Blepharitis: Wie man eine Lidrandentzündung bekämpft

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Gerötete, geschwollene, morgens nach dem Aufwachen verklebte und verkrustete Lidränder deuten es an: eine Blepharitis (Lidrandentzündung) ist im Gange. Dann ist der Weg zum Augenarzt angesagt. Und eine konsequente Lidrandhygiene.

Lider: Sie schützen unsere Augen vor Austrocknung, Blendung, Schmutz und Schadstoffen, wozu auch die am Lidrand sitzenden Wimpern beitragen. Entwickelt sich dort eine Entzündung, können die Lider ihren Aufgaben nicht mehr vollständig nachkommen. Für eine solche Blepharitis lässt sich manchmal kein eindeutiger Grund ausmachen, was ihre Behandlung erschwert. Unangenehm ist sie trotzdem.

Wie sich eine Lidrandentzündung bemerkbar macht

Nach dem Aufwachen verklebt-verkrustete und gerötete Lidränder, die auch glänzen und mit Schuppen oder öligen Tröpfchen versehen sein können, sind ein typisches Kennzeichen einer Lidrandentzündung. Oft begleitet von fettig wirkenden, zusammenklebenden Wimpern, Juckreiz, gereizten, brennenden und trockenen Augen oder einem ständigen Tränenfluss sowie einem Fremdkörpergefühl im Auge und Spannungsgefühl an den Lidern. Die Blepharitis kann (häufiger) im vorderen Abschnitt des Lids, wo die Wimpern entspringen, oder aber im hinteren Abschnitt, wo die Talgdrüsen sitzen, vorkommen. Tritt sie gleichzeitig mit einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) auf, spricht man von einer Blepharokonjunktivitis.

Zeigen sich die charakteristischen Symptome einer Blepharitis, sollte auf jeden Fall eine Abklärung beim Augenarzt erfolgen, da eine unbehandelte Lidrandentzündung einen schweren Verlauf nehmen und zu einer Blepharitis ulcerosa mit geschwollenen, geröteten und überwärmten Lidern, Abszess- und Geschwürsbildungen werden kann. Dann drohen Narbenbildungen und dauerhafte Lidfehlstellungen wie ein Ektropium (auswärts gewendetes Lid) oder Entropium (einwärts gedrehtes Lid). Weitere mögliche Folgen sind eine chronische Bindehautentzündung, Madarosis (Madesis, Ausfall der Wimpern) oder Schäden am Hornhautrand, was schlimmstenfalls das Sehvermögen beeinträchtigt.

Ob eine Blepharitis bereits die Hornhaut in Mitleidenschaft gezogen hat, erkennt der Augenarzt bei der Begutachtung des Auges mit Hilfe einer Spaltlampe. Zudem kann er mit einem kleinen Wattestäbchen vom Augenlid einen Abstrich nehmen für eine Laboruntersuchung auf eine Keimbesiedelung.

Was eine Lidrandentzündung verursacht

Eine akute Lidrandentzündung wird meistens durch Bakterien oder Viren ausgelöst und verschwindet – richtig behandelt – rasch wieder. Eine chronische Blepharitis hingegen kann Wochen, Monate oder auch Jahre andauern, denn ihr liegt eine gestörte Funktion der Talgdrüsen, wovon es pro Lid etwa 20 bis 25 gibt, zugrunde. Oft spielen bei einer Lidentzündung verschiedene Ursachen zusammen. Je nach Auslöser unterscheidet man folgende Formen:

Infektiöse Blepharitis: Sie wird durch unterschiedliche Keime hervorgerufen wie etwa

  • Bakterien, meistens Staphylokokken, die auch bei gesunden Menschen die Haut besiedeln, über kleine Verletzungen in die Lidhaut gelangen und dort eine Entzündung bewirken.
  • Herpesviren
  • Filzläuse, die v.a. bei schlechten hygienischen Verhältnissen von Mensch zu Mensch übertragen werden und – wenn auch selten – neben den Schamhaaren die Wimpern befallen (Phtiriasis palpebrarum) und dort ihre Nissen ablegen.
  • Milben, die in den Haarschäften der Wimpern sitzen

Nicht-infektiöse Blepharitis: Bilden die Talgdrüsen am Lid übermäßig viel von dem Sekret, das bei jedem Lidschlag mit dem Tränenfilm zwecks reibungsfreien Gleitens des Lids auf dem Auge verteilt wird, verstopfen sich die Ausführungsgänge der Liddrüsen. Dadurch kann eine Blepharitis squamosa (schuppende Lidrandentzündung) entstehen. Der überschüssige Talg verklebt die Wimpern und kann bei bakterieller oder viraler Besiedelung eine Entzündung hervorrufen. Der Sekretstau in den Meibom-Drüsen (Talgdrüsen) kann deren Ausführungsgang verschließen und so zur Entwicklung eines Hagelkorns (Chalazion) führen.

Durch die fehlerhafte Talgproduktion leidet auch die Stabilität des Tränenfilms, sodass die Hornhaut nicht mehr optimal befeuchtet wird und auszutrocknen droht, was wiederum eine Besiedelung mit Bakterien wie z.B. Staphylokokken begünstigt, die bestimmte, den Talg auflösende Enzyme produzieren. Das kann – v.a. bei einem geschwächten Immunsystem – Entzündungsprozesse in Gang setzen und Störungen des Tränenfilms bewirken, sodass der Talg zähflüssiger wird und schwerer abfließen kann.

Weitere mögliche Ursachen für eine Lidrandentzündung sind eine Seborrhö (erhöhte Talgproduktion der Haut), übermäßige Tränenproduktion, Funktionsstörung der Meibom-Drüsen mit eingeschränkter  Talgproduktion, allergische Reaktionen (typisch: über das ganze Lid ausgedehnte, ballonartige, juckende Schwellung) oder Hauterkrankungen wie die seborrhoische Dermatitis oder eine Rosacea (Rosazea, Kupferrose, chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit Rötung, Knötchen, Pusteln und oberflächlich erweiterten Äderchen). Treten gleichzeitig eine Seborrhö, Staphylokokkenbesiedelung und trockene Augen (sog. Sicca-Syndrom) auf, spricht man von einem Triple-S-Syndrom. Auch Kontaktlinsen können bei der Entstehung einer Blepharitis eine Rolle spielen.

Häufig entsteht eine chronische Blepharitis aber ohne erkennbaren Grund (“idiopathische“ Blepharitis; schlechte Immunabwehr? genetische Disposition?).

Wie man eine Blepharitis wieder los wird

Das A und O der der Behandlung einer Blepharitis lautet konsequente Lidrandhygiene, d.h. regelmäßige (zweimal täglich), behutsame und sorgfältige Reinigung. Und zwar bei einer chronischen Lidrandentzündung auch unabhängig von akuten Beschwerden. Mit einem von destilliertem oder abgekochtem, lauwarmem Wasser oder einer milden Seifenlösung (z.B. Babyshampoo) durchtränkten Wattestäbchen oder –pad (nur einmal zu benutzen, nicht mehrfach in die Lösung eintauchen, um keine Keime zu verschleppen!) bzw. einer speziellen Reinigungslösung oder speziellen Reinigungspads aus der Apotheke, um alle Krusten an der äußeren (!) Lidkante zu entfernen, sodass sich darunter keine Bakterien ansiedeln können. Mit einem Wattestäbchen kann man auch vorsichtig (!) verstopfte Talgdrüsen entleeren.

Überschüssigen Talg aus verstopften Talgdrüsen lösen, verflüssigen und entfernen helfen für fünf bis zehn Minuten aufgelegte saubere, feucht-warme Kompressen oder in der Mikrowelle erhitzte Wärmepads bzw. spezielle Wärmebrillen oder Infrarotlicht mit anschließender sanfter (nicht rubbeln!) Massage zur Lidkante hin (am Oberlid von oben nach unten, am Unterlid von unten nach oben).

Zur Bekämpfung bakterieller Infektionen oder Entzündungen dienen vom Augenarzt verordnete antibiotische bzw. kortisonhaltige Augentropfen oder –salben, selten auch Antibiotika in Tablettenform. Zur Verbesserung der Benetzung der Hornhaut werden “künstliche Tränen“ (Tränenersatzflüssigkeit, befeuchtende Augentropfen) eingesetzt. Liegt der Blepharitis eine andere Erkrankung wie etwa ein Herpes oder Filzlausbefall zugrunde, muss diese behandelt werden.

Staub, Rauch, trockene Luft, Hitze/Kälte, Zugluft/Wind, chemische Substanzen (z.B. in Kosmetika), Kontaktlinsen oder häufiges Augenreiben unterhalten eine Blepharitis und sollten daher – soweit möglich – vermieden werden.

Handelt es sich um eine chronische anlagebedingte Lidrandentzündung oder eine chronische bakterielle Staphylokokken-Infektion mit immer wieder neuen Blepharitis-Episoden kommt, lässt sich oft keine Heilung, sondern lediglich eine Linderung erzielen.

 

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