann man aber zumindest verzögern. Welches chirurgische Verfahren (transvaginal = durch die Scheide, Laparoskopie oder Bauchschnitt) dabei zur Anwendung kommt, hängt von der Lokalisation der Endometrioseherde ab. Kleinere Herde werden meist mit Laser verschmort oder elektrisch verödet, größere exzidiert (herausgeschnitten).

Bei Kinderwunsch und existenten Endometriosezysten steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft mit dem Ausschälen der Zysten. Leidet voraussichtlich die Funktion der Eierstöcke unter dem Eingriff, gibt es die Möglichkeit, Eizellen vor der Operation einzufrieren (Kryokonservierung), um sie später für eine künstliche Befruchtung heranzuziehen. Besteht kein Kinderwunsch, kann mit der Entfernung der Eierstöcke der Hormonzyklus und damit die Krankheitssymptome gestoppt werden.

Demselben Zweck dient die – allein oder zusätzlich zum chirurgischen Eingriff erfolgende – mehrmonatige Endometriose-Therapie mit Hormonpräparaten, die darauf abzielt, die Hormonausschüttung aus den Eierstöcken zu blockieren, um die Endometriose ”ruhigzustellen” (“künstliche Wechseljahre”). Das geschieht z.B.mit Hilfe einer Östrogen-Gestagen-Kombination, die aber nebenwirkungsträchtig (z.B. Gewichtszunahme, Kopfweh, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen etc.) und nicht dauerhaft anwendbar ist, da schwerwiegende Folgen (z.B. Osteoporose) drohen. Oder mit – weniger belastenden, aber auch weniger wirksamen – Gestagenen (Gelbkörperhormonen) allein, die meist nur eine Symptomlinderung erreichen. Auch hier bleiben Nebenwirkungen (z.B. Gewichtszunahme, Brustschmerzen, Übelkeit, depressive Verstimmungen, unreine Haut) oft nicht aus. Eine weitere Option ist die Gabe von sogenannten GnRH-Agonisten (Gonadotropin Releasing Hormon). Nach Beendigung der Hormonkur kann die Endometriose allerdings erneut aufflammen.

Die dritte Säule einer fachgerechten Endometriosebehandlung neben Operation und Hormontherapie ist eine den individuellen Erfordernissen angepasste Schmerztherapie, die allerdings nichts an der Grunderkrankung ändert.

Weiter führende Links:
Endometriose Vereinigung Austria
Europäische Endometriose Liga – Zertifizierte Endometriose-Zentren

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