Eine echte Revolution!

©panthermedia.net Alexander Raths

Gebärmutterhalskrebs ist weltweit gesehen der zweithäufigste Krebs der Frau. Immer noch erkranken europaweit jährlich rund 34.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 40 Frauen sterben täglich daran. In Österreich werden jährlich ca. 550 Frauen mit dieser schrecklichen Diagnose konfrontiert, für 180-200 pro Jahr endet diese Krankheit tödlich. Den meisten Frauen ist auch bewusst, dass der jährliche Krebsabstrich (PAP) eine wichtige Rolle bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs spielt. Rechtzeitig in Vorstufen entdeckt ist der Gebärmutterhalskrebs zu fast 100% heilbar, ab einer gewissen Tumorgröße sinken die Heilungschancen rapid.

Nun gibt es erstmals in der Geschichte der Medizin eine vorbeugende Impfung die zu 85% schützt, weshalb Experten von einer möglichen medizinischen Revolution sprechen. Was viele Menschen bisher nicht wussten: Schuld an der Entstehung des Gebärmutterhalskrebses sind in nahezu zu 100% HPV-Viren (humale Papilloma-Viren).

Anstecken kann man sich mit HPV in erster Linie durch Hautkontakt (beim Geschlechtverkehr), wobei über zwei Drittel der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens eine Infektion durchläuft.

Die Infektion mit HPV verursacht meist keine Beschwerden und heilt von selber ab. Bei manchen Frauen und Männern kann es durch eine chronische Besiedelung zu Zellveränderungen kommen, da es die Körperabwehr bei ca. 1-2% der Infizierten nicht schafft, das Virus zu eliminieren.

Nun gibt es bei HPV ca. 100 verschiedene Subtypen, die meisten HPV-Typen tragen ein geringes (low risk) für eine Krebserkrankung, können aber Wärzchen und gutartige Veränderungen im unter anderem im Genitalbereich und am Muttermund bzw der Scheide verursachen.

Bestimmte HPV-Viren (16, 18) bergen ein hohes („high risk“) Risiko für eine Krebserkrankung und können im Laufe der Zeit über Zellveränderungen und Krebsvorstufen in weiterer Folge zu Krebs im Bereich des Gebärmutterhalses, Scheide, Vulva (äußere Geschlechtsteile der Frau) , After und Penis führen. HPV 16 und 18 gehören zu den gefährlichsten Arten, gegen diese wirkt der Impfstoff zu fast 100%, der Impfstoff wirkt jedoch vorbeugend und hat keine therapeutische Funktion. Einen praktisch 100% igen Schutz bietet die Impfung auch gegen Typen 6 und 11 („low risk“), die an der Entstehung von Genitalwärzchen beteiligt sind. Männer leiden unter diesen häufiger als Frauen.

Derzeit ist der Impfstoff für Mädchen und Buben zwischen 9 und 15 und für Frauen von 16-26 zugelassen, demnächst wird wahrscheinlich die Altersgrenze weiter angehoben. Eine Impfung besteht aus 3 Teilimpfungen, die Nebenwirkungen sind gering, ein derzeitiges Problem sind noch die Kosten von ca. 600 €, es laufen Gespräche mit dem Gesundheitsministerium und den Kassen bezüglich Kostenübernahme. Eine wichtige Voraussetzung für eine gute Beratung ist ein vertrauensvolles Verhältnis zum behandelndem Arzt, dieser sollte ausreichend Zeit aufwenden und auf Fragen eingehen können. Schließlich geht es um ein kostbares Gut, nämlich die Gesundheit.

Verantwortlich für den Text:
Dr. med.Johannes Angleitner
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
4600 Wels
www.derfrauenarzt.com