Refraktive Chirurgie bei Fehlsichtigkeit

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Seit dem 13. Jahrhundert sind Brillen der klassische Weg, um Sehschwächen zu korrigieren. 1976 kamen die ersten Kontaktlinsen auf den Markt. Neueste Technologien in der sogenannten refraktiven Chirurgie ermöglichen Operationen direkt am Auge, die eine Brille oder Kontaktlinsen zur Korrektur der Brechkraft ersetzen sollen. Die Augenheilkunde kennt mehrere Operationsmethoden zur Korrektur von Fehlsichtigkeit.

LASIK

LASIK (Laser In Situ Keratomileusis) ist die derzeit populärste Methode für refraktive Chirurgie. Ein LASIK-Patient hat sofort und schmerzfrei scharfe Sicht, da die Operation unter der schmerzempfindlichen Hornhautoberfläche vorgenommen wird und das Epithel, im Gegensatz zu LASEK, nicht erst nachwachsen muss. Bedingt durch den operationsbedingten Hornhauteinschnitt ergibt sich jedoch ein höheres Risikopotential, da dieser Einschnitt nicht wieder richtig anwächst.

Für eine LASIK-Operation wird zuerst die Hornhautdicke mittels Ultraschall-Pachymeter bestimmt. Ist die Hornhautdicke ausreichend, wird mit einem Hornhauthobel eine dünne Lamelle, Flap genannt, von der Hornhaut einseitig gelöst und inklusive des schmerzempfindlichen Epithels zur Seite geklappt. Auf dem darrunterliegenden Gewebe wird dann mittels Laser die Korrektur vorgenommen, indem Hornhautzellen aufgespaltet und abgetragen werden. Nach Ende der Behandlung wird die Hornhautlamelle wieder an den ursprünglichen Platz zurückgeklappt und positioniert. Das Epithel verwächst im äußeren Bereich des Flaps selbständig innerhalb von ein bis zwei Tagen. Ein festes Verwachsen der gesamten Schnittfläche nimmt jedoch mehrere Wochen bis einige Monate in Anspruch.

Femto-LASIK

Bei der Femto-LASIK wird im Gegensatz zur klassischen LASIK der sogenannte Flapschnitt nicht mit einem computergesteuerten mechanischen Hobel ausgeführt, sondern mit einem Femtosekundenlaser, der ultrakurze Lichtpulse von einigen 100 Femtosekunden aussendet (Laserskalpell).

Zur Vorbereitung der Laserung wird ein Fixationsring mit einem Kontaktglas auf das Auge gesetzt, über den computergesteuert Laserpulse in einer vorausberechneten Tiefe einen Laserschnitt erzeugen. Die Laserpulse erzeugen kleine Gasblasen und trennen das Hornhautgewebe in einer optisch festgelegten Schichttiefe.

Wie bei der klassischen LASIK wird die Fehlsichtigkeit durch Schleifen der Hornhaut mit dem Excimer-Laser korrigiert. Zum Schluss wird die vordere Hornhautlamelle wieder zurückgeklappt. Sie saugt sich fest und verschließt die Hornhaut wieder.

Im Gegensatz zur klassischen LASIK kann die Operation bei einem fehlerhaften Schnitt abgebrochen werden, die Blasen diffundieren nach einigen Minuten und die Hornhaut findet wieder zur Ausgangsform zurück.

Flapschnitte, die mit dem Femtosekundenlaser ausgeführt werden, sind präziser als solche, die mit dem mechanischen Hobel ausgeführt werden. Insbesondere weitsichtige Augen haben eine nicht mittig zur Hornhaut stehende Pupillenposition. Bei der Femto-LASIK wird der Saugring auf die Mitte zentriert. Da es bei der optischen Korrektur oft auf jeden Millimeterbruchteil ankommt, ist das ein großer Vorteil gegenüber der klassischen LASIK.

LASEK

LASEK (Laser Epithelial Keratomileusis) und EPILASIK sind eine Weiterentwicklung der PRK, des ältesten Laserverfahrens. Sie sind generell eine Alternative zur LASIK und werden etwa angewandt, wenn die Hornhaut zu dünn für eine LASIK-Operation ist. Physisch ist diese Operationsmethode deutlich sanfter als LASIK, da nur das Epithel, also eine dünne Gewebeschicht auf der Hornhaut, abgetragen wird. Anschließend wird auf der Hornhautoberfläche der Laser-Eingriff durchgeführt und das Epithel wächst in etwa vier Tagen kreisförmig wieder zu.

Die postoperativen Schmerzen sind stärker als bei der LASIK, aber geringer als bei der PRK. Da es keine Flap-Komplikationen gibt, ist es eine sinnvolle Alternative zu LASIK bei erhöhter Traumagefahr (etwa Polizisten, Kontaktsportler) oder bei dünnerer Hornhaut. Im Gegensatz zur LASIK-Methode wird anstelle der Hornhaut nur das Epithel mit einer Alkohollösung oder einem stumpfen Hobel gelöst und auf die Seite geschoben. Bei Epi-LASIK dient die Epithelschicht dann als natürlicher Wundverband. Auf einen Schnitt in das Hornhautstroma (wie bei der LASIK) kann also verzichtet werden. Bis zum Wiederanwachsen des Epithels nach zirka 4–5 Tagen wird eine Verbandlinse eingesetzt.

Risiken

Kliniken, welche refraktive Chirurgie anbieten, geben gerne Erfolgsraten von über 95 % an. Sie beziehen dieses aber auf einen Bereich von ±1 Dioptrien und erfassen auch nicht die unten genannten Risiken, die normalen Operationsrisiken, wie Infektionen, als auch mögliche postoperative Einschränkungen am Auge:

  • Einschränkungen des Dämmerungs- und Nachtsehens durch reduzierte Kontrastsensitivität, Glare (Glanzeffekte) und Halogone (Lichthöfe)
  • Kurz- bis langfristige Über- oder Unterkorrektur
  • Eine gestörte Wundheilung kann zu Komplikationen führen
  • In Einzelfällen: Ektasie („Ausleiern“ der Hornhaut), welche eine Hornhauttransplantation erforderlich machen kann * Trockene Augen
  • Flap-Komplikationen (bei LASIK)